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Hus dem Ge: ichtsfaal.

§ Ein Adelsdiplom als Bersahobjekt. In Wien hatte sich die Witwe Sophie Lehmann wegen einer merkwürdigen Beruntreuung zu verantworten. Die Angeklagte hatte cin ihr von der Baronin Josephine Grammont zur Aufbewah­rung übergebenes Adelsdiplom versetzt. Der Pfandschil­ling für das bereits wieder ausgelöste Diplom betrug 10 Fronen. Frau Lehmann verantwortete ihr Vorgehen mit ihrer großen Notlage und erklärte, daß die Baronin, die ihr sehr gewogen war, wenn sie ihre Notlage ge­fannt hätte, gewiß verziehen haben würde. Die als Zeugin vorgeladene Baronin bestätigte diese Aussage der Angeklagten, und bemerkte, daß sie der Frau das Diplom gern zum Versehen geliehen hätte. Der Richter sprach die Angeklagte frei, begründete aber den Freispruch da­mit, daß bei einem Adelsdiplom nicht von einem mate­riellen, sondern nur von einem ideellen Werte gesprochen werden könne und daß daher, so wertvoll das Diplom auch für den Eigentümer sein mag, im strafrechtlichen Sinne hier die Veruntreuung eines Wertobjektes nicht angenommen werden kann.

§ Polnische Gymnasiasten wegen Geheimbündelei vor Gericht. In Gnesen begann unter großem Andrang des Publikums der Prozeß gegen 24 polnische Gymnasia­sten wegen politischer Geheimbündelei. 16 Angeklagte weren wegen zu weiter Entfernung vom Wohnorte vom persönlichen Erscheinen entbunden. Die Angeklagten, auch bie Richterschienenen erklärten sich teils für nicht schuldig, tele verweigerten sie die Aussage. Die geheime Verbin­dung, der die Angeklagten angehörten, soll Beiträge zu hem bekannten polnischen Nationalschatz und dem Na­tionalmuseum, die beide in Rapperswyi in der Schweiz verwaltet werden, geleistet haben; ebenso sollen Samm­Langen für den polnischen Schulverein in Desterreich­Schlesien und für das von diesem geleitete polnische Gym­nasium und die polnische Volksschule in Teschen. Die Mitglieder der Verbindung wurden durch Handschiag und Eid bei der Aufnahme verpflichtet, die Verbindung streng scheim zu halten.

Nab und fern.

Jubiläumsnordlandreise des Kaisers. Der Kaiser wird nach den endgiltig getroffenen Dispositionen am Montag, den 6. Juni, von Kiel aus an Bord der Jacht Hohenzollern" seine diesjährige Nordlandreise antreten. Als Begleitung für das Kaiserschiff sind der kleine Kreu zer Nymphe" und das Depeschenboot Sleipner" beor bert worden. Die diesjährige Nordlandfahrt ist die zehnte, die der Kaiser auf der Jacht Hohenzollern" unternimmt und aus Anluß dieser Jubiläumsfahrt wird der Monarch Sämtliche von der Hohenzollern" bisher angelaufene Ort schaften besuchen, die an der norwegischen Küste liegen. Hieraus erklärt sich auch, daß der Kaiser seine diesjährige Nordlandreise ausdehnen will.

(!) Die ,, Escalade"-Feier in Genf. In Genf wurde mit großer Pracht das dritte Zentenarfest der Escalade" ge feiert. Am 11. Dezember 1602 suchten die Savoyarden in dunkler Nacht mit hunderten von Sturmleitern heim lich die Stadtmauer von Genf zu ersteigen; sie wurden jedoch dank der Wachsamkeit der Republikaner zurückge worfen und in die Flucht geschlagen. Man feiert dahei in Genf jedes Jahr am 11. Dezember den ruhmreichen Sieg. Für die dritte Jahrhundertfeier suchte man sich aber eine schönere Jahreszeit aus, und deshalb wurdi diesmal das Fest auf den Juni verlegt. Die Feier wai glänzend gelungen. Sie bestand hauptsächlich in einer großartigen Kavalkade, in der die vier Hauptepochen der Genfer Geschichte zur Darstellung gelangten.

