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Dof und Gesellschaft.

*** König Georg von Sachsen ist nach seiner Hauptstadt zurückgekehrt. Auf dem Bahnhof wurde er von den Epißen der Behörden und dem Festausschuß em­pfangen und nach dem Königspavillon geleitet, wo das Dresdener à- capella Damenquartett den König mit einem Vortrage begrüßte. Die Dvationen tausender von Frauen und Mädchen, die auf dem Platz vor dem Bahnhof Aufstellung genommen hatten, rührten den König sicht­lich. Unter Glockengeläut fuhr der König, von Garde­reitern esfortiert, durch die Prager Straße nach dem Altmarkt, von endlosem Jubel des Publikums begrüßt. Am Altmarkt entbot der Bürgermeister Beutler den Will­tommengruß und eine nach Hunderten zählende Sänger­schar trug einen Begrüßungshymnus vor. Für alle Hul­bigungen dankte der Monarch tief gerührt.

Ein bairisch- preufsifches Konflikts­Märchen.

( Von unserem ständigen CB. Mitarbeiter.) Eine Tartarenmeldung von einem ,, bairisch- preußi schen Konflikt von noch nie dagewesener Schärfe" macht Durch die deutsche Presse die Runde. Ein Nürnberger Blatt brachte dieser Tage folgende Meldung:

,, Der neue Ministerpräsident hat Mut gezeigt und als erste große Amtstat in Berlin die seit dem Versailler Vertrag unausgeführt gebliebene Rechtssicherung Bai­erns beantragt: den damals zugesprochenen und reichs­verfassungsgemäß geschüßten diplomatischen Ausschuß im Bundesrat unter dem Borsiz Baierns in ausführende Geltung zu bringen. Die kürzlich eingetroffene Ant­wort aus der Stadt der Oberherrlichkeit war in so la­pidarer Kürze der Abfertigung mit einem noch höheren ,, Niemals!" als abweisende Direktive behandelt, daß der allerhöchste bairische Herr bestürzt telegraphisch den be­urlaubten Herrn v. Podewils herbeirief."

Die sozialdemokratische Münchener Post griff diese Meldung, die in wischen schon von den zur bairischen Re­gierung Beziehungen unterhaltenden M. N. N. demen­tiert worden ist, begierig auf und versah sie außerdem noch mit schmückenden Zutaten. Das sozialdemokratische Dr­gan erklärte,

,, daß ein bairisch- preußischer Konflikt von einer nicht dagewesenen Schärfe bestehe und daß der Kaiser deshalb auf seiner Romreise München vermied. Der Kaiser habe den Bemühungen des Ministerpräsidenten v. Podewils es handelte sich sowohl um den Aus­schuß für auswärtige Angelegenheiten, wie um eine an­dere, die Stellung Baierns im Vorsize des Bundes­rats betreffende staatsrechtliche Frage ein ,, Niemals" entgegengesetzt."

Welcher Wert dieser Alarmmeldung beizulegen iſt, erhellt aus der Tatsache, daß der bayrische Ministerprä­sident einen Antrag wegen Ausführung der in§ 8 der Reichsverfassung vorgeschriebenen Bildung eines diplo matischen Ausschusses im Bundesrat nicht gestellt hat, weil er ihn nicht hat stellen können. Dieser Ausschluß besteht nämlich schon, und Bayern führt in ihm, genau Der Reichsverfassung gemäß, den Vorsiz; im Jahre 1900 hat der Ausschuß z. B. unter dem Vorsiz des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten v. Crailsheim getagt. Der jezige Ministerpräsident Frhr. v. Podewils hat einen sol­tchen Antrag also nicht stellen können, so hat der Kaiser auch keine Antwort auf einen solchen Antrag geben lönnen, geschweige denn die ihm in den Mund gelegte. Schließlich ist es auch nicht wahr, daß Frhr. v. Podewils seinen Urlaub unterbrochen habe.

Mit der Meldung des ,, Nürnb. Anz." sind wir also fertig. Bleibt noch die weitere Mitteilung der ,, Münch. Post über einen Konflikt wegen der Stellung Bayerns im Vorsitz des Bundesrats. Bayerns Stellung im Bun­besrat ist durch die Reichsverfassung genau festgelegt; insbesondere ist es bayrisches Reservatrecht, daß Bayern im Falle der Behinderung Preußens den Vorsitz bei den Bundesratsverhandlungen diesem Rechte nun hat Bayern, wenn Preußen in den Vorsitz behindert war, regelmäßig Gebrauch gemacht. Um dieses Recht Bayerns kann es sich also bei dem angeblichen Kon­flikte nicht handeln. Die Möglichkeit bliebe offen, daß Bayern eine Erweiterung seiner Rechte im Bundesrat angestrebt haben könnte. Das ist an sich nicht recht wahr­scheinlich. Noch unwahrscheinlicher aber wird die Mel­bung, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die ,, Mün­chener Post" sie mit zwei notorisch grundfalschen Nach­richten von der Ablehnung der Bildung des diplɔ­matischen Ausschusses und von der Urlaubsunterbrechung des Frhrn. v. Podewils-verkoppelt. Ist von den beiden so zuversichtlich vorgetragenen Meldungen die eine aus der Luft gegriffen, so ist der Schluß berechtigt, daß auch die andere es sei.

