der Engländer gegen uns gern willkommen zu heißen. Indessen einstweilen tut man gut, dieser Meldung gegenüber ein ungläubiger Thomas zu bleiben. Wenn die Sache nicht ganz erfunden ist, wird es sich wohl nur darum gehandelt haben, daß die Volunteers sich erboten, die englischen Interessen an ihrer durch die Hottentotten bedrohten Kolonialgrenze zu schüßen. Um unsertwillen werden sie kaum die Strapazen des Buschkrieges auf sich nehmen wollen.
Der Konflikt zwischen den polnischen Zöglingen des Posener Priesterseminars und der erzbischöflichen Behörde scheint mit der Maßregelung der widerspenstigen Klerifer nicht abgetan zu sein. Polnischen Blättern zufolge plant die Mehrheit der polnischen Studierenden des Posener Priesterseminars ihren Austritt aus dem Seminar, weil die erzbischöfliche Behörde sie zwingen will, die Vorlesungen an der Akademie besuchen zu müssen. Selbstverständlich werden sie auf keinem deutschen Priesterseminar mehr aufgenommen, werden also auf eine spätere geistliche und polonisierende Tätigkeit in Deutschland verzichten müssen.
Die Herren Magyaren haben an ihrer gegenwärtigen Parteizerflüftung trotz der üblen Folgen, die diese gerade jest zeigt, offenbar noch immer nicht genug. Eine neue Partei foll ins Leben treten, und der Träger dieses Gedankens ist der frühere Ministerpräsident Baron Banffy. Das Endziel seiner neuen Partei soll die Schaffung eines einheitlichen, einsprachigen ungarisch- nationalen Staates sein. Er wird selbständige Zollgebiete, eine Wahlreform und die ungarische Sprache in der Armee und Diplomatie fordern. Das wollen so ungefähr die Kossuthianer und, bei Lichte besehen, so ziemlich alle anderen ungarischen Parteien auch). Wahrscheinlich ist auch nur Banffys persönlicher Ehrgeiz die Triebfeder für diesen neuen Parteigründungsplan.
† Die Gärung in Bulgarien ist noch lange nicht im Schwinden. Zunächst steht wieder einmal eine Ministerkrise bevor: Nach Mitteilungen aus gut informierten bulgarischen Kreisen soll es zwischen dem Ministerpräsidenten Petrom und dem Justizminister Genadiew zu einem Kon= flift gekommen sein, und man spricht von dem Rücktritte Petrows, dem eine Neubildung durch ihn selbst folgen soll. In das neue Kabinett will Petrom dann nur ihm ergebene Männer nehmen. Zu diesen gehört auch der Kriegsminister Sawow, der gegenwärtig auch das ist bezeichnend für die Lage in Bulgarien sich mit weittragenden Militärplänen trägt. Außer einer Umwandlung der 12 Reserve in Linienregimenter soll er die Formierung der bestehenden sechs Divisionen in drei Armeekorps, die Vermehrung der bisherigen 6 Artillerieregimenter um drei Korpsartillerieregimenter und die Aufstellung eines Haubißenregiments und vierten Festungsartilleriebataillons beabsichtigen. Wozu?
* In Niederländisch- Indien ist es wieder einmal zu Reibereien zwischen den Eingeborenen und der holländischen Verwaltung gekommen. Nach einer Meldung aus Batavia wurden bei der Ernennung eines Häuptlings der Eingeborenen auf der Insel Lombok der dortige niederländische Resident und der niederländische Kontrolleur von etwa 100 bewaffneten Eingeborenen bedroht. Die Beamten mußten fliehen. Polizeitruppen sind an Ort und Stelle gesandt worden. Da wird ein kleiner Aufstand wohl nicht lange auf sich warten lassen!
Hof und Gesellschaft.
Das Befinden des Kaisers ist andavernd gut. Da die Heilung der Wunde in völlig befriedigender Weise boranschreitet, wird vor Sonntag fein Bulletin ausgegeben werden. Die diesjährige Hofjagd in Lezlingen, die in Gegenwart des Kaisers und des Kronprinzen am 27. und 28. d. Mts. abgehalten werden sollte, ist infolge der Unpäßlichkeit des Kaisers auf den 4. und 5. Dezember_ver= schoben worden.
