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Nr. 186.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 30 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen biertel­fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.

Dienstag, den 11. August 1903.

Gießener

12. Jabrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaltige Veritzerle rür Gießen wie gang Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Rip. fonst 15 Vfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Gyvedition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Nr, 362.

Nenelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Bekanntmachung.

Gießen, 8. Auguft 1903.

Die Bachschauen an den nicht schiffbaren Gewässern Betr.: Die Beaufsichtigung der Tätigkeit der Feldgeschworenen betreffend. Das nachstehende Ausschreiben Großh. Kreisamts Das Großgerzogliche Kreisamt Gießen Gießen bringe ich hiermit zur Kenntnis der Interessenten. an die Großh.Bürgermeistereien derLandgemeinden Gießen, 10. Auguft 1903. des Kreises. Der Oberbürgermeister. Mecum.

Bekanntmachung,

die Bachschauen an den nicht schiffbaren Gewässern betr. Bufolge Verfügung Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Ge­werbe sind von den Großh. Kreisämtern und den Großh. Kulturinspektionen an den nicht schiffbaren Gewässern Bachschauen vorzunehmen, durch welche die ordnungs­mäßige Unterhaltung dieser Gewässer und die genaue Beobachtung der hierfür bestehenden Vorschriften und der bei Verleihung der Wassernutzungsrechte vorgeschriebenen Bedingungen herbeigeführt werden soll.

Zu den Bachschauen in einer Gemarkung sind die Bürgermeister( in gemarkungsselbständigen Bezirken der Vertreter des Gemarkungsinhabers) und ein von dem Ortsvorstande gewähltes Mitglied zuzuziehen, die Be­fiber von Stauanlagen, Wassertriebwerken, von Be- und Entwässerungsanlagen 2c. und andere Beteiligte ein­zuladen.

Die Teilnahme an den Bachschauen und die Geltend machung von Wünschen und Be­denken ist jedem Beteiligten gestattet.

Im Kreise Gießen werden zunächst folgende Bach­schauen stattfinden:

1. An der Horloff:

Am 15. August: Zusammenkunft bei Hof Graß bormittag 9 Uhr. In Betracht kommen Hof Graß und Inheiden( 91% Uhr), Hungen( 10 Uhr), Villingen ( 2 Uhr).

2. An der Lumda:

Am 19. August: Zusammenkunft Gemarkungs­grenze Lumda- Stangenrod 11 Uhr vormittags. In Betracht kommen die Gemarkungen Lumda( 114 Uhr), Geilshausen( 122 Uhr), Odenhausen( 2 Uhr), Kesselbach ( 2 hr), Londorf( 3 Uhr).

Am 20. August: Zusammenfunft Bemarfungs­grenze Allendorf- Londorf, vorm. 11 Uhr. In Betracht kommen die Gemarkungen Allendorf( 11 Uhr), Treis ( 12 Uhr), Mainzlar( 22 Uhr).

3. An der Wieseck:

Am 21. August: Zusammenkunft an der Ge­marfungsgrenze Saasen Göbelnrod vormittags Uhr. In Betracht kommen die Gemarkungen Saasen( 914 Uhr), Lindenstruth( 10% Uhr), Reisfirchen( 11 Uhr), Großen­Buseck( 3 Uhr).

Am 22. August: Zusammenkunft an der Ge­marfungsgrenze Großen- Buseck- Alten- Buseck, vormittags 9 Uhr. In Betracht kommen: Alten- Buseck, Rödgen und Trohe( 9 Uhr), Wieseck( 10 Uhr), Gießen( 3/2 Uhr nach­mittags Fortsetzung).

Die Großh. Bürgermeister der in Betracht kommen­den Gemeinden werden brauftragt, vorstehendes ortsüblich bekannt zu machen, die Beteiligten, insbesondere die Be­fizer von Stauanlagen, Wassertriebwerken, Be- und Ent­wässerungsanlagen 2c. zu der Bachschau noch besonders einzuladen und sich selbst mit einem von dem Ortsvor stande zu wählenden Mitgliede desselben zur Schau einzufinden.

Gießen, den 8. August 1903.

Großh. Kreisamt Gießen.

