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In ähnlicher Weise spricht sich Abg. v. Tiedemann aus. Er meint, die Arbeiter haben offenbar die leber­zeugung, daß die Sozialdemokratie ein machtvoller Faktor im Staate sei, und sie folgen deshalb ihren Führern. Das werde erst aufhören, wenn die Arbeiter sehen, daß die Macht dieser Sozialdemokratie und ihrer Führer zerschellt an der Macht des Staates.

Der Reichskanzler über das Programm der Regierung.

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Graf Bülow erwidert: Der Abg. Graf Limburg sagte, er vermisse bei der Regierung einen zielbewußten Willen, er wolle Taten sehen. Das kann nur heißen, daß, wenn Graf Limburg hier an dieser meiner Stelle stände, er ge­sekliche Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie, Repressiv­maßnahmen gegen sie in Vorschlag bringen würde. frage ihn da aber, ob er glaubt, daß im gegenwärtigen Momente für derartige Maßnahmen in diesem hohen Hause eine Mehrheit vorhanden sein würde. Wenn in dieser Be­ziehung nicht eine absolute Gewißheit vorliegt, würde ich es für einen Fehler halten, ohne zwingende Not Zwiespalt unter die bürgerlichen Parteien zu tragen. Graf Limburg hat ferner nach einem Programm der Regierung gefragt. Ich kann mich wohl nicht deutlicher ausdrücken, als ich es neulich getan. Das Programm der Regierung ist: Alles zu tun, um gegenüber der Sozialdemokratie die Einigkeit in der bürgerlichen Welt aufrecht zu erhalten oder zu schaffen, wo dies noch nötig erscheint und alles zu ver meiden, was diese Einigkeit stören kann. Ich glaube nicht, daß mit gesetzgeberischen Mitteln alles getan ist. Ich glaube, daß die öffentliche Ordnung mit jedem Nachdruc von der Regierung verteidigt werden muß. Jeder, der die Ordnung stört, muß und wird rücksichtslos zu Boden geworfen werden. Im übrigen aber ist es nötig, die An­hänglichkeit an die bestehenden Institutionen zu pflegen, alles zu vermeiden, was Unzufriedenheit schaffen kann, be­rechtigte Forderungen zu erfüllen und überhaupt alles bei uns so wohnlich einzurichten, daß alles sich wohl fühlt. Wir haben höchstens Divergenzen über das Tempo der Gesetz­gebung, aber keine Differenzen über die Notwendigkeit Sozialer Reformen als solcher! Wir haben also gegenüber den Arbeitern ein so gutes Gewissen, wie nur jemals eine Regierung in Europa. Wir haben das Streben, die Zu­stände in gesetzlichen Bahnen zu halten, soweit es nur irgend der Hochmut, der Dünkel sozialdemokratischer Führer und der Terrorismus der arbeitenden Klassen es zuläßt. Und wenn die Debatten der letzten Tage eine Folgerung gestatten, so möchte ich wünschen, daß es die sein möge, daß das Selbstvertrauen der bürgerlichen Kreise, der bürger­lichen Gesellschaft sehr viel stärker ist, als sie selbst glauben. ( Lebhafter Beifall.)

Der sozialdemokratische Abg. Stolle geht von neuem mit größter Ausführlichkeit ein auf die Verhältnisse in Krim­mitschau, wo von den Arbeitern, wie er sagt, lediglich ge­fämpft werde um den Zehnstundentag, was eine Erwiderung des sächsischen Bevollmächtigten Geheimrat Dr. Fischer hervorruft. Er betont, daß es sich in Krimmitschau lediglich um eine Kraftprobe handelt. Für die Erheiterung des Hauses sorgt alsdann Abg. Liebermann v. Sonnenberg, der einzelne witzige Bemerkungen an die Adresse seiner jü­dischen Mitbürger richtete. Mit nachdrücklichem Ernst besprach der elf. Abg. Blumenthal abermals den Fall Forbach und plaidierte für Aufhebung des Diktaturparagraphen. Ihm gibt der Staatssekretär v. Köller kurze, aber bün­dige Antwort.

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Reserve verkehren. Er muß sich gefallen lassen, daß der Zar bei der Wiesbadener Zusammenkunft zu Kaiser Wil­helm und zum Großherzog von Hessen, zu den Grafen Bülow und Lambsdorff äußerte:" Serbien und sein König müssen ignoriert werden." Er muß sich gefallen lassen, daß die russische Regierung die Söhne des mit Alexander und Draga ermordeten Generals Lazar Petrowitsch auf russische Staatskosten erziehen läßt...

