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Der Wirt war ein echter Schwabe, hieß Claude Michel und

erfreute sich der struppigsten, brennroten Haare zwanzig den Zähnen, die Hände in den Mit herabgezogenen Mund-,

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bantementopreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50- Pfg, n's Iius gebracht 60 Pfg., burch die Poft bezogen viertel fährlich Mr. 1.50.

Bratibellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Sberleffische Bettschrift für Landwirtschaft, Sbft- und Bastaban, fotote bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Do Blatt erscheint an allen Berttagen nachmitage.

Dienstag, den 10. November 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Jafertiss@ pret 8: Die einfpaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weylar und Marburg 10 Pfg. fortft 16 Bfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Bfg.

Postzeitungsliste No. 3989.

Rebattion und Erbedition: Gießen Nenenweg 98. Fernsprechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Gießen, den 6. November 1903. Str: Die Kontrolle der Bierdruckvorrichtungen.

as Großherzogl. Kreisamt Gießen

die Großh. Bürgermeistereien der Landge­meinden des Kreises.

Sie wollen binnen 8 Tagen ein Verzeichnis der Wirte rer Gemeinden vorlegen, welche Bierdruckvorrichtungen im brauch haben. J. V.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, B: die nach§ 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 ex: bie Naturalleistungen für die bewaffnete Macht 1 Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, ein­) ließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert, pro tomat Oftober 1903 für den Lieferungsverband Gießen co 100 g. betragen:

bafer Mt. 15.30, Heu Mt. 6.80, Stroh Mt. 4.30. Gießen, 6. November 1903.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

J. V.: Dr. Wagner.

Bekanntmachung.

Donnerstag, den 12. d. M., vormittags 92 Uhr wird Bh im Gasthaus zum Holländischen Hof eine Haupt­rfammlung des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen athfinden, zu der die Herrn Mitglieder des Vereins einge­dom werden. Ein gemeinschaftliches M ttaa ss n zum Preise on zwei Mt.( einschließlich 1 Schoppen Wein) wird ſich mn 12 Uhr anschließen.

Der Generalversammlung geht um 9 Uhr eine Aus­huizung voraus, die Herren Mitglieder des Ausschusses eben ersucht, bierzu zu erscheinen.

Gießen, den 6. November 1903.

Der Duektor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gieß n.

Dr. Breidert.

Tagesordnung der Hauptversammlung: 1. Püfung der Rechnung für 1902/03 ststellung des Vo anslags 1903/04.

2

3. Vortrag des Herrn Universitätsp ofessors Dr. Gisevius zu Gießen über Wahl unserer Getreidesorten.

4. Vortrag des Herrn Kreisveterinärarztes Schmidt zu Gieken über Vehseuchen.

5 Refämpfung der Obststädlinge.

6. Ergebnisse der allgemeinen Fas lschau im Jahre 1903. 7. Verschiedenes.

Bekanntmachung.

Bei dem am 12. ds. Mts. dahier stattfindenden Viehmarkt

fifa det der Auftrieb von Vieh Morgens um 8 Uhr statt. Der Vichmarkt wird außerhalb, der Krämer­markt innerhalb der Stadt abgehalten.

Grünberg, am 9. November 1903.

Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer.

Bekanntmachung.

Vom 1. Oktober 1903 müssen in den Invaliden.

flarten der männlichen Personen Marten III. Klasse zu 24 Pfg. und den weiblichen II. Klasse zu 20 Pfg. von Ten Arbeitgebern eingeklebt werden. Grünberg, am 9. November 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg.

3immer.

Die Erkrankung des Kaifers.

Die Hiobspost aus Potsdam, daß der Kaiser, der eben noch gesund und frisch an der Seite des Zaren in Wiesbaden und Wolfsgarten weilte, sich einer Kehlkopfoperation hat unterziehen müssen, hat, wie es vorauszusehen war, in ganz Deutschland wie auch im Auslande ein Echo allgemeiner Teil­nahme erweckt. Anfangs, wie es nicht zu verwundern war, gemmischt mit ängstlicher Bestürzung. Doch haben sich die Befürchtungen, soweit sich bis jetzt der Verlauf der Krankheit übersehen läßt, als übertrieben herausgestellt.