Die diesjährige Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft wurde in Karlsruhe durch eine Be­grüßungsfeier eingeleitet, an der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Oberpräsident a. D von Pommer-.Esche, sowie die Spigen der Zivil- und Militärbehörden teilnah­men. Der Vorsigende der Karlsruher Abteilung, Hof­rat von Dechelhäuser, hielt die Begrüßungsansprache, die er mit einem Hoch auf Herzog Johann Albrecht und die Gäste schloß. Der Herzog dankte und brachte einen Trink­spruch auf den Großherzog von Baden aus.

::: Sieben Touristen vom Blik getroffen. Während eines schweren Gewitters, welches über den hohen_knɔl­len bei Lauterberg am Harz, zog, hatte sich eine Gesell­schaft von Touristen in die Schußhütte am Aussichts­turm ,, Großer Knollen" bei Sieber geflüchtet, um dort Schutz vor dem Unwetter zu suchen. Plötzlich fuhr am Turm ein Blitzstrahl hernieder, von dem sieben der Tou­risten getroffen wurden. Hierbei wurde der 58jährige Prokurist Ferdinand Markel aus Eiſenbüttel auf der Etelle getötet; zwei in seinem Portemonnaie befindliche Zehnmarkstücke waren vollständig zusammengeschmolzen. Seine in seiner Nähe stehende Ehefrau stürzte gelähmt zu Boden und erlitt außerdem mehrfache Brandwunden, während sein Sohn durch Brandwunden nicht unbedenk­lich verletzt wurde. Auch die übrigen Personen trugen mehr oder minder schwere Verlegungen davon; einer Dame waren die Kleider verbrannt, einem Herrn der Anzug in Feßen gerissen und einem anderen das Kopf­haar versengt. Man brachte die Verletzten zur ärztlichen Behandlung nach dem nahegelegenen Sieber, von wo= her der Aufstieg erfolgt war. Eine Lebensgefahr bei Frau Martel und deren Sohn erscheint glücklicherweise ausgeschlossen.

() Ein furchtbares Familiendrama, das sich schön am zweiten Pfingsttage abgespielt hat, wurde erst heute in Berlin entdeckt. Der vor kurzem auf Wunsch seiner Frau aus der Irrenanstalt Herzberge entlassene Lackie­rer Neumann hat in einem erneuten Wahnsinns anfalle seine Ehefrau mit zwei Beilhieben erschlagen und sich dann selbst am Bettpfosten erhängt. Es ist das wieder ein Fall, der zur Vorsicht mit Geistestranten mahnt. Ist der Kranke nicht gänzlich geheilt, so ist es, auch wenn er anscheinend ungefährlich ist, besser, ihn in einer An­stalt zu belassen.

[ Deutsche Lehrer in Japan.] Als Lehrer und Pro­jessoren waren nach einer dieser Tage erschienenen Sta­tistik in Japan 1897 13 Deutsche angestellt, 1901 aber 21, außerdem noch 2 Schweizer. An Engländern waren 1901 angestellt 15. Amerikanern 12, Franzosen 5, Russen, Spa­niern und Koreanern je 2, Chinesen 3 und Italienern und Belgiern je 1. Da sich unter den ,, Amerikanern" noch mehrere Deutsche befinden, ist die Zahl der deutschen Leh­bei weitem die größte.

ter

)([ Der wunderbare Ortssinn der Brieftaube] offen bart sich wieder in einem Falle, der aus Graudenz mitgeteilt wird. Im August vorigen Jahres ließ sich auf dem Grundstücke des Brieftaubenliebhabers W. Moh eine Brieftaube nieder, die infolge großer Ermattung ihren Flug nicht fortseßen konnte. Herr Moh fütterte und pflegte sie, und die Taube, ein junges, dunkelblaues Weibchen, blieb bei den Tauben ihrer neugewonnenen Heimat. Sie unternahm erst kürzere, dann auch größere Ausflüge, kehrte aber immer wieder zurück. Seit dem 20. Mai dieses Jahres aber blieb sie verschwunden. Einige Tage darauf erhielt nun Herr Moh von einem Herrn Wilh. Luttmann aus Essen a. d. Ruhr die Mit­teilung, daß die Taube dort in Essen wieder eingetroffen ist; die Feststellung" erfolgte dadurch, daß Herr M. die Flügel der Taube mit seinem Namensstempel und der Ortsbezeichnung Graudenz versehen hatte. Herr Lutt­mann- Essen teilte zugleich mit, daß er als Mitglied der Brieftauben- Reisevereinigung für Essen und Umge­gend im vergangenen Jahre neun Tauben zum Wett­fliegen nach Thorn( 813 Kilometer) eingesezt hatte. Die Tiere wurden am 2. August 1902 losgelassen und kahr­ten alle bis auf diese junge Taube, die in Graudenz eine Zuflucht fand, zurück. Jezt, nach fast einem Jahre, hat sie den Weg nach ihrer alten Heimat wiederge­funden.