Dr. Breidert.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach§ 6 des Reichsges zes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat Jali 1903 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 g. betragen. Hafer Mt. 16,90. Heu Mt. 6,30, Stroh Mt 5,-. Gießen, den 8. August 1903.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert.

Wie wir in Erfahrung gebracht haben, werden die von den Feldgeschworenen vorzunehmenden Rundgänge in einzel, nen Gemeinden entweder überhaupt nicht oder doch nicht in der vorgeschriebenen Art und Weise zur Ausführung gebracht. ir beauftragen Sie daher, die Feldgeschworenen anzuhalten, daß die Rundgänge regelmäßig erfolgen und nicht nur die Gemarkungsgrenzen, sondern sämtliche Grenzen begangen werden.

J. V.: Tr. Heinrichs.

Mordanfchlag auf Mr. Combes.

* In Marseille ist auf den französischen Ministerpräsi denten Combes ein glücklicherweise fehlgeschlagener Mord­ersuch verübt worden. Als Combes, der in Marseille einem Lehrerkongreß beiwohnte, von einem Bankett des Prä­jekturgebäude betrat, feuerte eine wie ein Fischer gekleidete Person zwei Revolverschüsse auf den Wagen des Ministerpräsidenten ab. Combes wurde nicht verletzt. Der Täter ist verhaftet; bezeichnenderweise ist es wieder ein taliener namens Picolo.

Dem widerspricht zwar eine amtlicherseits gegebene Schilderung des Vorfalls, indessen ist diese amtliche Schilde rung zweifellos ein Vertuschungsversuch. Sie besagt, die Revolverschiisse seien nicht auf den Wagen des Ministerpräsi benten gerichtet gewesen. Der Vorgang habe sich vielmehr jolgendermaßen abgespielt: Es wurde mit einer Tomate nach dem Wagen Combes' geworfen, die den auf dem Bod izenden Leibjäger traf. Schußlente verfolgten den Täter, den seine Kameraden zu schüßen suchten. Einer der letz teren, namens Picolo, schoß dabei aus seinem Revolver, etwa hundert Meter vom Wagen des Ministerpräsidenten entfernt. Sowohl Picolo wie derjenige, der die Tomate jeworfen hatte, wurde verhaftet. Picolo sei angetrunken ge­Desen, er habe geleugnet, überhaupt geschoffen zu haben, und habe- geweint! Die Menge wollte ihn prügeln, so daß die Polizeibeamten ihn schüßen mußten. Recht inter­essant war der Verlauf des Banketts, das dem Attentat vorausging. Nicht weniger als 3500 Personen nahmen daran teil. Während des ganzen Essens herrschte ein Heiden­lärm; che Combes erschien, sangen die Bankettteilnehmer Die Marseillaise. Die Sozialdemokraten pfiffen den gegen­wärtigen Maire Chanot aus, der ihnen nicht sozialistisch genug ist und ließen den früheren Maire Flaissières boch­leben. Alle Festgäste mußten kalte Speisen aus Schach­teln nehmen, die auf den Tischen standen und sich selbst be­dienen; auch Combes. Die Redner konnten sich nicht ver­ständlich machen, und fortwährend wurden einzelne allzu unerträgliche Ruheſtörer an die Luft gefeßt. In einer Stadt, vo die Stüßen der Gesellschaft" sich so benehmen, ist frei. sich nicht verwunderlich, wenn ein betrunkener Italiener zu seinem Privatvergnügen auf einen Ministerpräsidenten schießt.

Rücktritt des ungarischen Kabinetts.

In der gestrigen Situng des ungarischen Abgeordneten hauses erklärte Graf Khuen- Hedervary unter große Spannung des Hauses, die Regierung habe sich die Aufgab gestellt gehabt, die Beendigung des ex lex- Zustandes herbei zuführen und eine normale Geschäftsführung im Parlament zu ermöglichen. Zu diesem Behuse sei die Erhöhung des Re­frutenkontingents zurückgezogen. Die Aussicht, daß die Re­gierung ihre Mission würde erfüllen können, sei anfangs ver­heißimgsvoll gewesen, doch die Möglichkeit des Gelingens der Aufgabe babe sich bald vermindert, bis sie völlig geschwunden sei. Darum habe es die Regierung für ihre patriotische Pflicht gehalten, ihre Mission in die Hände des Kaisers zurückzu­legen und ihre Demission zu überreichen. Der Kaiser habe diese angenommen und sich die formale Erledigung des Demissions= gesuches für später vorbehalten. Der Ministerpräsident er­sucht hierauf das Haus, sich bis zur Bildung eines neuen Kabinetts zu vertagen, und teilt ferner mit, der Kaiser werde Ueber die nach Ungarn kommen.