Der Kindesunterschiebungs- Prozess. ( 14. Verhandlungstag.)
RK Berlin, 13. November.
Die Sigungen schleppen sich langsam dahin. Nur selten wird die Eintönigkeit der Zeugenaussagen durch ein neues Moment unterbrochen, das dann gewöhnlich von einem der Geschworenen mit einer kurzen, freffenden Bemerkung dick unterstrichen wird. Troß der ermüdenden Länge der Verhandlungen und der erdrückenden Fülle des Stoffes bleibt die Geschworenenbank merkwürdig frisch und rege und hält, das merkt man aus allem, mit praktischem Sinn stets das Wesentliche im Auge. Das Ringen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung, in dem die erstere der angeklagten Gräfin allerlei versteckte Schlingen legt, während die zweite ihr auf Kosten des Leumunds der Belastungszeugen die Wege ebnen will, macht scheinbar auf die Geschworenen nicht den geringsten Eindruck. Unbeirrt schälen sie aus dem Wuſt von gleichlautenden und sich widersprechenden Aussagen den eigentlichen Kern heraus. So machte auch heute, als wieder
um
die Glaubwürdigkeit der Hedwig Andruszewska gestritten wurde, der der Graf Hektor Sewilecfi 20 000 Mark Belohnung versprochen haben sollte, ein Geschworener darauf aufmerksam, daß es nach allem, was man bisher gehört, doch scheine, als ob die Hedwig von ihrer Mutter habe wissen wollen, was es mit den Gerüchten über die Gräfin für eine Bewandtnis habe. Das wäre doch aber unnötig gewesen, wenn die Mutter ihr vorher, wie sie jetzt behauptet, das Geheimnis anvertraut hätte. Ein zweiter Geschworener regt bei Besprechung des Schweineschlachtens in Wroblewo, das nach Aussage des Tierbeschauers am 19. Januar 1897 stattgefunden hat, mit praktischem Blick an, über den Verbleib des Blutes, das in der Anklage solche große Rolle spielt, doch vor allem den Schlächter zu befragen, der damals die Schweine schlachtete. Das Ei des Kolumbus! Angebliche Machinationen der Agnaten bloßzulegen, soll die Vernehmung eines Agenten des Detektivbureaus Roth- Rossi dienen, der einen Wroblewoer Diener in einen Berliner Zirkus geführt und mit Bier bewirtet hat. Doch weiß der Zeuge nichts wesentliches auszusagen. Der Schwiegersohn der der Beihilfe bei der Kindesunterschiebung angeklagten und nach Rußland verzogenen Frau v. Olczewska, v. Guttry, der Administrator in Wroblewo war, stellt der Hedwig Andruszewska ein recht schlechtes Zeugnis aus.
Um die wichtige Frage festzustellen, ob der kleine Graf in der kritischen Zeit
den Eindruck eines neugeborenen Kindes machte, wird außer dem praktischen Arzt Dr. Wolfheim, der
das Kind am 21. März sah und erklärt, es habe wie ein Säugling in den ersten Lebenswochen ausgesehen, die Amme Sofie Kaczmarek vernommen. Sie will am 27. Januar 1897 von ihrem Heimatsort Mieczkowo nach Berlin gekommen sei. Sie bekundet, sie habe die Gräfin am selben Tage gesehen. Diese war blaß und habe ausgesehen wie eine Wöchnerin, das Kind sah aus wie ein neugeborenes Kind. Präs.: Woraus entnehmen Sie das? Zeu gin: Das Kind hatte noch ein Stück Nabelschnur. Präs. Haben Sie das Kind selbst gebadet oder andere? Zeugin: Gebadet hat es die Hebeamme, aber ich habe dicht an der Wanne gestanden und es genau gesehen.- Präs.: Und wie alt war Ihrer Ansicht nach das Kind? - Zeugin: Es war ganz klein, es konnte schon in der Nacht geboren worden sein.