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Aus dem Gerichtssaal.

§ Der Prozeß gegen den Prügelpädagogen Dippold in Bayreuth zieht sich länger hin, als man anfänglich erwar tete. Dippold versucht, den durch seine Mißhandlungen ge­storbenen Schüler Heinz Koch als einen sittlich ganz ver­dorbenen Jungen hinzustellen. In einem angeblich frei­willig von dem jungen Koch geschriebenen Selbstbefennt= nis", das Dippold dem Gerichtshof eingereicht hat, heißt es u. a.: Ich habe mehreremal die Kasse meiner Eltern erbrochen und daraus mehrere größere Beträge entwendet. Ich habe Diebstähle in Warenhäusern vollführt. Ich habe menem Vater aus einer Brillantnadel Brillanten ausge­brochen und diese verkauft. Ich habe mit Prostituierten in der Friedrichstraße intim verkehrt, mit Kellnerinnen am Kurfürstendamm u. s. w. intime Verhältnisse unterhalten, bin mit diesen ausgegangen, habe ihnen Geld und goldene Ringe geschenkt. Ich wurde schließlich geschlechtsfrank. Der Vater bestreitet als Zeuge die Wahrheit dieses Bekennt­nisses". Wie die Schüler über ihren Lehrer dachten, geht aus folgendem Brief an ihre Mutter hervor. Dippold ist ein Schweinekerl, denn er frißt das Fleisch mit den Händen bom Teller herunter, er ist ein Saukerl, denn er hat sich besoffen, er ist ein gemeiner Kerl, denn er hat unſittlichen Verkehr mit vielen Frauenzimmern. Dippold ist ein Schuft, ein Spitzbube, ein Schurke. Dich, Mama, nennt er eine hochmütige Trine, Karl nennt er einen hochnäsigen Kerl, der Vaters Geld verprasse. Heinz Koch, gelesen Jojo ( Joachim) Koch." Die Eltern ließen sich aber durch Dippold schließlich immer wieder beschwichtigen.

Nab und fern.

Die frühere Kronprinzessin von Sachsen soll, wie ein Brüsseler Blatt wissen will, vom König von Sachsen die Erlaubnis erhalten haben, ihre Kinder zu besuchen. Ueber einen modus vivendi mit dem ehemaligen Gatten sei jedoch noch nichts beſtimmt. Die Nachricht scheint nach allem, was man bisher über die Haltung des Königs gehört hat, recht wenig glaubwürdig.

A Mit dem Brautkranz in die Fluten. In der öster­reichischen Stadt Dur erregt ein sensationeller Selbstmord­* versuch das allgemeine Aufsehen. Ein junges Mädchen aus Teplitz stürzte sich aus verratener Liebe zu einem jungen Mann aus Dur in voller Brauttoilette, den Kranz im Haar, in die Fluten des Barbenteiches. Eine ungeheure Menschenmenge versammelte sich in kurzer Zeit und es ge­lang, die phantastische Selbstmörderin zu retten. Sie wurde ins Hospital gebracht, wo sie bisher troß ihrer flehentlichen Bitte von dem ungetreuen Liebhaber nicht besucht wurde.

* Wieder ein unlenkbarer" Ballon. Der amerikanische Aeronaut Professor Langley, von dessen neuem lenkbaren" Luftschiff die Newyorker Zeitungen soviel Aufhebens mach­ten, hat ein klägliches Fiasko erlitten. Etwa 500 Meter von der Abfahrtsstelle entfernt, wurde der lenkbare Ballon ungeberdig und stürzte in die Fluten des Potomac. Der Professor kam mit einem nassen Bade und dem Schreck davon.

Bunte Chronik. Für die schlesischen Ueberschwemmten sind an der Sammelstelle in Breslau bisher 992 000 Mark eingegangen.

In Bad Nauheim wurde eine Frau Dr. Stroschein aus Dresden und ihre Nichte, die im Parterrezimmer einer Villa schliefen, von einem Strolch, der ins Fenster stieg, überfallen und mit einem eisernen Stiefeltnecht mißhandelt. Die Nichte ist gefährlich verlegt. Der Tat verdächtig ist eim 25jähriger Koch namens Schutt, der flüchtig ist.

Vermischtes.