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Und was das Schlimmste ist: An' diese Demütigungen werden nicht nur seinen Untertanen bekannt, nein, seine eigenen Landsleute geben sich alle erdenkliche Mühe, den König auch ihrerseits zu beschimpfen und verächtlich zu machen. Mit einer Schärfe und Gehässigkeit, die ihres­gleichen sucht, führt die serbische Presse gegen den König einen Feldzug, dessen offenbares Ziel sein Sturz ist. So über­schrieben die Belgrader Beogradske Nowine ,, kürzlich einen fulminanten Artikel ungescheut: Vor der Abdankung König Peters", sie forderten in dürren Worten, Peter solle auf den blutig gewonnenen Thron Verzicht leisten. das Blatt darauf behördlich bestraft wurde, brachte es einen Artikel, in dem es mitteilte, daß ein sehr bekannter Herr", der sich im Laufe der letzten Woche habe photographieren lassen, auf den Photographen erbost sei, da dieser ihm die Blutflecke auf den Händen nicht wegretouchiert habe. Da König Peter in dieser Zeit mehrfach beim Phtographen gewesen war, war die Deutung nicht schwer. Andere Zei­hungen heben gegen die Familie des Königs. Die Na­rodni Listi" brachten die Notiz, daß der Prinz Georg einen seiner Untergebenen als serbisches Schwein" ange redet habe.

Das Flußkanonenboot Vaterland", das Geschenk der eutschen Flottenvereine im Auslande, hat seine Erprobungs­fahrten mit sehr befriedigendem Ergebnis erledigt. Die Schichauwerft läßt es jetzt wieder auseinandernehmen, und ein Frachtdampfer befördert es von Danzig nach Hongkong. Das Baterland" wird voraussichtlich im April den Stromdienst in den chinesischen Gewässern beginnen. Die, Tsingtau" und das Vaterland" besezen das Yangtsegebiet und den Perl­fluß mit dem Sifiang- Delta. Beide Fahrzeuge sind ganz gleichartig. Die Flottenvereine im Auslande schenkten 425 000 Mark. Dafür hat die Bauwerft das Vaterland bis auf die Bewaffnung geliefert. Die Kosten der Bestückung übernimmt das Reich. Das Vaterland" wird ein 8,8cm­Schnellfeuergeschüß, eine 5cm- Schnelladekanone und zwei 8mm- Maschinengewehre führen. Die Bordwand zeigt ein 8mm starfe Panzerung aus Nickelstahl und der Kommando­turm ist durch einen 12mm- Panzer geschützt. Außerdem find die Deckaufbauten für die Wohnräume der Besatzung mit einem leichten Stahlpanzer versehen. Das ,, Vaterland" führt 3 Beiboote und 1 Scheinwerfer.

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Hof und Gesellschaft.

Nun wäre all das ja noch zu ertragen, wenn der König sich nur auf die Königsmörder verlassen könnte. Aber aud das ist nicht der Fall. Im Lager der serbischen Verschwörer ist nämlich neuerdings eine Spaltung eingetreten: Atanaz­kowitsch und Maschin sind für ein allmähliches Nachgeben und für friedliche Beilegung der Zwistigkeiten im Offizier korps. Popowitsch und Nasitsch dagegen treten für einen energischen Kampf mit der Gegenpartei ein. Also auch der einzige Halt, den der König etwa noch finden könnte, geht ihm verloren. Leicht ist König Peters Stellung also nicht. Aber schließlich gilt auch von ihm: Wie man sich bettet, sc schläft man.

Der Kaiser wird bestimmt an der morgen( Donners­tag) stattfindenden Hofjagd in der Göhrde persönlich teil­nehmen und mittags dort eintreffen. Im Laufe des Nach­mittags findet eine Jagd auf Schwarzwild, und am Frei­tag eine Jagd auf Rotwild statt. An den Jagden wird auch der russische Großfürst Wladimir teilnehmen. Nach Besichtigung der Strecke verläßt der Kaiser Göhrde, um nach Hannover weiterzureisen zur Teilnahme an der drei­fachen Regimentsfeier; die Ankunft auf dem dortigen Bahnhofe wird, wie wir schon ankündigten, am Freitag, 18. d. Mts., abends 11% Uhr erfolgen.

