Nachklänge zur Papftwabl.
amerikanischer sogenannter Doktordiplome an deutschen unfversitäten keine Rede ist. Hier wird mit diesem Titel fein Handel getrieben. Bemerkt sei noch, daß Komzek, der sich seine Briefe, um größeres Vertrauen zu erwecken, nach der Wiener Universität adressieren läßt, nicht das Geringste mit dieser zu tun hat.
Die römischen Blätter beschäftigen sich weiterhin an gelegentlich mit Konjekturen darüber, wie die Wahl sich aus Sarto lenkte. Nach einer Version habe es sich zunächst um einen Kampf zwischen Rampolla und Gotti gehandelt, bei dem eine Verständigung derart unmöglich schien, daß ein Kardinal geäußert habe: Wir sind geneigt, einen Monat lang hier zu bleiben, ohne daß sich die Abstimmungen ändern. Rampolla kam bis auf 35 Stimmen, Gotti auf 25. Als die Anhänger des letzteren am Montag sahen, daß seine Kandi datur keine Fortschritte machte, hätten sie sich zur Kandidatur Sartos entschlossen. Nach der zweiten Lesart hätten Rampollas Aussichten bis Montag Vormittag zugenommen; aber am Montag Abend hätte Kardinal Gruscha im Namen der österreichisch- ungarischen Regierung das Recht der Er klusive gegen Rampolla geltend gemacht. Dies hätte eine nahezu dramatische Szene hervorgerufen. Rampolla sei bleich geworden, habe sich erhoben und im Namen der Freiheit der Kirche gegen den Versuch einer Einmischung protestiert, aber hinzugefügt, daß er nicht die schwere Last der Tiara zu tragen wünsche. Die französischen Kardinäle hätten darauf mehr oder weniger deutlich ihrer Mißbilligung Ausdruck gegeben. Infolge dieses Vorfalls hätte sich die Zahl der Stimmen für Rampolla auf 35 erhöht. Danach hätte man die Meinung geändert; denn 32 Kardinäle hätten erflärt, daß sie einen Papst vorzögen, der die Kraft und den Willen habe, die geistliche Disziplin wiederherzustellen, ohne für den Dreibund oder den Zweibund Partei zu ergreifen. Sarto habe nach vielen Bitten die Wahl angenommen.
Vom Regen in die Traufe. Die rächende Hand der Nemesis offenbort sich in dem Schicksale eines Münchener Weinwirts Glaser, der vor 4 Monaten unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast und seiner Frau nach Amerika flüchtete, wo er früher längere Zeit gelebt hatte. Wie jetzt von Newyork gemeldet wird, wurde Glaser sofort beim Betreten des amerikanischen Bodens verhaftet wegen Vigamie und Ermordung seiner ersten Frau zum Tode verurteilt und ist nunmehr hingerichtet worden.
*[ Einen musikalischen Pferdebahnwagen] gibt es Paris auf der Strecke von der Rue Taitbout nach Nouette. Um sich die langweilige Fahrt etwas amüs zu gestalten, ist der Kutscher auf die Idee gekommen, der flangvollen Warnungsglocke wie auf einem Glockens allerlei bekannte Melodien zu spielen. Er hat es darin reits zu einer bewundernswerten Fertigkeit gebracht schlägt an Straßenkreuzungen, bei Verkehrsstockungen u an Haltestellen so geschickt auf die Glocke, daß Musikken die Melodien, die er spielt, sofort erkennen.
Ein Liebesdrama hat sich im Ostseebade Heubude bei Danzig abgespielt. Der 22 jährige Oberprimener Walter Pawlikowski aus Danzig unterhielt mit der 21 jährigen Wanda Thiel, der Nichte des Inhabers des dortigen Surhauses, Manteuffel, ein Liebesverhältnis, das jedoch die Billigung der Eltern des Jünglings nicht fand. Nach einer Unterredung mit seiner Geliebten zog Pawlikowski im Walde unweit der Strandhallen plöglich einen Revolver und brachte dem Windchen eine schwere Verlegung an der linken Bruſtseite bei. Hierauf tötete er sich durch einen Schuß in die Schläfe. Fräulein Thiel erwachte nach einer halben Stunde aus ihrer Ohnmacht und schleppte sich bis zur nuyen Strandhalle. Sie wurde nach dem städtischen Vazarect in Danzig gebracht, wo sie hoffnungslos darniederliegt.
