Ausgabe 
18.2.1903 Zweites Blatt
 
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abgelaufene Ber orftandes. 3. Ber Vorstand.

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Emil del Ley Band

Nr. 41. 8 weites Blatt.

Abonnementeprets: in Gießen, abgebolt monatlich 50 fg., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertel­jährlich Mr. 1.50.

Sratt@ bellagen: Oberbeffische Familienzettang( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Ob- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags.

Mittwoch, den 18. Februar 1903.

Gießener

2. Jahrgang.

Juferrionsprei de Die einfpaitige Veritzeile für Gießen wie yang Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 fg. Sonn to fg. Reklamen die Petitjeile 30 refp. 40 fg.

Softzeitungslifte No. 8269.

Redaktion und Expedition: Gießen Nenenweg 88. Fernsprechenschluß Nr. 363.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Rofalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Vermischtes.

Abendkasse Es ist eine wenig beachtete, aber nichts bestoweniger

udolph, hier.

ung bon Ernft perrfiz Mt. 2.25, ententarten 1t

[ Deutschland und die europäischen Fürstenhäuſer.] überraschende Tatsache, daß sämtliche Herrscherhäuser in Europa, ein einziges ausgenommen, entweder von Deutschland abstammen oder durch Heirat mit unserem Lande verwandt geworden sind. Die Mutter des Mai­sers von Desterreich war eine Prinzessin von Baiern. Die Czarin ist eine geborene Prinzessin von Hessen. Der König von Belgien ist ein Prinz von Sachsen- Koburg­

XXXXXX Sionis von England ist der Sohn des Prinzen

herzog"

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Familien.

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Albert, der ebenfalls ein Prinz von Sachsen- Koburg­Gotha war. Ein anderer Prinz von Sachsen- Koburg­Botha war der Gemahl der Mutter des Königs Dom Louis von Portugal. Die Mutter des Königs Humbert bon Italien war eine Erzherzogin von Desterreich und bie Mutter der Königin Margherita war die Tochter des Königs von Sachsen. Der König von Spanien ist der Sohn einer österreichischen Prinezssin. Die Mutter der Königin von Holland ist eine Prinzessin von Waldeck- Pyrmont. Der Fürst von Bulgarien ist ein Koburger. Der König von Rumänien stammt von den Hohenzollern und die Kö­nigin ist eine Prinzessin von Wied. Die Kronprinzessin von Griechenland ist die Schwester unseres Kaisers. Der König von Dänemark ist ein Prinz von Schleswig- Holstein. Die Königin Sophie von Schweden und Norwegen ist eine Brinzessin von Nassau und die Kronprinzessin Viktoria ist die Tochter des Großherzogs von Baden. Der Großherzog von Luxemburg ist Herzog von Nassau. Die Schwester bes Prinzen von Monaco hat einen Herzog von Urach

schinen geheiratet. Der Bring Danilo von Montenegro hat ſich mit

Fabrikate. idelu. Naumann hlt zu billigste ähriger Garanti

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ich bei Ankauf br rikaten, die heute a naschine baben wil n wende fich an eine

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sifubrwerke, Paris 1900 mi I in Rutsch- un per Stüd

Reit- Utensilien,

Ber Prinzessin Jutta von Mecklenburg vermählt. Einzig und allein der König von Serbien hängt in keiner Weise mit Deutschland zusammen.

::[ Was ist Funkspruch"?] In einer der neuesten Bossen fragt der Träger der Titelrolle, ein biederer Bäcker­meister: Wenn ich nur wüßte, was Bouillon auf fran­zösisch heißt." Aehnlich möchte man jett sagen: ,, Wenn ich nur wüßte, was Funtspruch auf deutsch heißt." Ueber Nacht ist das neue Wort ,, Funispruch" entstanden, über dessen Bedeutung sich alle Welt den Kopf zerbricht. Ja nun, wir wollen's unseren Lesern verraten: Funfspruch" ist die Bezeichnung, die das Reichspostamt der drahtlosen Telegraphie gegeben hat. Das Wort llingt etwas unge­wöhnlich, weil es ungewohnt ist. Aber am Ende wird es sich wie manche andere amtliche Bezeichnung einbürgern. [ Der Regimentsbod.] Eine Neine Militärtragödie beschäftigt jezt die öffentliche Meinung Londons. Seit un­bordenklichen Zeiten führt das Regiment Royal Welsh Fuseliers in Krieg und Frieden einen Ziegenbock als Wahr­zeichen mit sich, und seit 1844 pflegte die Königin Vikoria ben ablebenden Bock durch einen neuen zu ersetzen. So­eben ist das Regiment nach vierjährigem Kriegsdienst nach England zurückgekehrt, während dessen der historische Bock oft im feindlichen Feuer stand. Der Ackerbauminister hat nunmehr befohlen, daß der Boc getötet werde, weil seine Einfuhr dem Viehseuchengesetz widerspreche. Die Ofi ziere machen vergeblich alle Anstrengungen, den Regi­mentsliebling zu erhalten, und haben angeboten, ihn auf beliebig lange Zeit in Quarantäne zu stellen.

