Ausgabe 
18.2.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 41.

Erstes Blatt.

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Bratisbeilegen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags.

Mittwoch, den 18. Februar 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. jonn 15 Big.: Reklamen die Petitjeile 30 refp. 40 fg.

Boftzeitungslifte No. 8369.

Redaktion und Expedition: Gießen Nenenweg 28. Fernsprechanschluk Nr. 362.

Nenelle Nachrichten

( Siekener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

260. Sigung.

Deutscher Reichstag.

Eigener Bericht.

Noch kein Lichtpunkt. Auch in der heutigen Sigung bot sich noch kein Aus­blid auf eine baldige Beendigung der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern. Bevor diese fort­gesezt wurde, waren zwei Wahlen für giltig erklärt worden. Dann sprach der sozialdemokratische Abgeord nete Sachse in einem wirklich ermüdenden Tonfalle zwei Stunden lang über die verschiedenen Fragen der letzten Tage, um schließlich eine Zuziehung von Ar­beitern zu den Gewerbeaufsichtsbeamten zu verlangen. Der sächsische Bundesratsbevollmächtigte Wirkl. Geh. Rat Dr. Fischer, der verschiedene Angelegenheiten aus Sach­sen eingehend besprach, entfesselte eine erfrischende Hei­terkeit im Hause, als er dem Abg. Dr. Müller- Meinin­gen den Dank für dessen Ueberzeugung aussprach, daß in Dresden viele Damen leben, die Geistesbildung mit Herzensbildung vereinigen. Bergrat Meißner sprach alsdann längere Zeit über die Bergbauverhältnisse. Die Unruhe des Hauses und der Tribünen war aber so groß, daß man zeitweilig seine Stimme garnicht hörte.

In der weiteren Debatte, an der sich namentlich di Abgg. Schwarz( wildlib.) Stockmann( Reichsp.) und Euler( str.) beleiligen, wurze über Wohnungswesen- Be­fähigungsnachweis und Bäckereiverordnung verhandelt; Abg. Stockmann fragte bei der Regierung u. a. an, wo denn das Gesez zur Bekämpfung des Altoholmißbrauchs bleibe.

Die Politik.

Wer wird v. Bitters Nachfolger sein? ( Kaum war bekannt geworden, daß der Posener Oberpräsident Herr v. Bitter seinen Abschied nimmt, und schon begann die Suche nach einem Nachfolger für ihn. Zwei Kandidaten der sogenannten politischen Streise sind bereits genannt worden: der frühere Regierungs­präsident von Bromberg, Herr v. Tiedemann, und der Chef der Reichskanzlei, Wirkt. Geh. Rat Conrad. Heute sind wir in der Lage, noch mit verschiedenen anderen Namen aufzuwarten. Da ist zunächst der jeßige Brom­berger Regierungspräsident Kruse, der sich deshalb empfiehlt, weil er die Verhältnisse in der Provinz Po­jen ohne Zweifel gründlich kennt. Dann kommt der Re­gierungspräsident v. Moltke in Potsdam, der so zu sagen, wenn auch nicht lange Zeit, unter den Augen des Kai­jers gearbeitet hat und früher in Oppeln war. Da in Oberschlesien mit seiner gemischt- sprachigen Bevölkerung bie Verhältnisse ähnlich liegen wie in Posen, so glaubi man wohl, in ihm den geeigneten Mann für das frei werdende Oberpräsidium entdeckt zu haben. Numers brei: der Landrat des Teltower Kreises, Herr v. Stuben­cauch, der bei dem Kaiser in besonderer Gunst und großem Ansehen steht. Einzelne Blätter reden auch von einer Kandidatur des Grafen Posadowsly, dem sie unter stellen, er wünsche ein weniger anstrengendes Amt als sein jetziges. Diese letzte Meldung ist, wie unser Berliner CB. Mitarbeiter aus zuverlässigster Quelle erfährt, voll­ständig unzutreffend; Graf Posadowsky jühlt sich auf sei­nem Posten sehr wohl und ist auch ein Mann von zu viel Pflichtgefühl, als daß er seinen Posten verließe, so­Bald er ihn irgend noch verwalten kann. Gerade weil sein jeziges Amt so hohe Anforderungen an den Inhaber stellt, denkt Graf Posadowsty mit teinem Gedanken daran, ihm Valet zu sagen. Die Kandidatur Posadowslys ist also eine willkürliche Kombination, die ernsthaft überhaupt Auch die anderen Kandida nicht in Frage kommt.

uren sind natürlich nur bloße Vermutungen,

Amerikas Ernte in Venezuela.

