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Langanhaltender Beifall ward dem Referenten für seinen ruhig und fachlich gehaltenen Vortrag. Es entspann sich anschließend an denselben noch eine Diskussion, welchen von einem Herrn Bedmann aus Gießen, Anhänger der So­zialdemokratie, angeregt nnd sehr in die Länge gezogen wurde. Schluß der Versammlung erfolgte gegen 211 Uhr.

Lokales.

Gießen, 15. Junt 1903. ** Der Präsident des Landgericht Marburg, Bern­hardi, wurde zum Reichsgerichtsrat ernannt.

* **

Das Amtsblatt Nr. 14 Großherzoglichen Ministeriums der Justiz vom 29. Mai d. J. ent­hält ein Ausschreiben an sämtliche Justizbehörden betreffend Maßnahmen zur Handhabung des Invalidenversicherungs­gefeßes vom 13. Juli 1899( Reichs- Gesetzblatt S. 463).

*

** Universitätsbibliotet. Die Frequenz der Universitätsbibliothek hat sich gegen das Vorjahr um an­nähernd 3003 Bänden erhöht. Es wurden auf länger als 4 Tage außer Haus verliehen: im Monat April 1902: 1894 Bände( April 1901: 1280), Mai 2228( 1725), Juni 1820( 1491). Juli 2823( 2245), August 4478( 4841), September 1282( 1069), Oftober 1441( 1354), November 2029( 2166), Dezember 1729( 1741), Januar 1903: 2001 ( 1962), Februar 2564( 2653), März 2320( 1832). Auf 1-4 Tage und erneuert wurden ansgelieben 4736 Bände. Insgesammt wurden verliehen 1902/03: 31 295 Bände, im Vorjahr 28 298.

**

Zur Ausbildung von Handarbeits-| lehrerinnen für den Kreis Wezlar wird in diesen Tagen von der staatlich geprüften Handarbeitslehrerin Fräulein Merke- Braunfels ein vterwöchentlicher Handarbeitskursus ab­gehalteu. Der Unterricht ist für sämtliche Teilnehmerinnen unentgeltlich und wird für die Dauer des Kursus eine täg­liche Unterstützung von 0,75 Mt. gewährt. Bekanntlich mußten sich alle Industrielehrerinnen von sämtlichen Land­schalen einen solchen Kursus unterziehen, wie auch nur solche weibliche Personen zu Handarbeitslehrerinnen bestellt werden fönnen, welche einen solchen Kursus absolviert haben.

X Friedberg, 14. Junt. In der Dampfmolterei zu Reichelsheim explodierte der Entrahmungsseparator. Dabei fortfliegende Eisenteile so schwer verleßt, daß er starb. wurde der 20jährige Arbeiter Pie aus Weckersheim durch

Erkenntnis verfolgt die Staatsanwaltschaft Berufung. Nach wiederholter Beweis aufnahme hält heute dag Gericht den Angeflagten für überführt am 3. Januar d. J. auf fremdem Jagdgebiete einen Hasen geschossen zu haben, weshalb der Berufung der Staatsanwaltschaft stattgegeben und St. zu einer Geldstrafe von 50 Mt. verurteilt wird, wobei auch das zur Tat benußte Gewehr und die sonstigen Jagdgeräte des Verurteilten eingezogen werden. Wegen Sittlichkeits­verbrechen, begangen an einem 12jährigen Kinde zu Lauter­bach, wird der vielfach vorbestrafte Peter Josef A. von Binther in eine Zuchthausstrafe von einem Jahr genommen.

Wegen des nämlichen Verbrechens hat sich der Schuh­macher Bernhard K. von Ober- Mörlen und dessen Sohn August zu verantworten Es wird ihnen nachgewiesen, daß sie mehrere Jahre hindurch mit einer großen Anzahl von Kindern unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorge­

Hersfeld, 14. Junt. Das Projekt für die Neben­bahn Treyſa- Hersfeld wurde vom Miniſter der öffentlichen nommen haben. Das Urteil lautet auf 2 Jahre Buchthaus Arbeiten genehmigt. Die Eisenbahndirektion Kessel wurde ermächtigt, mit dem Bau zu beginnen.

