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* Der Ausstand der Spinnereiarbeiter in Oporto nimmt beträchtlich an Umfang zu. Die Zahl der Streikenden wird auf zwanzigtausend geschäßt. Weitere Arbeiterkreise schlie­ßen sich dem Streit an. Die Regierung hat weitgehende Maßregeln ergriffen.

Hof und Gesellschaft.

*** Das Kaiserpaar nahm gestern an der Ein­weihung der neuen Kirche in Bornim teil. Um halb 12 Uhr trafen die hohen Herrschaften unter Glockengeläut mit großem Gefolge und einer Eskorte des 1. Garde- Ula­nenregiments von Potsdam aus ein. Der Kaiser schritt die Front der vom Lehr- Jufanteriebataillon gestellten Ehrenkompagnie ab. Darauf solgte die feierliche Ueber­gabe der Schlüssel. Das Kaiserpaar betrat unter Voran­tritt der Geistlichkeit die Kirche, wo der Gottesdienst mit einem Gesangvortrage des Kirchenchores eröffnet wurde. Die Weiherede hielt der Genera!-Superintendent der Kur­mark Koehler. Nach einem Rundgang um die Kirche kehrte das Kaiserpaar nach Potsdam zurück.

Aus der Reichshauptstadt.

-Wandelbilder von Spectator.-

Das Berliner Prozentum ist eine stehende Rubrik in den Wigblättern, und man muß zugeben, daß sich das- sagen wir milde- übertriebene Selbstbewußtsein des Ber­liners häufig den Einwohnern anderer Städte gegenüber in unangenehmer und geschmackloser Weise bemerkbar macht. In Berlin selbst freilich ist davon nicht viel zu spüren, da läßt schon der Kritisierbazillus, der die sonst auch nicht gerade reine Berliner Luft verseucht, einen all­gemeinen Chauvinismus nicht aufkommen. Das zeigte sich auch jetzt wieder, da der Sieg der Berliner im Frank­furter Sängerkrieg Gelegenheit zu lokalpatriotischen Aus­schweifungen hätte geben können. Der Empfang des Leh­rergesangvereins, der es fertig gebracht hatte, über die weltberühmten und stimmigewaltigen Kölner zu trium­phieren, war zwar recht festlich, und die gewaltige Halle des Anhalter Bahnhofes erdröhnte in jener Nacht von Ru­fen der Begeisterung, als der Vorsitzende des Vereins mit der Kaiserkette um den Hals erschien und von unserem Dichter- Bürgermeister das Willkommen der Stadt entge gennahm. Manchem dürfte hierbei der Gedanke gekom­men sein, daß die Kette und das Willkommen in erster Linie dem Dirigenten gebührte, dessen unermüdlicher Ar­beit und dessen musikalischer Tüchtigkeit der Erfolg zu verdanken ist. Oder sollte Professor Schmidt mit der klas­sischen Sänger"-Bescheidenheit gesagt haben: ,, Die goldne Kette gib mir nicht?"

Troß dieser jubelnden Kundgebungen, die teils von Sangesbrüdern und deren Angehörigen, teils von solchen Leuten ausgingen, die immer dabei sein müssen, wo es einen rechten Feez" gibt, kann man getrost behaupten, daß das Interesse daran kein allgemeines ist. Das ge­schäftige Leben hastet schnell über solche Ereignisse hinweg. Selbst der Todesfall an Best blieb ein Lokalereignis, das, wie viele andere, nur bei den Näherstehenden brennendes Interesse erregte. Dank den neueren Forschungen hat die Best bei uns viel von dem Schreck verloren, der in frü­Heren Jahren allein imstande war, die Opfer der fürch­terlichen Krankheit zu verdreifachen. Heute geben uns die modernen hygienischen Fortschritte und Einrichtungen Ruhe und Sicherheit, und der Erfolg zeigte ja auch bis jetzt in diesem Falle, daß unser Vertrauen zu diesen Institu­tionen begründet ist.

Man muß es der Reichshauptstadt lassen, daß sie mit ihrem hygienischen Kehrbesen eifrig hinter dem Bazil­lengewimmel her ist; dennoch könnte vielleicht noch mehr getan werden. Insbesondere bei Herstellung und Verkauf von Eßwaren, wie Brot, Fleiſch und Wurst hört und sieht man häufig noch manche unsauberen" Dinge, die förmlich danach schreien, daß die Sanitätspolizei einmal ihre antiseptische Nase hineinsteckt.

