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Nr. 57.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 60 Bfs., in's Saus gebracht GO Bfg., burch die Beft bezogen viertel­fährlich Mt. 1.50.

Bratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- nud Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Montag, den 9. März 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Beglar und Marburg 10 Pfg. fenft 15 Big.; Reklamen die Petitjeile 30 resp. 40 Bfg.

Bostzeitungslifte No. 3869.

Redaktion und Expedition: Gießen Rexenweg 28. Fernsprechanfisk r, 868.

Neuelle Nachrichten

ichener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

J

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die katholisch- theologifche fakultät

zu Strassburg.

Zu der Reichstagsdebatte über die Straßburger atholisch- theologische Fakultät wird uns von geschäßter Beite geschrieben: Die eljaß- Lothringische Frage würde man urchaus falsch beurteilen, wenn man hier nur die per­önliche oder patriotische Empfindung sprechen ließe. Wohl ftes richtig, daß fast genau 200 Jahre vor der Wieder­roberung die Reichslande noch deutsche Gebietsteile wa­cen. Aber der llebergang von einem Lande zum anderen sollzieht sich nicht ohne Veränderung lebendiger Interes en. In dem Augenblicke, als Elsaß- Lothringen an Deutsch­and zurücfiel, schlossen sich für die Reichslande an den Bogesen die Zollgrenzen, alte Geschäftsbeziehungen_er­oschen und die Bevölkerung war genötigt, sich neue Ver­indungen, anstatt, wie früher westwärts, nach dem Osten in zu suchen. Die Störungen im Erwerbsleben machten ich also auf Jahre und Jahrzehnte hinaus geltend, und nan fann es daher vom menschlichen Standpunkte aus ollständig begreifen, daß die geistige Zurückeroberung der Reichslande sich sehr langsam vollzieht. Umsomehr muß sas Reich darauf bedacht sein, sich innerhalb der Bevölke=" cung einen gewissermaßen moralischen, deutschfreundlichen Finfluß zu sichern. Aus diesem Grunde hat die Reichs­cegierung die Beamtenstellen von Anfang an mit Vorliebe In Altdeutsche übertragen, die hierdurch ein sehr wert­solles germanisatorisches Element geworden sind. Eine ehr einflußreiche Stellung im Volte nimmt naturgemäß mich die fatholische Geistlichkeit ein, auf die aber der Staat eine Einwirtung hat, weil die Geistlichen ihre Erziehung n geistlichen Anstalten genießen und weil ein Teil dieses Mecas zu dem Sprengel des französischen Bischofs in Ranch gehört. Selbst wenn man nicht einmal annehmen vürde, daß die Erziehung in den geistlichen Alumnaten ind Seminarien franzosenfreundlich ist, dann wäre die Errichtung einer katholisch- theologischen Fakultät bei der Aniversität Straßburg wünschenswert, weil dadurch die Berhältnisse bei dem reichsländischen Klerus durchsichtiger verden. Fürst Bismarck ha. demgemäß bei Errichtung per Straßburger Universität ausdrücklich betont, daß diese lma mater entschieden paritätisch organisiert werden müsse. Dieses Ziel ist jetzt erreicht. Die Etreitfrage war nur, ob ie Regierung oder der Vatikan bei der Sache die Ober­hand gehabt habe. Ein Ten des Reichstags war der Mei­tung, daß der Staat ein Stück der Hoheitsrechte ab­jegeben habe, indem er mit Rom verhandelte und indem er Sem Bischof von Straßburg ein Mitwirkungsrecht bei der Berufung der Professoren zugestand. Nichts war verkehr er als diese Auffassung. Man überlege nur die Sache ohne Vorurteil. Wollte der Staat für die katholische Fa­tultät Hörer haben, so konnte dies nur durch eine Ver­inbarung mit der geistlichen Gewalt erreicht werden und, im zu einem Abkommen zu gelangen, ist die Regierung or die rechte Schmiede gegangen und hat sich mit dem Batikan, aber nicht mit dem Bischof, in Verbindung ge

eßt. Da dieser aber einen Teil seines Einflusses auf die Besetzung der Professorstellen durch Aufhebung der Alum­tate verliert, so mußte ihm naturgemäß auch ein Mit­virkungsrecht bei der Besetzung der Stellen in der Fa ultät zugestanden werden. Nach den gestrigen Mittei ungen ist die Errichtung der Fakultät sicher. Wir hoffen, daß sie gute Früchte trägt und die Verdeutschung und geistige Wiederoberung der Westmark fördert.

Die Politik.

Besuch des Kaisers in Dänemart.

