Ausgabe 
10.10.1903 Erstes Blatt
 
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es doch so, als ob in dem alten Piratenunwesen in China durchaus keine Aenderung eingetreten wäre, troß der fortge­sezten Versicherung der chinesischen Regierung, die Räuber wären völlig ausgerottet.

In einem offiziellen Communiqué wird das Verhalten des Militärs während der Szegediner Vorgänge vollkommen gebilligt, dagegen erklärt, die Untersuchung werde erst er­geben müssen, ob die politische Behörde auf der Höhe ihrer Aufgabe stand. Indessen scheint in Szegedin selbst einiger­maßen die Ruhe wieder eingekehrt zu sein. Der Magistrat will die Enthebung des Honvedkommandanten fordern, der durch sein Verhalten das Gesetz verletzt habe. Ob diesem Verlangen nachgegeben wird, ist, nach den zitierten Regie­rungsauslassungen, allerdings mehr als zweifelhaft. Was die allgemeine ungarische" Steuerverweigerungs- Angelegen­heit anlangt, so hat Graf Khuen die sämtlichen Beschlüsse der administrativen Behörden, welche sich auf die Ablehnung freiwilliger Steuerzahlungen beziehen, kurzerhand annulliert.

Unter der vielsagenden Ueberschrift Die Kosaken in Rom" polemisiert ein ministerielles italienisches Blatt mit aller Schärfe gegen die Absicht des 3 aren, eine Kosaken­leibwache mit nach Rom zu bringen. Dabei wird auch nach­träglich noch Einwand dagegen erhoben, daß sich Kaiser Wilhelm von einer Leibhusaren- Abteilung nach dem Vatikan geleiten ließ. Gerade von italienischen Blättern, die doch die Situation in Rom kennen, sollte man annehmen, daß sie diese Uebung begriffen. Was übrigens den Zarenbesuch in Rom betrifft, so ist bis heute noch nichts näheres darüber bekannt, als daß er zwischen dem 24. und 30. Oktober ſtatt­finden wird. Der Bürgermeister der Sieben- Hügelstadt er­klärt indessen zur Beruhigung fortgesezt, daß alle die ange­fündigten russenfeindlichen Demonstrationen unter den Tisch fallen würden; Rom werde dem Zaren einen warmen Empfang bereiten.

Aus der Tatsache, daß bislang auf die russisch- öster­reichische Balkannote seitens der Mächte noch keine Antwort ergangen ist, konstruiert man sich in Sofia eine ausein­andergehende Meinung". Frankreich, Italien und England bestünden darauf, daß die Kontrollkommission einen inter­nationalen gemischten Charakter erhält. Es sei namentlich Italien, welches darauf bestehe, aus Mißtrauen gegen Desterreich- Ungarn. Andererseits habe sich auch der Sul­tan dem Kontrollplane heftig widersetzt, was in diploma­tischen Kreisen den Gedanken einer Schiffsdemonstration angeregt habe. Es ist kaum anzunehmen, daß hinter diesen Vermutungen irgend welche Tatsachen stehen. Was übri­gens den türkisch- bulgarischen Abrüstungsplan anlangt, so scheint er sich zu bewahrheiten. Amtlich wird aus Sofia darüber gemeldet, die türkische und die bulgarische Regie­rung hätten sich in der Frage der Abrüstung verständigt. Bulgarien werde 20 000, die Türkei 40 000 Mann entlassen. Nach Durchführung des Abkommens werde Bulgarien alle türzlich zu den Fahnen gerufenen Reservisten entlassen. Diese Reserven, die blumengeschmückt und unter Absingung von Liedern in ihre Garnisonen einrückten, erregen bekannt­lich allgemeines Mißtrauen. Wenigstens will es seltsam er­scheinen, daß das stehende bulgarische Heer in einer Stärke von 80 000 Mann erhalten wird, während täglich Ab­rüstungsversicherungen ausgetauscht werden.

Ueber neue Judenkrawalle in Rußland und zwar in Orschau( Gouvernement Mohilew) werden abenteuerliche Nachrichten verbreitet. So sollen etwa 1000 Juden den Versuch gemacht haben, verhaftete Glaubensgenossen zu be­freien. Dabei wäre es zu einem Kampfe mit der Wach­mannschaft gekommen, die mit blanker Waffe einschreiten mußte und zehn Verhaftungen vornahm. In dieser Fassung ist die Meldung jedenfalls recht zweifelhaft.