Die Natur des Leidens

hat nach dem auf Grund der mikroskopischen Untersuchung des Professor Dr. Orth herausgegebenen Bulletin nichts Bösartiges an sich. Es handelt sich um einen Stimmband­polypen, wie sie häufig vorkommen und bei rechtzeitiger Ent­fernung ohne irgend welche Schädigung der Gesundheit vollkommen verheilen. Diese Polypen entstehen im all­gemeinen bei chronischen Entzündungen der Schleimhaut des Kehlkopfes, indem an einigen Stellen die Schleimhaut in abnormer Weise wächst und wuchert. Die krankhaften Wirkungen, die ein Kehlkopfpolyp hervorruft, richten sich nach der Größe, Form und dem Siz der Geschwulst. Zu­nächst werden die Stimmbänder natürlich in ihrer Beweg­lichkeit und Schwingungsfähigkeit gehindert, und es ent­steht eine schnarrende, belegte Stimme, im schlimmsten Falle Heiserkeit. Wird die Geschwulst, welche vielfach am vorderen Vereinigungswinkel der Stimmbänder sigt, groß oder gerät die an einem Schleimhautstiel sipende Geschwulst in die Stimmrige, so kann ein derartiges Ereignis Atemnot, ja im schlimmsten Falle Erstickungsanfälle herbeiführen; auch sind die beweglichen, d. h. an einem Stiel ſizenden Geschwulste imstande, beständigen Hustenreiz hervorzurufen und zu unterhalten. Die Weichheit der Geschwulst, um die es sich im Falle des Kaisers handelt, bietet eine faſt untrügliche Gewähr für ihre Gutartigkeit. Bei dem Ruf, den der Frank­furter Laryngologe Professor Dr. Moritz Schmidt, der die Operation ausgeführt hat, in der medizinischen Welt genießt, ist nicht daran zu zweifeln, daß die Entfernung des Polypen bollständig geglückt ist. Es wird sich daher zur Beendigung des Heilprozesses nur noch um einige Wochen gänzlicher Schonung der Stimmbänder, d. h. totale Enthaltung des Stimmgebrauchs für den hohen Patienten handeln.

Beunruhigende Gerüchte,

die sich anfangs an die Kunde von der Operation knüpften, entbehren also tatsächlich jeder rationellen Begründung. Doch ist ihr Auftauchen nur zu erklärlich, wenn man sich das traurige Ende unseres unvergeßlichen Kaisers Friedrich bergegenwärtigt. Es wollen eben, durch ausländische Sen­sationsblätter genährt, die Stimmen nicht schweigen, die bor einigen Jahren, als der Kaiser an einer unschuldigen Balggeschwulst im Gesicht operiert wurde, in Kassandra­tönen von einer Vererbung des schrecklichen Leidens sprachen, das unseren Friz" in der Vollkraft seiner Jahre fällte. Ganz abgesehen davon, daß die medizinische Wissenschaft, was die Erblichkeit von Krebsleiden betrifft, noch lange nicht das letzte Wort gesprochen hat und mindestens eben­soviel gewichtige Stimmen gegen wie für die Vererbung in die Wagschale fallen, so bürgt in erster Reihe die genaue mikroskopische Untersuchung des Professors Orth, Virchows würdigen Nachfolgers, dafür, daß das Leiden mit Krebs nichts zu tun hat. Dann aber weiter. Würde es sich um eine gefährliche Erkrankung des Kaisers handeln, würde der Kronprinz sicher nicht zur Jagd nach Wernigerode abgereist sein, sondern wäre, wie es seine Pflicht als Sohn und Thronfolger erheischt hätte, an der Seite des Vaters und Herrschers geblieben. Der Kaiser erledigt auch weiter die Regierungsgeschäfte. So hörte er den Vortrag des Reichs­kanzlers, der später zur Frühstückstafel gezogen wurde. Der einzige Unterschied bei den Audienzen gegen sonst be steht jetzt darin, daß der Kaiser, der sonst lebhaft alle Einzel­heiten auf der Stelle zu erörtern pflegte, zu gänzlichem Schweigen verurteilt ist. Uebrigens findet, das sei neben­bei erwähnt, durch die infolge der Erkrankung gebotene Schonung jetzt auch ein Punkt bei den Zweikaiserbegegnungen in Wiesbaden und Wolfsgarten, der ein gewisses Befremden hervorgerufen hatte, seine ungezwungene Erklärung: das Fehlen aller Toaste, die sonst bei dergleichen Ereignissen stehende Regel zu sein pflegen. Die Rücksicht auf den Ge­sundheitszustand des Kaisers machte hier eine Ausnahme von der Gepflogenheit zur gebieterischen Notwendigkeit. Das letzte Bulletin