Es bestätigt sich jetzt, daß Kaiser Wilhelm demnächst nach Kopenhagen reisen wird, um dem König Christian einen Besuch abzustatten. Allerdings wird er nicht, wie es zuerst hieß, zur Feier des 85. Geburtstages des Königs dort eintreffen, da dieser Tag in die Charwoche fällt, jondern bereits vorher die Reise antreten. Wie uns ein Telegramm aus der dänischen Hauptstadt meldet, erfolgt die Ankunft des Kaisers daselbst am 2. April nachmittags. Der Besuch unseres Kaisers am dänischen Königshose ist zunächst als die Erwiderung des Besuches zu betrachten, den der dänische Kronprinz vor einiger Zeit dem deutschen Kaiserhofe abgestattet hat, doch hat er nicht nur die Be­deutung eines bloßen Aktes der Courtoisie, vielmehr wird die nach langer Spannung erfolgte Wiederannäherung zwischen Deutschland und Dänemark durch die Reise de Kaiser Wilhelms an den Hof von Kopenhagen besiegelt. In diesem Sinne wird die Ankündigung auf beiden Seiten mit lebhafter Genugtuung begrüßt.

seiner Rückkehr von Helgoland nach Berlin boi dem Kaiser der Bremer Senat im Ratskeller ein Frühstüd dar, an dem mit dem Großherzog von Oldenburg auch der Reichskanzler Graf Bülow und der Eisenbahnminister Budde teilnahmen. Der Trierer Schulstreit beendet?

)-( Während der Kultusminister Dr. Studt im preu­sischen Abgeordnetenhause erklärte, daß er nicht misse

ob die Verhandlungen des preußischen Gesandten beim Vatikan mit der römischen Kurie zum Abschluß gekom­men sind, wird in Blättermeldungen aus Rom behaup tet, daß die Frage wegen des Schulerlasses des Bischofs Rorum bereits gelöst sei. Die Vorstellungen, welche Kar­dinal Kopp im Namen des deutschen Kaisers erhob, sollen den Erfolg gehabt haben, daß der Vatikan sich bereit erklärte, den Bischof zur Zurückziehung oder Ab­änderung des Erlasses zu bestimmen. Hier ist nur von Vorstellungen des Kardinals Kopp die Rede, während der Kultusminister ausdrücklich von Verhandlungen des preußischen Gesandten sprach. Doch ist es wohl glaub. haft, daß neben dem Gesandten der beim Papst und Der Kurie in hohem Ansehen stehende Kardinal sich um Die Echlichtung des Streites bemüht. Ob indes die Dinge so weit gediehen sind, wie es in den erwähnten Blättermeldungen heißt, muß dahingestellt bleiben.

Bis auf den Buchstaben!

() In einer Unterredung mit dem Konstantinopeler Kor­respondenten des Standard" sagte der türkische Groß­vezier, daß die Pforte das mazedonische Reformpr gramm bis auf den Buchstaben ausführen werde. Die Türkei, fügte er hinzu, brauche nur Zeit, viel Zeit, und So wird denn auch die Durchführung der Reformen nicht so schnell von statten gehen, als es im Interesse Mazedoniens und der Türkei selbst zu wünschen_wäre. Immerhin scheint es an gutem Willen bei dem Sultan und seinen Ministern nicht zu fehlen. Schon wird ge meldet, daß eine Verordnung des Padischah ergangen ist, welche Bestimmungen über die Amnestierung der wegen politischer Vergehen und Verbrechen verurteilten Mazedonier trifft. Die Pforte hat dem österreichisch- un­garischen und russischen Botschafter mitgeteilt, daß in folge der gewährten Amnestie eine Spezialkommission ge bildet wurde, die die Rückkehr der nach Bulgarien aus. gewanderten bulgarischen Familien überwachen werde. Die Rückkehrenden werden entwaffnet und müssen sich eidlich verpflichten, sich fünftig loyal zu verhalten. Nach Angabe der Pforte sind bisher 400 Emigranten zurückge kehrt. Ferner ist die Reorganisation der mazedonischen Gendarmerie durch eine Verfügung des Eultans in die Wege geleitet. In den Stambuler Regierungskreisen heißt es, daß die Organisation und das Kommando über die Gendarmerie in den drei Vilajets deutschen Offizie ren anvertraut werden soll. Das wäre gewiß nicht der schlechteste Gedanke. Die deutschen Offiziere würden in dem Gendarmerieforps bald Ordnung schaffen und eine Tätigkeit entfalten, deren wohltätige Wirkungen die Be völkerung bald spüren würde.

