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und der sochin, ohne zu uynen, daß die beiden ,, tinbischen Weiber," wie er sie heimlich ob des Lachens nannte, sich über sein allerdings höchst merkwürdiges Kostüm amüsierten.
Noch ratios, wie er den Fehler gut machen könnte, wanderte er den kleinen Berg von der Villa zur Stadt hinab. Wutschnaubend ging er an den hellschimmernden Fenstern des Kammerherrn vorüber.
Der hat gut lachen, dachte Friz, als er vom Tore her die Stimme des Dieners hörte, der kriegte sicher Eis! Friße ging weiter. Da, was war das? Er fühlte sich lebhaft in seine Lehrlingszeit zurückverseßt. Beim Scheine der Dellampen damals kannte man laum Gas, geschweige denn elektrisches Licht erschien vor ihm im
des Hofkonditors.
weißen Gewande mit langer Konditorschürze, der Lehrling ,, Bengel, wo bleibst du denn so lange? Die Sachen sind boch auf einhalbacht Uhr und nicht auf acht Uhr bestellt, und nun schleichst du noch wie eine Schnecke daher. Also her mit den Sachen und mache, daß du nach Hause kommst und sage deinem Meister, daß der Herr Baron" der Herr Leutant war nämlich einer mit ,, bon" und wurde manchmal zu seinem großen Aerger von einzelnen sehr devoten Bürgern mit herr Baron" sehr böse sei und in Zukunft wo anders angeredet bestellen wird, so nun troll dich ab!"
Der weißbeschürzte Junge gab in seiner Herzensangst schleunigst Fersengeld, als er den schweren Korb von seinem Kopfe heruntergehoben hatte und war froh, nicht ben steilen Berg mit der Last hinaufsteigen zu müssen. Gewandt schwang Frize den Korb auf seinen Kopf und fühlte sich ordentlich wieder als Konditor, wie er so in die Villa eintrat.
Als er eben in dem herrlichen Aufzuge, man denke noch an sein höchst komisches Kostüm, durch den Korridor in bas Badezimmer schlüpfen wollte, ging die Tür vɔm Salon auf und vor ihm stand die Gnädige". Stumm und starr standen sich beide gegenüber, dann mußte die junge Frau herzhaft lachen und rief den Gatten hinzu, ber laut schreiend vor Vergnügen bei diesem Anblick in einen Sessel sank.
Das Diner war fast zu Ende. Das Eis sollte eben gereicht werben, da hörte man drin im Zimmer ein Durcheinander von Stimmen, wie das ist unser Eis," und dann Frißen ,, mache nur, daß du rauskommist, sonst könnte ich dir Beine machen;" kurz nach einigen Augenblicken erschien er triumphierend im Speisesaal und servierte ,, sein felbstgeholtes Eis."
Als die letzten Gäste gegangen waren, fragte Frizes Leutnant:
Was war denn das für ein Lärm, ehe du mit dem Ets hereinkamst?"
Fritze trat verlegen von einem Fuß auf den anderen, am unangenehmsten war ihm, daß Minna so frech daneben stand, und gestand dem Herrn Leutnant, daß er vergessen hatte, das Eis zu bestellen; dann, daß ihm der Konditorjunge so wie gerufen in die Quere gelaufen sei, und da habe er ihm einfach das Eis abgenommen, das der Junge ihm auch sofort gegeben habe.
,, Herr Leutnant, Kammerherrns konnten ihr Eis," - denn für die war das entführte Konditorzeug bestimmt gewesen schon verschmerzen, aber wir" durften uns boch bel ,, unserer" ersten Gesellschaft nicht blamieren. Der freche Diener vom Bari kam nämlich und forderte seln" Eis, ich habe es ihm aber
,, Na, nun geh schlafen, Frizze," unterbrach ihn sein Beutnant.
,, Ein Malefizkert, der Friße, so war er auch im Feldpuge: immer vornean und auch mit dem Mundwerk!"
*
Wer sich nüchtern verirrt, entfernt sich mehr vom Biel, als wer mit trunkenem Haupte nach Hause taumelt.
Staunen wir nicht darüber, daß uns das Leben int Alter werter wird, als es uns in der Jugend gewesen der letzte Aufzug eines Stückes interessiert uns ja immer am meisten.
AUS DEM REICHE
DES WISSENS
Maschinenmaurerei.