Aus dem Gerichtssaal. Schwurgericht.( 4. Fall.) Am Donnerstag verurteilte das Schwurgericht den 24 Jahre alten Kuhhirten Georg Dernst von Worms wegen dreier Diestähle im wiederholten Rückfall und wegen Brandstiftung zu 4 Jahren Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer ron 5 Jahren und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der vielfach vorbestrafte Mensch hat das Diebsgewerbe als Spezialist im Wäsche stehlen die er nachts in Gärten wo dieselbe zum trocknen hing sich aneignete, ausgeübt. Die Brandstiftung verübte er in Eberstadt, wo er eine der Herrschaft Solms­Lich gehörende Scheuer in Brand seßte, wohl wie die An­flage annahm um an dem Georg Goerlach II, der neben der herrschaftlichen Scheuer, eine ebensolche damals mit nam. haften Vorräten stehen hat, Rache zu nehmen, weil ihn dieser aus seinem Stalle gewiesen, den Dernst mit brennender Bigarre betreten hatte. Es soll die Absicht des Brandstifters gewesen sein, daß das von ihm angelegte Feuer auf Goer­lachs Eigentum übergehe, was nur durch das Vorhandensein S. Krosdorf Bekanntlich ist auch hier eine Zweigstelle die Diebstähle in der Verhandlung zugestanden, die Brand= einer Brandmauer verhindert wurde. Der Angeklagte hat für die Kreissparkass: Weglar errichtet worden. We Herr Empfänger Ehrig bekannt giebt, so fönnen bei seinen dies- stiftung aber beharrlich geleugnet. Das gegen ihn ergangene jährigen Echebungen Einlagen bei ihm gemacht werden. Nächsten Sonntag, den 21. Juni wird hierselbst ein christl. Missionsfest gefeiert, bei welcher Gelegenheit Herr Missionar Steinbrecher von der Insel Sumatra als Missionsprediger sprechen wird.

* Sterblichkeitsverhältnis im Monat März in Gießen. Es verstarben im Alter unter 1 Jahr 5, über 1-15 Jahre 9, über 15-60 Jahre 19, über 60 Jahre 15, insgesamt 48 Personen. Die Todes= ursach n verteilen sich wie folgt: Scharlach 1, Diphtherie und Krupp 2, Kindbettfieber 1, Tuberkulose der Lunge 5, Tuberkulose anderer Organe 2, entzündliche Krankheiten der Atmungsorgane 6, Schlagfluß 1, Erkrankung des Herzens 1, Darmfatarrh 1, angeborene Lebensschwäche 1, Krebs und Neubildungen 7, Altersschwäche 4, andere benannte Krant­heiten 14, gewaltsamer Tod( Verunglückt, Selbstmord und Mord) 2. Es entfallen auf 1000 Lebende 21,41 Todesfäll.

Urteil aber anerkannt.

Straffammer.

Händler Wilhelm St. II. von Villingen wurde vom Laubacher Schöffengericht von der gegen ihn erhobenen An­flage wegen Jagdvergehens freigesprochen. Gegen dieses

gegen den Bernhard K., der erheblich mehr belastete Sohn August erhält 7 Jahre Zuchthaus. Beiden werden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre aberkannt.

Oeffentlicher Sprechsaal.

An das liberale Wahlkomite. Von der Tatsache ausgehend, daß die Wahlbeteiligung der Wahlberechtigten in Gießen, den Ausschlag bei der morgigen Reichstagswahl geben wird, haben sie die Einrichtung getroffen, daß für jeden der 8 Wahlbezirke ein Wahlbureau durch Ihre Vertrauensmänner sich constituirt, welche die Namen der an der Urne er­schienenen controllirt und gegen Ende der Wahlzeit alle die­jenigen, welche von ihrem Wahl echt Gebrauch zu machen im Rückstande sind, an ihre Wahlpflicht erinnert.

Hiernach sind Ste auch nach der Wahl in der Lage, auf Grund der Ihnen vorliegenden Bezirkslisten über alle Wähler, alle di jenigen, welche von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht haben, zu kennen. Es dürfte sich em­pfehlen, nicht bei halber Arbeit stehen zu bleiben, sondern, das Sie nach der Wahl dafür sorgten, daß ein namentliches Verzeichnis über alle, welche sichs nicht zur Pflicht gemacht haben, ihr Wahlrecht auszuüben, herausgegeben werde.

Brietkasten der Redaktion.

M, Bahnhofstraße. Sie dürfen nicht vergessen, daß G. N. N." noch unabhängig und unparteitsch sind; die Person spielt feine Rolle dabei.

die

Evangelischer Arbeiter- Verein. Wähler

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Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckeret, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1873);

für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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Grünberg.

In Wahlversammlungen, durch Flugblätter, Inserate und sonstige Aufforder­tages beurteilt sie mit Ueberlegung und Ihr werdet sagen müssen, daß der würdigste und ehrenvollste nur Herr Kommerzienrat

Der evangelische Arbeiterverein dahier hat keine politische Färbung, sondern ungen sind Euch 3 Kandidaten vorgestellt worden. Heute am Vorabend des Wahl­vereint in sich Angehörige der verschiedenen Parteien.

Wenn wir troßdem unsere Mitglieder auffordern, unserem Mitgründer und langjährigen Vorstandsmitgliede, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats unserer Bau­genossenschaft

Herrn Kommerzienrat

= Keyligenstaedt

Heyligenstaedt

ist und sein kann. Glaubt mir, Wähler, man muß ihn sehen und mit ihm verkehrt haben, wie einfach und ohne Kastengeist er sich bewegt und das sind doch neben seinen Stellungen im öffentlichen Leben und seinen hervorragenden Kenntnissen so selten an­zutreffende Eigenschaften, daß keiner mehr zweifeln sollte.