* Amerika beginnt jetzt den wirtschaftlichen Profit einzuheimsen, den ihm Bowens Vermittelung in der Venezuelaaffäre neben dem politischen Prestigezuwachs in den Schoß geworfen hat. Kaum ist die Blockade Venezuelas aufgehoben, da entwickeln die amerikanischen Exporteure eine fieberhafte Tätigkeit, sich den Markt in dem ausgehungerien Lande zu sichern. Außerordentliche Vorbereitungen für die Verschiffung amerikanischer Wa cen werden in den amerikanischen Häfen getroffen, und tatsächlich ist auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Werkzeugen aller Art in Venezuela groß. Dabei herrscht in der südamerikanischen Republik bei der Be­öfferung trotz des Mangels an Lebensmitteln eine starke Reigung zum Bontott aller englischen und deutschen Waren! Wie sollten die Amerikaner, die überdies auch cäumlich die nächsten dazu sind, nicht die günstige Ge­egenheit ergreifen, die unbequemen englischen und deut­chen Konkurrenten in Venezuela auf den Eind zu setzen? Man wird mit der Tatsache rechnen müssen, daß der Deutschen und der britischen Einfuhr in Venezuela fortan urch die nordamerikanische erheblich mehr Abbruch getan verden wird als bisher.

Das Reformprogramm sur Mazedonien. Unser Berliner CB.- Mitarbeiter schreibt uns: Das mazedonische Reformprogramm, das Desterreich und Ruß­( and in gegenseitigem Einverständnis ausgearbeitet ha ben, ist am Dienstag von den Botschaftern der beiden Mächte gemeinsam dem deutschen Reichskanzler überreicht vorden. Zur selben Zeit ist es, wie ich höre, in Rom, Paris und London überreicht worden. Erfolgt feine Ein­vendung seitens irgend eines Kabinetts, so soll es am Freitag der hohen Pforte zugestellt werden. Der Inhalt Des Reformprogramms wird von authentischer Site da­hin zusamemngefaßt: Es bringt lediglich administrative and firanzielle Reformvorschläge. Weder wird eine Auto nomie für Mazedonien, noch auch die Einsetzung eines Gouverneurs, noch sonst eine politische Maßnahme ge­jordert. Auch von einer Entwaffnung der mohamedani­schen Bevölkerung ist in dem Programm teine Rede. In Berliner maßgebenden politischen Kreisen wird versichert, daß die deutsche Reichsregierung dieses Programm Punkt jür Punkt billigen wird, auch wird die deutsche Regierung gerade bei der Wärme der persönlichen und politischen Freundschaft zwischen dem deutschen Kaiser und dem Sul­tan es sich angelegen sein lassen, auf die türkische Re­gierung dahin zu wirken, daß sie im Interesse der Türkei selbst diese Vorschläge rückhaltlos annimmt. Diese Ver­mittlerrolle Deutschlands wird die ehrliche Politik un­jerer Regierung in der mazedonischen Frage in ein völlig unzweideutiges Licht seßen und jene neuerdings auftau­chenden französischen Intriguen als baren Schwindel auf­decken, die Deutschland als die Macht hinstellen, welche die Pforte zum Widerstande gegen die russisch- österreichischen Forderungen ermutige. Mu wie albernen Mitteln übri gens diese französisch- chauvinistischen Intriganten operie­ren, dafür nur ein Beispiel: Daraus, daß einige deutsche Zeitungsforrespondenten in Stambul angeblich statt des Hutes einen Fez tragen, schließen diese französischen Schlauberger, die deutschen Journalisten ständen in ge heimen Beziehungen, sozusagen im Solde der Türkei!

Gesundheitsrücksichten in China.