Da die sorgsame Polizei das Publikum nicht nur vor den Krankheiten des Körpers, sondern auch vor Angriffen auf der lieben Seele Ruh zu schüßen hat, interessierte sie sich auch für das Auftreten des Fräuleins Artemis Co­lonna und gab erst nach sorgfältiger Prüfung dieser Tän­zerin die ,, Konzession" für bloße Füße. Die Tänzerin tritt nun mit auch polizeilich freien Füßen in den bloßen Fuß- Tapfen der Miß Duncan auf. Die arme Duncan! Nach ihrem Mißerfolg in Paris muß sie noch die Er­fahrung machen, daß selbst nackte Füße, die nicht patent­amtlich geschüßt sind, vor Nachahmung nicht sicher sind. Sie wird hingehen und trauernd ihre Füße verhüllen.

In welch engen Beziehungen Kunst und Polizei zu einander stehen, beweist auch noch ein anderer Umstand, die Verpachtung der alten Hausvogtei am Molkenmarkt an einen Konzertunternehmer. Seitdem, wie der Ber­liner sagt, der Molkenmarkt nach dem Alexanderplatz ver­legt worden ist, diente das alte Polizeipräsidium als Asyl für obdachlose Verwaltungsbureaus; doch scheint es jetzt in Erinnerung an seine früheren edlen Zwecke in ein ,, fideles Gefängnis" verwandelt zu werden. Vorderhand werden die früheren Gefängniszellen als Wohnräume vermietet, und natürlich sind es weniger Kommerzienräte und Bankiers, die von solcher Wohngelegenheit Gebrauch machen, als die Aermsten der Armen, und unter ihnen wird vielleicht mancher sein, der mit Wehmut früherer Zeiten gedenkt, da er denselben Raum gratis bewohnte, für den er jetzt dem Unternehmer eine verhältnismäßig hohe Miete zu zahlen hat. Und dazu ist das Rücken" bei der eigentümlichen Bauart dieses ,, Wohngebäudes" sehr erschwert.

Das Rücken", wie man das heimliche Ausziehen hier nennt, ist eine beliebte Institution für diejenigen, denen es einige Unbequemlichkeiten verursacht, die rückständige Miete zu zahlen. Es gibt Rück- Virtuosen, die dem Haus­wirt ihre gesamte Habe zwischen den Fingern hindurch wegschleppen, ohne daß er es merkt, zumal sich für diesen guten Zweck stets liebe Freunde als Helfer finden. Häu­fig freilich kann es dem Hausbesizer noch peinlicher wer­den, wenn die Rückkompagnie etwas zurückläßt. So hat jüngst eine Familie all ihr hab und Gut heimlich hinweg­geschleppt und vergaß" in der ausgeräumten Wohnung nur ein Kinderbett mit der Leiche des jüngsten Kindes darin. Eine solche Gemütsroheit läßt sich auch durch den härtesten Kampf ums Dasein nicht entschuldigen.

Nab und fern.

::: Entschädigung für Manöver- Flurschäden. Ueber die umfangreichen Flurschäden, welche gelegentlich des fürzlichen großen Gefechtsmanövers der Garde den Be­sizern um Döberitz durch die Truppen zugefügt worden sind, hat sich der Kaiser eingehenden Bericht erstatten lassen. Der Monarch bedauerte das Vorkommnis und ord­nete, wie wir hören, an, daß den geschädigten Besizern ber entstandene Schaden reichlich vergütet werden solle. )-( Adligen- Familientage. Von ahlreichen adligen Fa­milien werden gegenwärtig die ulljährlich stattfindenden Familientage abgehalten, um von dem Senior der Fa­milie über die Fortentwicklung des Geschlechts Bericht zu hören. Das in letzter Zeit sehr wahrscheinlich auf höhere Anordnung hin zu Tage getretene Bestreben der Provinzial- Regierungen, die unberechtigte Führung des Adelstitels einzudämmen, wird mit Genugtuung begrüßt Angehörige des Geschlechts, die wegen ehrenrührigen Ver­haltens gerichtlich bestraft wurden, werden auf den Fa­milientagen nicht geduldet, da sie moralisch dem Ge­schlechte als nicht mehr angehörig betrachtet werden. Kürz­lich mußte auf einem solchen Familientage ein Geschlechts­angehöriger, der wegen Sittlichkeitsvergehens mit Gefäng­nis bestraft worden war und sich freiwillig nicht entfernen wollte, auf Grund des Hausrechtes vom Familiensenior zum Verlassen der Versammlung gezwungen werden. Sol­chen Existenzen werden gewöhnlich die Mittel zum Auf­suchen eines fremden Landes gegeben, falls ihnen etwas daran liegt.