Prinzregent uitpold von Bayern empfing gestern den Kriegsminister Frhrn. v. Asch in Audienz, der ihm die Glückwünsche der bayerischen Armee zum 60jäh­rigen Generalsjubiläum überbrachte.

König Peters Sorgen.

Aus dem Gerichtssaal.

Im Erbschaftsprozeß gegen König Leopold der Belgier ließ Prinzessin Clementine die Erklärung abgeben, daß sie den Ehevertrag ihrer Eltern nicht anfechte; die Vertreter der Prinzessin Luise und Gräfin Lonyay gaben jedoch keiner­lei Erklärung ab, sondern wollen die Entscheidung des Ge­richts abwarten; letzteres ordnete die Liquidierung der Hinterlassenschaft der Königin an, um zu sehen, ob diese nicht zur Befriedigung der Gläubiger der Prinzessin Luise hin­reicht. Der Gerichtssaal war mit einem eleganten Publikum gefüllt.

§ Wegen Unterschlagung von Gerichtsakten wurde vom Kölner Schwurgericht ein früher bei der Staatsanwaltschaft beschäftigter Schreiber, der auf Betreiben des Agenten Scham­bony Akten gestohlen und gegen hohe Belohnung vernichtet hatte, zu 7 Jahren Zuchthaus und zehnjährigem Ehrverlust verurteilt. Schambony erhielt 3 Jahre Gefängnis. Die übri­gen Angeklagten wurden mit Geldstrafen belegt.

Benn König Peter von Serbien gefehlt hat, als er sich zum König von Mördergnaden machen ließ, so hat er diese Verfehlung inzwischen gründlich gebüßt. Er ist ein willenloses und wehrloses Werkzeug in der Hand der Königsmörder geblieben, er vermochte sich ihrer nicht zu entledigen, wie er anfangs vielleicht gehofft hatte. Und obenein hatte er den Haß und die Verachtung auf sich zu nehmen, die in Serbien und außerhalb seiner Grenzpfähie den Königsmördern gezollt ward. Von den Großmächten muß er sich gefallen lassen, daß sie ihn vor aller Welt bloß­stellen, indem sie ihre Gesandten vom serbischen Hofe ab­berufen. Er muß sich gefallen lassen, daß ihm von Wien und Petersburg aus gesagt wird, ehe der Königsmord nicht gefühnt sei. tönne man mit Serbien nur in äußerster

mit aller Energie aufgenommen wurde, gelang es bi nicht, ihn wieder einzufangen. Man nimmt an, daß wa über die deutsche Grenze entkommen ist.

§ Wegen schweren Straßenraubes in Verbindung mit Mordversuch wurde in Hannover der 19 Jahre alte Dekora­tionsmaler Georg Vender aus Neuenhaus bei Heidelberg, zur Zeit hier in Haft, zu 7 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Es handelt sich um die Bluttat bei Neustadt a. Rbg., bei der be­fanntlich am 7. November d. J. der 16 Jahre alte Lauf­bursche Willy Stindler, der Reisegenosse des Verurteilten, be­raubt und durch 13 Messerstiche schwer verletzt wurde.

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Die Untersuchung der Humbert- Kommission fördert is doch noch manche pikante Ueberraschungen zutage. Es w der Deserteur Brugniere vernommen, der bekanntlich dem Ausweis der Akten durch die Verwendung der Humber straflos geblieben ist. Er sagte aus, nach seiner ersten Fahre flucht sei er dank der Vermittelung Gustav Humberts berm digt worden, nachdem sein Vater 700 000 Fr. auf das Sh Marcotte das, wie man weiß, nur in der Phantasie resens bestanden hat-- geliehen hätte. Nach einer zwi Fahnenflucht habe sich Gustav Humbert ebenfalls für ihn va wandt, nachdem sein Vater weitere 700 000 Fr. als Hypothe auf das Landgut Teleyran hergegeben. Aus dieser Aussat ist derselbe Rückschluß erlaubt, den schon früher bekannt ge wordene Einzelheiten wahrscheinlich machten: daß der un fängliche Darlehnsschwindel nicht von Therese und Frederic Humbert allein ins Werk gesetzt wurde, sondern, daß There sens Schwiegervater, der Senator und ehemalige Minister Gustav Humbert, daran tätigen Anteil gekommen hat.