- Präs.: Sie hatten damals Ihr erstes Kind? Zeugin: Ja. Auf Befragen der Verteidigung erklärt die Zeugin, daß das Kind zunächst nicht ordentlich trinken wollte, weshalb ihm die Zunge gelöst werden mußte. Präs.: Nahm das Kind häufig Nahrung, häufiger wie Ihr eigenes Kind?- 3eugin: Ja, das war ein Herrschaftskind, das trinkt häufiger.( Heiterteit.) Sachverst. Prof. Dr. Freund: Es steht fest, daß ein neugeborenes Kind öfter trinkt, als ein älteres. Erster Staatsanw. Steinbrecht: War das gräfliche Kind kleiner oder größer als Ihr eigenes? 3 eugin: Kleiner, es war ein ganz kleines Kind. Mein Kind war damals schon 5 Wochen alt. Die Zeugin verbreitet sich noch des weiteren über Kennzeichen, die nur bei ganz jungen Kindern vorkommen können. Die angebliche echte Mutter des Kleinen, die Weichenstellerfrau Cäcilie Meyer, hat bei ihrem Sohn nichts von einem Zungenfehler bemerkt. Allerdings könne bei ihr jedes Kind gleich Nahrung ziehen. Der Sachverständige Prof. Dührssen stellt fest, daß Dr. Rosinski die Zungenlösung nur auf Drängen der Kwileckischen Damen vorgenommen hat. Die Zeugin Radwenska, die das Kind der Cäcilie Meyer von Krakau nach Berlin geleitet hat, soll dann auf Antrag der Verteidigung noch befragt werden, wie das Kind bei ihr Nahrung aufgenommen, es stellt sich jedoch heraus, daß die Zeugin inzwischen niedergekommen ist. Justizrat Wronker erklärt, unter diesen Umständen auf die Zeugin verzichten zu wollen.( Heiterkeit.) Weitere Entlastungszeugen.
Von Wichtigkeit für die Verteidigung ist noch die Aussage der Masseuse Oberheu, die bei der Gräfin Kindbettadern wahrgenommen haben will, die mit Krampfadern nicht zu berwechseln seien. Ebenso sagt Frau Isabella v. Koczorowska ( gegen die in dieser Sache ein Verfahren schwebt), eine Freundin der Gräfin, zu gunsten der Angeklagten aus. Vor 5 Uhr am 27. Januar habe ihr die Hebamme Cwell, die sie selbst aus Warschau nach Berlin mitgebracht habe, das neugeborene Kind in Tücher gewickelt gezeigt. Die Zeugin gibt weiterhin ebenfalls auf Befragen der Verteidigung an, daß in ihrer Gegenwart dem Sanitätsrat Dr. Rosinski niemals die Untersuchung des Kindes verweigert worden ist. Der Gerichtshof beschließt, die Zeugin nicht zu vereidigen. - Die Plaidoyers werden am Dienstag beginnen und der Schluß der Verhandlungen wird für den 21. erwartet.
Die preußischen Landtagswahlen. Marburg. Die Wahl v. Negelein( K.) iſt höchſtwahrscheinlich.
Wezlar. Die Wahl des Regierungsrats a. D. Stackmann( K.) ist gesichert.
Frankfurt a. M. Die Wiederwahl von Funk und Deser( freis. demokr.) ist gesichert.
Wiesbaden. Der Nationalliberale Bartling hat die absolute Majorität.
Hanau. Die Wahl des Nationalliberalen Junghenn ist gesichert.
Herborn. Die Wahl des nationalliberalen Amts. gerichtsrats Hofmann ist gesichert.
Siegen. Die Wiederwahl von Macco( Ntl.) ist mit großer Mehrheit gesichert.
Limburg. Die Wahl Cahensly( 8.) ist gesichert. Oberlahnkreis- Usingen. Im Kreis Usingen bon 81 Wahlmännern 42 für Dr. Beckmann( K). Das Ergebnis aus dem Oberlahnkreis ist noch unbekannt.
Kassel. Im Wahlkreise Kassel wurde Schröder( Ntl) faft glatt gewählt.
Altenkirchen Neuwied. Die Zentrumskandidaten erhielten von 556 Wahlmännern 268; die Nichtultramontanen 253, der Bund der Landwirte 33.