)-( Die Katastrophe bei Rostow a. Don, die wir be­reits kurz gemeldet haben, ist nach jezt eingelaufenen Nachrichten furchtbar gewesen. Der dicht besetzte Vergnü­gungsdampfer legte an einem Steg an, der seit längerer Zeit nicht mehr benutzt worden und gänzlich morſch war. Als die Fahrgäste sich in gedrängten Massen auf den Steg stürzten, brach der schwache Bau zusammen, und hun­derte von Menschen stürzten in den Fluß. In der nun folgenden Szene unbeschreiblichen Schreckens dachte zuerst niemand an verständige Rettungsversuche, alles schrie und tobte durcheinander. Als dann endlich Rettungsbɔote flar gemacht wurden, waren schon weit über 300 Personen er­trunken. Zweihundert Leichen sind ins Meer hinausge­schwemmt worden.

(!) Der Wahlfeldzug der Rothaarigen. Eine Wahlagi­tation, bei der die Farbe des Haupthaares eine wichtige Rolle spielte, hat dieser Tage im Staate kans is damit geendigt, daß Viktor Murdock, Republikaner von Wichita, ein Mann, der sich feuerroten Haares erfreut, in den Kon­greß gewählt wurde. Zwanzig Bewerber um die ,, Nomi­nation" waren im Felde, darunter zwei Rothaarige, Mur­dock, Chefredakteur eines in Wichita erscheinenden Blat­tes, und Staatssenator F. D. Smith, beide miteinander eng befreundet. Eines Tages machte Murdock gegen Smith die scherzhafte Bemerkung, daß, unerachtet des Faktums, daß unter 100 Amerikanern zehn rothaarig sind, die Rot­haarigen von jeher in der Politik zurückgesetzt worden seien, so daß seit Thomas Jefferson kein rothaariger Prä­sident mehr das Weiße Haus bezogen habe. Smith könnte diese schmähliche Tatsache nicht in Abrede stellen, und beide beschlossen, die äußersten Anstrengungen zu machen, um dem roten Haare endlich die verdiente Anerkennung zu verschaffen. Smith war sogar uneigennüßig genug, zu Gunsten Murdocks, der von beiden das feurigere rote Haar hatte, seinen eigenen Ehrgeiz zu bezähmen und von der Kandidatur zurückzutreten, um für Murdock zu arbeiten. Alle rothaarigen Republtianer des Wahlbezirks wirkten jezt im Interesse der gerechten Sache eifrig zusammen, und in dem Nominationskonvent zu Great Bend glänzten 40 v. H. der Delegaten durch rotes Haar, was in der= litischen Geschichte des Staates Kansas bis dahin noch nicht erlebt worden war.

)-( Napoleon und Loubet auf amerikanischen Brief: marken. Zur ,, postalischen Verewigung der nächſtjährigen Weltausstellung in St. Louis will man in den Ver. Staa­ten eine beschränkte Serie von Briefmarken ausgeben, die an den Ankauf der Provinz Louisiana erinnern sollen. Man gibt sich nun in Washington Mühe, Vignetten zu fin­den, die für den Zweck der Ausstellung passen. Köpfe von bedeutenden Persönlichkeiten sollen es sein, die mit jener epochemachenden Gebietsübertragung identifiziert waren, und da bieten sich in erster Linie zwei Portraits: das Bild Thomas Jeffersons und das Bild Napoleon Bonapartes. Man denke: das Bild eines Franzosenkaisers auf einer amerikanischen Fünf Centsmarke! Es werden nur vier Sorten von Ausstellungsmarken gedruckt, solche zu 1, 2, 5 und 10 Cents. Die ganze Serie der Ver. Staaten­Briefmarken kann man schon deshalb nicht neu drucken, weil man nicht Köpfe genug finden könnte, die als Mar­kenbilder zu verwenden wären. Lebende Amerikaner dür­jen nicht auf Papiergeldnoten oder Postmarken prangen - das Gesetz verbietet dies. Das schließt z. B. den Prä­sidenten Roosevelt aus. Man könnte dafür Mc. Kinley nehmen, weil er die Bill unterzeichnete, die die Abhaltung der Ausstellung gestattete. Aber nun die vierte Marke? Man ist zuletzt auf den Präsidenten der französischen Re­publik verfallen! Ohne Präzedenzfall steht die Idee übri gens nicht da, denn es gibt schon Ver. Staaten- Marken, die ein europäisches Potentatenbildnis tragen. In der Kolumbusserie von 1893 trug die Fünfdollarsmarke das Bildnis Isabellas von Spanien.

