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Lehrer Mary- Alsheim beantragte, daß der Vorstand des Lehrervereins sich mit den Vorständen der israelitischen Großs gemeinden im Großherzogtum ins Benehmen seßen möge, um Schritte zur Gründung eines Provinzialverbandes zu unternehmen. Dieser solle alsdann über Schul- und Lehrerverhältnisse, sowie über Gründung einer Pensionskasse verhandeln. Die Zahl der Mitglieder hat 60 überschritten. Das Vereinsvermögen beträgt 1200 Mark.
Aus dem Gerichtssaal.
Schwurgericht.
Am Samstag verurteilte nach 2tägiger Verhandlung den 19 Jahre alten unbestraften Sohn des wohlhabenden Gastwirtes Hausmann von Fleschenbach Kreis Lauterbach wegen Brandstiftung unter Bubilligung mildernder Umstände zu 2 Jahren Gefängnis. Der Angeklagte Johannes Hausmann soll nach der Anklage die Hofratte seines eigenen Vaters um deßwillen mit Erfolg in Brand gesetzt haben um seinen Vater zu nötigen einen neuen und größeren Tanzsaal zu bauen, als der vorhandene durch das Feuer in Mitleiden
*** Der 30. Süddeutsche Verbandstag des Innungsbundes deutscher Barbiere, Friseure und Berrückenmacher tagte Sonntag in Darmstadt. Etwa 100 Vertreter, darunter auch eine Vertretung aus Gießen mitt 1114 Mitglieder waren anwesend. Der seitherige Verbandsvorsitzende, Her- schaft gezogene Kraner war. Ein Stück Zindschnur, welches bert- Würzburg wurde wiedergewählt und demselben auch die Vertretung auf den diesjährige Verbandstag in Hannover übertragen. Als Art des nächstjährigen Beeirkstages wurde Pforzheim bestimmt. An die Verhandlungen schloß ein gegemeinsames Festmahl.
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* Reisende kinder. Aus Anlas der bevorstehenden Reisezeit wird eisenbahnamtlich auf die Behandlung alleinreisender Kinder hingewiesen. Die Bahnbeamten sind danach verpflichtet, sich solcher Kinder mit großer Liebe an zunehmen. Bei Zug- oder Begleitpersonalwechsel sind die Kinder dem neuen oder dem Ablösungspersonal zu übergeben. Am Reiseziel den sie abholenden Personen zuzuführen, resp. die„ Adressaten" von dem Eintreffen des Kindes in Kenntnis zu seßen. Des ferneren dürfen die Kinder Mittelspersonen nicht anvertraut werden. Kann ein Kind am Reiseziel nicht den Verwandten 2c. zugeführt werden, resp. weigern sich diese, das Kind aufzunehmen, so ist es der Polizeibehörde zur weiteren Veranlassung zu überweisen. [ Viehmarktbericht]. Der gestrige Viehmarkt hatte den stärksten Auftrieb den wir bisher in diesem Jahre auf unseren Märkten zu verzeichnen hatten. Der aufgetriebene Vorrat belief sich auf 1450-1500 Stück Milchund Fettvieh sowie ca, 350 Kälber. Für Zuchtvieh war die alte Kundschaft vom Rhein und Main zahlreich am Markt, während zu den sonstigen Reflektanten, welche auf unseren Märkten Fettvieh zu kaufen pflegen, dies Mal außer von Wezlar, Weilburg, Dillenburg, und Herborn auch schon Käufer für diese Ware aus den Vädern gekommen waren. Der Vorhandel in Milchvieh der bei sehr hohen Preisen überaus flott war versprach einen vorzüglichen Markt in dieser Viehgattung, doch blieb derselbe hinter den Erwartungen zurück weil ein Teil der Käufer den Bedarf während des Vormarktes bereits gedeckt hatte und am Markttage selbst den Plaß schon wieder verlassen hatte. Dagegen war der Handel mit Fettvieh bei guten Preisen für die Verkäufer sehr flott, bei der starken Nachfrage deckte der Vorrat kaum den Bedarf bis zur Hälfte. Auch der Kälberhandel war nicht schlecht, wenn auch die hohen Preise die der letzte Markt hatte, nicht zu halten waren. Gehandelt wurde per Stück Kühe frischmeltend und tragend 1. Sorte 425 bis 475 Mart, einzeln bessere Tiere noch höher; 2. Sorte 370-400 mt. 3. Sorte 280-325 Mt. Per Centner Schlachtgewicht fette Rinder 1. Sorte 68-70 Mt., 2. Sorte 64-66 Mt., fette Kühe 1. Sorte 81-63 Mt.; 2. Sorte 55-59 Mt. Kälber 1. Sorte( über 50 Pfd. schwer) 65-70 Mt.; 2. Sorte( zwischen 40 und 50 Pfd. wiegend) 58-62 Mt.; 3. Sorte 54-56 Mart. Milchvieh wurde nicht ganz, Fettvieh und Kälber aber geräumt.