Vermischtes.

[ Der Stundenchor" vom Frankfurter Sängerwett #reit] mit dessen Einübung in Zeit einer Stunde und Vortrag die engere Konkurrenz um den Kaiserpreis ent­schieden wurde, hat folgenden Text:

Ein wandernder Geselle

Zieht munter durch den Wald, Borüber rauscht die Quelle, Das Lied der Vögel schallt. Und was ihn da durchdrungen In tiefster Waldesnachi, Das hat er frisch besungen Und nicht zu lang bedacht.

Tralala, tralala.

Das Echo nimmt's vɔm Munde Und führt dahin den Klang, Daß es vernimmt zur Stunde Der Hirt am Bergeshang. Der singt es noch gar helle, Wo mancher Junggeselle Des Weges geht geschwind. Hernieder weht's der Wind,

Tralala, tralala.

Und manchem hats gefallen, Und er behielt's im Einn, Und wo er auch mocht' wallen, Da sang er's vor sich hin. Und wie sich Vöglein bringen Ein Lied von Wald zu Wald, So hörte man es klingen Von Wald zu Walde bald.

Tralala, tralala.

Die sangliche Weise von W. Dienel zu diesem echten Volks. lied, dessen Dichter unbekannt ist, wird sich voraussicht­lich bald in Deutschland heimisch machen.

(*)[ Heitere Abenteuer des Königs von Dänemark] während der Kaisertage in Wiesbaden werden von dort berichtet. Zwei Amateurphotographen hatten am Eingang des vom König bewohnten Parkhotels Aufstellung genom men und warteten nun auf den richtigen Moment, um den hohen Herrn auf die Platte zu bringen. Kaumi erblickte aber der König von Dänemark, welcher bekanntlich eine unüberwindliche Abneigung gegen das Photographieren hat, daß die beiden Kasten auf ihn gerichtet waren, als er einen Seitensprung machte und heftig abwinkte. Wäh­cend die Passanten über die ergößliche Ecene noch lach­en, mußten die Amateure unverrichteter Cache abziehen. Auch im tgl. Schloß war der König von Dänemark der Mittelpunkt einer heiteren Scene. Als er zum Hauptein­Jang kam, verweigerte ihm der Posten den Zutritt, und zwar mit Recht, denn der König, vom Poſten unerkannt, var in Civil und hatte keine Einlaßkarte. Während Mi­litärs passieren dürfen, mußten, strenger Weisung zufolge, edoch Civilperſonen eine Einlaßkarte haben. Der König imüsierte sich köstlich über den reglementsfesten Posten und trat lachend zurück, um am nächsten Eingangstor im Kavalierhaus sein Glück zu versuchen. Hier wäre es hm beinahe nicht besser ergangen, wenn nicht zufällig Der Portier hinzugekommen wäre, welcher den König er­annte und alsbald den Eintritt des Monarchen ermög­ichte.

