Ausgabe 
17.1.1903 Erstes Blatt
 
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Sigung der Stadtverordneten.

Gießen, 16. Jan. 1903. ( Schluß.)

Der Rechnungsabschluß für das Gas­und Wasserwerf pro 1901/1902 stellt sich gegen den Voranschlag bei Gas um 17685 Mark als Mehrüberschuß günstiger, während beim Wasserwerk ein weniger von 4950 Mf. zu verzeichnen, so daß sich der Ueberschuß bei Gas und Wasser zusammen immer noch um 12667 Mark höher stellt, als man voranschlagsmäßig annahm. Der Ge­samtüberschuß für 1901/02 stellt sich beim Gaswert auf 72,218 Mart 95 Pfg, beim Wasserwerf auf 16,049 Mark 02 Pfg. Die Schuld beim Gaswerk beläuft sich auf 24,000 Mart, während auf dem Wasserwerk noch eine Schuld von 19339 Marf lastet. Die Versammlung nimmt davon Kenntnis, genehmigt die vorgekommenen Kreditüberschreitungen und genehmigt die erforderlich werdenden Kreditübertragungen. Die Submission 1902/03 bom Bauholz ergab ein Höchstgebot von 12,72 Mark für den Festmeter. Oberförsterei und landwirt­schaftliche Stommission beantragen, den Zuschlag nicht zu erteilen, da der Preis zu gering ist. Demgemäß wird auch Beschluß gefaßt. Gebr. Wallach- Alsfeld boten für geschältes Grubenholz 12,05 Mart, welche Offerte von der Versammlung angenommen wird. Die Festseßung des durchschnittlichen Jahresarbeits­verdienstes der in land- und Forstwirtschaftlichen Be­trieben beschäftigten Arbeiter, welche alle 3 Jahre er­folgen muß, wird zu denselben Säßen bemessen wie 1899. Männer 600 Mt., Frauen 450 Mt., Knaben 300 Mt. und Mädchen 270 Mt.

Die Frage der Aufbesserung der Löhne der städtischen Arbeiter hat die sozialpolitische Stommission beschäftigt. Durch eine Umfrage bei Hand­werkern in der Stadt hat man festgestellt, daß diese pro Stunde etroa 27 Pfg. an ihre Arbeiter zahlen. Die Kommission war danach der Ansicht, daß die Löhne der städtischen Arbeiter im Allgemeinen ausfömmlich und angemessen seien. Wohl aber hat die sozial politische Stommission beschlossen, der Versammlung vor­zuschlagen, diese möge beschließen:

Der Oberbürgermeister wird ermächtigt, einzelne fleißige und tüchtige Leute zu Vorarbeitern zu er­

nennen.

werde. Er frage den Herrn Oberbürgermeister, wie weit die Vorarbeiten zu dem Bau gediehen seien und ob dem Antrage der Versammlung gemäß Herr Gerbel die Pläne soweit gefördert hat, daß im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden fönne. Sta to. Loeber unterzieht die Schulbarack n einer Kritik. Der Oberbürgermeister erklärt, daß es nicht 6 sondern erst 4 Wochen her seien, seit sich die Versammlung mit der Schulbau- Angelegenheit beschäftigt hat. Während dieser 4 Wochen seien auch die Weihnachte und Neujahrsfeiertage gewesen. Herr Gerbel aber habe sich mit der Leichenhalle für den alten Friedhof, mit dem Polizei Arresthaus und anderen wichtigen und eiligeren Dingen zu beschäftigen gehabt und werde jezt erst an die Pläne für die Schule gehen fönnen. Es entspreche auch nicht den Thatsachen, wenn Herr Loeber heute behauptet, daß die Baumaterialien teurer geworden seien oder teurer werden, davon sei ihm nichts bekannt. Er müsse aber ganz entschieden davor warnen, wenn immer wieder und zwar ohne Grund die Schulbaracken öffentlich diskretidiert werden. Man sei den einzelnen Klagen auf den Grund gegangen und es habe sich herausgestellt, daß so gut wie nichts davon übrig geblieben sei. Er habe sich jüngst bei der strengen Kälte persönlich überzeugt, daß die Schulbaracken gut er­wärmt gewesen. Stadir. Haubach wiederholt seine Bitte, die er son früher, als die Schulhausfrage das erste Mal verhandelt wurde, ausgesprochen hat, die dahin geht, es möge der Oberbürgermeister Herrn Gerbel eine Direktive geben, in welcher Richtung die vorliegenden Bläne einer verbessernden Umarbeitung unterzogen werden sollen. Im Großen und Ganzen endet die vom Stadto. Loeber ange­regte Debatte, ohne daß einer der Kollegen denselben sefundiert hat. Man verhandelte darüber, daß thatsächlich Umstand der Oberbürgermeister darauf zurückführte, daß die die Stadt und der Staat teurer baue, als Private, welchen Behörden viel solieder und daher auch kostspieliger ihre Bauwerke aufführen, als dies von privater Seite geschehe. Stadtv Kirch weist auf die Nachricht hin, welche durch die Bresse gegangen und die nach seiner Information auch auf Thatsachen beruhen soll, wonach die Esenbahnbehörde beab­sichtigt, die Verwaltung neu zu organisieren. es möglich, daß Gießen einige Zweige dieser Verwaltung Hiernach sei verlieren würde, resp. daß etwa 30 Beamte von hier ver­setzt werden. Herr Kirch bittet den Oberbürgermeister dafür besorgt zu sein, daß unsere Stadt in irgend einer Weise dafür Ersatz bekommt.( Wir schließen uns dieser diesem Falle notwendig.) Anregung voll und ganz an; bet Zeiten gerührt, daß ist in Der Oberbürgermeister sagt zu, in dieser Richtung sich bemühen zu wollen. Damit ist der öffentliche Teil der Sigung beendet. In der

