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Nr. 189.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Bratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.

Freitag, den 14. August 1903.

Gießener

IA

12. Jahrgang.

Jnsertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie gang Oberbeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362. stla

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Nachdem die bei einem Schweine des Dekonomen Preis dahier ausgebrochene Rotlauffeuche erloschen ist, wird die unterm 24. Juli 1. Js. angeordnete Gehöft­sperre aufgehoben.

Gießen, den 12. August 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen

J. V. Roth.

Gießen, 12. August 1903.

Betr.: Schulversäumnisse.u

rauschen; zweifelsohne hat das Kabinett an der Newa sick, über die Duldung dieses seines neuesten Schrittes durch die anderen in Ostasien beteiligten Mächte schon vorher ver­gewissert.

Neue Umwälzung in Serbien.

Was kommen mußte, fam: In Serbien ist angesichts der unhaltbaren Zustände innerhalb der militärischen Streis eine Ministerfrise ausgebrochen: Aus dem Kabinett Awaku­nowitsch trat infolge eines Zerwürfnisses mit dem Kriegs­minister Atanaskowitsch in plötzlichem Entschluß der Justiz minister Ochiwfowitsch und der Kultusminister Stojano­witsch( beide

Die Gr. Kreisschulkommission Gießen in de oftremradikal) sowie der Finanzminiſter Tr

an die Schulvorstände des Kreises. Unsere Verfügung vom 27. April 1900 in obigem Betreff bringen wir eindringlich in Erinnerung. Nament­lich ist streng daran festzuhalten, daß Urlaub nicht ge= währt werden darf, wenn er erbeten wird, weil im Elternhause geschlachtet wird, oder weil sich die Dreschmaschine daselbst befindet und bei der­gleichen Anlässen mehr. Verfehlungen hiergegen werden entsprechend geahndet werden.

Dr. Breidert.

Bekanntmachung.

Am 17., 20. und 21. ds. Mts. werden im hiesigen städtischen Hospital das dort befindliche Mobiliar, Betten, Schränke, Tische Stühle 2c. Haus- und Küchengeräte, Kleid­ungsstücke, Weißzeug, Kinderzeug, Bettwerk, Reinigungs­mittel 2c. öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 10. August 1903.

Die Armen- Deputation der Stadt Gießen. Curschmann.

Bekanntmachung.

Die am 11. Juli 1. J. angeordnete Sperre der Marktstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 13. August 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth.

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Moltkestraße von Freitag, den 14. 1. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr ge­Sperrt.

Gießen, den 13. August 1903. Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Roth.

Die Mandschurei ruffifche Provinz! A Was tatsächlich längst der Fall war, wird jetzt aud formell besiegelt: Rußland hat vor aller Welt die Mand churei für eine russische Provinz erklärt. Ein eben ergan jener Ulfas des Zaren befiehlt, daß aus dem Amur- General juberniat und dem Kwantunggebiet eine besonder Statthalterschaft gebildet werden soll. Es heißt in dem Utas:

Der Statthalter wird mit höchster Gewalt in allen Zweigen der Zivilverwaltung des Gebietes bekleidet, die gleichzeitig der Leitung der Ministerien entzogen wird. Ihm liegt auch die Sorge für Rube, Sicherheit und Wohl­

fahrt sowohl der an der chinesischen Ostbahn liegenden Gegenden als auch der an die Statthalterschaft angren­zenden, jenseits der Grenze liegenden russischen Besitzun­gen ob. Die diplomatischen Beziehungen im Verkehr dieser Gebiete mit den Nachbarstaaten sind in den Händen des Statthalters fonzentriert. Ihm wird auch das Kom. mando der Kriegsflotte im Stillen Ozean

sowie aller Truppen des Gebiets übertragen. Ein besonderes Komitee unter dem Vorsitz des Zaren wird die Anordnungen des Statthalters mit den allgemein­staatlichen Absichten und der Tätigkeit der Ministerien in Einklang bringen."

