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Lokales.
Gießen, 8. Junt 1903.
** Der Großherzog empfing am 6. Junt den Oberst v. Graevenit, Kommandeur des Inf. Regt. Kaiser Wilhelm( 2. Groß. Hess.) Nr. 116, den Hauptmann Koettschau von demselben Regiment, und den Steuerkommissär Flath von Buzzbach.
** Der Großherzog hat am 6. Juni 1903 den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz Richard Müller zu Mainz in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Darmstadt und den Finanzaspiraranten August Wenzel aus Gießen zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz ernannt.
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** Ernannt wurde Regterungs aſſeſſor Friedrich Kraß aus Laubach, zum Steuerfontrolleur. ** Versetzt wurde der Bezirksfassierer der Bezirkskasse 8wingenberg Friedrich Bitsch an die Bezirkskasse Schliß, und der Bezirkskaſſierer der Bezirkskasse Schlitz Philipp
Jacob Göbel an die Bezirkskasse Alzey.
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** Eine sozialdemokratische Wählerversammlung fand Samstag abend im„ Wiener Hof" hierselbst statt, zu der sich zahlreiche Anhänger der soz.- dem. Partei eingefunden hatten. Herr Orbig eröffnete die Verfammlung und verwies in einer kurzen Rede auf die Gießener Arbeiterbewegung hin. Nach dem ergriff der Haupt- Referent, Herr Lanndtagsabgeordneter Ulrich- Offenbach, das Wort zu einem längeren Vortrage der über die kommenden Reichstagswahlen sprach. Der Hauptpunkt ſeiner 1½½stündigen Rebe galt der Bolltarifvorlage, die jetzt in der nächsten Reichstagsperiode zur Beratung gelangen soll, und schilderte die parteilichen Zustände im jezigen Reichstag. Redner wies darauf hin, daß es gerade bei der jetzigen Wahl von großer Wichtigkeit set für die Sozialdemokratie zu agitieren, um gegen die Wirtschaft der Agrarier im Reichstage zu protestieren. Auch die Militär- und Flottenvorlage ließ der Referent nicht unberührt, und machte auf die große Bedeutung der Sozialdemokraten im Reichstage aufmerksam. Am Schluß seiner Rede forderte er die Versamm'ung auf, am 16. Juni ihre Stimme für den Kandidat der soz.- dem.Fraktion, Herrn Stadtverordneten Krumm- Gießen abzngeben. Sodann sprach Herr Krumm in furzen und fachlichen Worten über den kommenden Reichstag und ergänzte das Referat seines Vorredners. Gegen 1212 Uhr war die Versammlung zu Ende.
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Heiteres von der Wahlbewegung. Man schreibt der Franks. 8tg.": Es war in einem Dorf an der württembergischen Grenze. Der Kandidat, ein angesehener höherer Beamter, hatte eben seine Wahlrede mit den eindrucksvollen Worten: ,, Das walte Gott!" beendet, als ein biederes Bäuerlein, das atemlos dem Zentrumsmanne zugehört hatte, seinen Nachbarn anstieß und sagte:„ Du, den wähle mer, der hat noch Religion im Ranze!"
S Gestern fand auf dem Sportplatz an der Hardt das erste Radrennen in dieser Sacson statt. Der Besuch war leider ein sehr mäßiger. Das Programm bestand aus einem Erstfahren, 2000 m,( offen für Herrenfahrer die auf einer Rennbahn noch keinen ersten Preis erworben haben) mit den Siegern Jacoby Mainz in 5,5%, Kaminsky- Köln in 5,53/ 5, Wagner- Frankfurt in 5,6 Minuten. Eröffnungsfahren, 2000 m- 5 Runden. Im Entscheidungslauf siegten Drescher Mainz als erster in 3,40, Lurz Frankfurt in 3,405, Kaminsky Cöln in 3,403/ 5 Minuten. Eingeschoben& Rennen für Fahrer aus Gießen und Umgebung. Es siegten: HamelGießen als erster, Reich- Gießen als zweiter und LauerGießen als dritter, Hecker- Gießen erhielt den Führungspreis. Hauptfahren, 10000 m= 25 Runden mit Schrittmacher. Erster Steger Drescher mit 11,44, zweiter Schwarz- Mainz mit 12,9, dritter Lurz- Frankfurt; derselbe wurde 6 Mal überrundet. Mehrsigerfahren, 2400 m= 6 Runden. Ez siegten Drescher- Mainz mit 3,543/ 5, weiter Wagner- Flant. furt. Motorrennen 10000 m 25 Runden. Erster StegerGräf- Frankfurt mit 9,50, Zweiter Drescher mit 10,36 Minuten. Drescher hätte auch dieses Rennen glatt gemacht, wenn er nicht bei der 6. Runde wegen Defectwerden seiner Maschine hätte aussehen müssen.