Mittlerweile haben sich die Gerüchte von einer Annäherung des Papstes an die italienische Regierung als pure Kombinationen herausgestellt. Ministerpräsident Zanardelli richtete an die Präfekten nachfolgendes Telegramm:„ Der neue Papst hat uns seine Wahl nicht mitgeteilt; ich benachrichtige Sie daher, daß die Staatsbeamten an den kirchlichen Feiern, die aus dem Anlasse dieser Wahl stattfinden werden, nicht teilnehmen können." Diese Haltung des neuen Papstes war ebenso wie die der italienischen Regierung klar vorauszusehen. Pius X. wird und kann nicht von der Politik seiner Vorgänger in der Romfrage abweichen. Ge ist deshalb eine müßige Erfindung, wenn jetzt erzählt wird, daß er die Absicht gehabt habe, den Segen von der äußeren Loggia zu erteilen, und daß nur das Einschreiten des Nonklavesekretärs Merry del Val ihn davon zurückgehalten habe. Daß er aber sonst, soweit es irgend angeht, jeden Zusammenstoß mit den Leitern des italienischen Staates vermeiden wird, liegt auf der Hand.
Der Rächer seiner Ehre. In Barletta traf der reiche Gutsbesitzer Antonio Lamacchia bei einer unerwarteten Heimfehr seine junge Frau in den Armen seines 24jährigen Bruders Ruggiero. Lamacchia zog einen Revolver aus der Tasche und feuerte gegen den Bruder und die untreue Gattin fünf Schüsse ab. Ruggiero war auf der Stelle tot; die Frau ist lebensgefährlich verwundet. Der Mörder stellte sich freiwillig der Behörde.
[ Die Husaren des Kardinals Vaßary.] Die verschnün Livree der Lakaien des Primas von Ungarn, Karding Vaßary, hat das römische Giornale d'Italia", das wa rend des Konklave sich durch allerlei Tatarennachrichten au zeichnete, zu folgender wundersamen Entdeckung veranla Kardinal Bazary unterhalte aus den Einfünften seines G bistums Gran ein Husarenregiment, dessen Ehreninhab er sei. Daraus erkläre sich auch, warum die Lafaien d Kardinals Husarenuniform tragen.
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[ Wie die Engländer Dewet entwaffneten.] Was da britischen Truppen im Kriege nicht gelungen ist, ihren ge fährlichsten Gegner Dewet zu entwaffnen, das hat jezt di Verwaltung des Bezirks Vredefort fertig gebracht. Christian Dewet hatte es unterlassen, seinen Waffenschein zur red ten Zeit zu erneuern, und weigerte sich auch, als er vo Polizeihauptmann daran erinnert wurde, die vorgeschrie bene Formalität zu erfüllen. Daraufhin wurde ihm sein Gewehr abgenommen, und der tapfere General wurde zum erstenmal in seinem Leben von den Engländern entwaffnet Ob es flug gewesen ist, den Löwen so unnötig zu reizen wird sich ja zeigen.
Das Goldfieber zieht jetzt Scharen von Abenteurern nach dem neuen Goldlande bei Dawson City. Speziell iſt es die Gegend des Pelly- Flusses, in die sich der Strom der Goldhungrigen ergießt. Dort hat nach Mitteilung eines englischen Blattes der Entdecker des Goldfeldes bei Klondyke jetzt einen reichen Goldfund gemacht. Die vorhandenen Goldmengen scheinen bedeutender zu sein, als bei Klondyke. Wie demselben Blatt weiter aus Viktoria( Britisch- Columbia) gemeldet wird, wurden in der Nähe von Port Simpson, der beabsichtigten Endstation der neuen Grand Trunk PacificEisenbahn, große Kohlenlager entdeckt.
Inzwischen hat sich über die politische Haltung, die der neue Papst einzunehmen gedenkt, auch der deutsche Kardinal Kopp ausgesprochen. Er telegraphierte dem Berliner Vertreter eines amerikanischen Blattes auf dessen Anfrage, wie sich Papst Pius X. gegen Deutschland und Italien verhalten werde:„ Gegen Deutschland freundlich, friedlich. Gegen Jialien zurückhaltend, schonend, nicht reizend." Diese Aus. lassung des Kardinals stimmt mit unseren Darlegungen von Grund aus überein. Kardinal Kopp hat übrigens, wenn man französischen Zeitungen glauben darf, ein gut Teil dazu beigetragen, daß die Kandidatur Rampollas, der Frankreichs Favorit war, nicht reussierte. Kardinal Kopp habe in: Verein mit den österreichischen Kardinälen gegen Rampolla gewirkt. Die französische Diplomatie habe ihre Karten zu früh aufgedeckt und die stille emsige Arbeit Kopps unterschätzt. Jetzt hofft man in Paris auf einen franzosenfreundlichen Staatssekretär. Der in Aussicht genommene Kardinal Ferrata ist der Regierung wegen seiner antirepublikanischen Tendenzen nicht angenehm.