Ueber eine Affaire, die nicht eines komischen An­strichs entbehrt, wird aus dem fernen China berichtet. Zum Gouverneur der Provinz Schansi war Exzellenz Jüliensan ernannt worden, ein wegen seiner großen Ver­waltungstalente und sonstigen Vorzüge von dem Pe­finger Kaiserhof und der chinesischen Regierung hochge­schätzter Würdenträger. Leider steht Herr Yüliensan bei ben roten Teufeln", den Fremden, im Geruche frem­denfeindlicher Gesinnung, weshalb der englische, der ame­rikanische und der französische Gesandte gegen seine Er­nennung Einspruch erhoben. Exzellenz Yüliensan, der sich vorher einer vortrefflichen Gesundheit erfreute, wurde plötzlich schwer krank und erbat wegen seines schlechten Gesundheitszustandes seine Entlassung, die von der chinesischen Regierung ebenso schnell angenommen wurde. Man sieht also, auch in China stellen sich mit­unter, wenn ein Beamter gehen soll, zur rechten Zeit Besundheitsrücksichten ein.

Eine zerstörte politische Legende.

$ Immer aufs neue taucht in auswärtigen- na­mentlich englischen und auch deutschen Blättern die Mär auf, die u. a. auch Dr. Karl Peters als fest­stehende Tatsache bezeichnet hat, die Mär, Präsident Krü­ger habe einst Deutschland das Protektorat über Trans­baal angeboten und Fürst Bismarck damals den Fehler begangen, das Anerbieten abzulehnen. Präsident Krü zer ist jetzt selbst dieser Legende entschieden entgegen­getreten, er ermächtigte einen seiner Freunde, den deut­chen Pastor Schowalter, mitzuteilen, daß an dieser Ge­schichte kein wahres Wort sei. Weder Krüger noch ir­gend eine andere verantwortliche Persönlichkeit hat je­mals ein solches Anerbieten gemacht. Bei dieser Ge­legenheit sei mitgeteilt, daß sich erfreulicherweise alles als unrichtig herausstellt, was über den Gesundheits­zustand des bekanntlich seit einiger Zeit in Mentone zur Erholung weilenden Präsidenten Krüger von Berichter­stattern geschrieben worden ist. Ohm Paul ist weder hin­jällig noch stumpfsinnig, sondern ungebeugt und unge­brochen. Präsident Krüger ist noch immer ein Mann des Glaubens und der Hoffnung. Auch seine törper­iche Kraft ist in Anbetracht seines hohen Alters erstaun­lich. Leider erfahren wir nicht auch, wie es sich mit Den Gerüchten verhält, daß Krüger bei der englischen Regierung die Erlaubnis zur Rückkehr nach Südafrika nachsuchen wolle.

Auch von Herrn Steijn, dem zweiten der jüdafrika­nischen Präsidenten im Eril, wird günstiges berichtet. Das ehemalige Oberhaupt der jeßigen Oranjefluß- olonie hält sich noch immer in Montreur am Genfer See auf und sein Befinden ist in fortschreitender Besserung. Herr Steijn tann bereits ausfahren und ohne die geringste Unter­tügung stehen. Sein Aussehen ist bedeutend gesünder, uch trägt er im Hause nicht mehr die blaue Brille, beren er bei Ausfahrten noch nicht oft entraten tann. Der Patient ist weiter imstande, einige Schritte zu gehen, and man glaubt, daß er den vollen Gebrauch seiner Glieder

vieder erlangen wird. Einstweilen sind seine Arme und Beine freilich noch sehr schwach. Präsident Steijn ge­> enkt, später ein nördlicher gelegenes Land aufzusuchen. Die Neberfüllung der preußischen Volksschulen. ( Von der durchschnittlichen Ueberfüllung der öf fentlichen Volksschulen in Preußen gewährt der vor kur zem erschienene dritte Teil der statistischen Erhebungen über das preußische Volksschulwesen vom 27. Juni 1901 ein flares Bild. Danach waren an diesem Tage im preußischen Staatsgebiete 673 Halbtagsschulen mit 1340 Klassen und 93 066 Schulkindern überfüllt, da auf jede dieser Klassen durchschnittlich mehr als 60, nämlich 69 Kinder kamen. An diesen Halbtagsschulen hatte also je der Lehrer durchschnittlich 138 Kinder zu unterrichten. Auf die Städte entfielen dabei 6 Halbtagsschulen mit 12 Klassen. Von den einklassigen Schulen waren 1051 mit ebensoviel Klassen und 93 677 Schulkindern über­füllt, da auf eine Schulklasse durchschnittlich 89 in der kamen. Die Städte nahmen an dieser Zahl mit 23 Schulen teil. Von den zwei- und mehrklassigen Scha len waren 2093 mit 8856 lassen und 670 883 Schulen überfüllt; in jeder dieser Klassen saßen durchschnittlich 76 Echulkinder. Auf die Städte entfielen davon 285 Schulen mit 1827 Klassen und 135 936 Kindern, mit durchschnittlich 74 auf jede klasse. Unter abnormen Fre quenzverhältnissen wurden danach 857 516 Schulkinder unterrichtet, gegen 1390 250 im Jahre 1896 und 1 661 182 im Jahre 1891. Geht die Besserung so weiter, so wür den wir in etwa zehn Jahren einigermaßen normale Ver­hältnisse haben. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder, welche im Jahre 1901 überhaupt keine Aufnahme fin ben konnten, beträgt 2735. Hiervon entfällt allein aus die Provinz Posen ungefähr die Hälfte, nämlich 1341. Kurze volitische Nachrichten.