[ Die Erinnerung an einen deutsch- schweizerischen Kon­flikt] wird durch den soeben zu Mülhausen i. Els. erfolgten Tod des früheren Polizeiinspektors Wohlgemuth wach­gerufen. Wohlgemuth sollte 1889 zu dem Zweck, über die Verbindung reichsländischer Sozialdemokraten zu ihren in der Schweiz sich aufhaltenden Parteigenossen und den Schriftenschmuggel Näheres zu erfahren, sich mit dem in Basel wohnenden, aus Bayern stammenden Schneider Luzz in Verbindung gesezt und ihn als agent provocateur benutt haben. Luz lockte im Einverständnis mit seinen Genossen Wohlgemuth über die schweizer Grenze nach Rheinfelden, wo dieser sofort verhaftet, 10 Tage gefangen und nach seiner Aussage wie ein Verbrecher behandelt wurde. Wohlgemuth wurde schließlich aus der Schweiz ausgewiesen, und über seinen Fall kam es zu lebhaften Erörterungen in der beider­seitigen Presse und zu diplomatischer Intervention. Es dauerte lange, ehe sich die hochgehenden Wogen der Erregung auf beiden Seiten legten.

[ Ein ungesetzliches Geschäft.] Unsere Stadt, so schreibt der Pariser Gaulois", wird einen Zuschlag erteilen, der, wenn man's recht erwägt, das ungesetzlichste Geschäft iſt, das man sich denken kann. Das Gesetz erklärt ausdrück­lich, daß man das verkaufen kann, was wirklich vorhanden ist: Die Stadt aber verkauft ein problematisches, ungewisses Objekt, das einstweilen nur eine bloße Hoffnung ist- und sie wird den vollen Preis dafür einziehen. Es handelt sich um den Verkauf bezw. die Verpachtung des Eises, das im Laufe des kommenden Winters auf den Seen des Bois de Boulogne und des Bois de Vincennes erscheinen soll. Auf eigene Gefahr hin wird ein Mann, der michr bietet als seine Konkurrenten, für eine wahrscheinliche Quantität Eis eine bestimmte Summe zahlen. Und wenn es kein Eis gibt? Denn die Jahreszeiten sind unbeständig geworden, und das eigenartige Benehmen des verflossenen tönnte den kommen­den Winter zur Nacheiferung anregen... Um so schlimmer für den Eispächter, der sich sein geschäftliches Mißgeschick dann selbst zuzuschreiben hat. Aber wenn die Stadt ein ein­facher Brivatmann wäre, würde sie wegen Täuschung hin­sichtlich der verkauften Ware" gonz einfach ins Gefängnis spazieren..

A[ Der Verbrecherfinder.] Ueber eine interessante abessi­nische Spezialität berichtet Meneliks Minister, der Schweizer lg, in einem Züricher Blatt, nämlich den Verbrecher finder". Wenn in Abessinien ein Diebstahl vorkommt, ein Haus an­gezündet oder ein Mord verübt wird und man sich an die Polizei wendet, so sucht sie den Verbrecher mit dem Rebascha, das ist ein Knabe von höchstens zwölf Jahren. Man begibt sich mit ihm zum Tatort, läßt ihn einen Hornbecher voll Milch trinken, in den ein grünes Pulver gestreut wurde, und dann einige Züge aus einer Wasserpfeife tun, deren Tabak vor­her mit einem schwarzen Pulver versehen worden ist. Da­durch gerät der Anabe in eine Art Verzückung oder Schlaf, steht plöblich auf, rennt fort, geht um die Häuser herum, hin­ein, läuft die Weae entlona, und die erste Person. die er

schlägt oder in deren Hütte er einschläft, ist der Verbrecher. Geht der Knabe über Wasser, so erwacht er aus seinem traum­ähnlichen Zustand, und das Verfahren muß wiederholt wer­den. Die Lebascha- Knaben entstammen alle einer bestimmten Familie oder Verwandtschaft, deren Glieder über das ganze Reich verbreitet sind. Dabei sei daran erinnert, daß man vor einigen Jahrhunderten noch auch in Deutschland Diebes­sucher kannte, die sich dabei der auch für Quellensucher be­mußten sogenannten Wünschelrute" bedienten.

