Ausgabe 
11.4.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 85

Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Big., ta's Haus gebracht 60 Bfg., burch bie Bost bezogen viertel jabrlid t. 1.50.

Gratiebellagen: Oberheinische Familienzeitung( täglich) Cberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- un artenban, sowie die Gießener ctfenblasen( widcntia). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmith.

Samstag den 11. April 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Jazernewsprei as Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi gen Oberbeisen, die Kreise Beglar unb Marburg 10 Big fonn 15 fg.: Reflemen die Petitgeile 30 resp. 40 916­

Bofzeitungsliste No. 3869.

Redaktion und Expedition: Gießen Rexenweg Sa Fernsprechanichinh Ar, 868.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Euthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Selbständigkeit des Handwerks.

( Nachdruck verboten)

Ein nicht genugsam anzuerkennender Vorzug des Hand

berts- Gesezes vom 26. Juli 1897 besteht darin, daß es

"

Lehrlingezüchterei" geliefert, der den entschiedenen| Sverdrup aufgesucht wurde, um nach Resten jener furcht Widerspruch der zuständigen Handwerkskammer zu Berlin hervorrief, da er aus wenigen vereinzelten Fällen einen

allgemeinen Mißstand ableitete. Underswo haben sich Bo­lizeibeamte in höherem Auftrage bei Handwerkern danach er­

baren Tragödie zu forschen, die der Rettung der wenigen Ueberlebenden vorherging. Erst wenn man diese Schilderung gelesen hat, weiß man voll zu würdigen, was für Helden jene Männer sind, die im Dienste der Wissenschaft hinaus­

terdurch die ergche den Handwerkern für die Ordnung und Ueberwachung ihrer fundigt, welche Mängel sie an ihren Innungen auszusehen ziehen in die Welt des ewigen Eises und der ewigen Nacht, Gebrüder Roeder gemeinsamen Standesangelegenheiten ein erforderliches Maß haben u. s. w.

1:

ts. erwidern wir, fbftändiges, für sich selbst sorgendes Handwerk haben, das

vom Selbständigkeit gewährt hat. Das Gesetz will ein

Die Vertreter der Regierung betonen bei jeder Gelegen Wohlwollen gehen solche unter der Hand vorgenommenen

heit deren Wohlwollen für das Handwerk, aber aus diesem

ohne die sichere Hoffnung zu haben, zurückkehren zu fönnen in die geliebte Heimat, in den Kreis der Familie. Wie nahe ſtand Sverdrup und den Seinen oſt der Tob! Aber wenn auch seine Expedition 2 treue Mitglieder, darunter

lag übertragen halfwierigen Lage herausarbeitet. Nicht als Pflegebefohlener Erfundigungen schwerlich hervor. Damit dergleichen Ein- den Arzt, verlieren mußte, glückte es ihr doch, nach langen

ns erhalten fönn eines anderen Standes oder gar des Staates darf deshalb ber Handwerker in dem Geseze selbst ein heilmittel gegen alle Schäden und Leiden seines Standes erblicken wollen, er

fig Ihre Aufträge

mst. Herdfabrik Roeder. fannt, rücksichtlich k Tachf. Louis Hafen itung und halte ih rde bestens empfohla.

Billems.

hat vielmehr basselbe nur als Nichtschnur für sein selbständiges Bemühen um die Sebung des Standes zu betrachten und daraus die Anregungen zu ſeiner Selbsthilfe zu schöpfen. Ja, das Handwerk soll nicht nur für sich selbst sorgen und shaffen, sondern es soll sich auch gewerblich selbst beaufsich tigen und die Befolgung der gefeßlichen und statutarischen Borschriften seitens seiner Standesangehörigen selbst über­wachen.

Der§ 139 b der G.D. überträgt zwar die Aufsicht flätten den Bolizeibehörden bezw. besonderen von don Landes­

en Nachf. sowohl über bie Fabritbetriebe wie auch über die Handwerk­regieren zu ernennenden Beamten, die Bestimmungen dieses Boragraphen fönnen aber für die Handwerker nur solange in Betracht kommen, als sie selbst von dem ihnen im§ 94c zugestandenen Rechte, ihre Werkstätten durch eigene Beauf fragte beaufsichtigen zu laffen, feinen ausreichenden Gebrauch

met ndthaus Sumberer nichts au ſuchen haben, und ihre Obliegenheiten

-Felda( Seifen)

mete für

Castfubrwerke

machen. Also selbst die Polizei soll in den Werkstätten der

den Handwerkern selbst angetragen. Das Maß von Selbständigkeit wie es der Würde des Standes entspricht, und es fann nicht entschieden genug darauf hin­gewirkt werden, daß der Handwerker sich dieses Borzuges bis efezes bewußt wird und mit Sorgfalt darauf achtet, bas sich nicht unberufene Hände in den Angelegenheiten des zu Paris 1900 r Hambwerks zu schaffen machen. ager in Kutsch f. per Stüd. nd Reit- Utensilien, runter die berühmte