Berlin, 17. Februar.( Hofbericht.) Heute Morgen besichtigte das Kaiserpaar im Kunstausstellungs gebäude die Modelle für die Tenkmalsanlagen vor dem Brandenburger Tore. Dann hörte der Kaiser die Vor träge der Chefs des Militärkabinets und des Admiral stabes der Marine.

* In der Budgetkommission des Reichs. tages sprach der Kriegsminister v. Goßler sein Be bauern darüber aus, daß das Militärpensionsgesetz noch nicht vorgelegt werden lönne, weil da s lbe jährlich einen Mehraufwand von 20 Millionen Marf und, wenn ihm rückwirkende Kraft verliehen werden sollte, von weiteren 23 Millionen Mart, insgesamt also von 43 Millionen Mark erheischen und für 1908-1910, bei Erschöpfung des Reichsinvalidenfonds, einen Reichszuschuß von 80-90 Mil­lionen Mark bedingen würde.

* Das Reichsgericht verwarf die Revision des Redakteurs des, Vorwärts", Wilhelm Schiöber, der du ch das Urteil des Landgerichts Berlin vom 16. Juli v. J. wegen Beleidigung des ostasiatischen E petitionstorps zu vier Monaten Gefängnis verurteilt war. Der Stra antrag des preußischen Kriegsministers wurde für gültig ange­sehen.

* Aus Panama wird gemeldet: Der aus dem letzten Aufstande in Columbia befannte General Uribe­Uribe hat den General Valderrama infolge eines Wort­wechsels erschossen.

23. Sigung

Preussischer Landtag.

Baus der Abgeordneten.

Eigener Bericht.

Die Bernsteinfrage steht wieder auf. Bekanntlich bildete das Bernsteinmonopol in den frü heren Landtagsperioden ein stehendes Kapitel. Es han delte sich damals um die Beträge, welche die Firma Stantien und Becker für die Ausbeutung der Nordsee zahlte, und die, da sie absolut zu gering waren, deshalb mißfällig aufgenommen wurden. Inzwischen ist die Bern­steingewinnung an eine Hamburger Firma übergegangen, die auch zugleich den Verkauf betreibt. Als sich nun die Firma Didrichsen in Kiel um Rothbernstein behufs Lie ferung nach China bemühte, wurde sie abgewiesen. Dieser Fall wurde heute durch den Abg. Dr. Barth zur Sprache gebracht; dieser erblickt darin eine Unhöflichkeit und ver­langt Gleichberechtigung preußischer Unternehmer mit nichtpreußischen; aber die Abg. der Rechten stellten sich völlig auf den Standpunkt der Regierung. Bevor dieser Buntt zur Sprache tam, hatte der tons. Abg. Felisch die Anstellung von Handwertern an Baugewerfschulen und den Befähigungsnachweis für das Baugewerbe verlangt. Gegen lezteres Begehren trat der nat.- lib. Abg. Voll­brecht in die Schranken. Der Handelsminister Möller äußerte sich zum ersten Bunfte prinzipiell entgegen­fommend. Bei dem Titel Ministergehalt" begründete Abg. Deser einen Antrag, den zollfreien Veredelungs­verkehr in folchen Fällen zu gestatten, in denen durch ver­schiedene Bemessung der Breise für inländische Rohstoffe und Halbfabrikate, je nachdem es sich um den Absaz im

bie Wahrheit gesagt. Zu dieser Stunde ist ber Minister

das Getafel der Decke

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eise zu pfeifen.

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Baumrieren.

m. Grona u.

find diesen rolossalen Bilanzenmonumenten beizugefellen die Affenbrotbäume, die Baobab des tropischen Afrikas,

riffa am Boden einen umfang von über 22 Meter. Aud