Ausgabe 
16.3.1903 Erstes Blatt
 
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an diesen Forberungen zu begrünben und die Marine. berwaltung gegen den Vorwurf zu großer Opulenz in Echuß zu nehmen. Das Terrain sei auch garnicht un­gewöhnlich teuer, ein anderes geeignetes werde man nicht finden. Der Abg. Singer trat lebhaft für die Ablehnung der Forderungen ein, den gewählten Play als zu teuer fennzeichnend. Daneben widersprach er ber Ansicht, daß Berlin ein Interesse daran habe, solche staatlichen Gebäude in seinem Bereich zu haben. Auch der Abg. Liebermann v. Sonnenberg be kämpfte die Forderungen. Hierauf wurde der Antrag ber Kommission angenommen und die Forderungen blei. ben also gestrichen. Damit ist der Marineetat erledigt, bis auf die Abstimmung über den Antrag Frese zu den Titeln ,, Reparatur der Kreuzer ,, Kaijerin Augusta" und Irene", welche wegen Beschlußunfähigkeit des Hau­ses abgesezt werden mußten.

42. Sigung.

Preussifcher Landtag.

Baus der Abgeordneten.

Eigener Beri ht

Die Mädchengymnasien. Die beim Kapitel ,, Elementarschulwesen" fortgejezte zweite Beratung des Kultusetats gab wieder Anlaß, die mannigfachsten Klagen vorzubringen. Gegenüber Angriffen des polnischen Abg. Stychel rechtfertigte der stultus. minister Dr. Stubt das bisher in den Ostmarken von der Schulverwaltung befolgte System. Auf eine Anfrage des Abg. Metger antwortete ein Regierungsvertreter, daß die Verwaltung bemüht sei, dem Mangel an atade misch gebildeten Turnlehrern an den höheren Lehranstalten nach Maßgabe der vorhandenen Mittel abzuhelfen.

Bei dem Titel ,, Höhere Mädchenschulen" beklagte der Abg. Irmer das Fortschreiten der Frauenemanzipation. Die Konzessionierung von Mädchengymnasien, so meinte er, müsse logischer Weise dahin führen, daß den Frauen alle Berufe der Männer zugänglich gemacht werden und ihnen schließlich auch die politischen Rechte nicht vorent halten werden tönnen. Man sei jezt am Anfang einer schiefen Ebene. Der Kultusminister erwiderte: Die Er­richtung von Mädchengymnas.en oder Realgymnasien liegt nicht in der Ansicht der Unterrichtsverwaltung; ein Be­dürfnis dazu kann nicht anerkannt werden. Die Genehmi­gung der Mädchengymnasien in Schöneberg und Char­lottenburg ist nur versuchsweise auf Widerruf erfolgt. Die Befürchtungen des Abg. Irmer hinsichtlich der Gymnasial­reifeprüfung für Mädchen finden in den Erfahrungen anderer außerpreußischer Staaten teine Stüße. Der Re­gierungskommissar Geheimrat Wäßold bemerkte noch, Baß eine Aenderung in den Oberlehrerinnenprüfungen nicht erfolgt ist. Gegenüber Ausführungen des Abg. Ditt­rich, welcher die geistige leberbürdung der Schüler be­tlagte, wies der Kultusminister auf die Maßnahmen hin, welche ergriffen seien, um dieser Ueberbürdung vorzu­beugen.

Hof und Gesellschaft.

*** Der Kaiser wird für seine Reise nach Kopen­hagen den Seeweg von Kiel aus wählen. Die kaiser­liche Jacht ,, Hohenzollern" macht bereits Probefahrten zu bem Zweck. Begleitet soll sie von dem Depeschenboot ,, Sleipner" und dem kleinen Kreuzer, Nymphe" werden. - Wie aus Rom verlautet, erwartet man dort bestimmt, baß Kaiser Wilhelm bei seinem demnächstigen Besuche baselbst von der Kaiserin begleitet werden wird. Zur Be­willkommnung des kaiserlichen Paares werden die glän­zendsten Vorbereitungen getroffen.

*** Der Kronprinz fährt in seinen Studien der altegyptischen Denkmäler eifrig fort. U. a. ritt er mit Gefolge von Luxor zu den Königsgräbern und besuchte da­cauf den Tempel Deir- el- Baheri. Nach einem in dem Cootschen Stationshaus eingenommenen Frühstück kehrte ber Kronprinz nach Luxor zurück, wo er das Ramesseum und die Memnonsfäulen besichtigte.

Lokales.