So find in lezter Beit wiederholt Fälle vorgekommen, wo Aufsichtsbehörden durch ihre Beamten selbst nach solchen Dingen forschen ließen, die sogar außerhalb der ihnen im $ 139b zugewiesenen Befugnisse liegen. Hierbei handelt es fich boch besonders um Bestimmungen über die Sonntags­rube, die Sicherheit für Leben und Gesundheit der Arbeiter u. dergl, dagegen hat z. B. die Potsdamer Aufsichtsbehörde erwagen und Cap fürlich ohne Befugnis Erhebungen über die Rahl der in um. Prospekte um den dortigen Handwerksbetrieben beschäftigten Lehrlinge an­gestellt und auf die ohne nähere Sachkenntnis gemachten Angaben ihrer Beamten hin der Regierung einen Bericht

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mischungen aber jedoch nicht zur Gewohnheit werben, können wir den Handwerksmeistern nur den dringlichen Rat geben: Macht euch die Vorteile, die euch das Geses von 1897 bietet, zu Nutzen und strebt danach, daß ihr euch die Selbst ständigkeit erhaltet und auch in Bezug auf die gewerbliche Aufsicht Herr in eigenem Hause und in der eigenen Werk statt werdet, indem ihr nicht nur Beauftragte der Innungen daß diese sorgfältig ihre Pflicht erfüllen, damit die Aufsichts­und Handwerkskammern wählt, sondern auch darauf achtet, behörden toinen Anlaß finden, selbst in eure Betriebsverhält nisse einzugreifen. Wir sind überzeugt, daß sich die gerigten Einmischungen nicht wiederholen werden, wenn ihr euch auf eure Selbstständigkeit besinnt und den Behörden zu verstehen gebt: wir wünschen feine unberufenen Berichterstatter für unsere Angelegenheiten; zur Anhörung unserer Beschwerden, wie zur Abhilfe von Mißständen find nach dem Geseß zu nächst unsere Handwerkskammern, da, die aus unseren Standesgenossen zur Vertretung der Interessen des Hand­

werfs errichtet sind.

Handwerker! wollt Ihr die Sache des Handwerks nicht

durch eigene Schulb gefährden, ſo nehmt euc, felbft tilfria

derselben an; das Gese, so mangelhaft es auch noch sein mag, bietet Handhabe genug dazu. Ihr fühlt doch schließ lich am besten, wo euch der Schuh drückt, euch muß die eigene Sache boch am meisten am Herzen liegen, also tönnt ihr gar keinen besseren Vertreter bafür haben, als euch selbst. Gewiß dürft und sollt ihr auch von anderer Seite manchen guten Rat anhören, aber die fehlende Tat muß euerm Willen entspringen.

Wer will haben ein ordentlich Haus, schaue selber ein und aus!

Litterarisches.

** Die Schrecken des Todes werden lebendig beim Lesen der vierten Lieferung von Rapitän Sverdrups Werk Neues Land"( Verlag von F A. Brockhaus, Leipzig). Diese Lieferung beginnt mit einem Kapitel über Polar- Ex­pedition des Amerikaners Greeley, dessen Lagerplaz bon

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Jahren auf ihrem Schiffe" Fram" ins Vaterland zurückzu fehren. Die berühmteste geographische Gesellschaft, die zu London, hat fürzlich Kapitän Sverdrup in Anerkennung seiner proßartigen Leistungen und überraschend reichen Re fultate, die er heimbrachte, die zweite Stönigliche Medaille verliehen und auch den Kartographen der Expedition Sver drups, Rittmeister Isachsen, durch den Murchison- Preis aus­gezeichnet.

** Mayers Großes Konversations Lexikon. Ein Nach­schlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neu­bearbeitete und vermehrte Auflage. Wehr als 148,000 Ar­tikel und Verweisungen auf über 1400 Illustrationstafeln ( darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Trtbeilagen. 20 Bände ir Halb­leder gebunden zu je 10 Mart.( Verlag des Bibliographischen Institus in Leipzig und Wien.)

,, Astilbe bis Bismarck" lesen wir auf dem Rücken des soeben erschienenen II. Bandes unsers Großen Mayer". stabenfolge zu stehen scheinen, so erweisen sich doch 1824 Wie nahe beisammen auch diese beiden Wörter in der Buch­eng gedruckte Spalten nötig, um die alphabetische Bild, innerhalb der engen Grenzen dieser Besprechung auf Einzel­heiten einzugehen, die sich in solcher Fülle herandrängen, daß

( Tannen Abfallholz) liefert für Wer die 9 Ziffern in den Feldern 1.15 ME. pro 3tr. frei and Haus. des Quadrates fo umstellen fann, daß die Summe in jeder Reihe

wir feiner Wahl fähig sind. Denn das ist das Wunder­bare an diesem Buche, daß alles darin interessiert. In 550 Beilen, ist Otto von Bismard geschildert, sein Werden und Wrken und damit auch im großen Umriß die Geschichte feiner, durch ihn gestalteten 8 it wir finden seine literarischen Werke und die Schriften verzeichnet, die sich mit ihnen be schäftigen, endlich auch die hauptsächlichste Bismarck selbst ent­standene Literatur. Ein interessantes Stunstblatt mir vier verschiedenen Bismarckbildnissen ist dieser Abhandlung bei­gegeben.

Drud und Verlag der Gießener Berlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruderei( gegr.1783);

für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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