Die marokkanische Frage wird täglich von neuem er­örtert. Neuerdings wird eine Oraner Korrespondenz ver­breitet, in der die Dinge so dargestellt werden, als ob die Wüstenräuber, die dauernd die französischen Truppen be­lästigen, vom marokkanischen Sultan mit Waffen( noch dazu französischen Waffen!) versehen würden und in seinem Solde ständen. So wird einerseits künstlich eine französische Ent­rüstung konstruiert, während andererseits darauf mit Nach­druck hingewiesen wird, daß die Finanzlage Marokkos er­bärmlich sei, und daß Bankerott und Anarchie unvermeidlich wären, wenn nicht die Mächte, besonders Frankreich, ein­willigten, den Sultan zu retten. Worauf das hinausläuft, ist ja bekannt. Vermutlich steht damit auch die Botschaft in Zusammenhang, daß zwischen Frankreich und Großbritannien eine Einigung über einen allgemeinen Schiedsgerichtsver­trag" zustande gekommen sei, der nächstens voraussichtlich publiziert werden würde.

Während der japanische Gesandte in London die Nach­richt von der Aufteilung Koreas für ebenso unsinniger­klärt, wie die von einer kriegerischen Zuspitung der Dinge zwischen Rußland und Japan, nehmen die Russen in aller Ruhe immer mehr Platz in China. Daß sie gar nicht daran denken, sich wieder daraus zu entfernen, ergibt sich auch aus der Tatsache, daß sie in Niutsch wang mit großem Eifer umfangreiche Regierungsgebäude errichten. An der Küste aber manövriert der Vizekönig", Admiral Alexejew, mit Heer und Marine im größten Stile, und 90 Ariegsschiffe auf dem Stillen Ozean sind dazu bestimmt, der Welt zu zeigen, welch eine Macht bereit ist, Rußlands Wünschen die Erfüllung zu sichern.

Nab und Fern.

Um allen fozialistischen Verdächtigungen über finan­zielle Machenschaften endlich ein Ende zu bereiten, hat sich König Viktor Emanuel entschlossen, eine besondere Kommission zu ernennen, welche die Tätigkeit der ita­lienischen Marineverwaltung einer Untersuchung unter­ziehen soll.

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Viel Kopfzerbrechen bereitet offenbar Papst Pius X. den vatikanischen Politikern. Hat auch das amtliche Blatt des Vatikan kategorisch die Nachricht dementiert, daß der Papst entschlossen sei, mit dem alten Gebrauche seiner Vor­gänger zu brechen und die päpstliche freiwillige Gefangen­schaft abzuschaffen, so ist doch nicht zu leugnen, daß die betreffende Kombination nicht so ganz aus leerer Luftgegriffen war. Nachträglich wird näm­lich bekannt, daß der Papst in der Tat die Absicht kund­gegeben hat, im nächsten Sommer ein paar Wochen auf Castel Gondolfo, einem päpstlichen Besitztum außer­halb des Vatikans, zuzubringen. Auch sollen im Late­can palast, der ebenfalls päpstliches Eigentum ist, schon jezt die Appartements instand gesetzt werden, da Pius X. den Wunsch geäußert hat, er wolle abwechselnd im Vatikan und Lateran wohnen. Diesem Begehren stände auch wirk­lich kein Hindernis im Wege, da die Entfernung von einem zum anderen keine bedeutende ist und der Papst, ohne Auf­sehen zu erregen, in einem geschlossenen Wagen ganz un­bemerkt von einem Orte zu dem anderen fahren kann. Einiges Aufsehen erregt auch in vatikanischen Kreisen die Ernennung des ehemaligen römischen Vizekommissars Grafen Paolo Cacciopieri, also eines früheren italienischen Polizeibeamten, zum Chef der päpstlichen Garden. Papst soll diese Entschließung damit motiviert haben, daß er eine treue und vertrauenswürdige Person" um sich haben müßte, die ihre Aufgabe als Polizist" auch wirklich ernst nähme.