nichtöffentlichen Sigung wählt die Verfarmlung an Stelle des verstorbenen Grüne­berg, den Stadtverordneten Heyligenstädt zum unbe­soldeten Beigeordneten. Eine frühere, auf den Stadtv. Siele gefallene Wahl zum unbesoldeten Beigeordneten, hatte dieser nicht angenommen.

( Privattelegramm.)

Darmstadt, 17. Jan. 1903.

Die Bau- Deputation schlägt vor, den Antrag der Sozialpolitischen Kommission abzulehnen und zu beschließen, daß es beim Alten bleibt. Die Stadtverordneten Krumm, Jann, Pirr und Hanau treten für den Antrag ein. Es seien, so erklärt Krumm, bewährte fleißige, ältere Leute, von denen feststehe, daß sie das Wirtshaus meiden, ins Auge zu fassen, um diesen mit den Titel eines Vorar­beiters einen höheren Lohn zu gewähren. Stadto. Hau bach spricht sich für den Antrag der Bau- Deputation aus. Man lockere, wolle man Titular- Vorarbeiter schaffen, die Disziplin und errege den Neid derjenigen, die nicht be- Die neue hessische Landes- Hypothekenbant. fördert werden. Desgleichen sind die Stadtverordneten Loeber, Jughardt, Heichelheim, Helfrich, Huhn und Brück für den Antrag der Bau- Deputation. Beigeordneter Georgi giebt anheim: Der Oberbürger­meister möge, wenn der Antrag der Bau- Deputation heute zum Beschluß erhoben wird, erneut mit Vorschlägen an die Versammlung herantreten, wonach man besonders tüchtigen Arbeitern Zulagen oder Gratifikationen bewilligen fönne, Stadtv. Krumm bemerkt, daß er ganz besonderen Wert darauf lege, die Möglichkeit zu schaffen, hervorragend tüchtigen und ordentlichen Arbeitern, die treu im stäbt schen Dienst sind durch die Verleihung des Titels eines Vorar­beiters eine Freude zu machen. Der Antrag der Sozial­politischen Kommission wird darauf gegen 6 Stimmen abge­lehnt. Die Versammlung genehmigt 5 neue Lehrstellen für die Volksschule und soll darunter 1 Lehrerin sich befinden. Dem Karl Döring wird das Bestehen eines Bedürf­nisses für die Wirtschaft Zum Storch" Damstraße 39 von der Versammlung anerkannt.

*

Nach beendeter Tagesordnung nimmt der Stadtv. Loeber das Wort. Ein größerer Teil der Stadtverord­neten verlassen den Saal. Loeber weist darauf hin, daß die Versammlung vor 6 Wochen sich mit der Inangriffnahme der Arbeiten für das neue Schulhaus beschäftigt habe und daß man seit dieser Zeit von der Sache nichts weiter ge­hört habe. Inzwischen seien Baumaterialien, als Eisen, teurer geworden und würden noch teurer und es wäre an der Zeit, dafür zu sorgen, daß der Schulhausbau durch noch längeres Zögern nicht um einige Tousend Mark teurer

Heute Vormittag wurde hier die neue Hessische Landes­Hypothekenbant, unter dem Vorsitze des Herrn Minister der Finanzen Dr. Gnauth eröffnet. In den Aufsichtsrat wurden für die nächsten drei Jahre folgende Herren berufen: 1. als Delegierte und Bevollmächtigte des Staats: Rentier Otto Wolfskehl- Darmstadt, Defonomierat Auguft Dettweiler- Darmstadt, Geh. Reg.- Rat Karl Planz­Darmstadt und Prof. Dr. phil. et jur. M. Biermer­Gießen.

die

2. als Vertreter der Kommunalverbände: Justizrat und Mitglied der Zweiten Kammer Dr. Egid Gutfleisch- Gießen.

3. als Vertreter der Hessischen Sparkassen: Fürstl. Kammer direktor Dr. Jakob Korell- Büdingen und Oberförster Dr. Karl Weber- Konradsdorf.

Der Aufsichtsrat wählte zu Direktoren der Bank Herren:

Emil Bastian von der Bayerischen Bodenkreditanstalt in Würzburg und Gerichtsassessor Dr. jur. Friedrich Fre­senins in Darmstadt.