Berlin. In Berlin I wurden gewählt: 190 freisinnige, 174 sozialdemokratische und 138 fonservative Wahlnänner; in Berlin II: 853 freisinnige, 460 sozialdemofratische, 9 fonservative Wahlmänner; in Berlin III: 1189 freisinnige, 919 sozialdemokratische, 222 fonservative und 32 Wahlmänner zweifelhafter Parteistellung; in Berlin IV: 899 freisinnige, 507 sozialdemokratische, 29 fonservative Wahlmänner. In der dritten Klasse dauerte die Wahl vereinzelt 4 Stunden lang. Der Reichskanzler, die Minister und Staatssekretäre erschienen als wähler dritter Klasse pünktlich
und wählten fonservativ.
Lokales.
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Gießen, 14 November 1903. * Bazar in Gießen. Wer Vieles bringt, wird Manchem Etwas bringen" das scheint sich bei dem bevorstehenden Bazare bewahrheiten zu wollen. Wie wir von unterrichteter Seite vernehmen, sind eine ganze Menge geschmackvoller praktischer und origineller Dinge dabei zu haben. Ein reizender Weihnachtsmarkt, der uns den bis jetzt noch fehlenden Winter mit Schnee und Eis, mit Tannengrün und Kerzenschein bringt, bietet Gelegenheit, schon jetzt für Christkindleins Festtag vorzusorgen. Da ist's rätlich, den Wunschzettel für Weihnachten aufzustellen um nicht nur schön und vorteilhaft einzukaufen, sondern auch zugleich einer guten Sache zu dienen. So gerne wir noch mehr ausplaudern möchten, von allen Herrlichkeiten, die wir ahnen, fürchten wir doch zu sehr den gestrengen Knecht Rupprecht, der am Eingange zum Weihnachtsmarkte Wache hält und mit ernsthaftem Gesichte uns hindert, allzuweit vorzubringen in die geheimnisvollen Einzelheiten. Darum abwarten und selbst schauen wenn's Zeit ist.
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§ Stadttheater Gießen. Nochmals set a die beiden Sonntags- Vorstellungen aufmerksam gemad sunkene Glode" zu ermäßigten Preisen, Abends 8 als 5. Sonntagsabonnementsvorstellung, Altheidelberg Die Anlagenmusit in Gießen findet an Sonntag Mittag 12 Ühr in den Südanlagen mit folgender Brogramm Statt: Duverture Frau Luna von Lind Simplicius Quadrille von Strauß. Als ich wieder fam Lied von Rodaminste. Fantasie über das Lied Hom sweet home von Voigt.
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+ Die Festnahme des Tapezier Zimmermann hat zur Folge, daß auch der Lehrling eines anderen Gießene Konfettions- und Manufakturwaren- Geschäftes hinter Schl und Riegel gesetzt werden mußte.
* Die Errichtung einer Ackerbauschule für de Kreis Gießen ist in letzter Zeit von landwirtschaftlide Seite aus verschiedentlich in Anregung gebracht worden Gerade der Kreis Gießen hat in dieser Beziehung lang zurückſtehen müssen, obwohl ca. 28 der Bevölkerun zählt 65 Schüler, ist also überfüllt, während die Schule zu Alsfeld und Büdingen zu weit liegen. Gutem Be nehmen nach sollen Lich oder Hungen, als der Wettera
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wäre es, wenn die Schüle in Grünberg errichte würde? Wenn die Bahn Grünberg- Lich erbaut würde eine gute Bahnverbindung nach allen Seite vorhanden sein. D. Red.) Die Errichtung der Ader bauschule wurde auch auf der Kreislehrerkonferenz be sprochen.
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Diimonisch angel glbadt Colori Alba( Herr Te Domingo( Her mr daraus Deshalb auch z
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Hessische Volkskunde. Die im vorigen Jahr Herr Grone gegründete Vereinigung für hessische Volkskunde zählt beüller, bie 1040 Mitglieder und zwar in allen Teilen des Landes Das Großh. Ministerium des Innern hat mit Rückwirtung für 1902 der Vereinigung auf 5 Jahre einen namhafte faien der Bor Beitrag zugesichert.
** Eine zu Worms unerwartet vorgenomme Revision des Brodes in den Bäckereien ergab bet 5 Bäckermeistern daß an frischem 2 Kilobroden oft 60-100 Gramm, a trockenen 1 Kilobroden 70-120 Gram fehlten.