** Privattelegramm. Bei der heute Bermittag erfolgten 9. Bichung der letzten( Haupt)-Klasse der Hessisch­Thüringischen Staatslotterie wurden folgende Gewinne gezogen:

10 000 mt. auf: 86 538, je 5 000 mt. auf: 750 301, 41 313, 74 336, 79 664 94 558, je 3000 Mt. auf: 1706, 35 675, 45 708, 76 773, 68 725, 71 138, 72 394, 72 623, 84 030 und 85 681.( Ohne Gewähr.)

** Der Der Provinzialausschuß verhandelte Samstag den ganzen Tag über die Notwendigkeit der Enteignung des Geländes zwischen Wilhelm- und Klinikstraße zur Erbauung einer Chirurgischen und einer Augenklinik. Professor Rehn Frankfurt a. M., Geheimrat Riegel­Gießen, Medizinalrat Köhler- Offenbach und Ber­walter Muhlot Frankfurt sprachen sich als Sachver: ständige dahin aus, daß das Gelände östlich der medizinischen Klinik( hinter der Kolerabaracke) geeigneter set zur Erbauung der geplanten Kliniken, als das vom Staate vorgesehene weiter unten liegende Terrain. Die Verhandlung wurde gegen Abend ver­tagt und zwar bis Samstag den 28. März d. J. Zur Verhandlung werden eine Reihe von Sachver­ständigen geladen und hofft man mit dieser Verhand­ung zum Schluß zu kommen.

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** Ernannt wurden am 6. März der Privatdozent Dr. Josef Collin zu Gießen, am 7. März der Privatdozent Dr. Adolf Strad zu Gießen zu außerordentlichen Professoren bei der philosophischen Fakultät der Landes­Universität.

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Bei den Gewerbegerichtswahlen, welche am lesten Samstag hier stattfanden, siegten im Wesentlichen die der= einigten Kandidaten des Ortsgewerbevereins, des Evangeli­schen Arbeiter und des Kathol. G. sellenvereins. Es sind ge­wählt: von Arbeitgebern: Glasermeister Bierau mit 99 Stimmen, Spenglermeister Faber( 99), Fabrikant Emmelius ( 86), Echneidermeister Leib( 86), Schreinermeister Beil( 85), Bäckermeister Hennings( 85), Schlossermeister Dörr( 85), Uhrmacher Schmidt( 85), Bauunternehmer Winn( 85), Schuhmachermeister Berg( 81), und von der von den Sozial: demokraten aufgestellten Liste Kaufmann Krumm( 13) und Bäckermeister Müller ebenfalls mit 13 Stimmen. Von den Arbeitern: Bick mit 765 Stimmen, Holdberg( 765), Diel( 764), Hensel( 764), Baum( 763), Dech( 763), Krüger ( 763), Laucht( 763), Manche( 763), Schäfer( 763), Jafobi ( 768) und von den auf sozialdemokrat scher Seite aufgestellten der Arbeiter Döll mit 75 Stimmen. Im ganzen wurden abgegeben von Arbeitgebern 102 Wahlzettel und von Ar­beitern 836. Die Wahlbeteiligung war demnach dieses Mal auf Seiten der Ersteren eine vierfach stärkere und bei den Arbeitern um das Doppelte so stark als bei den letzten gleichen Wahlen.

A Revision der Handwerksbetriebe. Die Handwerks­tammer hat befanntlich beschlossen, eine Revision sämt­licher Handwerksbetriebe zu veranstalten einerseits um festzustellen, ob den Verordnungen der Kammer insbe­sondere auf dem Gebiete des Lehrlingswesens allseits nachgefommen worden ist, andererseits um für die An­stellung von Beauftragen geeignetes Material zu ge­winnen. Nachdem die umfangreichen und schwierigen Vorarbeiten nunmehr beendet sind, wird demnächst mit der Revision begonnen werden. Bis dahin ist jeder Handwerker in der Lage, Versäumtes nachzuholen und sich vor Strafe zu schüßen. Wir wollen nicht ver­fehlen auch hier die Handwerker an ihre gesetzlichen Ver­pflichtungen, die alle zur Förderung und Besserung der Lage des Handwerkerstandes dienen, zu erinnern.

** Die trigometrischen Vermessungen des Generalstabes finden in diesem Jahre auch in den drei Provinzen des Großherzogtums statt.