Bei der Ausführung von Maurerarbeiten sind Maschinen nach langem Zögern hier und da wohl zur Verrichtung von Handlangerdiensten herangezogen worden, wenn es sich aber um das ehrwürdige Handwerk selbst
handelte, hat man die Möglichkeit einer Umwälzung faum je ernstlich in Betracht gezogen. Ein Engländer ist nun mit einer Erfindung hervorgetreten, welche den Zweck verfolgt, dem Maurer den Platz eines Maschinenarbeiters anzuweisen. Seine Maschine, welche von zwei Leuten bedient wird, soll beim Aufbau von gewöhnlichem Mauerwerk in der Stunde 500 bis 600 Ziegel legen können. In Abständen von etwa fünf Metern werden an der Stelle der herzustellenden Mauer entlang Führungsstangen errichtet, welche durch einen in der Höhenlage verstellbaren horizontalen Träger verbunden sind, auf dem sich die Maschine vermittelst Kettenrad und Kurbel bewegen läßt. Die von der Hand in die Maschine gelegten Ziegelsteine werden behufs Erzielung einer regelrechten Vorderfläche der Mauer gegen eine am Träger befestigte Latte gebracht, durch Rollen gegen lettere und mit Hilfe einer Hebelvorrichtung gegen einander gepreßt. Vorher gelangt zwi schen je zwei Ziegel die reichliche Menge Mörtel zur Bildung der aufrechten Juge. Das übliche Klopfen mit der Kelle oben auf dem Ziegel, um ihm die richtige Lage zu geben, wird bei der Maschine dadurch nachgeahmt, daß eine mit Nocken besetzte Walze unter dem Drucke starker Federn drüberwegläuft. Ob die Maschine sich in die Praxis einführen wird, bleibt abzuwarten.
Allerlei Wiffenswertes.
Die teuersten Geigenbogen.
Den bis jetzt höchsten Preis, der für einen Geigenbogen angelegt wurde, erzielte ein solcher aus der Werkstatt François Tourte's( 1747-1835) in Paris, vielleicht des hervorragendsten Bogenmachers, der je gelebt hat. Ein Komitee, das zur Beschaffung eines Geschenkes für den berühmten Violinisten Joachim zusammengetreten war, erkaufte denselben für 1000 Mark und überlieferte ihn dem großen Virtuosen. Der höchste, für denselben Gegenstand bei einer Versteigerung erzielte Preis belief sich auf die Summe von 880 Mark, die ein Engländer, namens Hill, im Februar 1867 in dem bekannten Hotel Droust in Paris bezahlte.
Die ersten Apotheken.
Das Wort ,, Apotheke" ist griechischen Ursprungs und bedeutet so viel wie ,, Niederlage". Die alten Römer nahmen das Wort auf; sie legten in ihrer Apotheka" den Tischwein nieder. Die Apotheken als Niederlagen von Arzneimitteln entstanden bei den Arabern. Jm 8. Jahrhundert n. Chr. besaß Bagdad eine Apotheke. Durch die Araber kamen die Apotheken auch nach Europa, und wurden die ersten in Spanien eingerichtet; dann gelangten sie nach Italien, wo sie sich zu Salerno besonderen Ruses erfreuten. Frankreich, England und Deutschland erhielten sie erst im 14. und 15. Jahrhundert. Augsburg, Prag( 1342), Nürnberg( 1404), Leipzig( 1409), Berlin( 1483), waren die ersten deutschen Städte, die sich einer Apotheke zu erfreuen hatten. Die erste Apothekerordnung war die Pariser vom Jahre 1484. Sie enthält Bestimmungen über Prüfung und Vereidigung der Apotheker, Revision der Apotheken und die Preise der Arzneimittel.
Nr. 41.
Mittwoch, den 18. Februar
1903.
Oberhessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
ber
Gießener Neueste Nachrichten.
Drud mu Verlag der Gießener Berlagsbruderei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1788); verantwortlich: Albin Klein
Die Macht der Finsternis.
( 1. Fortsetzung.)
Russischer Sitten- Roman vom Fürsten J. v. Lubomirski.
,, Das war nur ein scheinbarer Vorwand," sagte Palfin ,,, Agent Schwarz hat selbst gehört, daß einer jener Herren geäußert hatte, Rußland müsse vom Zaren eine Konstitution erhalten."
Schelm schlug die Hände zusammen und heuchelte gerechte Entrüstung: Und das genügt Ihnen, um zwölf Menschen nach Sibirien zu schicken!"
Balkin lachte höhnisch: Diese heilige Entrüstung steht Ihnen sehr gut, ehrenwerter Herr Ritter!"
Schelm schleuderte ihm einen giftigen Blick zu: ,, Ein schönes Handwerk, dagegen läßt sich nichts sagen!"
,, Gestehen Sie offen, lieber Herr Schelm, daß Sie mich wegen dieses Handwerkes sehr beneiden, weil es die Beförderung so beschleunigt."
Plößlich unterbrach ihn ein Beamter, indem er die Tür öffnete und laut meldete:
,, Graf Lanin, Adjutant Sr. Majestät des Kaisers!" Echelm und Baltin erhoben sich schleunigst und machten eine tiefe Verbeugung.
Der kaiserliche Adjutant bemerkte voller Verachtung ihre unterwürfige Haltung und sagte in protektionellem Tone:
,, Gut, daß ich Sie hier zusammentreffe, da ich in bezug auf Sie beide wichtige Aufträge seitens des Kaisers habe."