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In Bayreuth mußten infolge einer Scharlachepedemi die städtische Töchterschule, die Seminarschule und die fün untersten Klassen des humanistischen Gymnasiums geschlossen

werden.

In Gohlis steckte das dierjährige Söhnchen eines Mille tärmusikers den Arm durch das Loch einer Umzäunung. Gin innerhalb des Zaunes frei umherlaufender Bernhardiner hund biß den Arm am Ellenbogen ab und fraß ihn. Der Anabe wurde ins Lazarett geschafft.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 15. Dezember 1903.

Es erfolgt zunächst die Besprechung der Anfrage des Abg. Dr. David über die polizeilichen Maßnahmen gegen die ausgesperrten Maurer in Mainz. Abg. Adelung meint, die Antwort der Regierung set recht einseitig. Ministerial rat Braun stellt aus den Aften und Gerichtsurteilen sest, daß das Vorgehen der Polizei gelezmäßia gewesen sei und feinerlei Verlegung verfassungsmäßiger Rechte erfolgt si An der weiteren Debatte beteiligten sich noch die Abgg. Cramer, Weidner, Dr. Schmitt, Ulrich, Adelung und Müller. Damit ist die Besprechung erledigt.

Die sächsische Tuchindustrie und die hellblauen Offizier­röcke. Die Zittauer Handels- und Gewerbekammer hat eine Eingabe an das sächsische und das preußische Kriegsministe rium gerichtet, in der sie die plötzliche Einführung der hell­blauen Offizierröcke als eine schwere Schädigung der Tuch­industrie in der sächsischen Oberlausit bezeichnet. Früher waren für solche Röcke Tuche in zahlreichen Farbennuancen zugelassen, demgemäß mußten auch reichsortierte Tuchvorräte vorhanden sein. Als dann die Verordnung bezüglich der hellen Offiziersröcke kam, welche bestimmte, daß vom Tage der Verkündigung an Neuanschaffungen in den früheren Farben nicht mehr zulässig seien, waren die fertigen Röcke in den Schneiderwerfstätten sofort entwertet. Eine Firma hatte solche Röcke im Werte von 70 000 Mark vorrätig. Ein Schneider hatte etwa 100 Röcke auf Bestellung hergestellt. Die betreffenden Offiziere nahmen sie nicht mehr ab, sondern wünschten nun helle Röcke dafür. Um es mit der Kundschaft nicht zu verderben, mußte auf solche Wünsche eingegangen werden. Die 100 Röcke wurden dann für geringes Geld an Droschkenkutscher losgeschlagen. Andererseits verlangten die Schneider von den Tuchlieferanten, daß diese die unverarbei­teten Tuche zurücknähmen, und die Fabrikanten mußten dann auch sehen, die entwerteten Bestände mit Schaden loszuschla­gen. Hier handelte es sich um ein Kleidungsstück, dessen Ein­führung eine längere Uebergangsperiode vertragen konnte, und da habe die Industrie wohl das Recht, den Anspruch zu erheben, daß dergleichen Plötzlichkeiten vermieden würden.

Der Antrag des Abgg. Dr. Schmitt und Genossen, die Ausbildung der Verwaltungsbeamten betreffend, findet nach furzer Debatte, an der sich die Abag. Dr. Schmitt und Dr. Gutfleisch und Staatsminister Rothe beteiligten, in der Ausschußfassung Annahme.

Der Antrag des Abag. Ulrich und Genossen, Ver tretung der Arbeiterschaft im Großherzoglichen Ministerium betreffend, wird nach Begründung durch Abg. Ulrich dem Ausschußantrag entsprechend für erledigt erklärt und ein Ersuchen an die Regierung beschlossen, im Bundesrat für eine baldige reichsgesetzliche Regelung der Frage der berufs ständigen Organisation der Arbeiterschaft ihren Einfluß geltend zu machen. Ministerialrat Braun erklärte das Ein verständnis der Großh. Regierung mit dem Antrag des Ausschusses.

Explosionskatastrophen. Wie aus Köln gemeldet wird, fand in der Dynamitfabrik zu Grevenbrück eine große Explo­sion statt. Soweit man bisher übersehen kann, sind vier Arbeiter dabei ums Leben gekommen. Etwa 15 Arbeiter und Beamte wurden leicht verlegt. Eine weitere schwere Explosionsfatastrophe trug sich bei der italienischen Stadt Piacenza in einer Petroleummine zu. Vier Personen, da­runter der französische Direktor der Mine, Ingenieur Cau­sel, wurden getötet, zwei andere schwer verletzt. Die Explo­sion erfolgte infolge übermäßiger Erhizung des Bohrers, mit dem man das Bohrloch zu erweiteren gesucht. In einem Augenblick stand alles in einem wahren Flammenmeer.