konstatiert einen äußerst befriedigenden Verlauf des Heilungsprozesses. Es lautet:

Die nach der Operation selbstverständlich auftretende entzündliche Reaktion läßt bereits nach. Immerhin wird die Heilung der kleinen Wunde voraussichtlich noch einen Zeit­raum von acht Tagen in Anspruch nehmen.

Wie fest die Aerzte von der Gutartigkeit des Polypen überzeugt sind, geht weiter aus einer Erklärung des Pro­fessors Orth einem Berliner Journalisten gegenüber hervor. Er ermächtigte diesen, so scharf wie möglich zu erklären, daß auch nicht der leiseste Verdacht für eine irgendwie bedenkliche Bildung vorliegt."

Die Sympathiekundgebungen

laufen aus Inland und Ausland in stattlicher Fülle ein. Ganze Berge von Telegrammen häufen sich auf den Bureaus des Hofmarschallamts. Wohl der erste, der dem Kaiser nach Bekanntwerden der Operation telegraphisch seine Teil. nahme aussprach, war Prinzregent Luitpold von Bayern. Ihm schließen sich in ungezählter Reihe die inländischen Fürsten, die ausländischen Potentaten und Regierungen und die Würdenträger an. Mit diesen offiziellen und offiziösen Rundgebungen vereint sich in treuer Anhänglichkeit und liebender Sorge das gesamte teutsche Volk. Dankbar wird

es in allen Schichten der Nation empfunden werden, daß die schnelle Veröffentlichung der genauen Feststellung des Krank­heitsbefundes ihr den Alp drückender Gespensterfurcht von der Seele genommen hat. Zugleich ist mit diesem nicht genug zu lobenden Vorgehen des Hofmarschallamts allen sensatio­nellen Aufbauschungen, in denen sich der geschwäßige Mund Deutschland feindlicher Blätter im Auslande zu ergehen Lust verspüren könnte, ein für allemal ein fester Riegel vor­geschoben worden.

Zur wirtschaftlichen Lage.

Aus kaufmännischen Kreisen wird uns geschrieben: In die dumpfe pessimistische Stimmung hinein, in die die deutsche Geschäftswelt durch die schweren Krisenjahre gebracht wurde, flingen mehr und mehr, wie ferne Friedensglocken, die Stimmen jener Leute, in deren hoffnungsfreudigen Ge­mütern bereits das Frühlingslied eines neuen großen Auf­schwungs ertönt. Mag man diesen Leuten nun die beson ders feine Spürnase in wirtschaftlichen Dingen, deren sich die meisten rühmen, glauben oder nicht, so ist doch eines sicher, daß der aufmerksame Beobachter diese gar nicht mehr so vereinzelten Stimmen nicht länger überhören darf. Umso weniger, als ja gerade ein aufmerksamer Beobachter wissen muß, daß die Stimmung der Einzelnen ebenso einen Ein­fluß auf die Lage ausübt, wie die wirtschaftlichen Verhält­nisse auf die Stimmung. Eine Untersuchung, ob die heu­tige Situation in Deutschland für einen Aufschwung gün­stig sei, würde sicherlich zu einem befriedigenden Resultat führen. Die Krisis der lezten Jahre hat für eine Reduktion der Preise und für ein Verschwinden der großen Waren­bestände gesorgt; hierzu kommt eine gute Ernte und die Erkenntnis, daß die amerikanische Industrie- Krisis entgegen der allgemeinen Befürchtung uns keinen erheblichen Schaden zugefügt hat; dagegen ist mit ziemlicher Sicherheit anzu­nehmen, daß der jenseits des Ozeans wieder erwachende Optimismus bei uns etwas abfärben wird. Als bedeutungs­volles Symptom sind auch die internationalen Vereinbarun­gen der großen Elektrizitätsgesellschaften anzusehen, Deutschland einen fräftigen Happen" bei den fünftigen Er­folgen dieses Industriezweiges garantieren, und die viel­leicht den Anfang bilden für eine Reihe internationaler wirtschaftlicher Verbindungen.