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man beim Aufräumen der Brandstelle unter Heu fand bildete in der Hauptsache außer anderen Indizien den Beweis, daß der junge Hausmann der Brandstifter gewesen ist. Derselbe leugnete während der Verhandlung, ja selbst nachdem er verurteilt worden war, die Tat begangen zu haben. Gestern verhandelte das Schwurgericht gegen die unverehelichte 33 Jahre alte Taglöhnerin Karoline Koth von Köddingen bei Ulrichstein wegen Meineid. Tie Angeklagte welche früher beim Megger Seng in Gießen als Dienfimädchen tätig war, wurde dem Kaufmann A. Docter in Gießen einen Betrag von 93 Mart für auf Kredit entnommenen Waaren schuldig. Dieserhalb verklagt fiel die Zwangsvollstreckung ohne Erfolg aus, worauf die Schuldnerin nach Ulrichstein vor das Amtsgericht zur Leistung des Offenbarungseides geladen wurde. Hier gab dieselbe an unter Eid, daß sie ihres Wissens außer einem Schrank und den wenigen Kleidungsstücken und Wäsche nichts besiße und verneinte besonders die Frage des amtierenden Richters ob sie Grundstücke habe. Es stellte sich aber gleich nachdem heraus, daß die Koth mit ihrer Schwester gemeinsam ein Acefachen im Werte von ca. 150 Mark von ihrem verstorbenen Bruder geerbt hat und daß bereits vor Leistung des Offenbarungseides im Mutationsverzeichnis das Grundstück auf den Namen der beiden Schwestern eingetragen worden war. Die Angellaate wurde in der Beweisaufnahme von dem gehörten medizinischen Sachverständigen Kreisart Dr. Königs als eine recht einfältige Person bezeichnet, welche auch hysterisch veranlagt sei, welche aber wohl zu begreifen im Stande sei und auch begriffen habe worauf es bei Leistung des Eides in Ulr chstein angekommen sei. Die Geschwo.enen vrneinten die ihnen vorgelegte Schuldfrage wegen Meineid, bejahten jedoch die Schuldfrage, daß die Angeklagte fahrläßig falsch geschworen habe. Dr Gerichtshof erkannte darauf auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monete auf welche die verbüßte Untersuchung in Anrechnung fommt.
Marktbericht.
* Marburg, 13. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt fofteten: Butter, Pfd. 90-100, Hühnereier, 2 St. 11-12, Käie, per St. 11, Käschen, pr. S 4, Kochfäfe, pr. Pfd. 40, Käsemat e, per St. 5, Kartoffeln, Pfd. 5 Pfg. 100 Pfund 3.50-40 mt, Kohl 1 St. 5, Blumenkohl, 1 St. 40-60, Spinat, Pfd. 15, Salat pr. Kopf 8-10, Möhren, pr. Pid. 15, Sellerie St. 00-00 Spargel, Pfd. 00-00, Hahnen, pr. St. 1.50-000, Hühner, vr Std. 0.00 0.00, Tauben, pr. St. 40, Reh pr, Pfd. 60 Pig, Radiese, pr. Back. 10, Merrettich, pr. Pack 10-25, 3wiebeln, Bfd. 12 Knoblauch, pr. Knolle 5, Wißtraut, pr. R. 00-00, Rotfraut Porre Stück 0-0, Rüben, rote 8-10, Wirshina, pr. K. 25-30 Aepfel pr. Pfd. 18-25, do, Korb 0-0,00 mt.