[ Seltsame Eide formeln] wurden fürzlich vor einem Londoner Straspolizeigericht von einem chinesischen Zu gen ausgesprochen. Er bat dringend, man möge ihm eine Wachsferze bringen, blies diese dann aus und erklärte feierlich: Möge ich wie diese Kerze erlöschen, wenn mein Mund nicht die Wahrheit gesprochen hat." Ein indischer Zeuge, der vor einem australischen Gerichtshof erschien, erklärte den Richtern, daß nach seinem Glauben die ein­

nter die berühmtezige rechtskräftige Form des Eides eine an den Wassern

ultra.

gen und Capete Prospefte un

krimen.

hart, fänerlich, reg

des Ganges abgegebene Erklärung wäre. Der Präsident war in großer Verlegenheit. Aber der Dolmetscher ging hinaus und kam nach einigen Minuten mit einem Glas Wasser zurück. Ist das Wasser vom Ganges?" fragte der Richter erstaunt. ,, Nein," erwiderte der To me scher. ,, Aber es fommt nur darauf an, daß der Zeuge glaubt, es sei Basser vom Ganges. Wenn ich ihm sage, es ist Wasser aus dem heiligen Strom, so braucht er nicht zu wissen, ob ich die Wahrheit sage." Und der Inder schwor auf das heilige Wasser", das aus einem Brunnen in der

beste ist der Anker Nähe gesprudelt war..

schmeckt weich, dab

eigt eine tiefbraut Witwe hat beschlossen, den Sommersiz ihres Gatten, Mé­

fen Busah außerde

Anter- Cichorien Würfeln, denen Er ist fast überall

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In Originalflasche

und offen stets

haben bei:

Nacht, Inh. Friede

th, Schulstrasse

:::[ 3olas Schriftstellerhonorare.] Emile Zolas dan, zu verkaufen. Bei diesem Anlaß erfährt man interes­jante Daten über die Honorare, die Zola für seine Romane bezogen hat. Zolas Verleger war der Pariser Buchhändler Georges Charpentier, der auch zu den wenigen intimen Freunden des Schriftstellers gehörte. Das größte Honorar bezog Zola für ,, La Debâcle", nämlich 207 000 Francs; es folgen dann Nana" mi 193 000 ,,, Lourdes" mii 154 000 ,,, Der Totschläger" mit 151 000 ,,, Germinal" mit 116 000 ,,, Rome" mit 106 000 Francs; für 16 andere No­mane erhielt Zola Honorare von 34 000 bis 99 000 Francs. Zwanzig kleinere Bände brachten ihm durchschnittlich 8000 Francs, zusammen 160 000 Francs, ein. Innerhalb 31 Jahren hat Jola aus dem Gelös seiner Werte etwa

2500 000 Francs bezogen. Der Landsiz Médan wird auf 200 000 Francs geschäßt. Es ist so ziemlich alles, was dez Witwe des Dichters verblieb.

Tragische Folgen eines Strafb: f: hls. Im Oktober vorigen Jahres war ein Berliner Ausflügler, ein 24. jähriger junger Mann, im Walde bei Buch beim Beeren pflüden abgefaßt worden und hatte deshalb einen Straf befehl über 6 Mt. oder zwei Tage Haft erhalten. Alé schon längst niemand mehr an diese Sache dachte, er schien eines Morgens in der elterlichen Wohnung ein Schußmann, um den jungen Mann zur Verbüßung der paftstrafe abzuholen. Die Mutter, die über den Vor fall sehr erschrocken war, behauptete, daß die Geld­trafe längst bezahlt sei, und wollte die Quittung suchen Als sie an ihre Kommode herantrat, fiel sie plößlich leblos auf den Fußboden. Aerztliche Wiederbe e un ser juche blieben ohne Erfolg. Der Schußmann nahm vor der Abholung des jungen Mannes zunächst Abstand.

Ein Benefizkonzert für zwei Mörder. Aus Sidner fommt folgende Kunde: In Queensland sind zwei B.ü der namens Kenniff wegen zweier Mordtaten in Verbin dung mit verschiedenen räuberischen Ueberfällen zum Tode verurteilt worden und dieses Urteil hat auch die Bestätigung von seiten des Appellationsgerichtes ge funden. Es soll nunmehr an die letzte Instanz, den eng lischen geheimen Rai, appelliert werden, was aber, wi sich denken läßt, Geld, und zwar sehr viel Geld er. fordert. Man ist mun, um Geld herbeizuschaffen, auf den Bedanken verfallen, ein großes Benefiz- Konzert zu ver anstalten. Am vergangenen Montag hat dieses Konzert denn auch richtig in Brisbane stattgefunden. Zum Schluf wurden der Vater, eine Schwester und ein Bruder dei Verurteilten in feierlichem Geleit auf das Podium ge führt und von dem Auditorium mit lautem Beifall be grüßt. Dies muß so auffälliger berühren, als nach dem Ergebnis der Gerichtsverhandlungen alle Zweifel an der Schuld der beiden Brüder ausgeschlossen sind.