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Wenn diese anscheinend gesunde und aussichtsvolle Si­tuation bis jetzt kaum die Stimmung der Börsenkreise_ge­bessert hat, so liegt dies wohl nur daran, daß Industrie und Handel noch immer von dem Gespenst der schlechten Beiten" gleichsam gelähmt sind. Und die Zeitungen, die jetzt allmählich beginnen, eine frische Zuversicht zu zeigen und zu predigen, tun ein gutes Werk. Insbesondere der Klein­industrie, dem Kleinhandel muß jezt zugerufen werden: Rafft euch auf, eh' es zu spät ist. Alem Anschein nach ist die Zeit gekommen!"

Eh' es zu spät ist! Der leidenschaftslose Beobachter weiß es, daß derjenige eine günstige Konjunktur", wie es im Leben heißt, am besten ausnüßt, der zuerst auf dem Wege ist.( Das gilt, nebenbei bemerkt, auch bei der Wendung zum Schlechteren.) Später, wenn erst die große Masse vom Optimismus erfaßt wird und vorwärts stürmt, dann ist bald der Gipfel erreicht und beim Gipfel beginnt der Ab­stieg. Man darf freilich nicht vergessen, daß bei diesem Vorwärtskämpfen auf zwei Schritte nach vorwärts ein Schritt nach rückwärts folgt; Enttäuschungen fehlen nicht und dürfen nicht entmutigen. Wer aber die anderen erst das Terrain sondieren läßt und dann vorsichtig nachſteigt, der erreicht möglicherweise nur Enttäuschungen oder, wie der Börseaner so schön sagt: Den letzten beißen die Hunde." Es ist ein undankbares Geschäft, den wirtschaftlichen Wetterpropheten zu spielen; allein wenn man weiß, daß man durch das Prophezeien von besserem Wetter eine Besse­rung herbeiführen hilft, so wird aus diesem schwierigen Amt eine Pflicht. Vor allem wende ich mich an die klei­neren Geschäftsleute, denen der Eristenzkampf bei dem modernen Zentralisierungssystem immer schwerer gemacht wird, und die die letzte Krisis so sehr schwächte, wie sie jenes System kräftigte. Für sie heißt es, doppelt auf der Hut sein und mit allen Mitteln des modernen intelli­genten Geschäftsmannes, sei es Reklame, sei es eine praktische Produktionsweise, zu kämpfen und zu arbeiten, daß sie mit dabei sind, wenn die goldenen Früchte des wirtschaftlichen Aufstiegs zu pflücken sind.

Ein Minister Selbstmörder! Eine ſenſationelle Nachricht kat aus Rom: Der eben erſt neu ernannte italienische Finzminister Rosano hat sich am Montag früh durch einen Schuß ins Herz getötet. Die Veranlassung zu dem Selbstmorde ist in Enthüllungen über das parlamentarische Vorleben Rosanos zu suchen, die ihn der Bestechlichkeit und grober Rechtsbeugung über­führten.

Rosano war schon in letzter Zeit Gegenstand schärfster Angriffe in der italienischen Presse. Diese konnte er igno­rieren, bis vor wenigen Tagen in mebreren angesehenen