Echelm und Palfin, die sich bereits wieder aufgerich tet hatten, verneigten sich von neuem bis zur Erde: ..Zuviel Gnade!"
Ihre Stimmen vereinten sich gleichsam zu einem Duett, sodaß man in diesem harmonischen Unterwür figkeitschor weder den Ton ihrer Stimme noch auch die einzelnen Silben unterscheiden konnte. Der Kaiserliche Adjutant konnte sich des Lachens nicht erwehren.
,, Herr Oberst Paltin!" sagte er endlich. ,, Der Kaiser läßt Ihnen durch mich sagen, daß er mit Ihnen zufrieden ist, und als Beweis seiner Gunst verleiht er Ihnen den St. Wladimirorden."
Erzellenz!" Mehr konnte der überglückliche Palkin nicht hervorbringen.
,, Für Sie, Herr Schelm, habe ich freilich einen weniger angenehmen Auftrag. Sie wissen nichts von den wichtigsten Angelegenheiten und Ereignissen! Sie schlafen, während das Reich in Gefahr ist! Und doch sollte das hohe Amt, welches Ihnen der Kaiser übertragen hat, Sie anspornen, Ihre Aufmerksamkeit überall hin zu lenten."
Hand
,, Exzellenz, die Geheimpolizei ist ja nicht in meiner
Der Adjutant ließ ihn nicht zu Ende sprechen: ,, Man verlangt von Ihnen nicht, daß Sie zum Spion werden, nur sollen Sie wachen! Sie sind nicht Spione, sondern nur Wachtposten!" fügte er hinzu, ohne seinen Höhn zu verbergen ,,, nur mit dem Unterschiede, daß der Herr Oberst es verstanden hat, zu wachen! Wenn jemand ähniche Verpflichtungen übernimmt, muß er auch im stande
( Nachbruck verboten.)
sein, ihnen nachzukommen! Ee. Majestät der Kaiser hat mir also den Auftrag gegeben, Ihnen seine unzufrie denheit auszudrücken, was übrigens Majestät dcm Minister des Innern gegenüber gleichfalls noch tun wird." Schelm erbleichte und zitterte:" Se. Majestät der Kaiser scheint nicht zu wissen," Tallte er ,,, daß
Der Graf wandte sich der Tür zu und sprach beim Hinausgehen nur noch die Worte:
Ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen."
Als beide allein waren, richtete sich Paltin sogleich stolz auf, alle Unterwürfigkeit war aus seiner ganzen Haltung geschwunden, seine Arroganz kehrte in doppel tem Maße zurück. Auf seiner schmalen Lippe spielte ein triumphierendes Lächeln. Er flopste Schelm auf die Schulter, um die Verduẞtheit zu verscheuchen, die sich nach den Worten Lanins seiner bemächtigt hatte.
Ha, ha, ha! Was sagen Sie dazu, Herr Schelm? Ich bin jedoch ein braver Sterl und trage niemand etwas nach. Zu Ehren des eben erhaltenen Ordens lad: ich Sie zum Diner ein!"
Wut.
,, Scheren Sie sich zum Teufel!" rief Schelm vor
Schön! Ich gehe schon, mein Lieber!" entgegnet: Baltin und entfernte sich, indem er den bekannten R frain eines beliebten russischen Liedchens vor sich hin fang:
,, Dein Zorn erfreut mich, ja erfreut mich sehr!" Das Triumphlied des Obersten flang noch lange in dem Ohr des unglücklichen Abteilungschefs wieder; lange noch saß er vor seinem Pult, in trübe Gedanken ver sunken, während er, ohne zu wissen, was er tat, seine Pa piere hin- und herwarf. Blößlich erhob er sich und, mit der geballten Faust auf den Tisch gestützt, sagte er, während er das Bild des regierenden Zaren aufmerksam betrachtete, mit entschlossener Stimme:
,, Um deine Gunst zu erwerben, muß man also eine Verschwörung entdecken, und zwar eine solche, daß du auf deinem Throne zittern sollst, Herrscher aller- Reußen!"
8 weites Kapitel.
Alexander Werenin zählte sechzig Jahre. Er war Se nator, wirklicher Staatsrat und Ritter vieler Orden. Er hatte hunderttausend Rubel Einkünfte und besaß nur eine einzige Tochter, die schöne Nahiba, die einst sein ganzes Vermögen erben sollte.
Alexander Werenin war am Hofe gern gesehen und war auch selber mit Herz und Seele dem Kaiser ergeben. In jeder Reform oder Neuerung erblickte er revolutionäre Bestrebungen und meinte gewöhnlich, mit der Revolution von 1789 habe die Herrschaft des Antichrist begonnen. Eeine Achtung der Beamtenhierarchte gegenüber hatte etwas Seltsames: Subordination und Etiquette tamen, seiner Ueberzeugung nach, christlichen
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Möbel