[ Den Unterschied zwischen dem deutschen und amerika­nischen Gemüt] charakterisierte treffend und in ebenso un­gewohnter- wie unparteiischerweise zu Gunsten der Deutschen ein nordamerikanischer Professor Dr. John P. Gordy in seiner Eröffnungsrede der Schule für Pädagogik an der Newyorker Universität. Gordy, der eine Ferienreise durch Deutschland gemacht hatte, wußte nicht genug deutsche Ord­nung und Sauberkeit, wie die deutsche gemütvolle Höflichkeit zu loben. Bei uns Amerikanern, sagte er, ist Gutmütigkeit von einer bestimmten Sorte vorhanden, aber sie ist mit einer gewissen Rauhheit vermischt, die zum großen Teil die Wir­fung neutralisiert. Oft, wenn wir das Rechte tun, geschieht es in unrechter Weise, so daß es von der Zufriedenheit des Lebens einen Teil fortnimmt, anstatt sie zu erhöhen und zu vergrößern. So bot mir kürzlich ein vierzehnjähriger Knabe in einem Straßenbahnwagen seinen Siz an, was ich als sehr nett und schön betrachtete, aber gleich darauf kam die Be­merkung: Setzen Sie sich nur, alter Mann!" Ein deutscher Knabe würde mir ebenfalls den Sig angeboten haben dies ist während meiner Ferienreise mehrfach geschehen aber er würde es in einer der Jugend dem Alten gegenüber zukommenden höflichen und rücksichtsvollen Weise getan haben.

[ Das Turfkind.] Symptomatisch für die in Ungarn unter den ärmeren Volksklassen bestehende Manie des Wett­rennbesuchs ist die trotz Ben Atiba wohl noch nie dagewesene Geburt eines Mägdleins auf dem 30 Kreuzer- Platz der Buda­pester Rennbahn, während des großen Rennens um den Herbstpreis. Die leichtsinnige Mutter wie das Kind haben allerdings keinen Schaden gelitten, da sofort ärztliche Hilfe bei der Hand war und das Publikum alle mögliche Hilfe leistete.

+[ Sein eigenes Grab gegraben.] In Senftenberg hat sich der Totengräber aus Verzweiflung darüber, daß er beim Kartoffelstehlen überrascht und zur Anzeige gebracht wurde, erhängt. Vor seinem Ende schrieb er auf einen Bettel: So kommt das Unglück über einen, wenn man als Totengräber zu wenig zu tun hat. Mein Grab habe ich selbst gemacht, Zeit genug hatte ich dazu!"

[ Die Anti- Gassenhauer- Liga] ist das neueste auf dem Gebiete der Trusts Hiawatha" ist der Titel eines Gassen­hauers, der gegenwärtig in Anterifa zu einer wahren Land­plage geworden ist. Man kann auf der Straße von Newyork feinen Schritt tun, ohne diese Melodie zu hören, und wenn man selbst nach Wild- West- Amerika auswandern wollte. würde man dem entsetzlichen Sang nicht entgehen können. Was Wunder, das sich gegen den Gassenhauer eine scharfe Reaktion geltend machte! Es war ja auch nicht mehr zu er­tragen. Die jungen Herren in Portsmouth, Virginia, haben bereits eine Anti- Hiawatha- Liga gegründet. Jedes Mitglied der Liga verpflichtet sich durch einen feierlichen Eid, die Melodie nicht mehr zu trällern oder zu pfeifen, mit keinem jungen Mädchen zu verfehren, das die Hiawatha- Melodie auf dem Klavier spielt, jeden Tanzsaal und jedes Theater sofort zu verlassen, wenn die Töne des geächteten Gassenhauers erflingen. Gott verhüte, daß die aus Amerika verbannte Hiawatha" den Ozean kreuze, um etwa bei uns eine Zu­fluchtsstätte zu suchen.

+ Bei der Ausschreibung von neuen Konzessionen für Apotheker wird schon jetzt auf die bevorstehende Apotheken­reform Bedacht genommen. Danach sollen alle Konzessions­empfänger Betriebsabgaben zahlen, deren Ertrag zu Ablösungen verwendet werden wird.

Ein gefährlicher Theaterdirektor. In Cincinnati hat der Theaterdirektor Josef Monger in einem Anfalle von wahnsinniger Mordlust die Mitglieder seiner Truppe mit einem Revolver angegriffen und dreien von ihnen leichte Schußwunden beigebracht. Nach einer Vorstellung im Robinson Opera House hatte Monger die Mitglieder seiner Truppe zu sich gerufen, um, wie er sagte, mit ihnen wegen ihrer fälligen Gagen zu sprechen. Kaum hatten sich die Damen und Herren der Truppe erwartungsvoll zusammengefunden, als der Direktor in ein Nebenzimmer trat und mit zwei Revolvern zurückkam. Dann feuerte er Schuß auf Schuß auf die Umstehenden ab, bis er überwältigt und entwaffnet wurde. Der Schauspieler Bert Haverly, seine Frau und der Komiker Longfellow trugen Schußwunden davon, die jedoch nicht gefährlich sind. Monger soll schon seit längerer Zeit ein seltsames Benehmen gezeigt haben. Er wurde in eine Irrenanstalt gebracht.