In Malaga kam es zu Ruhestörungen vor einem Privathause, an dem ein Transparent mit der Inschrift„ Es lebe der Papstkönig!" angebracht war. Die Menge warf unter Hochrufen auf Stalien und Garibaldi und Schmährufen gegen den Papst die Fenster des Hauses ein. Der Präfekt beranlaßte die Beseitigung des Transparentes und ließ die Menge auseinandertreiben.
Hus dem Gerichtssaal.
A Einsturz einer italienischen Kathedrale. Zu Foligno stürzte der obere Teil der Fassade der dort im Bau begriffe nen Kathedrale ein. Vier Maurer sind getötet, einer ist schwer verletzt.
[ Die Titelsucht.] In einem Dresdener Blatte wurde dieser Tage eine furiose Bekanntmachung einer lokalen Be hörde veröffentlicht, kurios durch die sonderbaren Titel, die sie in einer großen Liste aufführt. Da steht zu lesen:„ Ho zahlamtsaufwärterehefrau",„ Edelmannstochter",„ Appella tionsgerichtskanzlistsehefrau", ,, Gartennahrungs- Auszüg Strohhutglattersehefrau", ,, Ratsholzsegerstochter" Porzellanfabrifgeschirrschrei berswitwe" und dergleichen mehr. So ein Titelchen, und inag es noch so klein sein, ist doch etwas schönes.
Gewaltsame Entführung aus einer Besserungsanstalt Aus dem Magdalenenstift bei Teltow, in dem erst kürzlic eine Empörung der dort in Zwangserziehung untergebrach ten minderjährigen Insassinnen stattfand, ist jetzt eine ge wisse Frieda Sitti nachts von drei Männern aus ihrer Zelle befreit worden. Die Sittl stieg in Hemde aus dem Fen jer und zog Kleider an, die ihr die Männer mitgebrachi hatten. Eine Wärterin, die hinzukant, wurde mit dem Tode bedroht, falls sie Lärm schlage. Die Sittl sollte in einem Prozek gegen den Landmesser Steldt und Genossen weger Sittlichkeit verbrechen an minderjährigen Mädchen als Hautzengin vernommen werden. Von der Entflohenen fehlt bisher jede Spur.
§ Zu dem Prozeß um die Erbschaft der Königin der Be gier, der bekanntlich zur Zeit das Brüsseler Gericht beschäf ligt, wird aus Wien ein interessanter Zwischenfall gemel. det. Der Brüsseler Staatsanwalt hatte durch das belgische Ministerium des Aeußern Vorladungen für den Grafen und die Gräfin Lonyay auf diplomatischem Wege ergehen lassen. Die österreichisch- ungarische Diplomatie verweigerte jedoch die Weitergabe des Schriftstückes an die Gräfin, weil dieselbe mit„ königliche Hoheit" betitelt wird, und retounierte das Schriftstück an den Brüsseler Staatsanwalt, der es seiner. seits den Anwälten der Kläger zurückstellte.
§ Eine Haftentlassungs- Kaution von einer Million Mark stellte der Finanzier Whitaker Wright, der, wie gemeldet, nach Auslieferung von seiten der Newyorker Behörden sich oor dem Londoner Gericht zu verantworten hat. Die Anflage lautet auf Fälschung der Bilanz der London and Globe Finance Corporation. Die Kaution wurde angenom men und der Angeklagte auf freiem Fuß belassen.
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[ Hochzeitszug im Automobil.] In Florenz fand die Heirat von Fräulein Gemma Alberti, der Tochter eines Automobilfabrikanten, mit dem Fabrikbesitzer Benzi statt. Die Hochzeitsgesellschaft fuhr in 12 prächtigen Automobilen zur Kirche und zum Standesamt und autelte nach den beiden Ceremonien zu den Cascinen, dem Florenzer Korso, wobci einige Schnelligkeitsrekorde gefahren wurden.
Toppelmordversuch und Selbstmord. Der Dentist Tha in Altenburg feuerte infolge geschäftlicher Differenzen au seinen Assistenten und dessen junge Frau mehrere Revolver schüsse ab, wodurch beide lebensgefährlich verlegt wurden Dann ergriff Thal die Flucht, erschoß sich aber bald darau selbst, ehe er verhaftet werden konnte. Die junge Frau is inzwischen an ihren schweren Wunden gestorben, am Anfkom men des Assistenten wird gezweifelt.