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„ Bansache"
an die Keller'sche
Der Brief eines bochwürdigen Pfarrers.
Herrn Franz Wilhelm, Apotheker, t. und t. Hoflieferant in Neunkirchen, Niederöstereich. Radowesig in Böhmen, Post Bilin.
Zu wiederholten Malen habe ich Ihren Wilhelm's antiarthritischen antirheumatischen Blutreinigungs- Thee in meinem krankhaften Zustande als: Anschoppungen der Leber, der Milz, Ueberwachsen des Herzens und Magens mit Fettschichten, rheumatischen Rückenmarksleiden, schwacher Verdauung, Blutandrang gegen Kopf, Druck auf das Gehirn 2c., mit günstigem Erfolge gebraucht, so daß ich mir dadurch wirklich eine Cur in einem Bade oder Wasserheilanstalt er= sparte, wozu ich leider auch nicht die hinlänglichen Mittel besize, sowie bei meinem Berufe nicht die erforderliche Zeit erübrige.
Nehmen Sie die Versicherung daß ich meinerseits es mir nur zur angenehmen Pflicht mache, diesen so aus gezeichneten Wilhelm's antiarthritischen antirheumatischen Blutreinigungs- Thee allen mit einem darauf bezüglichen Leiden Behafteten bestens anzuempfehlen und wo ich nur tann, anzurühmen, um so Dankbarkeit für Ihre so glückliche Erfindung in etwas zu bezeugen und die leidende Menschheit, wie es dies Ihr so vortrefflich heilsames Präparat wirklich verdient, immer mehr darauf aufmerksam zu machen. Mit vorzügliche Hochachtung
P. Vinzenz John, Pfarrer. Bestandteile: Innere Nußrinde 56, Walnußschale 56, Ulmenrinde 75, franz. Orangenblätter 50, Eryngiiblätter 35, Stabiosenblätter 56, Lemus blätter 75, Bimmstein 150, totes Sandelholz 75, Bardannawurzel 44, Caruxwurzel 350, Radic. Cariophyll. 3 50, Chinarinde 8-50 Eryngiiwurzel 57, Fenchelwurzel( Samen) 75, Graswurzel 75, Bapathewurzel 67, Süßholzwurzel 75, Sassaparillwurzel 35, Fenchel, tom. 3.50, weiß Senf 350, NachtschattenStengel 75.
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Druck und Verlag der Gießener Verlagsbi u keret, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Vergebung von Bauarbeiten.
Zur Erbauung der veterinär- medizinischen Justitute in Gießen, zunächst der normalen Anatomie der pathologischen Anatomie und der chirurgischen Klinik werden die folgenden Rohbauarbeiten unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben:
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A. Normale Anatomie. Zimmerarbeiten, darunter 94 cbm. Tannenholz, 63 Ifd. m Gesimse.
Los II. Dachdeckerarbeiten, 893 qm Schieferdach 2c. Los III. Spenglerarbeiten, darunter 132 Ifd. m Rinnen, 109 Ifd. m Abfallrohre, Kupferbefiönungen.
Los IV. Blizableiteranlagen.
B. Pathologische Anatomie.
Los V. Zimmerarbeiten Los VI. Dachdeckerarbeiten Los VII. Spenglerarbeiten Los VIII. Biigableiteranlage
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gleichen Massen wie unter A.
C. Chirurgische Klinik.
Los IX. Zimmerarbeiten, darunter 146 cbm Tannenholz, ca. 180 lfd. m Gesims.
Los X. Dachdeckerarbeiten, 1620 qm Schieferdach 2c. Los XI. Spenglerarbeiten, darunter 215 Ifd. m Ninnen, 145 Ifd. m Abfallrohre, Kupferbefrönungen.
Los XII. Blizableiteranlage.
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Zuschlagsfrist: 3 Wochen.
Gießen, den 16. Junt 1903.
Großh. Baubehörde für die UniversitätsNeubauten, Gießen. Becker.