Verhältnisse in Ungarn schreibt uns unser-Mitarbeiter von gestrigen Tage: Graf Khuen war ja nicht erst durch die leidige Bestechungs­affäre unmöglich; er war in dem gleichen Augenblid unhalt­bar geworden, als er sich unfähig zur lleberwindung der Ob­struktion zeigte. Aber man hätte jedenfalls noch eine Weile

fortgewurstelt", wenn nicht die Katastrophe durch den Gra­fen Szapary beschleunigt worden wäre. Insofern dadurch eine Klärung der Lage vorbereitet werden könnte, wäre die neueſte Situation vielleicht erfreulich.

Leider aber, und das ist das charakteristische Merkmal der augenblicklichen Lage, sind zu einer Klärung wenig Aus­sichten vorhanden. Im Gegenteil, die Sache wird immer ver­wickelter, weil jetzt der Intrigue, der politischen Züge und der Verleumdung Tür und Tor geöffnet ist. Die neueste Sen­sation ist die Aussage des Grafen Kolonyi, der im Unter­suchungsausschuß erklärt haben soll, fein Geringerer als der Erzherzog Franz Ferdinand, der fünftige Thronfolger, habe die ganzen Bestechungszetteleien veranlaßt. Ein gewisser Jenacek, der im Dienste des Erzherzogs stehe, habe der Ge­liebten des Publizisten Dienes das Geld gegeben und mit deren Hilfe die ganze Sache in Bewegung gebracht. Nun ist man ja glücklich mitten in dem Fahrwasser! Der Thron­folger ist ohnehin nicht beliebt. Jetzt enthüllen sich die Ziele der Obstruktion immer mehr. Diese zielt auf die Vor­bereitung der Nationalmonarchie hin, indem sie zunächst den König zur Einsetzung eines streng magyarischen Ministeriums zwingen will.

Zu diesem Zweck verlangt Franz Kossuth, daß der König auf einige Zeit nach Pest komme, und dort persönlich in den Gang der Dinge eingreife. Man will also keinen Monarchen in partibus infidelium. Er soll unter ihnen sein und mit ihnen leben. So wollen es die Magyaren, die sich immer deutlicher zu dem Geiste und den Absichten ihres verstorbenen Nationalhelden Kossuth bekennen. Kaiser Franz Josef hinwiederum will nicht ganz ohne die Gelegen­heit zu Rückfragen bei dem österreichischen Ministerium blei­ben; er hat sich deshalb entschlossen, am Mittwoch noch Schön­brunn bei Wien zu reisen, um dort eine Anzahl ungarischer Parlamentarier behufs Erörterung der Verhältnisse zu em­pfangen. Wie die Lage entwirrt werden soll, vermag noch niemand zu sagen.

Das eine aber ergibt sich aus der jeßigen Sachlage, daß in Ungarn die Dinge für die habsburgische Monarchie sehr schlecht stehen.

Die Politik.

Das Kaiserpaar und die Ueberschwemmten.

Kaiser Wilhelm hat, wie unser Berliner CB­Mitarbeiter erfährt, beschlossen, so fort nach der am heu­tigen Dienstag erfolgenden Rückkehr von der Nordlands­fahrt sich in das schlesische Hochwassergebiet zu begeben, wo die Kaiserin sich bereits aufhält. Die hohe Frau läßt es sich auf ihren Fahrten durch das Ueber­schwemmungsgebiet angelegen sein, den Geschädigten nicht nur mit Zuspruch und Nat, sondern auch mit der Tat zu interſtüßen. Sie hat den Landräten der vor ihr bereisten Kreise namhafte Geldbeiträge zur Verteilung an die Opfer der Hochwasserkatastrophe übergeben.