Generaladjutant Alexejew ist bereits zum ersten Statthalter im fernen Often" ernannt. Dieser Ukas be­deutet nicht mehr und nicht weniger, als daß die Mand­schurei der chinesischen Verwaltung völlig entzogen und der russischen unterstellt wird. Mit großer Schlauheit haben die russischen Staatsmänner die Sache aber so eingefädelt, daß Rußland selbst, als Staat, mit der Verwaltung der Mandschurei nichts zu tun hat; der Statthalter verfährt dem Auslande gegenüber völlig selbständig; daß er nur nach den Weisungen Rußlands handeln wird, geht aus dem Ukas andererseits auch hervor. Zweifellos wird sich in England ein Sturm der Entrüstung über Rußlands Verfahren er­beben. Aber dieser Sturm dürfte ergebnislos vorüber.

Weljkowitsch( liberal) aus, und nach wenigen Stunden trat das ganze Kabinett zurück. Der König hat die Demission des Ministeriums angenommen und den bisherigen Minister präsidenten Awakumowitsch mit der Neubildung des Kabi netts beauftragt. Bringt er sie nicht zu stande, so soll Gruitsch, der derzeitige Gesandte in Stambul, mit der Neu­bildung betraut werden. Als Grund der Krise wird mit­geteilt, daß die zucrst ausgetretenen drei Minister, die die Königsmörder begünstigten, von dem Kriegsminister forder­ten, er solle einige höhere Offiziere, die Vertraute König Aleranders waren, aus ihren Aemtern entfernen. Dagegen sträubte sich der Kriegsminister, infolge dessen verweigerten ihm die drei Minister die Bewilligung von ihm beanspruch­ter Gelder.

Die Nenbildung des Ministeriums wird zweifellos zu großen Parteistreitigkeiten in Serbien führen, zumal da die drei Minister, die dem Kabinett das Lebenslicht ausgeblasen haben, als Führer der stärksten Partei des Landes, Awaku­mowitsch ebenso wie Gruitsch, große Schwierigkeiten machen werden. Angesichts dieses schon jetzt stark hervorgetretenen Parteihaders soll König Peter bereits regierungsmüde sein. Aus Belgrad verlautet in einstweilen freilich noch un­verbürgter Weise, König Beter habe erklärt: Wenn die Parteifämpfe so weiter gingen, wie bisher, werde er a b- banken und Serbien verlassen. Diese Meldung flingt zwar nicht recht glaubhaft, immerhin beweist die Tat­sache, daß ein solches Gerücht in Belgrad überhaupt auf­kommen fonnte, wie verworren und lichtlos die Parteiver­hältnisse in Serbien sich gestaltet haben.

*

Etwas post festum besinnen sich die Kabinette von Petersburg und Wien darauf, wie man mit den serbischen Königsmördern umzuspringen hat. Nach einer Meldung aus Wien wurde dem dortigen serbischen Militärattachee vom Wiener Generalfommando nahegelegt, seine Abschieds­besuche in Zivil zu machen, da er in Uniform nicht em­pfangen würde. Ferner wurde die Regierung aufgefordert, den der Wiener Kriegsschule zugeteilten serbischen Haupt­mann abzuberufen. Außerdem wurde in Belgrad zu ver­sichen gegeben, daß man als neuen Militärattachee nur einen Offizier annehmen würde, der der Belgrader Garnison seit mindestens einem Jahr nicht angehört. Die serbischen Offiziere, welche russischen Militäranstalten oder russischen Truppenkörpern zugeteilt waren erhielten von der russischen Militäroberbehörde die amtliche Aufforderung, Rußland so­fort zu verlassen. Nur infolge einer persönlichen Fürbitte des Königs Peter, der sich telegraphisch an den zaren wandte, erfolgte eine Fristverlängerung, nicht aber eine Aufhebung Der Maßregel.

Die Politik.

Crampas- Saßniz Torpedobootshafen.