** Theaterverein. Dem Borstand ging gestern von Frl. Triesch die Nachricht zu, daß sie im Monat März wohl schwerlich das versprochene Gastspiel geben tönne Wann dasselbe nun stat finden soll, ist nachdem immer noch nicht bestimmt

** Mordversuch. Ein hiesiger Taglöhner lebte schon seit einiger Zeit mit seiner Ehefrau in Unfrieden, wobei es mehrmals vorfam, daß er dieselbe auch mishandelte. Sie trennte sich deshalb von demselben und begab sich zu ihrer in der Kaserne verheirateten Tochter. Gestern begab sich nun der Ehemann mit einem geladenen Revolver, den er erst kurz vorher gekauft hatte, in die Kaserne und feuerte mehrere Schüsse auf seine Ehefrau ab, wobei er dieselbe zweimal ver­lezte. Auch der Soldot, der ihm zur Begleitung von der Bache mitgegeben wurde erhielt einen Schuß in die Hand. Sämtliche Verlegungen sind nicht lebensgefährlich. Der Thäter wurde verhaftet.

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Schlägerei. In der Nacht von Samstag auf Sonn­tag fam es in der Schulstraße zwischen jungen Kaufleuten zu einer Schlägerei, wobei es blutige Köpfe abseßte. Die Thäter wurden zur Anzeige gebracht.

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** Die Pfähle, welche eine Sperre des Promenaden­weges nach dem Schiffenberg und zwar für die bösen Radler bilden soller, in der Hauptsache aber eine Falle für die vom Schiffenberg abends in der Dunkelheit heimkehrenden Herren und Damen bedeuten, sind in diesem Jahre noch verbessert und vermehrt. Wie erinnerlich hat der Stadtv. Haubach das Vorhandensein dieses Verkehre hindernisses im vergangenen Jahre in der Stadtverordneten Versammlung gegeißelt, und beffen Entfernung gewünscht. Wie man uns mitteilt, wird sich das Finanzministerium in Darmstadt in dantens. werter Weise der Siche annehmen und die Forstbehörde, welche diesem Ministerium unterstelt ist, anweisen, die Pfähle zu entfernen und den Radfahrern das Befahren des Prome­nabeweges nach dem Schiffenberg durch einen tafelartigen Hinweis zu verbieten. Diese Anordnung wird gewiß von der gesamten Bürgerschaft mit Freuden begrüßt werden, es Fremden, welche in zahlreich den Schiffenberg besuchen regel wird doch damit eine Einrichtung beseitigt über die die mäßig den Kopf schüttelten. Auch in der General Versamm lung des Verschönerungs- Vereins hat die Pfahlsperre unserer schönsten und beliebtesten Waldpromenade, Anlaß zur Kritik gegeben und ist es wohl möglich, daß dies die vorgesetzte Behörde veranlaßt hat einzugreifen.

Aus Hessen und nachbargebieten.

** Bad- Nauheim, 12. März. Der Männergesang­verein Frohsinn" feiert am 4., 5. und 6. Juli sein 60 jähriges Stiftungsfest verbunden mit Fahnenweihe. Aus diesem Anlasse veranstaltet der Verein einen Gesang wettstreit mit Klassenfingen und Ehrenrpreissingen, zu welchem sich bereits sehr viele Vereine angemeldet haben. Die Stadt hat zu einem Ehrenpreis 150 Mt. zur Verfügung gestellt.

** Groß- Felda. Johs. Semmler 1. wurde als Wieges meister und Peter Scharmann a's stellvertretender Wiege­meister unserer Gemeinde eidlich verpflichtet.

** Alsfeld. Gelegentlich des Prämien und Pferde­marftes am 27. Juli soll eine Verlosung von Vich und landwirtschaftlichen Geräten stattfinden. Das Ministerium hat die Genehmigung hierzu erteilt. Es werden 20 000 Lose zu 50 Pfg. ausgegeben.

Limburg a. d L., 13. März. In Emmrich ist seit dem 9. März die 20 Jahre alte Tochter des Ge meinderechners Müller spurlos verschwunden; sie wollte in Kerkerbach Bekannte besuchen und ist weder dort ange kommen, noch zu ihren Eltern zurückgekehrt. Der Wald, durch welchen die Straße führt, wurde gründlich nach

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Hôtel- Restaurant Riegelmann.

Mit dem heutigen Tage habe ich das von mir geführte Geschäft an Herrn Karl Kobel übertragen. Für das mir in so hohem Maaße entgegengebrachte Vertrauen und Wohlwollen, welches ich bitte auch auf meinen Nachfolger übertragen zu wollen, statte ich an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank ab.

Hochachtungsvoll

Chr. Riegelmann.

Auf Obiges bezugnehmend, erlaube ich mir zu bemerken, daß ich das Hote- IRestaurant Riegelmann fäuflich erworben habe, und wird es stets mein erstes Bestreben sein, die mich beehrenden Gäste in jeder Weise zufrieden zu stellen.

Zum Ausschank kommt das beliebte Bier der Brauerei Henninger- Frankfurt a. M., sowie Münchner Pschorr- Bräu.

Vorzügliche Küche.

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Karl Kobel.

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