§ Im österreichischen Spionageprozeß Offolinski wurde der Angeklagte der versuchten Verleitung zur Spionage für schul. dig erklärt und zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt.
Nab und Fern.
[ Ein Luftballon als Pfandobjekt.] Am Schalter des großen Leihhauses zu Paris erschien zum Erstaunen des diensttuenden Beamten ein elegant gefleideter Herr, der sich; als den bekannten Luftschiffer Santos Dumont vorstellte. Er sei in großer Verlegenheit und wolle seinen Ballon Nr. 9 versetzen, den er draußen auf der Straße gelassen habe. Der Beamte erhob sich, um seine Vorgesezteit und Kollegen von dem„ Ereignis" in Kenntnis zu setzen, da flüsterte der Fremde ihm ins Ohr: In der Gondel meines Ballons sitzt der König von England! Er will aber unerfannt bleiben. Fragt ihn nicht nach seinem Namen und jeid verschwiegen, ein gutes Trinkgeld ist euch sicher!" Nun erst erkannte der Beamte, daß er es mit einem Fersinnigen zu tun habe, und veranlaßte seine Festnahme.
Der französische Justizminister Zeuge im Humbert prozeß. Aus Paris kommt eine überraschende Meldung Therese Humbert hat für ihren morgen beginnenden Prozeß den Justizminister Vallé als Zeugen vorladen lassen Man zweifelt allerdings, ob er erscheinen wird. Thereses Anhänger behaupten, die Ladung Vallés sei ein neues Zeichen dafür, daß die Angeklagte intime Beziehungen zu Mitgliedern der Regierung unterhalten habe, andere wie der erblicken darin nur einen schlechten, boshaften Wit.
† Die Heidelberger Universitätsfeier hat mit einer Begrüßung der Festgäste und der ilniversität in der Stadthalle, sowie mit einem Jackelzug vor dem Großherzog von Baden ihren Anfang genommen und in einem Festakt in der Aula ihren offziellen Höhepunkt erreicht. Jetzt aber folgen erst die eigentlichen Festtage für die große Masse der Teilnehmer. Stiftungsfest folgt auf Stiftungsfest. Dann winft der große allgemeine Kommers und endlich die Beleuchtung der Schloßruine, ohne die ein richtiges Heidelberger Studentenfest nicht denkbar ist. Die Stadt ist prächtig geschmückt.
Bunte Chronik. Bei der Einfahrt in den Bahnho Lichtenfels entgleisten die Maschine und mehrere Wagen de: Würzburger Schnellzuges. Mehrere Personen wurden leich verletzt.
In Höckelheim bei Göttingen wurde der Dekonom Menshausen und seine 16jährige Nichte wegen Ermordung ihres gemeinsamen Kindes verhaftet.
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*[ Wie man billig nach Berlin reist.] Zwei Studenten aus New Castle in Schottland sind eine Wette eingegangen, ohne im Besik von Geldmitteln zu sein, über Paris nach Berlin zu reisen. Sie nehmen einen Leierfasten mit und wollen sich ihre Reisespesen als Drehorgelspieler verdienen. Sie sind vor acht Tagen in Leeds eingetroffen und hoffen ihre Wette zu gewinnen, da ihnen Geldmittel reich. lich zufließen. So nahmen sie z. B. in Harrogote binnen wenigen Minuten 5 Pfund Sterling ein. Die Reise muß svätestens bis zum 1. Oktober zurückgelegt sein. Außerdem haben die Studenten die Verpflichtung übernommen, in jeder Woche die Einnahme eines Tages zu wohltätigen Zwecken herzugeben.
-In Stoppenberg bei Effen feuerte ein junger Beamter auf die Tochter eines Steiger mehrere Revolverschüsse ab und verletzte sie schwer; sodann erschoß er sich.
-Bei der Abreise der ausgewiesenen Klosterschwestern von Isfarlés( französisches Departement Ardennen) stürzte ein Wagen mit zwei Nonnen in eine Schlucht. Die eine Nonne ist tot, die andere lebensgefährlich verletzt.