Herr Kommerzienrat Heyligenstaedt ist ein Mann des Volkes,

einmütig ihre Stimme zu geben, so tun wir dies in seiner von uns hochge- prahlt nicht, verspricht auch nicht, was er nicht halten kann; kurz Herr schäßten Persönlichkeit willen und weil er durch die Tat gezeigt

Heyligenstaedt ist ein Mann von Wort.

Vergesset darum alle Interessenpolitik, denkt an unter Vaterland, an die, hat und noch zeigt, dass er in Wahrheit ein Freund gemeinheit, an unsere Mitmenschen in der Werkstatt und wählet und Wohltäter der Arbeiter ist.

[ 1796]

Der Vorstand des Evangelischen Arbeitervereins zu Gießen.

Herrn Heyligenstaedt.

[ 1291]

Ein

Der Gießener Anzeiger" von heute schreibt, daß ich Versteigerung. träftiger Hausbursche

1

Eberh. Megger, Gießen, Seltersweg. 4- Zimmerwohnung

als Vertreter einer Interessentengruppe" bei Dienstag, den 16. d. Imts.. einer event. Wahl zum Reichstage ,, besoldeter Beamter" nachm. 2 Uhr, versteigere ich per sofort gesucht von dieser Gruppe werde. Hätte der Anzeiger recht, Neustadt 55 dahier gegen Bar­zahlung: dann könnten allerdings nur Millionäre im Reichstage sigen; ich bin in der Lage meine politische Thätigkeit ohne Bezahlung leisten zu können, wie ich es seither auch schon getan habe.

Ferner zählt das Blatt auf, wieviel wirkliche Arbeiter für meine Partei kandidatieren; es vergißt nur hinzuzufügen, daß die meisten dieser Lente aus ihren früheren Berufen von liberalen Unternehmern wegen ihrer politischen Tätigkeit hinausgemaßregelt wurden. Glaubt Jemand in ganz Gießen, daß ein Commis oder Arbeiter des Herrn Heyligenstaedt für die Sozialdemokratie Reichstags Kandidat sein könnte?

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aller Art.

Born Gerichtsvollzieher, Gießen.

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Im Uebrigen ist der Froschmäufekrieg zwischen Schlachthaus Ochsenfleis 50 Pfg.

Liberalen und Antisemiten so nett, daß ich schon mit Freuden den Moment erwarte, wo sie fich bei einer event. Stichwahl wieder gerührt in die Arme sinken werden; nur Dummföpfe legen diesem Kampfe Bedeutung bei, da jeder weiß, daß beide Parteien in Dußenden Wahl freisen den Gimpelfang gemeinsam betreiben. Gießen, den 13. Juni 1903.

[ 1800]

Ed. Krumm.

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Viele Wähler aus Grünberg. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen

Es fönnen eingestellt werden:

18 Dienstmädchen für sofort und später gegen hohen Lohn, 1 Kindermädchen, 1 Kinderwärterin, 1 Bimmmermädchen, 1 Köchin zur Aushilfe, 1 Weißzeug­näherin, 2 Lauf- bezw. Pußfrauen, 1 Waschmädchen bezw. Waschfrau bei gutem Lohn nach ausw. 5 Waschfrauen, 1 land­wirtschaftliche Magd, 1 Kunstschlosser, 1 Spengler,( ausw.), 6 Bau- und Möbelschreiner( 1 hier, 5 ausw.), 2 Drechsler ( ausw.), 1 Schneidemüller( ausw.), 1 Zementmüller( ausw.), 5 Anstreicher( 2 hier 3 ausw.), 1 Bäcker( ausw.), 2 Schneider( 1 hier, 1 ausw.), 1 Hausbursche, 1 Pferdeknecht, 1 jüngerer landw. Pferdeknecht( ausw.).

Es suchen Arbeit:

2 Dienstmädchen, 2 Zimmermädchen, 1 Kindermädchen, mit allem Zubehör sofort zu verm. 1 Kinderwärterin, 3 Flickerin 3 Waschfrauen, 6 Lauf- bezw. Buzfrauen, 1 Laufmädchen, 1 Wäsche- oder Plättmädchen, Kleine 3- Bimmerwohnung 2 Metallformer, 1 Spengler, 2 Bau- und Maschinenschlosser, mit Gartenanteil per Monat 2 Bauschlosser, 1 Maschinenschlosser, 8Bau- und Möbel­14 Mk. zu vermieten.

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Heute und Morgen. Ter Verlauf des Fleisches findet

Schlachtviehhalle statt.

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schreiner, 1 wagner, 1 Zimmermann, 1 Küfer, 3 Glaser ( darunter 1 Bilderrahmeninacher, 2 Weißbinder 2 Buch­binder, 2 Schuhmacher, 2 Heizer, 1 Bureaugehilfe, 12 Hausburschen, 4 Diener, oder Auslaufer, 2 Kutscher, 1 Krantenwärter, 3 Tagelöhner, 6 Pferdeknechte( 4 für Land­wirtschaft) und 3 landw. Arbeiter.

Lehrlinge: 1 Schreiber.