Der bisher nur durch idyllische Badefreuden bekannte friedliche Ort Crampas- Saßnitz auf Rügen ist, wie unser Berliner CB- Mitarbeiter erfährt, zu einem wichtigen Stüb­punkt für unsere Torpedoboots flotille ausersehen. Gelegent­lich seines legten Besuches in Crampas- Saßniz im vorigen Monat hatte der Kaiser schon Gelegenheit genommen, im Gespräch mit höheren Marineoffizieren die hobe strategische Wichtigkeit des Punktes zu erörtern. Jetzt ist eine aus mehreren höheren Regierungsbeamten bestehende Kommis sion an Ort und Stelle gewesen, um Studien behufs An­legung eines Kasernements und Erweiterung des Hafens borzunehmen. Es ist in Aussicht genommen, eine Torpedo­boots- Division ständig in Crampas- Saßnitz zu stationieren. Japanische Unhöflichkeit.

* Unser Kaiser hat von Warnemünde aus an den an Bord des Fürsten Bismard" im Hafen von Yakohame wei­lenden Vizeadmiral Geißler ein Telegramm gesandt, in dem er ihn beauftragte, dem Kaiser von Japan persönlich seine Grüße zu überbringen. Jedoch war der Mikado gerade unpäßlich und konnte den deutschen Admiral nicht persön lich empfangen. So mußte dieser sich dem Hausminister Vitomte Tanafa gegenüber seines Auftrages entledigen. Es hätte dem asiatischen Herrscher wohl angestanden, den deutschen Admiral, der ihm einen Gruß des deutschen Kai­sers überbrachte, später persönlich zu empfangen, wenn er ihn krankheitshalber nicht sogleich empfangen konnte.

Gin amerikanisch- kanadischer Zwischenfall. A Auf dem Griesee kant es dieser Tage zu einem Ren­kontre zwischen einem amerikanischen Fischereifahrzeug Silverspray" und dem kanadischen Zolltutter Betrel". Die Silverspray" war zu weit nach dem kanadischen Ufer hin­übergegangen, wurde vom Petrel" angehalten und ge­ramimit. Als die Silverspray" hierauf zu entkommen ver­suchte, eröffnete der Zollkutter mit allen seinen Geschützen das Feuer auf sie. Silverspray" erhielt 20 Schuß; von der Bemannung wurde jedoch niemand getötet. Die Ver­folgung wurde erst aufgegeben, als Silverspray" über der Grenzlinie war. Der Kapitän des amerikanischen Schiffes behauptet, er habe nur seine Netze gesucht, die auf die kana­dische Seite hinüber getrieben waren, und will den Vorfall an das Staatsdepartement berichten. Da wird man wohl wieder von den Kanadiern, die Europas übertünchte Höflich­feit noch immer nicht kennen, und den nicht minder derben Yankees einige erbauliche Wechselreden zu hören bekommen. Kurze politische Nachrichten.

* Der Handelskammer in Sonneberg ist eine Warnung vor Russen zugegangen, die unterwegs sind, um die deutsche Induſtrie zu studieren und die gesammelten Kenntnisse dann in Rußland für die Konkurrenz der deutschen Induſtrie zv verwerten.

* Der preußische Kronrat ist nach einem Vortrage de Grafen Bülow beim Kaiser um einen Tag verschoben wor den. Vor dem Vortrage hatte der Kanzler eine Besprechung mit den Ministern.

* Die Abgeordneten Bebel und Singer haben die ihnen angebotene sozialistische Landtagsfandidatur für Breslau abgelehnt.

* Das Gerücht von einem Mordanschlag auf König Carol von Rumänien war in Budapeſt verbreitet. Das Gerücht erwies sich als völlig unbegründet.

* Wie aus R om verlautet, soll Kardinal Satolli zum Kardinalstaatssekretär ernannt werden; er zögere aber noch, den Posten anzunehmen.

* Bei Brest hat der französische Panzer Massena" das angekündigte Experiment, aus etwa 100 Meter Entfernung einen Panzerturm des Suffren" zu beschießen, gemacht. Die Geschosse wurden mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 650 Meter abgefeuert. Ueber das Ergebnis der Schießerei wird noch Stillschweigen beobachtet.