O Der Schwindel mit Doktordiplomen wird zur Zeit wieder eifrig betrieben. Speziell aus Wien suchen die Herren Professor Dr. Komzat und Eugen von Jenstein solche, die nicht alle werden, indem sie Leuten, die nicht studiert haben, die Doktorwürde einer deutschen Universität versprechen, wenn nur ordentlich für das Diplom bezahlt wird. Die Schwindler behaupten, amerikanische Doktordiplome gegen teures Geld verschaffen und diese nachher an einer deutschen Universität ,, nostrifizieren" lassen zu können. Da zu befürchten ist, daß titelhungrige Gimpel den beiden Gaunern auf den Leim gehen, so sei ausdrücklich bemerkt, daß von einer Anerkennuna
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LC. Alle Planeten gleichzeitig sichtbar. Zur Zeit ist der jeltene Zustand eingetreten, daß alle fünf dem unbewaffneten Auge sichtbaren Hauptplaneten im Laufe von wenigen Abendstunden über unseren Horizont erblickt werden kön nen. Die Venus, die gleich nach Sonnenuntergang ini Südwesten aus der Dämmerung hervortritt, kann jetzt, da sie am 13. August ihren größten Glanz erreicht, auch bei Tage gesehen werden, wenn man links von der Sonne und etwa: tiefer als diese nach ihr sucht und dabei das Auge vor direktem Sonnenlicht schützt. Mit diesem Umstande steht eine Meldung aus Portugal in Zusammenhang, daß die abergläubische Bevölkerung in dem bei Tage sichtbaren Stern die gen Himmel fahrende Seele Leos XIII. zu sehen vermeinte. Im Westen ist sichtbar der Planet Mars, der, links von dem Hauptstern Spica der Jungfrau, nach linke auf das Sternbild der Wage zusteuert und an seinem roten Licht leicht erkannt wird. Zu diesen beiden kommt mun in dem Abendhimmel der raschwandernde Merkur, der recht oon Venus steht etwa in gleicher Höhe, ebenso weiß wie diese, nur viel schwächer. Er ist namentlich am 8. August leicht zu finden, wo er dicht bei dem Hauptstern Regulus des gro Ben Löwen, und zwar über diesem steht. Merkur eilt dann mit großer Geschwindigkeit auf Venus zu, kommt aber in größere Höhen und überholt sie am 28. August, doch gehen dann beide Gestirne schon zu früh unter. Wenden wir nun unseren Blick von Südwesten mehr nach Südosten, so fin den wir dort ebenfalls von Beginn der Dunkelheit an Saturn, der im Sternbilde des Steinbocks ziemlich in der Verlängerung der Linie der beiden Hauptsterne dieser Konstellation nach unten im ruhigen Lichte eines gewöhnlichen Sternes erster Größe leuchtet. Und warten wir bis fur: nach 9 Uhr, so steigt der strahlende Jupiter, unverkennbar an seinem Glanze, der nur der im Westen versinkenden Venus nachsieht, im Ostsiidosten empor an der Grenze der hier unbedeutenden Sternbilder des Wassermanns und der Fische. Der Mond steht am 7. August über Saturn, am 11. über Jupiter. Für ganz scharfe Augen sei bemerkt, daß auch der sechste der Hauptplaneten, Uranus, links unterhalb Mars zu finden ist. Er steht in der Helligkeit eines Sternes sechster Größe links von der Verbindungslinie der Sterne Xi und Theta des Schlangenträgers.
[ Ingwerbier- Extraft"] heißt die neueste Erscheimung auf dem Gebiete der Anti- Alkoholbewegung Ertrafi ist dick kondensiert, hat eine braune Farbe und er.. möglicht, ein Glas Wasser durch einige Tropfen in ein braunes, schäumendes, äußerlich vom Gerstensaft nicht zu unterscheidendes Erfrischungsgetränk umzuwandeln. Die Antialkoholiker scheinen es für nötig zu halten, den zu bekehrenden Bierfreunden durch eine gewisse Aehnlichkeit der neuartigen Getränke mit dem geliebten Stoff die Entsagung leichter zu machen.
[ Gin unsolides" Dorf] hat ein deutscher Tourist in Irland entdeckt. Die Bezeichnung unsolide" verdienen aber nicht die Einwohner, ehrsame Fischersleute, sondern deren 17 Häuser, die sämtlich aus Schiffsrümpfen gestran deter Schiffe bestehen; eins stammt schon aus dem Jahre 1740. Außer diesen primitiven Behausungen gibt es noch eine stabilere, die des Pfarrers. Sie ist aus Holzbalken gebaut, welche die See angeschwemmt hat. Desgleichen sind die Zäune der Kartoffelfelder aus Holz hergestellt, die eben falls das Meer ausgeworfen hat. Es ist nicht selten, daß man Schweinetröge und Stallgeräte jieht, die aus den fein sten überseeischen Edelhölzern hergestellt sind.
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