** Postausweiskarten. Eine postalische Neuerung, die von allen Seiten mit großer Freude begrüßt werden wird, plant die deutsche Reichspost. Sie will Postausweis­tarten einführen, wie sie zur beiderseitigen Zufrieden­heit des Publikums und der Postbehörden im Auslande verschiedentlich schon seit geraumer Zeit beſtehen. Die Vorschrift, daß die Briefträger Postanweisungen, Wert­und Einschreibesendungen an in Gasthöfen wohnende, ihnen unbekannte Personen nur dann ausliefern dürfen, wenn der Wirt oder eine dem bestellenden Boten als zuver­lässig bekannte Person durch Mitunterschrift der Quit­tung dafür bürgt, daß der Adressat wirklich die richtige Person, beziehungsweise der rechtmäßige Empfänger sei, jat schon lange den Vertretungen des Gasthausgewerbes (?)[ Die geheimnisvolle Jungfrau.] Ein Mädchen mit geheimnisvollen Körperkräften soll gegenwärtig die Ge­lehrten der Ver. Staaten in Erstaunen seßen. Die Jung­frau besitzt nämlich die Fähigkeit, ihr wirkliches Körper­gewicht so zu verstärken, daß drei starke Männer sie nicht in die Höhe heben können, wenn sie nicht will. Als sie ein kleines Kind war und noch nicht gehen konnte, be­merkte schon ihr Vater, daß man in gewissen Augenblicken die größten Anstrengungen machen mußte, um sie zu he­ben. Der Vater in seiner Stubenweisheit glaubt, daß von seiner Tochter von Zeit zu Zeit ein ,, elektrischer Strom" ausgehe, der es unmöglich mache, sie von dem Plaze, auf dem sie gerade stehe, zu entfernen. Eine solche Frau dürfte selbst ein Herkules nicht auf Händen tragen fön­nen. Die offizielle Wissenschaft aber steht dem Falle ratlos gegenüber, und die Jungfrau, die nach Belieben Leicht" öder ,, Schwergewicht" sein kann, dürfte schließlich noch den schon vor langer Zeit angekündigten Bankrott der Wis­senschaft herbeiführen.

** Nahrungsmittel und Temperament. Wie oft hör man nicht den Wunsch aussprechen, sein oder anderer Leut Temperament verändern zu können, dann würde viele im Hausstand, im Geschäft, in der Gesellschaft besser sein Aber meistens bleibt dieser Wunsch ein frommer, nie in Erfüllung gehender. Da kommt wie ein Helfer in de größten Not die Entdeckung eines englischen Gelehrten Der behauptet, daß jede Sorte von Lebensmitteln ein Janz bestimmte Wirkung auf den Charakter und das We sen der Person, die sie genießt, habe. So würde zum Bei spiel jemand, der monatelang ausschließlich von Rindfleisch lebt, außerordentlich energisch und mutig werden. Ein Schweinefleischdiät hätte zur Folge, daß der Betreffend zunächst zum Pessimismus neigen und dann in tiefe Me lancholie verfallen würde. Todunglücklich dürften sich seh bald die Personen fühlen, deren einzige Nahrung in Lamm fleisch bestände. Ebenso wenig wünschenswert wären di bie Folgen eines unausgesezten Kalbfleisch genusses. Di Muskeln der Liebhaber dieses zarten Fleisches werden auf fallend schlaff und widerstandslos, jede Energie geht ver loren und von Charakter ist bald keine Rede mehr. Ge wird oft zu beobachten sein, daß sogenannte Pantoffel­helden große Verehrer eines schönen Kalbsbratens sind. Kein Wunder also, daß es ihnen in kritischen Augenblicken gewöhnlich an der Courage mangelt, den Herrn im Hause herauszukehren. Den häufigen Genuß von Milch und Eiern empfiehlt dieser moderne Physiologe allen jungen Damen, denen daran gelegen ist, mit sanftem, echt weiblichem We sen, im Vereine mit Geist und mit einem weichen, zar ten Teint das stärkere Geschlecht zu bestricken. Unver­fälschte Kuhmilch soll niemals eine schlechte Wirkung, we der auf den Körper, noch auf den Charakter des Menschen ausüben. Es gibt Leute, die mit Hochgenuß Butter in großen Quantitäten vertilgen. Diese werden in den mei ten Fällen ungemein phlegmatische Naturen besitzen, einer Abscheu vor jeder körperlichen Bewegung oder gar Anstren­gung empfinden und schließlich in eine Apathie versin. fen, aus der sie sich nur schwer aufraffen können. Wünscht man gleichzeitig seinen Verstand und seine Muskeln zu stärken, so kann der Konsum von mehreren Eiern täglich, ganz gleich in welcher Zubereitung, nicht dringend genug empfohlen werden. Für geistig arbeitende Personen sind Nepfel, in reichem Maße genossen, von bestem Erfolge Schiller bekanntlich sehr viel und leidenschaftlich gern Aepfel. Das Gedächtnis zu schärfen und es bis ins höchste Alter ungeschwächt zu erhalten, dürfte es kaum ein wirk sameres Mittel geben als starken Senf, den man zu je der Mahlzeit mit allen nicht gefüßten Speisen genießen soll. Eine beständige Fischdiät würde den lebenslustig sten, intelligentesten Menschen traurig und stumpfsinnig machen. Kartoffeln, in großer Menge verzehrt, sollen ein Gefühl grenzenloser Langeweile nebst physischer und gei­stiger Trägheit hervorrufen. Dasselbe gilt von allen Ge müsesorten, vorausgesezt, daß sie als ausschließliche Kost dienen. Nur in Verbindung mit reichlicher Fleischnahrung und bei häufiger Abwechselung wirken sie auf Charakter, Intellekt und Körper vorteilhaft. Der Einfluß roher und gekochter Früchte dagegen soll stets gut sein. Ob der englische Gelehrte recht hat? Wer es wissen will- der versuche es.