Die Dauerluftschiffahrt" des österreichischen Erzher­zogs Salvator von Paris nach Osten in Begleitung des be­fannten Aeronauten Grafen de la Vauly mußte wegen heftigen Regens schon bei Lübeck unterbrochen werden. Die Fahrt wurde vom Aeroklub bei leichtem Nordwestwind im Ballon Centaur" angetreten. In einem anderen Ballon stieg Don Jaime, der Schwager des Erzherzogs Leopold Salvator, niit dem Grafen Castillon auf. Die Luftschiffer nahmen reichlich Mundvorrat mit sich, um sich so lange wie möglich in den Lüften zu halten. Sie hatten die Ab­sicht, über ganz Europa zu fliegen.

Zugzusammenstoß. Infolge mangelhafter Signal­stellung fuhr ein von Leer nach Aurich bestimmter Personen­zug auf der Station Großefehn auf einen großen Viehzug auf, wodurch die Maschine und zwei Personenwagen, sowie ein Wagen des Viehzugs entgleisten. Die fünf letzten Wagen des Viehzugs wurden aufeinandergeschoben. Menschen wur­den glücklicherweise nicht verletzt. Dagegen ging sehr viel Vich zu Grunde und entstand ein sehr bedeutender Material­schaden.

Der

Bunte Chronik. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Direktors der Trebergesellschaft, Adolf Schmidt, der be­fanntlich zu 2 Jahren acht Monaten Zuchthaus verurteilt worden ist.

-Auf dem Kanonenboot der Republik Uruguay Ge­neral Rivera" explodierte die Pulverkammer. Der Kom­mandant und ein großer Teil der Besazung wurden getötet. Das Schiff ist geſunten.

- Auf Island baben große Eruptionen des Bulkans Batnajökull stattgefunden.

Lokales.

Gießen, 10. Oktober 1903. Dem hessischen Landtage ist eine Anfrage des Abgeordneten Köhler zugegangen betr. das Gesetz über den Urkundenstempel vom 12. September 1899. Veranlaßt ist die Anfrage dadurch, daß die Kr- isämter jetzt auf Anregung der Steuerbehörden, denjenigen Wirten, die seit dem Jahre 1900 bei Scheibenschießen, Holzversteigerungen u. dergl. Angelegenheiten Wirtschaften im Walde c. abgehalten und dazu keine verstempelte Genehmigung eingeholt haben, eine Nachversteuerung von einigen Mark auferlegen. Dieses Vor­gehen hat berechtigte Unzufriedenheit hervorgerufen, da der Verdienst bei solchen Gelegenheiten sehr oft noch nicht einmal die Hälfte des Stempelbetroges ausmache. Es hat das auch sicher nicht im Sinne des Gesetzgebers gelegen. Die Interpellation fragt, ob die Regierung Kenntnis von dem Vorgehen der unter geordneten Behörden hat, ob sie gewillt sei, dem Einhalt zu gebieten und ob sie nicht aucht eine gründliche Revision des Stempelgesetz für angebrach halte.

** Anlagenmusik findet Sonntag in den Gießener Südanlagen mit nachstehendem Programm statt. Duvert. Franz Schubert". Maritaua- Walzer von Dellinger. Glüh­würmchen, Idyll, von Lincke. Sarophrase über Home sweet home" von Voigt.

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* Feuerlösch probe. Auf Oswalds Garten in Gießen findet am nächsten Montag eine für Jedermann interessierende Feuerlöschprobe statt, bezüglich deren wir auf das Inserat in heutiger Nummer verweisen.

[] Die Freiw. Gailsche Feuerwehr Gießen hält morgen Sonntag, den 11. Oft., nachm. 3 Uhr, ihre Schlußübung ab, wobei ein Brandangriff mit vorgesehen ist. -Am darauffolgenden Samstag, den 17. Oftober, feiert das Korps sein 48. Stiftungsfeft. Es ist nicht nöttg detailliert auf das Programm des Festes hinzuweisen, da man ja von den früheren Jahren her weiß, wie gemütlich, abwechslungsreich und unterhaltend dieselben stets verlaufen sind. Noch 2 Jahre und die F. G. F. fann das goldene Jubiläum feiern zum Ruhm und zur Ehre des Gründers und seines Namens.

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X Krofdorf. Die über die Gehöfte der Landwirte Karl Bender zu Krofdorf und Karl Göbler und Karl Leib zu Gleiberg infolge Rotlausseuche verhängte ehöftsperre ist wieder aufgehoben.