Bunte Chronik. Wie aus Göttingen gemeldet wird, ertrank eine Krankenschwester des Sanatoriums Hede­münden bei dem Versuch, eine Nervenkranke, die sich im Werrafluß ertränkte, zu retten.

In Bielefeld ist, das größte Elektrizitätswerk Werther vollständig niedergebrannt.

In Massanei in Sachsen sind der Gutsbesitzer Frizz Müller und dessen Wirtschafterin Bertha Lauphof durch Beilhiebe ermordet worden. Es liegt offenbar Raubmord

bor.

- Der Brand in der Fabrik der Daimler- Motorengesell­schaft zu Cannstadt hat sehr großen Echaden verursacht, ber auf 1600 000 Mark geschätzt wird.

Vermischtes.

(:)[ Das unfreiwillige Solbad.] In große Verlegen­heit ist die Stadtverwaltung von Landsberg a. d. W. ge­raten. Von allen Seiten laufen bei ihr Anfragen ein nach dem neu entdeckten Solsprudel", den Heilungsbedürftige aufsuchen wollen. Der Magistrat weiß aber zu seinem

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Leidwesen von einem derartigen Segen spendenden Brünn flicht genommen. lein in dem Weichbilde der Stadt nicht das Geringste. Guldverschreibung Die Anfragen sind nämlich die sicherlich nicht beabsich- Dispense von Be Landsberg erscheinenden Blattes, nach welchem Lands- br Straße Gießer

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berg a d. W. durch einen beim Bohren eines Brunnens entdeckten ,, Solsprudel" Badeɔrt werden sollte. Einige Provinzblätter druckten gedankenlos diese sehr durchsich­tig gehaltene Notiz nach. Schließlich endete der Artikel, sogar in der Zeitschrift für brandenburgisch- preußische und niederdeutsche Heimatkunde Roland". In der Ein­leitung heißt es da: ,, Um einen neuen Badeort wird in türzester Zeit unsere Mark reicher sein. Neben dem Rü­dersdorfer Sprudel und dem Freienwalder Brunnen wird bald ,, Landsberger Sole" einen Ruf erhalten." Die Wir­fung dieses unverdienten Ruhmes ist, wie beschrieben, für Landsberg recht peinlich.

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[ Eine harte Nuß für Hundebesitzer] bildet eine Verfügung, die das Bürgermeisteramt eines badischen Städtchens fürzlich gegen das Lärmen der Hunde erlassen hat. Cie lautet: ,, Gegen Hundebesitzer, welche dulden, daß ihre Hunde gewohnheitsmäßig ohne zu rechtfertigende Ver­anlassung bellen und heulen, wird auf Grund des§ 30, Biff. 11, D. R.-St.-G.-B. strafend eingeschritten. 16. Otto­ber 1902. Das Bürgermeisteramt." Die Erklärung, was ein Hund unter einer ,, zu rechtfertigenden Veranlassung" zum Heulen verstehen darf, bleibt das Bürgermeisteramt schuldig. Die Herren Hundebesitzer werden sich darüber auch vergebens den Kopf zerbrechen.

):( Schon wieder ein Naturmensch". In der belebten Leipziger Straße zu Berlin erregte ein Mann, der nu mit einem Lendenschurz und einer eigenartigen Schürze angetan war, so peinliches Aufsehen, daß ihn die Polizei verhaften mußte. Der ,, Naturmensch" heißt Karl Kirz­rock und ist 22 Jahre alt. Er war früher in Berlin Buch­halter, bis ihn ein Lungenleiden veranlaßte, die Stelle

aufzugeben. Er fand, wie er angibt, durch ,, naturgemäße" Lebensweise, Vermeidung von Fleischnahrung und allen gefochten Speisen, ständigen Aufenthalt im Freien bei unbekleidetem Körper u. s. w. Heilung seines Lidens und wandert seitdem in dem beschriebenen leichten Anzug durch Deutschland, um Anhänger seiner Bestrebungen zu ge winnen. Kurzrock, der den Eindruck eines fcästi en und vielunterrichteten Mannes macht, war auch in Dressen verhaftet worden. Die dortige Behörde gab ihn jedoch bald wieder der Freiheit zurück.