Als Staatskommissar wird der Herr Staatsfaffen­direktor Dr. Schäfer fungieren.

Das Nominalfapital der Landes- Hypothekenbank beträgt 4 600 000 Mt.; hiervon wurden sofort eingezahlt 2 080 000 Mart. Der hessische Staat übernimmt vom nominellen Grundfapital 85 Prozent, vom eingezahlten 68 Prozent.

Gut, praktisch, billig

Giessener Cagesneuigkeiten.

Oberhessischer Geschichtsverein. In der nächsten Bersammlung des Vereins, die wahrscheinlich am 29. id. Mts. stattfindet, wird Herr Prof. Sauer über neuere bau­liche Entdeckungen in und um Sießen sprechen, die von fultur- und funsthistorischer Bedeutung sind. Nach dem Vor­trag sollen Erinnerungen an das Frankfurter Parlament, die deutsche Revolution usw. vorgezeigt und erklärt werden. Die Gegenstände stammen teilweise aus dem Museum des Vereins, teilweise sind sie Privatb sig. Mitglieder und Freunde des Vereins, die im Besize ähnlicher Andenken find und die Gelegenheit benußen wollen, ihre Schäße einmal einem größeren Kreis zur Einsicht vorzulegen, vielleicht auch sich selbst Aufklärung verschaff n möchten über das eine oder andere Stück, werden gebeten, sich mit Herrn Hauptmann a. D. Kramer( Frankfurterstr. 4, oder Herrn Dr. Vogt ( Löberstr. 17) in Verbindung zu sehen.

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Hess. Bereinigung für Volkskunde. Wie aus der Annonce im heutigen Blatte zu ersehen, wird nächsten Montag abends 8 Uhr im Café Ebel eine Mitgliederver fimmlung stattfinden, in welcher Herr Kustos Dr. Ebel über Gießener Flur- und Straßennamen sprechen wird. Wir machen auch an dieser Stelle auf diesen Vortrag aufa rfjam, und empfehlen den Besuch desselben jedermann, der sich für die Geschichte und Entwicklung unserer Stadt interessert.

** Gesellschaft für soziale Reformt. Der Vorstand der Sektion Oberheffen der Gesellschaft für soziale Reform stellt zurzeit in der Provinz Erhebungen an über die Wohnungs und Erwerbsverhältnisse der minderbemittelten Bevölkerungs­freise, um demnächst in Oberheffen auf dem Gebiete der Wohnungsfrage vorzugehen. Jedem, der Interesse an dieser Frage hat, ist hier Gelegenheit gegeben, die in seinem Wohn­orte bestehenden Wohnungsverhältnisse usw. dem Borstande der Settion Oberhessen der Gesellschaft für soziale Reform ( 3. H. des Herrn Sekretär Scherff, Gießen) mitzuteilen.

J. Schlierseer Bauerntheater. Jägerblut" brachten die Schlierseer gestern abend zur Aufführung Xaver Terofal spielte den Bader Zangerl meisterhaft und Forst wart reproduzierte einen kernigen bayrischen Alpen­hatte die Lacher auf seiner Seite. Herr Gailing als jäger, wobei er mit Kernausdrücken recht ſpendabel war. Anna Terofal als Loni machte sich recht nett, ohne Zier und Scheu brachte sie ihre innige Zuneigung zum Fösterssohn zum Ausdruck, reichen Beifall erntend. Der Besuch am gestrigen Abend war so stark, daß die Direktion 2. Parkett auf der schmalen Seite der Gallerie herrichten mußte, doch mußten trotzdem noch viele Be sucher stehen. Hoffentlich ist die Montags- Vorstellung von demselben guten Erfolg begleitet.

**[ Stadttheater.] Auf allgemeinen Wunsch haben sich die Schlierseer zu einem nochmaligen Gastspiel entschlossen, dasselbe findet Montag, den 19. d. Mts. statt. Es gelangen die drei Einafter:" Er hat etwas vergessen", Ein blauer Tenfel" und Die Medaille" zur Aufführung. Vorbestellungen auf Billets werden be reits Samstag und Sonntag von Herrn Ernst Challier entgegen genommen.

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Anlagenmusik, Südanlage 11.30 Uhr. 1. Ouverture 3. Op. Stradella" von Flotow. 2. Maritana- Walzer von Dellinger. 3. Loreley- Paraphrase von Neswadba. 4. Finale a." Aida" von Verdi.

Deueste Nachrichten.

Petersburg, 17. Jan. Vom Bahnhofe aus begab sich der deutsche Kronprinz gestern Vormittag mit dem Großfürsten- Thronfolger in das Winterpalais, um dem Zarenpaar einen Besuch abzustatten. Später besuchte der Kronprinz die Zarin- Mutter. Nach der Rückkehr fand im Winterpalais cin Frühstück im Familienkreise statt. In Gatschina überreichte der Kronprinz dem deutschen Botschafter Grafen von Alvensleben das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub.

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