A Rodheim a. d. B., 10. Oft. Letzten Samstag abend fand die Hauptversammlung verbunden mit Borstands. wahl des Männer- Turnvereins statt. Durch viele geschäft. liche Besprechungen fonnte selbe am Samstag abend nicht beendigt werden und nahm daher am Sonntag nachmittag einen feuchtfröhlichen weiteren Verlauf. Hauptsächlich wurde das im nächsten Jahre stattfindende Fahnenweihfest besprochen und Beiträge für die Fahne gehoben, was ein schönes Sümmchen ergab. Da die Turnerei in Rodheim viele An­hänger findet, wird das Fest voraussichtlich mit großem Jubel und echt turnerischer Freude begrüßt. Morgen Sonntag hält der Männerturnverein sein Abturnen. Anschließend an dasselbe versammeln sich die Vereinsmitglieder, um zu Ehren der zum Militär" einberufenen Mannschaften einer gemüt lichen Bierabend zu halten. Bester Verlauf für Beides, das sei unser Wunsch.

Selbstmord. Der im Gießener Arresthaus in­haftierte Rendant Ludwig Seipp aus Birstein verübte in der Mittwoch Nacht Selbstmord durch Erhängen. Gegen Seipp war wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen in der Nähe von Gedern, die Untersuchungshaft verhängt. Ta Anhalt für eine abnorme Geistesverfassung bei ihm bestand, erfolgte seine mehrwöchige Beobachtung in der psychiatrischen Klinit. Kürzlich erfolgte dessen Zurückverbringung, jedoch war das Ergebnis noch nicht bekannt. Seipp war ehemaliger aftiver Offizier und fand dann als Polizeikommissär bei der Bolizei in Frankfurt a. M. Verwendung. Nach seiner Pensionierung als solcher bekleidete er das Amt eines Rendanten bei der Fürstlich Isenburg'schen Rentei zu Birstein.

** Der evangel. Jünglings- und Männer­berein Gießen( gegr. 1887) ist der Allgemeinen deutschen Vereinigung, die 1885 Vereine und 101 000 Mitglieder zählt, angeschlossen. Der Internationalen Vereinigung ge­hören 6216 Vereine mit 534 000 Mitgliedern an. Der Verein( Lokal: Kleinkinderschule) bietet Handreichung zu christlicher Gemeinschaft, Fortbildung und edler Unterhaltung. Die Obsternte in der Gemarkung Gießen beträgt: Aepfel: 100 Doppelzentner, Birnen: 105 Doppelzentner, Pflaumen( Zwetschen): 1400 Doppelzentner, Wallnüsse: 5 Doppelzentner. In der Gemarfung Schiffen­berg: Mepfel: 40 Doppelzentner, Birnen: 5 Doppelzentner, Pflaumen( 8wetschen): 10 Doppelzentner, Wallnüsse: 3 Doppelzentner.

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*** Leihgestern, 10. Oft. Der neue, seit dem 25. Jult d. J. bestehende Turnverein ist in einem erfreulichen Aufschwung begriffen. Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt 80; hiervon sind 50 Turner und 30 passive Mitglieder. Die Aufnahme in den Gau Wetterau hat am Sonntag, den 27. Sept., in Assenheim b. Friedberg stattgefunden, wohin der Verein zwei Vertreter gesandt hatte. Der Verein führt den Namen Gut Heil und nicht Fret Seil.

[:] Aus dem Kreise Lauterbach, 9. Okt. Ein recht fühlbarer Mangel an Lehrkräften herrscht gegenwärtig in unserem Kreise. Mehrere Schulstellen sind vollständig verwatst z. B. in Herbstein, Maar, Krainfeld u. a.; an anderen Örten mußte die Errichtung neuer Schulstellen bis zum nächsten Jahre infolge des Lehrermangels verschoben werden. Auf die ausgeschriebenen Stellen melden sich nur wenige Bewerber, bielfach nur einer, nicht selten bleibt das Ausschreiben ohne Erfolg. Es fehlt an älteren Schulverwalter.