) Ein anarchistisches Attentat soll nach den Feststel­lungen der Untersuchungskommission der Untergang des Dam r ,, Arequipa" im Hafen von Valparaiso verur­jacht haben. Auch bei einem andern im dortigen Hafen liegenden Dampfer wurden die Maschinen von Anarchi­ſten in Unordnung gebracht. Jetzt wird es erklärlich, veshalb in der Sturmnacht, als der Dampfer quipa" sank, die Maschinen durchaus nicht gleich funk­tionieren wollten. Die Anschläge vorbereitet zu haben, wird ein in Valparaiso wohlbekannter Anarchistenführer beschuldigt.

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Ueber den Untergang de französischen Tampfer ,, Liban" erfährt man weiter, daß der Kapitän zur Zeit des Zusammenstoßes auch in der Passagierkajüte beim Frühstück war, während sein Platz, unbedingt auf der Kommandobrücke hätte sein müssen. Der Zusammenstoß er­folgte allerdings bei hellem Mittagssonnenschein, aber an einer Stelle, die die ganz besondere Aufmerksamkeit der Schiffsführung erforderte. Taß der Kapitän bei dem schnellen Herannahen des anderen Dampfers so völlig den Kopf verloren, ist wohl vor allem darauf zurückzuführen,

daß er viel zu spät auf Deck gerufen wurde. Der Proku­rator der Republif hat eine Untersuchung über die Um­stände des Zusammenstoßes des ,, Liban" mit dem ,, Insu laire" angeordnet. Ministerpräsident Combes hat den An­gehörigen der Verunglückten 1500 Francs aus dem Bud­get des Ministeriums des Innern zugewendet. Bei der Beerdigung der Opfer sprach einer der Anwesenden in heftigen Worten gegen die Reeder. Als der Reeder Fraissi­net einige Worte sprach, rief jemand:..Es ist das erste Mal, daß man Mörder auf die Särge iheer Opfer Tränen vergießen sieht." Der Bürgermeister erhob Einspruch gegen Diese Aeußeruna.

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[ Glückliche Kindheit!] Unter all den herzzerreißgängerverkehr, Benden Episoden, die sich bei und nach dem Untergang Sammenhängenden des französischen Dampfers Liban" abspielten, mutet fol- Stadtv. Kirch. gende Erzählung eines Marseiller Herrn, der in der Nähe fädt halten di der Unglücksstelle dem Angelsport oblag, wie ein herzer­Ir Anlage des frischendes Idyll an. Der Angler hatte das Glück, sieben tugnet. Stadtb Personen von dem gesunkenen Schiff in sein Boot auf­gehöre fein Reit zunehmen, und sie auf eine Klippe in Eicherheit bringen zu können. Unter ihnen befand sich eine Dame aus Bastia mit zwei kleinen Kindern, eines von sieben, eines von vier Jahren. Das letztere hatte in seiner kindlichen Einfalt überhaupt nichts von der furchtbaren Gefahr begriffen, der es soeben entronnen war. Als es auf die nackte Klippe gehoben war, sah es sich lächelnd um und fragte: ,, Mama, ist das schon Bastia? Wo ist denn unser Großpapa, der uns abholen will?"

()[ Kanadischen Lachs] beabsichtigt die Verwaltung der Kanadischen Pacificbahn in großen Massen nach Europa einzuführen, vorerst nach England, wo die Fische der Be­rechnung nach in bestem frischem Zustande auf den Markt gelangen sollen. Die Reise dauert allerdings 14 Tage. Der Preis am Fangort beträgt für einen Fisch von 20 Pfund nur 50 Pfg, so daß auch der Marktpreis in Eng­land sehr niedrig sein wird. Aber dieser Lachs, der zum Transport in Blechdosen zubereitet wird, ist, was die Qualität und den Geschmack anbelangt bei weitem nicht mit dem Lachs des Rheins, Schottlands oder des öst­lichen Kanada zu vergleichen, er steht darin beträchtlich zurück, ist von matter Farbe und weichlichem Fleische. Die Fachleute behaupten sogar, daß er überhaupt kein

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Lachs sei, sondern zu der Klasse der Forellen gehöre. Es egennüßigst ist nicht unmöglich, daß von England aus der Versuch gen Reichstag g

macht wird, diese Fischart auch auf dem deutschen Markt einzuführen.

[ 1784]