Prinz Prosper Arenberg ist aus der Abteilung für Nervenkranke in der Strafanstalt Moabit wieder nach dem Strafgefängnis Tegel zurückgebracht worden, da die von der Militärbehörde eingesetzte Medizinalkommission sich dahin ausgesprochen hat, daß der Pring geistig normal sei.

Hierauf vertagt sich das Haus auf Mittwoch Vormittag 9 Uhr.

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Drama in 4 Aufzügen von Beyerlein. Beyerlein ist der Held des Tages! Zuerst hat sei Roman Jena oder Sedan?" in vielen Tausenden do Exemplaren in Deutschland und darüber hinaus Verbreitung gefunden, nunmehr macht sein Drama, Zapfenstreich" b die Bühnen seine Runde. Beide Werte bedeuten keine Se reicherung der deutschen Literatur, aber sie haben das Vr dienst, ein aktuelles Thema aufgegriffen und in geschicke Weise vorgeführt zu haben. Gemeinhin glaubt man, Hat, leben habe die Reihe der Militärstücke mit dem Schauspel Rosenmontag" eröffnet. Dies ist nicht der Fall. Lez der Stürmer und Dränger, Goethes Freund, hat berek ein Stück die Soldaten" geschrieben, dessen Aufführung der nächst in München beabsichtigt wird. Der Dramatiker L ist Harlteben und Beyerlein weit überlegen; nur daß Regellosigkeit seiner Szenenführung der Darstellung größten Schwierigkeiten entgegenset. In den Soldate" erleben wir wirklich ein Stück Zeitgeschichte und die S dateska an der deutsch- holländischen Grenze wird uns in prächtigen Bildern vorgeführt. Der Rosenmontag" bereits vom Repertoire der deutschen Bühnen so gut me verschwunden. Wird dem Zapfenstreich" eine läng Dauer beschieden sein? Wir glauben kaum. Die Fat des Dramas ist höchst einfach. Der Ulanenwachtmeier Bolthardt hat ein liebreizendes Töchterlein. Sein Pflege sohn, der Sergeant Helbia, gilt als des Mädchens Bräutigen Er wird auf zwei Jahre nach Hannover abkommandiet

O Die Flucht des zum Tode Verurteilten. Aus dem Ge­fängnis zu Pilsen brach der in diesen Tagen wegen Raub­mordes zum Tode verurteilte Arbeiter Wenzel Matas aus. Tropdem die Verfolgung des Flüchtlings ohne Säumen und

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Bei seiner Rückkehr tritt ihm sein Klärchen mit Kät entgegen und weist seine Liebkosungen schroff zurück. De Verschmähte kommt bald dahinter, wer ihm das Herz seiner Braut gestohlen hat, es ist der Leutnant von Lauffen, in liebenswürdiger Schwerenöter, der in der Kaserne Tür e Tür mit dem Wachtmeister wohnt. Eines Abends, da das Liebespaar in der Leutnantswohnung ein Schäferstündchen hält, dringt der eifersüchtige Helbig herein, gewahrt im Nebenzimmer setne frühere Braut und erhebt die Hand gegen feinen Vorgesetzten. Darauf Kriegsgericht. Weder der an geflagte Helbig noch der Leutnant Lauffen befunden die Wahrheit, sofern sie um feinen Preis die Tochter des Wadt meisters blosstellen wollen. Diese felbft aber stellt sich al 3 ugin ein, Lauffen vor dem Falscheid zu bewahren und bekennt, daß ste die Geliebte des Leutnants sei. Der lest Aft führt die Katastrophe herbei. Der Wachtmeister tritt dem Verführer seiner Tochter mit dem Revolver in der Hand gegenüber, die tötliche Kugel aber trifft Klärchen selbst. Das alles ist geschickt aufgebaut und zum wohlberechnetm Schluß geführt, aber in de vier Aften glimmt kein Fünfchen Po sie empor. Der Schuß spekuliert auf dem Gusto der Masse. Er war nicht nötig. Hätte der Wachtmeister, die

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