** Der Fechtverband Gießen- Lahr veranstaltete am gestrigen Sonntag sein Sommerfest auf der ,, Schönen Aussicht". Leider hatte sich hierbei nur wenig Bublifum eingefunden, was wohl auf die anderwärts größeren Veranstaltungen des Tages zurückzuführen ist. Trogdem nahm das Fest in jeder Hinsicht einen allgemein fröhlichen Verlauf. Die Musit, welche von der hiesigen Feuerwehrkapelle ausgeführt wurde, war eine gute. Die ein zelnen Programmnummern wickelten sich glatt und bei bester Festeslaune ab, bis gegen 6 Uhr das Regenwetter auch hier eine kleine Stockung werden ließ, welche aber auf den weiteren Verlauf nicht gar zu großen Einfluß ausübte.
*.* Grünberg. Im„ Rappen" fand gestern Nachmittag 4 Uhr eine Wählerversammlung statt, in welcher Herr Kommerzierrat Heyligenstaedt vor den erschienenen Wählern aus dem engeren Bezirk Grünberg sprach. Außerdem sprach
noch Herr Rechtsanwalt Grünewald- Gießen und der Rechts-| tonsulent Jöckel Grünberg. Die Versammlung verlief in ruhiger Weise und man war sich einig, daß die Kandidatur Heyligenstaedt unterstützt werden muß.
- 3wei weitere Wählerversammlungen fanden ebenfalls gestern Nachmittag in Lich statt. Am Nachmittag 7 Uhr fand die erste seitens der lieberalen Partei statt, in welcher Herr Amtsrichter Fuhr aus Ortenberg und Direktor der hiesigen Präparandenanstalt Herr Wagner sprachen. Die andere zweite Versammlung war um 9 Uhr abends, in welcher der Kandidat der soz.- dem. Partet, Herr Stadtverordnete Krumm, das Haupt- Referat hatte.
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** Die vereinigten Liberalen im Wahlkreis Worm 8- Heppenheim stellen als Kandidaten Herrn Professor Straubinger von Darmstadt auf. Straubinger wird nach Lage der Verhältnisse im dortigen Wahlkreise ein scharfer Gegner des bisherigen Abg. Frhr. von Heil werden. ** Ans Rheinheffen, 2. Juni. Bei Heidesheim im Großh. Domänewald ist am Nachmittag des ersten Fetertags ein Waldbrand ausgebrochen, der sich über ca. 12 Morgen streckte. Der Heidesheimer Feuerwehr gelang es, eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. wurden gegen 50 verhaftete Personen ins Polizeigefängnis Frankfurt a. M., 5. Juni. In den letzten Tagen eingeliefert, darunter mehrere, die in der Trunkenheit Majestätsbeleidigungen ausgestoßen hatten, so auch ein Die große Mehrzahl der Verhiesiger Buchbindermeister. hafteten gehört der edlen Zunft der Langfinger an, die das Sängerfest benußen um andern Leuten die Taschen zu leeren und die ihrigen zu füllen. Bei einem dieser Spizbuben wurden nicht weniger als 11 Damenportemonaies gefunden. Unter Anderem wurde auch eine aus 6 Personen bestehende Diebsgesellschaft festgenommen, die aus Essen hierher getommen war, um eine Gastvorstellung hier zu geben. Frankfurt a. M., 5. Juni. Musikdirektor Heinrich Zöllner aus Leipzig trat aus dem Preisrichterkoll- gium aus.