(:) Billiger Apfelwein. Während bei uns d Obst- und besonders die Aepfelernte eigentlich recht viel wünschen übrig ließ, da kommt aus der Schweiz die Wunder mär, daß dort der Aepfelwein so billig sei, daß derselbe i den Kaffees stundenweis" verkauft wird; d. h. man zab eine bestimmte Summe und bekommt dann so viel des Aepfe weines, wie man in einer Stunde nur trinken kann oder wil
Da nun bei uns die Grundstoffe des Bieres in diese Jahre sehr gut geraten sein sollen, wie wäre es, wenn mo die gleiche Methode beim Bier einführen würde. Wi glauben sicher, daß die Einführung sehr viel Antlang finb wird.
Lollar. Der Gesangverein ,, Liedertafel" feiert hu Stiftungsfest verbunden mit Aneipeinweihung. Samstag Abend im neuen Saalbau zur Linde ihr 16jährige Bu die mehr internen Festlichkeit sind auch einige befreundete Gießen Gesangvereine eingeladen. Die Liedertafel", welche ja be sonders in letzter Zeit mehr aus sich herausgetreten ist, wid ihren Gästen an diesem Abend mit bester Gastfreundscha aufwarten und dem Deutschen Männergesang nach bester Können Rechnung tragen.
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Friedberg, 13. Nov. Das Mathildenstift Friedber Bußbach hat den über 50 Orten seines Sparfaffenbezir zu den Kosten der Industrieschulen 1600 Mt. geschentwei wtesen.
Kestrich. Jäger die dieser Tage eine Treibjagd ab hielten, kehrten, die Hüte und Müßen mit Apfelblüten g schmückt, zurück. Der Apfelbaum steht in vollster Blüte a dem Grundstück des Herrn Steuernagel.
** Darmstadt, 13. Nov. Als Leutnant im Groß Dragonerregiment( Garde) Nr. 23, vorläufig ohne Bater Kaiser Wilhelms, eingestellt. wurde Graf Wilhelm von Schliz, genannt Görtz, der Bat
Stadttheater Gießen.
Don Carlos
von Friedrich von Schiller. 3. Volfsvorstellung.
Kaum eines der Bühnenwerke Schillers dürfte zu Aufführung an dem Geburtstage des groken Dichters g eigneter sein, wie das von der Direktion Steingoetter da gewählte. Nicht allein, daß Don Carlos in der Spra gegenüber Schillers Jugendstücken einen großen, fünstlerisch Fortschritt zeigt, in diesem dramatischen Gedicht spiegeln sich au die lauteren Empfindungen einer gereiften Männlichkeit, die Schwung in so unvergleichlich herrlicher Weise paaren, zu allen späteren Werken sich mit dem jugendlich- geniale
Als Freiherr v
ersten Male unverkennbar wieder. Dallberg Schiller die Erzählung:„ Dom Carlos, nouve histarique" im Jahre 1782 zur Dramatisierung überga machte sich der Dichter nach kurzer Pause mit der ganz idealen Begeisterung, die ihm bei seinen Jugendwerken d Feder geführt, an die Arbeit; aber- und vielleicht zu Glück zwangen ihn mancherlei Umstände die Idee ein weilen fallen zu lassen und erst im Jahre 1788 erschien einem Leipziger Verlage: Don Carlos, Infant von Spanien
fein- bortam biifallsfreudta.
So ist die Tragödie in einer an Erfahrung überreiche schweren Zeit mit dem Dichter gereift. Wohl stürmt un wetterleuchtet es auch in Don Carlos noch manchmal un der glühende Hauch des jugendlichen Feuergeistes weht u sinnverwirrend entgegen, aber zu intensiv strahlt bereits d geläuterte Gold Schillerscher Dichtkunst, um dieses We nicht hoch über„ Die Räuber"," Fiesko" und„ Kabale un Liebe" stellen zu können.
Die Titelrolle lag bei uns in den Händen des Hern Achterberg, der den spanischen Infanten mit dem ganz stürmischen Feuer seiner Jugend ausgestattet hatte. He A. ging dabei wohl etwas zu weit und weise Mäßigung ist ihm für seinen Don Carlos sehr zu empfehlen. Sn
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J. M. Schulh
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