Wieder ein russischer Konsul ermordet!

Noch ist die Ermordung des russischen Konsuls in Mitroviza, Schtscherbina, durch einen türkisch- albanesischen Soldaten Ibrahim in aller Erinnerung, und schon wieder tommt aus Mazedonien die Kunde von einem neuen Morde ganz ähnlicher Art: Der russische Konsul in Monastir, Roskowski, ist von einem türkischen Wachtposten er­schossen worden. Der Konsul hatte einen Spaziergang nach dem benachbarten Kloster Busovac unternommen. Auf dem Heimwege bemerkte er, daß der türkische wachhaltende Soldat nicht grüßte, sondern ihn herausfordernd firierte. Der Konsul näherte sich und wollte fragen, worauf das auf­fallende Benehmen beruhe, worauf der Soldat aus nächster Nähe den Schuß abfeuerte, der den Konsul sofort tötete. Der Roskowski begleitende serbische Kaivaß( Polizeisoldat) senerte seinerseits auf den Soldaten, jedoch ohne zu treffen. Selbstverständlich hat die Mordtat bereits diplomatische Fol­gen gehabt: Der Großvezier und der türkische Minister des Aeußern haben im Namen des Sultans den russischen Bot­schafter das Bedauern des Sultans ausgedrückt. Der Mör­der ist der Gendarm Halim; er wird der ſtrengsten Strafe unterworfen werden. Der Wali von Monastir wurde sei­nes Postens enthoben. Der Sultan telegraphierte auch selbst an den Zaren, um diesem sein Bedauern auszudrücken. Selbstverständlich gibt sich Rußland mit solchen papierenen Rundgebungen ebensowenig zufrieden, wie im Falle Schtscherbina: Der Zar hat befohlen, an die türkische Re­gierung sehr energische Forderungen bezüglich voller Genug tuung und unverzüglicher exemplarischer Bestrafung sowohl des Mörders als auch aller Militär- und Zivilpersonen zu stellen, auf welche die Verantwortung für den Mord fällt. Uebrigens wird noch bekannt, daß Halim mehrmals auf den Konsul geschossen hat, er traf den Konsul am Kopfe und an der Hüfte; auch das Pferd wurde durch zwei Kugeln verwundet Auf den Kutscher wurde in der Stadt ge­schossen.

Ein Winkelzug des Schwarzen Peters.

A König Peter von Serbien hat zwar die Amtsblätter, die die Beförderung des den Königsmördern nicht genehmen Oberstleutnants Leschjanin zam Hofmarschall meldeten, zu­nächst konfisziert. Dann aber bat er sich eines anderen

Die Herrschaften gehen früh zur Brunnenpromenade",

werden. erwiderte der Obertelner,

in einem Bade einen Befannten zu finden. Brunnenzeit den Grafen auffuchen; es ist immer angenehm, Gut", fagte Baron Artenburg, so werde ich nach der ,, und wünschen, wenig gestört zu

Auch Graf Waldheim war von der Promenade zurück­

fondere Freude sein, ihn zu begrüßen!" von mir, bringen Sie ihn sogleich her, es wird mir eine be­,, Gewiß, gewiß, Baron Artenburg ist ein alter Bekannter

mit dem liebenswürdigsten Lächeln eifrig seinem Besuch ent­Verwunderung, daß der so stolze und hochmütig talte Graf Oberfellner, der sich ein wenig langsam zurückzog, sah zu seiner Einige Augenblide darauf trat der Baron ein, und der

Novellette von A. Heuer.

Die alte Jungfer.

1.

ihren Neiz für mich perlin Ich war 14 Jahre alt geworden.

mit die Geschichtsbücher. Die

Kinderspiele hatten

Die

bielen

II.

id) zuerst

Neugier so heftig, daß ich gar nicht wußte wohl nahm

schauen sellte.

Aufs

schlagen und enthielt drei ganz verschiedene Die Zeit drängte. ich ein Kästchen mit Kupfer- und Messingbeschlägen und öff­Reichtümer, die ich da erblickte, reizten meine

nete es.

ausge­

Das Kästchen war innen mit roter genstände:

rahmen. ein

Fleines in