fiz des Gauturnwarts Will das Kampfgericht für das am Nach, mittag stattfindende Wetturnen, denn ohne Wetturnen kann nun einmal der jüngere Turner nicht sein. Als Wettübungen waren schon im Voraus bestimmt: Steinstoßen, Freihoch sprung, Freiweitsprung und Hangeln an einem 9 m langen Tau innerhalb 20 Sekunden. Inzwischen war der Mittag vorüber und der Festzug, an dem sich der Ortsvorstand, die Feuerwehr, die beiden Lollarer Gesangvereine und Radfahrer mit beteiligten, marschierte gegen 2 Uhr unter den Klängen der Marburger Stadtkapelle vom Restaurant Germania nach dem an der Straße nach Gießen zu gelegenen Festplate. Dort angekommen war es zuerst Herr Bürgermeister Zimmermann und dann der Vorsitzende des T.-V. Lollar, Herr Schmidt, welche den Turnern das Willkommen im Namen der Gemeinde und des Vereins entgegen brachten. Fräulein Geißler überreichte nachdem dem Berein unter Worten der Anerkennung, daß die Turner Lollars ihren Jungfrauen so manchen frohen Festtag auch bereitet haben, eine recht schöne Fahnenschleife. Die Leitung des Festes übernahm nun der Gau- Ausschuß reſp. der Gauvertreter Helm- Gießen. Derselbe dankte dem Oct und den Turnern für den warmen brüderlichen Empfang und betonte, daß die unter allen anderen wohl aufzuweisen hätte. Die Gauturndiesjährige Gauturnfahrt mit die zahlreichste Beteiligung fahrt sei nur ein Vorturnen für die Gauturnfeste und da Lollar, das zum 2. Mal nun eine Gauturn fahrt hat auf dem besten Wege ist, auch bald ein Gauturn fest zu übernehmen, müsse es sich nur turnerisch noch etwas mehr herausmachen. Es muß vor allen Dingen das ganze Jahr hindurch geturnt werden, dazu ist aber für den Turnverein
ein eigenes Heim nötig. Wir alle haben deshalb den Wunsch,
daß in Lollar recht bald neben dem Verein ſich Leute finden,
die durch Sammlung dies ermöglichen können. Dem ferneren Blühen und Gedeihen des T.-V. Lollar galten die Schlußworte Helms. Es wurden nun die Freiübungen durchgeturnt und dann begann das Wetturnen an dem sich 150 Turner beteiligten. Borgeschrieben waren insgesamt 20 Punkte für die 4 Uebungen. Sonderbarerweise war dieses Mal das Ergebnis allgemein im Verhältnis zu den früheren gleichen Festen ein weniger günſtiges; es erhielten nur folgende 15 Turner Preise: 1. Jünger- Kirchhain( 311/2 Punkte), 2. Albert Münch- Web'ar( 292), 3. August Nikolai- Usingen( 29), 4. Kari Schneider- Lollar( 28), je einen 5. Preis Ernst KochAlsfeld, 2. Peppler T.-V. Gießen und Jean Hof T.-V. Gießen mit je 23 Punkten, 6. Christ. Rösing- Marburg( 22), 7. Karl Richter- Weglar( 2112), 8. Lorenz Schmalz T.-V. Gießen und Karl Möller- Lauterbach( 21), je einen 10. Breis Karl Bender- Alsfeld, Wilh. Schmidt- Launsbach, und Karl Reß- Butzbach mit je 20 Punkten.
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Wächtersbach, 5. Juni. Fürst Ferdinand Maximilian zu Ysenburg- Büdingen hat heute früh( wie bereits kurz gemeldet) durch einen Unglücksfall sein Leben eingebüßt. Durch Qualm, der aus dem Schlafzimmer des Fürsten drang, auf merksam gemacht, öffneten einige Diener die Thür zu dem selben. Zu ihrem Schrecken schlugen ihnen Flammen entgegen. Nachdem man derselben einigermaßen Herr geworden war, fand man den Fürsten entseelt vor seinem Beit liegen. Er war erstickt. Man nimmt an, daß er ein Licht angezündet hat und daß ihm dieses aus der Hand geglitten ist, wodurch dann die Stoffe Feuer fingen. Der Fürst hatte am 24. Oktober v. J. in förperlicher und geistiger Frische ſein 78. Lebensjahr vollendet. Er war ein hochgebildeter Mann, ein Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle, ein echter Grandseigneur. Nachdem er in Heidelberg studiert hatte, trat er faum 23 jährig nach der Abdotation seines Vaters, des Grafen Adolf, die Verwaltung des Fideikommisses seines Hauses an, die er mit Umsicht und Thatkraft leitete. Im Jahre 1849 vermählte er sich mit Getrude, Prinzessin von Hanau, der ältesten Tochter des letzten Kurfürsten von Hessen. Um die Politit seines Schwiegervaters, dem er der liebste Schwiegersohn" war, hat er sich nie gekümmert und mit Unrecht wurde der Fürst, als er im Oftober 1853 auf denten Hassenpflug etwas unsanft" zur Rede ſtellte, wegen dem Friedrichsplatz in Kassel den hessischen Ministerpräsidieses Recontres als„ hyperliberal" von den Anhängern Hassenpflugs bezeichnet. Der Fürst hatte sich nur durch die Einmischung des Premiers in seine privaten Verhältnisse tofteten: Butter, Pfd. 90-195, Hühnereier, 2 St. 10-11, Käse, per gereizt so weit hinreisen lassen. An seinem letzten Geburtstage, den der Kurfürst im Hessenlande verlebte, also am 20. August 1865, verlieh er seinem Schwiegersohne den Fürſtentitel. Erwähnt verdient noch zu merden, daß der Fürst schon vor 50 Jahren sozialpolitisch wirkte, z. B. durch Errichtung von Arbeiterwohnungen, Erbauung einer Steingutfabrik in Schlierbach und andere Maßnahmen. In den ärmereren Orten am Südabhange des Vogelsberges wird man das Andenken des Fürsten in hohen Ehren halten.