)-( Böse Geister. Ein Mitarbeiter des Permst Westnik" macht seinem Blatte merkwürdige Mitteilun gen über das Walten ,, dunkler Mächte" im Dorse Anx nitschy, Gouevrnement Perm. Seit dem Beginn dieses Jahres zeigen im Hause eines Bauern des genannten Dorfes alle Gegenstände die Fähigkeit, ihren Stand­ort zu verändern, weil von dem zehnjährigen verkrüppel ten Sohne des Bauern geheimnisvolle Kräfte ausgehen! Nimmt der Knabe irgendwo Plaz, so fliegen alle in seiner Nähe befindlichen Gegenstände zur Seite, als ob sie von unsichtbaren Händen durch die Luft geworfen würden. So z. B. setzt sich der Knabe an den Ofen; in dem Augenblicke, in welchem er nach seinen Spiel­sachen greift, erheben sich diese und treten eine Luftreise an. Ferner soll es häufig vorkommen, daß ohne Ver anlassung die Heiligenbilder von den Wänden fallen; ein großes fupfernes Kreuz, das eben erst an einer Wand befestigt worden war, begann eines Abends plötzlich zu tanzen und veränderte seine Stellung. Eine massive guß­eiserne Ofentür riß sich am selben Abend aus ihren Hängen und fiel mit solcher Gewalt auf die Diele, daß sie entzweibrach. Als sich der Knabe einem Fenster näherte, plaßten davan plößlich sämtliche Scheiben. Alle diese unerklärlichen Vorgänge follen sich in Anwesenheit bon Zeugen abgespielt haben. Als man den Knaben in ein anderes Zimmer brachte, wiederholten sich dort die selben Vorgänge. Die dunklen Mächte" sollen auch an ben Menschen ihre Tücken ausüben: als sich die Mutter bes Anaben eines Abends auf die Ofenbank sezte, wurde sie plöglich von unsichtbaren Händen ergriffen und mit großer Gewalt auf die Diele geschleudert. Nachdem der Berichterstatter mit größtem Ernst die oben erwähnten Borgänge geschildert hat, bemerkt er mit bescheidener Manier, daß es sich möglicherweise um einen Echwin ef handeln könnte.

::: Menschenfleisch als Bärenfutter. Unter diesem gru­seligen Titel wird dem Wiener Deutschen Boltsblatt" aus Marchegg( Mähren) folgende Schauermär berichtet: Vor einigen Tagen passierte unsere Stadt eine gänzlich herabgekommene Zigeunerbande mit acht großen starten Bären und etlichen Pferden. Von der Gendarmerie wurde das Gesindel bis nach Aspern geleitet und dort an Ungarn abgetreten. In den Fürst Palffyschen Wäldern bemerkten zwei mit Holzhauen beschäftigte Slowaken die heran­nahenden Zigeuner. Einer der Arbeiter versteckte sich in den Aesten eines Baumes. Bon da aus mußte er mit an­jehen, wie die Unmenschen seinen Kameraden knebelten und den hungernden Bestien zum Fraße vorwarfen. Ganz geängstigt, traute er sich erst lange darauf, als die Bande Den Ort ihres Verbrechens verlassen, aus seinem Versteck hervor und verständigte nun die Gendarmerie über bas Borgefallene, die die Bande einholte und verhaftete. Einer der Bären wurde erschossen und in seinem Innern noc oorhandene Ueberreste von Menschenfleisch festgestellt. Aus verschiedenen ungarischen Gemeinden, die die Zigeuner passiert, fehien zusammen sechs Kinder. Man bermutet, baß sie von den Zigeunern entführt worden seien; ba sie sich aber unter dem Trupp ber Berhafteten nicht bar­

fanden, wird es immer mehr zur schrecklichen Gewißheit, Daß sie von den Zigeunern dem Hunger der Raubtiere geopfert wurden. Gar so schlimm wird die Sache wohl nicht gewesen sein, aber das Volk in Ungarn ist mit Recht über die vielen Ausschreitungen der Zigeuner empört und mun spinnt die leicht erregte Phantasie sich die abenteuer lichsten Moritaten" zurecht."