* Die Belgrader Zollbehörde verurteilte die bulgarische Regierung zu 21 000 Francs Strafe, weil sie acht Waggone mit Waffen und Munition als Papier deklariert hatte.

Bei Kweitschou sind chinesische Truppen von den Auf ständischen geschlagen worden. 3000 von deutscher Offizieren ausgebildete Mannschaften sind zur Verstärkung in Kanton eingetroffen.

* Auf der Eisenbahnstrecke Söul- Fusan fand ein Schar mügel zwischen Japanern und Koreanern statt, wobei ein Koreaner getötet und mehrere verwundet wurden.

* Das Dorf Poeloe Tengah im Inneren von Sumatra is von niederländischen Truppen genommen worden. Dei Feind hatte 300 Tote; auf Seiten der Niederländer wurder ein Offizier und sechs Mann getötet und ein Offizier und fünfzig Mann verwundet.

Hof und Gesellschaft.

*** Zum Besuche des Kaisers in Dresden, welcher, wie bereits erwähnt, für den 1. September cr. fest­gesetzt ist, wird noch genteldet, daß sich der Kaiser am 2. Sep­tember vom Reustädter Bahnhofe aus zur Teilnahme an der Parade nach Zeithein begeben wird, von wo an demselben Tage die Rückkehr nach Dresden erfolgt. Im Anschluß an das im königlichen Residenzschlosse stattfindende Diner ver­läßt der Kaiser Dresden, um zunächst nach Merseburg wei­terzureisen. Der Kaiser beabsichtigt, gelegentlich seines für Ende nächsten Monats in Aussicht genommenen Auf­enthaltes auf der Gutsherrschaft Cadinen einen Abstecher nach Labiau zu unternehmen, um in den daselbst belegenen großen Forsten der Jagd auf Elchwild obzuliegen.

*** Die Kaiserin empfing im Neuen Palais den Oberpräsidenten von Bethmann- Hollweg, um von ihm Mit­teilungen über den Umfang und die Art der auch in der Provinz Brandenburg zu beklagenden Hochwasserschäden entgegenzunehmen. Die Kaiserin ließ dem Oberpräsidenten als Beihülfe für besonders dringende Notfälle den Betrag von 3000 Mt. überweisen.

*** Prinz und Prinzessin Rupprecht von Bayern sind von ihrer dreivierteljährigen Weltreise zurück­gekehrt und nach kurzem Aufenthalt in München nach Possen­hofen zu den Eltern der Prinzessin weitergefahren.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Der Humbertprozeß. Im Vordergrunde der Verhand lungen steht noch immer Romain Daurignac. Im Gegensat zu den bisherigen Gutachten befundet der Graphologe Hof Jard, die Handschrift Romains weiche von der auf den mi Trawford gezeichneten Schriftstücken bedeutend ab. Romain

nicht erlaubte, feine ausgezeichneten Eigenschaften zu wür

digen.

jetzt noch unter ſtarten Schatten verborgen wären. schuldigst Mühe geben, die Lichtseiten zu entdecken, welche meines Herrn Vaters eifrig beobachten und mir pflicht­Ich würde also nach dem Befehl und ganz im Sinne Sie

legen war; denn gerade in kleinen Badeorten bildet sich stets Waldheim zu finden, woran aller Welt ganz besonders ge­ihre Vermittlung auch eine Annäherung an den Grafen sellschaft auszuschließen, so hatte man ja die Hoffnung, durch Da fie die Absicht erkennen ließen, sich nicht von der Ge­immter Mittelpunkt des inter­

mehr noch als fouft ein he

Damen daran teilzunehmen." ten, daß der Graf Waldheim nicht anders kann, als mit seinen fchen Punkte der Umgegend arrangierten und es so einrich­

Verantwortung dafür übernimmt, do die Meinung des Herrn von Bergen ist, und wenn er die " Nun, Herr Baron", sagte Herr von Stolten, wenn die Unwille des Gra­

( Schluß.)

Ein Spiel des Zufalls?

Von A. Hoffmann.

War es Zufall oder leitete mich ein höherer Wille? Wie­( Nachdruck verboten.)

mieder mor