§§ Bad Nauheim, 7. Oft. Jm Quellengebiete des Bades, wurde auf Anregung des Großherzogl. Baurates Dr. Eser in einer Tiefe von 12 Metern eine neue Mineralquelle erbohrt. Nach der bisherigen provisori schen Untersuchung enthält das Wasser, welches eine Temperatur von 8 Grad hat, Chlornatrium, doppel fohlensaures Magnesium und Natron und zeichnet sich durch einen großen Reichtum an freier Kohlensäure aus.

(:) Bad Nauheim, 9. Oft. Die in der Villa Saronia überfallene Dame ist eine Frau Dr. Stroschein, die mit ihrer Nichte seit Jahren in Nauheim zur Kur weilt. Sie ist die Gattin eines Augenarztes in Dresden, der ein Bruder des Besizers der Chemischen Fabrik Stro­schein in Berlin, des Gründers des Flottenvereins, ist. Die Nichte hat mit dem eisernen Stiefelfnecht einen Schlag auf die Schläfe erhalten und ist betäubt gewesen. Frau Dr. Stroschein hat acht Schläge auf den Kopf erhalten. Der Arzt Dr. Bauer hat die Nichte verbunden und nach Gießen bringen lassen- Der als Täter berhaftete Koch Karl Schutt bestreitet die Tat begangen zu haben. Schutt wurde an den Tatort geführt und dann an die Staatsanwaltschaft Gießen ausgeliefert. X Bußbach, 8. Oft. Auf dem heutigen Schweine­markt herrschte ein flauer Geschäftsgang. Angebot und Nachfrage waren gering. In erster Linie dürfte die Schweinepest die Ursache sein.

) Marburg, 9. Oft. Der Reichstagswahlkampf zeitigte im hiesigen Wahlkreis gestern noch ein gerichtliches Nach­spiel. Ein Agitator des Bundes der Landwirte hatte im Wahlkreise agitiert und sich als Landwirt ausgegeben. Die , Hess. Landesztg." hatte nun behauptet, der betr. Wander­redner, ein Herr Hestermann, sei eigentlich Kaufmann. Auch sonst noch hatte sie Behauptungen über den genannten aufgestellt und sich anheischig gemacht, noch Mitteilungen über seine Vermögenslage zu machen. Hestermann strengte deshalb Beleidigungsklage gegen den verantwortlichen Re­dakteur der Hess. Landesztg.", Otto Nuschke, an. Dieser aber erhob Widerflage, weil Hestermann in einem Artikel der Oberheff. 3tg." Herrn Nuschke Verleumdungen und Chrabschneiderei vorwarf. Deshalb verurteilte das Schöffers gericht gestern Herrn Nushte zu 80, Herrn Hestermann zu 15 Mt. Geldstrafe. Den Ersteren wurden 2/3, dem Letzteren 1/3 der Koften auferlegt.

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Mainz, 9. Okt. Die hiesige Straffammer verur­teilte den Schreiner Adolph Hössel von Hamm, der mit brennender Bigarre während des Gottesdienstes in die dortige Kirche gekommen war, zu 5 Tagen Gefängnis. (:) Erbach i. O., 8. Oft. Am heutigen Tage sind fünfund­zwanzig Jahre verflossen, seitdem Graf Arthur von Erbach mit seiner Gemahlin Marie, geb. Prinzessin zu Bentheim­Mecklenburg, den Bund der Ehe schloß. Da das Jubelpaar gegenwärtig in Baden- Baden weilt und dort den Tag in Stille feiert, hat die hiesige Bevölkerung von einer Feier am heutigen Tage abgesehen und dieselbe für nächsten Sams­tag, wo das Paar zurückgekehrt sein wird, festgeseßt.

N Frankfurt, 10. Dit. Gestern morgen erschoß sich der Gerichtsvollzieher Kopp. In einem Brief an seine Frau giebt er als Grund zur Tat Geistes gestörtheit an.

Kassel, 8. Okt. Während ein hiesiger Gärtner heute morgen seiner Beschäftigung oblag, erhielt er von seiner Braut den Abschiedsbrief. Er verließ sofort die Arbeit und furz darauf fand man ihn seiner Behausung am Bettpfosten erhängt vor.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

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Gießen, den 9. Oftober 1903. Der Arbeiter Konrad Paul 3. von Villingen ist wegen Betrugs angeklagt. Er gibt zu, daß er ohne im Be­siz von Geld zu sein, bet dem Wirt Schoraß zu Friedberg

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