Kurzes Allerlei. Noch zwei ,, älteste Leute" werden jept in ungarischen Blättern genannt. In Nyitra- Veze­feny starb dieser Tage Frau Marie Krammer im seltenen Alter von 109 Jahren. Die Verstorbene, die sich bis zu ihrem Tode der besten Gesundheit erfreute, hinterläßt nebst 113 Enfeln, zahlreichen Ur- und Ururenfein zwei Schwestern, die gleichfalls bereits das hundertste Lebens­jahr überschritten haben. In Györ verschied 107 Jahre alt Frau Witwe Simon Adler. Auch sie hinterläßt eine ansehnliche Nachkommenschaft.

Die längste Eisenbahnbrüde der Welt wollen die Amerikaner über das Höllentor bauen, das die Man­hattan- Insel von Long- Jsland trennt. Die Brücke selbst wird über anderthalb kilometer lang, aus Stahl her­gestellt sein und auf Steinpfeilern ruhen. Der Mittel­bogen foll 135 Fuß über dem Hochslutspiegel schwe­ben; 30 Millionen Kilo Stahl sollen zur Herstellung der Brücke dienen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 10 Millionen Dollars.

Lokales.

Gedenktafel für den 18. Februar.

1546. Martin Luther T. 1564. Michel Angelo.- 1587. Maria Stuart enthauptet. 1803. Der Dichter Ludwig Gleim in Halberstadt.- 1857. Der Maler May Klinger in Leipzig*. 1871. Einzug der Deutschen in Belfort. 1890. Graf Andrassy t. 1895. Erzherzog Albiecht von Desterreich, der Sieger von Custɔzza t. 1899. Emile Loubet zum Präsidenten der französischen Republik gewählt.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Wegen militärischen Aufruhrs und ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung hatten sich der Gefreite Daniel und der Dragoner Menne von der ersten Eskadron des Oldenburgischen Dragonerregiments Nr. 19 vor dem Kriegsgericht der 19. Division zu verantworten. Die An­geklagten hatten zur Feier des Sylvestertages abends tüch tig Punsch in der Kaserne getrunken. In angetrunkenem Zustande lärmten sie auf dem Flur der Kaserne umher. Mehrere Unteroffiziere untersagten ihnen dies und be fahlen ihnen, auf ihre Stuben zu gehen und sich ins Bett zu legen, aber die Angeklagten gehorchten nicht und gaben ihren Ungehorsam noch durch Widerreden zu erkennen. Das Kriegsgericht, das nach der umfangreichen Verhand­lung in dem Benehmen der Angeklagten ein bewußtes, gemeinschaftlich verabredetes Vorgehen erblickte, er­kannte gegen den Gefreiten Daniel auf fünf Jahre und sechs Monate Gefängnis, gegen den Dragoner Menne auf fünf Jahre und zehn Monate Gefängnis. Beantragt wa ren je fünf Jahre Gefängnis.

Kleine Gerichts- Chronit. Eine unnatürliche Mutter hatte sich vor dem Schwurgerichte in Thorn in der Berson des Dienstmädchens Pelagia Karpinski aus fru schin unter der Anklage der Kindesausseßung mit T- deserfolg zu verantworten. Sie hatte ihr acht Tage altes Kind im Walde bei Straßburg am 30. Novem­ber ausgesetzt, wo es in der folgenden Nacht erfror. Das Mädchen wurde zu fünf Jahren Zuchthaus ver­urteilt.

Das Landgericht in Ausbach beschäftigte sich mit einem Dienstknecht aus Oberöstheim, der sich in ver­schiedenen Ortschaften als Leichenbitter ausgab und die Leute zur Beerdigung eines angeblich verstorbenen Alt­sizers einlud, wobei er jeweils das übliche Geldgeschenk erhielt. Wenn die teilnehmenden Trauergäste im Trauer­hause erschienen, trafen sie den Totgesagten gesund und munter an. Der Angeklagte wurde zu neun Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

Ein russischer Standalprozeß wird bereits seit 12 Tagen gegen den Polizeimeister( Polizeidirektor) Echaf­roff von Aronstadt verhandelt. Schafroff verkaufte Po­lizeibeamtenstellen für Summen von 500 bis 1500 Rubel. Handwerker, die behördliche Lieferungen hatten, zahlten dem Polizeichef 200 bis 500 Stubel und brauchten dann nur einen Teil der Waren zu liefern. Geradezu Unsum­men zog der Polizeimeister Schaftoff aus den trɔn­städter öffentlichen Häusern, die unter seiner Herr­chaft binnen turzer Zeit sich verbrei- und vervierfachten ind im Werte bon 6- bis 10 000 Rubel stiegen. Kurz, Die Verhandlungen, in denen Hunderte von Zeugen er­cheinen, fördern Bilder bon geradezu entseglicher Ba mtentiffir unb Rorruption zu Tage