Erhöhung der Brauftener.

Die Andeutung, welche unlängst in Reichstage der Schazsekretär v. Thielmann bezüglich der geplanten Er­höhung der Brausteuer machte, soll in Erfüllung gehen. Im elsaß- lothringischen Landesausschusse erklärte auf eine Anfrage des Abgeordneten Ditsch wegen Aenderung der Bandesbiersteuer der Unterstaatssekretär v. Schraut, daß eine Aenderung der Landesbiersteuer nicht empfehlens­vert sei, weil eine Reichsbiersteuer in naher Aussicht tehe. Die Aussichten für das Zustandekommen einer neuen Biersteuervorlage sind nicht ungünstig, da die Mehrheit des Reichstages der Erhöhung der Brausteuer nicht abge­neigt ist. Dies trifft allerdings nur für den gegenwärti­gen Reichstag zu, doch läßt sich wohl annehmen, daß die Zusammensetzung des fünftigen Reichstages, dem die Ent­scheidung über die zu erwartende Vorlage zufällt, sich nicht wesentlich von der jezigen unterscheiden wird.

Ein Londoner Panama.

$ In der englischen Hauptstadt wird der Zusammen­bruch eines schwindelhaften Finanzinstituts, dern bon and Globe Corporation", viel besprochen. Zahlreiche Personen haben durch das Fallissement ihr Vermögen eingebüßt oder schweren Schaden erlitten. Die Angelegen­heit kam auch im englischen Unterhause zur Sprache. Großes Aufsehen erregt nun ein offener Brief, den der be­fannte Journalist Arnold White an den Premierminister Balfour gerichtet hat. White schreibt darin wörtlich: ,, Ich flage die Minister des Königs an, in dem Unterhause falsche Angaben gemacht zu haben, um die öffentliche Meinung irre zu führen." Der Briefschreiber beschuldigt ferner den Premierminister, genau gemußt zu haben, daß Die Mitglieder des Aufsichtsrates der ,, London and Globe Corporation" sich hinter den König und den Herzog von Cambridge gesteckt haben", und verlangt, daß den Schuldigen der Prozeß gemacht werde, damit über die Angelegenheit volles Licht verbreitet werde.

Ein hübsches Wort Roosevelts.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordame­rifa tritt bekanntlich mit Warme für die Gleichberechtigung der Reger ein, die seit einigen Jahren in den Südstaaten, zum teil auch in den Nordstaaten, wieder start angefochten wird. Er und sogar seine Familie wird deshalb vielfach angefeindet, andererseits aber auch findet er öfters Zu­stimmung. So beglückwünschte ihn bei dem legten Em­pfang im Weißen Hause einer der Gäste zu seiner Haltung

in der Negerrage. Derr präsident," jegte er yngd, m Name wird in der Nachwelt glänzen wie der Washingtons." ., Welcher Washington, George oder Booker Washington?" erwiderte der Präsident rasch. Booker Washington ist der Name jenes bekannten schwarzen Professors, der die Sache der Schwarzen seit Jahren mit ebensoviel Geist wie Mut verficht.

Kurze politische Nachrichten.

* Der preußische Striegsminister hat den Generalfom mandos der Armeetorps mitgeteilt, daß besonderer Wert darauf gelegt werden müsse, daß Mannschaften, deren Dienstuntauglich feit festgestellt ist, nicht länger als unbedingt erforderlich im Dienst zurückbehalten und mit­tels eines beschleunigten Verfahrens fettens des General­tommandos entlassen werden.

* Die Prinzessin von Asturien ist von einem Brinzen entbunden worden. Prinzessin Maria de las Mer cedes, ältere Schwester des önigs Alfons, ist mit dem Prinzen Carlos von Bourbau Sizilien vermählt.

* Nach einem Telegranum aus Madrid hat die Gen darmerie in Jerez 37 Feldarbeiter gefesselt ein gebracht, die unter Drohungen von den Grundbesitzern eine Lohuerhöhung verlangt hatten. Bei den Arbeitern wurden anarchistische Flugschriften und Aufrufe gefunden.

* In der italienischen Deputiertenfam mer erklärte der Unterstaatssekretär Baccelli, die Regie. rung habe die Berichte der Kommission erhalten, welche zur Untersuchung der Sklavereifrage im Benadiergebiete ( am roten Meer) eingesetzt wurde. Sollte sich zeigen, die Benadiergesellschaft den ihr durch die Brüsselei Stavereiatte auferlegten Verpflichtungen nicht nachkommt, so würde die Regierung von den Rechte, die Konzession für verfallen zu erklären, Gebrauch machen.