Die Turnfahrt des Gaues Hessen. 7. Juni.
Bei heiterem sonnigwarmem Wetter zogen gestern Vormittag gegen 1/2 9 Uhr die Turner des Gaues Hessen zur fröhlichen Frühjahrsturnfahrt aus. Die Turner des 1. ( Marburger) Bezirkes waren bis Fronhausen pec Bahn gefahren, diejenigen der anderen Bezirke hatten sich in der Turnballe des T.-V. Gießen gesammelt. Beide Parteien marschierten dann jeder auf if rem Wege dem gemeinsamen Ziele Lollar zu. Recht turnerisch, mit Sang und Klang bei gefaßtem Tritt legten die Turner die vorgeschriebene Fußtour zurüc und wir müssen bekennen, es hat solch eine Tour in corpore bei solchem Marsch, wie's geschehen, doch auch seinen besonderen Reiz. Nach 1stündigem Marsch erreichte man den Festort Lollar, der zu Ehren der auswärtigen Turner sich auerfennenswert geschmückt hatte. Von den Lollarer Turnern brüderlich und mit Mufit empfangen, zerstreuten sich dann die einzelnen Turner, um sich zu stärken und dann am Nachmittag um 1/22 Uhr wieder frisch und munter am Feftzug Teil zu nehmen. In der Zwischenzeit tagte unter Vor
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Das gegen 26 Uhr hereingebrochene Sturm- und Regenwetter hat dem Feste und vor allen Dingen den Festwirten großen Abbruch getan; infolge des Sturmes stürzte plößlich das eine Bterzelt in sich zusammen, alles zudeckend was darunter war. Als Glück kann man es bezeichnen, daß bei dem Zusammensturz keine Verlegungen vorgekommen sind. Die meisten auswärt gen Turner und Gäste verließen gegen 8 Uhr Lollar wieder mit dem Wunsche auf besseren Erfolg und Wiedersehen zum Gauturnfest in Wetzlar.
Marktbericht.
* Marburg, 6. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt St. 11, Käschen, pr. S 4, Kochkäse, pr. Pfd. 40, Käsematte, per St. 5, Kartoffeln, Pfd. 5 Pfg. 100 Pfund 3.50-4.00 mt., Kohl 1 St. 5, Blumenkobl, 1 St. 40-60, Spinat, Pfd. 15, Salat pr. Kopf 10-00, Möhren, pr. Pfd. 15, Sellerie St. 15-25 Std. 0.00-1.80, Tauben, pr. St. 40, Neh pr, Pfd. 60 Pfg, Ra= diefe, pr. Pad. 10, Merrettich, pr. Bad 15-25, 3wiebeln, Pfd. 10 Knoblauch, pr. Knolle 5, Weißtraut, pr. K. 20-40, Rotfraut Porre Stück 5-8, Rüben, rote 8-10, Wirshing, pr. K. 25-30 Aepfel pr. Pfd. 18-25, do, Korb 0-0,00 Mt.
Spargel, Pfd. 65-70, ahnen, pr. St. 1.50-200, Hühner, br
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