[ Die größte Schule] in den Vereinigten Staaten und vielleicht auch in der ganzen Welt ist in Newyork eröffnet wor­den. Sie bedeckt einen Acre( 40 Ar) Flächenraum. Das große Ziegelsteingebäude enthält 87 Klassenzimmer und Sitz­pläße für 5000 Kinder. Es sind zwei Spielplätze vorhanden, einer auf dem Dache für die Knaben und ein überdachter Hof für die Mädchen. Es sind ferner Räume da für den Turn­und Handfertigkeitsunterricht, eine große Küche für Unter­weisung im Kochen, 35 Bäder und Räume, in denen bei Regenwetter die nasser Oberkleider der Kinder getrocknet wer­den. Die Schule ist in allen Beziehungen ganz modern cin­gerichtet und weist u. a. auch 12 Sprechzimmer für Lehrer auf.

Das Neuefte aus den Witzblättern.

Wie der Diener, so der Herr! Gast: Hören Sie mal, Herr Wirt, ich finde da einen Zigarrenstummel in der Suppe, rufe den Kellner und erzähle ihm das, und was tut der Mensch: bietet mir Feuer an!"- Wirt: Na, da fönnen Sie ja sehen, was für eine aufmerksame Bedienung Sie bei mir haben!"

Aus der Schule. Lehrer: Was ist eine Wohltat?" Schüler: Vater sagt:' ne Maß Bier, wenn mer Durst

hat."

Grob. A. Ich wünschte, ich hätte eine Menge Geld." B.: Ich meine, wenn sich jemand etwas wünscht, dann sollte er sich in erster Reihe Verstand wünschen." A.: ,, Nun, jeder wünscht sich das, was ihm fehlt!"

Auf dem Lande. Dame( die beim Zubettgehen mehrere Hühner in ihrer Schlafstube aufscheucht): Sagen Sie, Huberbäuerin, so hatte ich mir das aber eigentlich nicht ge­dacht, als ich Ihnen sagte, ich wollte jeden Abend mit den Hühnern ins Bett gehen!" ( Lachendes Jahrh.)

Sihung der Stadtverordneten.

W. Gießen, den 9. Oktober 1903. Oberbürgermeister Mecum eröffnete gestern nachmittag um 4 Uhr die Sitzung indem er mitteilt, daß bei der Bürgermeisterei ein Schreiben eingegangen sei, worin sich Polizeiwachtmeister Kaspar, Schußmann Pfeffer und Schuß­mann Goebel bet der städt. Verwaltung be: anken für die

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ihnen gewährten Gratififationen aus Anlaß ihrer 25jährigen Bnberat einen Tätigkeit bei der Schußmannschaft. Der Rechnungsab: an fchuldig schluß des Realgymnasiums und der Realschule pro 1902/03 aus fichtlich in a weist einen städt. Zuschuß von Mt. 40 802,78 gegen Mt. nehmen; zumal