** Frische Milch. Der Juni- Anfang hat sich mit einer Glühhiße eingestellt, um die ihn der schönste Juli beneiden könnte. Die Temperatur ist ganz hundstags­mäßig, wobei nur zu bemerken ist, daß die Hunde von jeher über diese Bezeichnung eines Wetters sich wundern, welches bei ihnen ebenso unbeliebt ist, als bei den Menschen. Den letteren geht es übrigens noch schlech­ter als ihren Pudeln und Affenpintschern. Diese läßt ber auf ihr Wohl bedachte Eigentümer gewöhnlich beim Nahen der warmen Jahreszeit bis auf die Haut schee­ren, und sie dürfen dann nackt auf der Straße herum­laufen, ein Luxus, den sich der Kulturmensch nicht zu gönnen vermag. Er sucht seine Abkühlung im Genusse bon allerhand Gefrorenen, in kalten Bädern, unter der Douche und wohl auch bei einem frisch schäumenden Glase Bier. Das heißt die Erwachsenen, für Kinder ist stets ein Glas frischer Milch vorzuziehen, und auch dia Großen täten gut, sich nicht von diesem bekömmlichen Getränk verächtlich abzuwenden. Schade nur, daß di: Milch in diesen heißen Tagen so schwer frisch zu erhalten ist. Gewöhnlich werden allerlei Chemikalien zu diesem Zweck angepriesen, vielfach legt man sogar, einem alten Aberglauben folgend, Brennesseln hinein, um sie zu kon­servieren. Ganz abgesehen von der Unreinlichkeit, bc­fördert man damit erst das Gerinnen. Das empfehlens­werteste Verfahren, um im Haushalte die Milch vor dem Sauerwerden möglichst lange zu schüßen, ist, die Milch so frisch wie möglich zu kaufen, sofort nach dem Ankauf sie tüchtig aufzukochen und sie alsdann schnell abgekühlt an fühlem Orte in einem Gefäße mit über­fassendem Deckel, und zwar am besten ohne Umgießen in dem Gefäße, das zum Abkochen diente, aufzubewah­ren. Milch, die kleinen Kindern gegeben wird, sollte vor Verabfolgung an sie jedesmal erst von einem Erwach­senen gekostet werden, um festzustellen, ob sie nicht fauer oder bitter schmeckt.

** Fleißig begießen! Die anhaltende Trockenheit der letzten Woche äußert bereits ihren nachteiligen Einfluß auf die Vegetation und besonders auf die Gärten und Bemüseländereien. Das Gras beginnt stellenweise zu ver­orren und die jungen Pflanzen bleiben in der Ent­vickelung zurück. Rasen und Blumenbeete, sowie Ge­nüsegärten müssen daher fleißig begossen werden.

Angenehm. Dame( zum Schlächter, dessen Hund ich gerade an den Fleischvorräten zu schaffen macht): Frißt der Hund Ihnen auch manchmal Fleisch auf?- Schlächter: Nein, er leckt höchstens ein bißchen daran, iber fressen tut er's nie!

- Hochfinanz. Kommerzienrat Feingold: Was chreibt mir der Buchhändler da für e Rechnung? Hend­chels Telegraph- Große Ausgabe, 2 Mk. Wieso große Ausgabe? Schnorrer! Für was hält mich der Mann? Belastungsmoment. Richter: Es unterliegt gar einem Zweifel, daß der Angeklagte mit dem Automobildieb dentisch ist- er riecht ja heute noch nach Benzin! - Stammtischkalauer Gast: Haben Sie schon von dem neuesten Erlaß Budde's gehört, daß die Bahn­jofsrestaurateure einen anderen Titel bekommen sollen? Kellner: Etwa Bahnhofswirte?- Gast: Nein- Bud­( L. Bl.)

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