* Dem Gouverneur von Tanger ist aus Fez die Nach richt zugegangen, daß der Prätendent gefanger genommen worden sei. Die Nachricht bedarf noch sehi Ser Bestätigung.

276. Sizung.

Deutfcher Reichstag.

- Militär und Post.-

Eigenec Bericht.

Graf Oriola, der neuerdings in militärischen Finanz fragen eine sehr lebhafte Tätigkeit entfaltet, hat der Reichsregierung seine Unzufriedenheit darüber ausge sprochen, daß diese noch nicht eine Militärpensionsnovell: borgelegt und dadurch manchen geheimen Notstand ge­lindert habe. Der Kriegsminister von Goßler aber zuckte in seiner Erwiderung die Achseln und wies auf die schlechten Zeiten hin, bei denen an die Einführung eines Mehraufwandes von 70 Millionen gar nicht gedacht wer­den könne. As dann Graf Roon und Abg. b. tardorff eine Erhöhung der Biersteuer vorschlugen, rief der freis. Abg. Schrader laut den Vorschlag einer Reichseinkommen­Steuer in den Saal, der befanntlich im Bundesrat niemals Zustimmung findet, weil eine solche Steuer die Steuer­erhebung in den Einzelstaaten durchkreuzen würde. Dann wurde der Antrag des Abg. Dr. Müller- Sagan auf Er­höhung der neuen Bostassistentenstellen von 2000 auf 3000 abgelehnt, desgl. dessen Antrag, daß die nichtetatsmäßigen Assistenten ebenso viel Gehalt beziehen sollen, als die etatsmäßigen. Zum Schluß trug der soz.- dem. Abg. stunert eine Reihe von Beschwerden aus der militär­Dienstlichen Praxis vor.

38. Sigung

Preussischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

Kultusetat.

Eigener Bericht.

Die zweite Beratung des Kultusetats leitete der Zen­trumsabg. Dauzenberg mit heftigen Angriffen auf bas Kultusministerium ein. In diesem, rief er, herrschi eben die Tendenz, die Katholiken nicht als ebenbürtige Staatsbürger zu behandeln, vielmehr die Tendenz, die Katholiken zu binden und zu knechten, den Evangelischen Dagegen unbeschränkte Freiheit zu gewähren. Das ist die Parität im Sinne der Regierung! Herr Dauzenberg führte msbesondere Beschwerde über die Beschränkung der Dr­benstätigkeit und forderte die tonfessionelle Grundlage für die Volksschule. Der Kultusminister Dr. Studt suchte Die Vorwürfe des Zentrumsredners eingehend zu wider­legen. Auf die Anfrage des nat.- lib. Abg. v. Eynern, ob der Bischof von Trier sein Publikandum bereits zurück­gezogen habe und wie es mit dem§ 2 des Jesuitengesetes tehe, erwiderte der Minister: Es ist mir nicht bekannt, ob die Verhandlungen des preußischen Gesandten beim Batitan mit der Kurie über den Trierer Fall zum Ab­schluß gekommen sind und welches Ergebnis sie gehabt haben. Ebenso ist mir unbekannt, in welchem Stadium der geschäftlichen Behandlung der Antrag auf Aufhebung des 32 des Jesuitengeseges sich im Bundesrat befindet. Der

Sch fann Sie übrigens fuhr Baffin fort,

jeder

Bille Sr.. Majestät des wenn Sie nicht etwa e hierbleiben wollen, gnädige offizier habe ich die Pflicht, darüber zu wachen, daß der Berantwortlich feit entheben; als höherer Gensdarmerie­genau befolgt wird

Es war

finden

sollte. Nikolaus erwartete tief erregt den Eintretenben. ein Zeichen, daß die tötende Kerferhaft ihr Gnde eme Qualen, wie feine Hoffnungen, und ein af Grimm packte ihn plöglich. Sein frü­bei seinem Anblick vergaß Nikolaus er erinnerte fich an

alles,

Ier, turlicher

Wenn es doch alle wiffen

In der letzten Nacht führte Koushort Von Anton Tschechom. man den Direktor ber ( Nachdruck verboten.)

ioinen

Schlage

Er

alle Eingerührt in

verstand

nichts.

Dann

exzitterter

Juß starb ab. Er Inmate bas Diman; er hörte, wie fid

eate fich mit dem Leib auf den gegen den Rücken des Diwans schlug. Time Eingeweide umbrehten und wie der ungehorsame Minuten durchflogen seine Gedanken und wurden schwer, der linte - nicht ertragen und

linte