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Rohrkanal nach den Wiesen zu leiten. Von der Versamm­lung wird hierzu die Bewilligung von Mt. 300 verlangt. Stadt. Schaffstaedt ist der Ansicht, man solle diesen Betrag sparen. Viel nötiger set, daß man im Innern der Stadt gegen die stinkende Bach energisch vorgehe. Der Oberbürgermeister hofft, daß die Bach im nächsten Jahre verschwinden wird, durch den bis dahin fertig ge­stellten Teil der Kanalisation. Dem schließt sich Stadv. Schmall an. Die geforderten 300 Mt. werden darauf bewilligt. Brauereibefizer Gg. Bichler beabsichtigt von der Textor- Brauerei unter Benutzung städt. Feldwege eine Wasserleitung nach dem Hardthof herzustellen. Die Ver­sammlung hat gegen eine Benutzung der Feldwege zu diesem Zwecke nichts einzuwenden wenn Bichler dafür eine Anerkennungsgebühr von 3 Mr. pro Jahr an die Stadt zahlt. Die Versammlung bewilligte 3000 Mt. zur Her stellung eines erhöhten Bürgersteiges mit Bailschen Klinkern an der Rodheimerstraße vor den Kröckelschen Häusern ( Südseite). Eine Dispens von der Bestimmung, daß außerhalb des Stadt- Bebauungsplanes feine Gebäude er richtet werden dürfen, wird für das Gailsche Tonwerk be­fürwortet, welches ein Gebäude zur Aufstellung eines Stein­brechers errichten will. Der Oberbürgermeister unter­breitet der Versammlung einen Vertrags- Entwurf zwischen der Stadt Gießen und der Gemeinde Queckborn vereinbart, wonach die Erstere die Wasserversorgung für Quedborner­wettert und zwar mit einem Rostenaufwand von Mt. 1200. Die Stadtverordneten genehmigten den Vertrag und be willigten die vorgelegte Summe. Um der Klage, daß an nebeligen und trüben Tagen die Straßenbeleuchtung zu spät beginnt, zu begegnen, genehmigte die Versammlung, daß die Laternen, wenn es erforderlich wird, 10 Minuten früher als sonst angesteckt werden. Mit einem Anschluß des Cafe Ebel an das städtische Kabel, wodurch 240 Mt. Kosten zu Lasten der Stadt entstehen, ist die Versammlung ein­verstanden, nachdem Pächter und Besizer des Lokals einen entsprechenden Stromverbrauch pro Jahr garantiert haben. Die Versammlung genehmigte die Abänderung des§ 5 der Bedingungen für die Akgabe elektrischer Energie. Die Aenderung bezweckt, zu verhindern, daß Jemand, der nur aanz minimalen Verbrauch an Elektrizität hat, z. B. für Ventilation nicht auch noch zum billigen Strompreis Kraft bezieht um sein Lokal damit zu beleuchten.( Nach dem früheren Wortlaut des§ 5 war dies möglich.) Die Versammlung hat sich s. St. mit der Polizeiverordnung be­schäftigt, welche erlassen ist, um einer Tierquälerei vorzu­beugen, welche darin besteht, daß Handelsleute Milchsteh mit überspanntem Euter auf den Markt auftreiben. Die Stadtverordneten haben die Verordnung dahin abgeändert gewünscht, daß dieserhalb nicht ein Schußmann, sondern nur allein der Tierarzt Anzeige wegen Bestrafung erheben darf. Kreisamt und Polizeiomt lehnen es ab, dem Wunsche der Stadtverordneten zu willfahren und verweisen darauf, daß die Anzeigen der Schußmannschaft in jedem einzelnen Fall erfolgt seien unter Zuziehung eines Tierarztes als Beugen und Sachverständigen. Das Polizeiamt verweist darauf, daß bei den erfolgten 57 Anzeigen in feinem Fall gegen die ergangenen Strafbefehle Widerspruch erfolgt, sei gewiß ein Beweis, daß die Anzeigen am Blaze waren. Weiter bemerkte noch das Polizeiamt, daß die Polizeiverordnung recht coulant zu loyal gehandhabt werde es lediglich darauf ankomme, der Tierquälerei entgegen zu treten. Die Aeußerung des Vorstandes des landwirtschaft­lichen Vereins in dieser Frage, welche zur Vorlesung kommt, geht dahin, daß das Ausmelten der Kühe, bevor die Tiere auf den Markt kommen, schon zu verlangen sei, damit die Handelsleute den Bauer nicht betrügen fönnen, ganz abge­sehen davon, daß es eine Tierquälerei sei, die Tiere mit vollem Euter auf den Markt zu bringen. Es entwickelt sich über diesen Punkt eine sehr lange Debatte, an welcher sich die Stadtv. Heichelheim, Loeber, Helfrich, Kirch und Hanau beteiligen. Letzterer führt on: 57 Anzeigen in einem Vierteljahr bedeuten im Jahr 228 Anzeigen, und er müsse sagen, wenn man so weiter verfahre, dann würden wohl in 5 Jahren nur wenige Handelsleute noch nach Gießen zu Markte kommen, sie würden die Märkte in Hanau, Fulda und in dem nahen Kirchhain aufsuchen, wo sie ihren Handel unter leichteren Bedingungen treiben fönnen als bei uns. Nach dieser Debatte constatiert der Oberbürgermeister, daß die Versammlung in der Frage auf ihrem früheren Beschluß beharrt.- Der Droschfentarif für den Schliefplatz am Mittelweg wird dahin festgesetzt, daß der gleiche Platz für die Fahrten dahin gelten soll, wie der nach Philosophenwald oder Neue Kaserne. Die Wirtschaftsgesuche von Carl Gissert für Bleichstraße 31 und Albert Wild für Wallthorstraße 46 werden, da es sich um Uebergänge handelt,

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