Was die Meldung vollends ins Reich der Fabel berweist, ist der Umstand, daß man in Berlin mit pein­lichster Sorgfalt bestrebt ist, alles zu vermeiden, was in Bayern Anstoß erregen könnte. Selbst wenn Bayern mit einem Antrage an Preußen herangetreten wäre, dem ber Kaiser nicht hätte willfahren können, wäre die Ant­wort nie in so brüsker Form erteilt worden, wie die erwähnten Blätter versichern. Es bleibt höchst bedauer­lich, daß es nördlich wie südlich des Mains Blätter gibt, die in mißverstandenem Landespatriotismus und mitun­ter auch aus unlauteren Beweggründen das vom dent­schen Standpunkte, vom Standpunkte des Reichspatriotis. mus verwerfliche Bemühen zeigen, Zwietracht zwischen die beiden mächtigsten Stämme zu säen.

Nab und fern.

Ein Geschent des Sultans an den deutschen Kronprinzen ist in Berlin eingetroffen. Es sind zwei prachtvolle arabische Bollbluthengste, die der Legende noch in driefter Linie von dem berühmten Lieblings­hengst des Propheten stammen. Um die edlen Pferde sicher an Ort und Stelle zu bringen, ist der Oberstleut­nant Ibrahim Halil Bey dem Transport beigegeben worden.

Bankraub am hellen Tage. Ein Aufsehen erregendes Verbrechen ist am bellen Tage in einem der belebtesten

Stadtteile von Neapel, nur wenige Schritte vom Börsen­gebäude entfernt, begangen worden. Das bekannte Bank­geschäft von Michele de Sanctis, in welchem sich in je­nem Augenblicke nur der Neffe des Inhabers, der zwan­zigjährige Gennaro Fedolins, befand, betraten drei Jn­dividuen, die einige Wertpapiere verkaufen wollten. Als Als eine Meinungsverschiedenheit ber den Tageskurs entstand, ging Fedolins in ein fleines Nebenzimmer, um den Kurszettel zu holen. Zu diesem Zwecke mußte er den Geldschrank öffnen; kaum hatte er das aber getan, als zwei Männer ihn zu Boden warfen, während einer ihm ein Messer mehreremal in die Brust stieß. Dann raubten sie 18 000 Lire in Banknoten, warfen die Tür des La­bens ins Schloß und ergriffen die Flucht. Eine Viertel­stunde später wurde Fedolins blutüberströmt und kaum noch röchelnd von einem Kunden im Laden gefunden.

::: Prinzessin und Heilkünstler". Prinzessin Luise bon Toskana, welche in der Villa Toskana bei Lindau bemnächst ihrer Entbindung entgegensieht, erhält seit einiger Zeit fast täglich Schreiben und Anerbietungen von angeblichen Heilkundigen und dergleichen, in de­nen der ,, unglücklichen Frau" allerlei Rat usw. erteilt wird. Unter andern traf lezzthin auch aus Innsbruc ein Brief ein, in welchem ein Heilkünstler" sich er­bot, die Prinzessin ,, durch Gebet und Handauflegen von ihrer Besessenheit zu heilen". Gleichzeitig kündigte der Biedermann mittels Telegramms sein persönliches Er­scheinen in der Villa Toskana an einem näher bestimm­ten Tage an. Die gegenwärtig in der Villa stationierte Gendarmerie fand jedoch keine Gelegenheit zum Ein­schreiten, denn der Heilfünstler blieb aus, da er ver­mutlich von den getroffenen Vorsichtsmaßregeln inzwi­schen Wind bekommen hatte.

* Die Stiftsoberin von Heusler geistesfrank? Die wegen Giftmordversuchs zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilte ehemalige Oberin Elise v. Heusler vom Kgl. Maximilian- Waisenstift in München, welche nach Ver­verfung ihrer Revision durch das Reichsgericht noch im Untersuchungsgefängnis interniert war, ist zur Beobach­tung ihres Geisteszustandes nach der Angersconfeste übergefährt worden, nachdem sich in der letzten Zeit Anzeichen von geistiger Störung bei ihr bemerkbar ge­macht hatten.

) Ein vergifteter Dolch gestohlen. Aus der Herzog Alfred- Sammlung auf der Wachsenburg ist dieser Tage ein wertvoller Dolch gestohlen worden, der ohne Scheide, leicht erreichbar, an der Wand hing. Die Klinge der Waffe ist 24 Zentimeter lang und am Griff 3 Zentimeter breit; der Griff ist mit buntem Leder kunstvoll überz­gen. Die Klinge ist stark vergiftet, sodaß schon die leich­teste Verwundung durch sie eine sofortige Blutvergif­tung herbeiführen kann. Von dem Täter fehlt jede Spur. Zu verwundern ist nur, daß man eine solche gefährliche Waffe an der Wand befestigt, wo sie von den Besuchern der Sammlung ohne besondere Schwierigkeit erreicht werden kann.

()[ Der Kuß aus der Mode.] Das Küssen ist unmodern und zu einer Gewohnheit entartet, die nur noch von ,, Liebenden, kleinen Kindern und anderen Individuen mit unentwickeltem oder unbedeutendem Intelleft" ge­libt wird. Diese Behauptung stellt der ,, Family Doktor" auf, und er sagt weiter, daß in der englischen Gesell­schaft eine Frau nicht zweimal in der Saison gefüßt wird. Wenn Frauen zusammenkommen, so küssen sie sich nie auf die Lippen, sondern drücken einen ,, Anflug von Kuß" auf Kinn, Wangen, Etirn, Augenlider oder Haare. Dieselbe Zeitschrift berichtet, wie die amerikanischen Stu­bentinnen ,, nach hygieinischem Grundsaz" füssen. Im Smith College, Northampton ,,, tüssen sie auf der schrä­gen Linie, die von der linken Ecke des Mundes ausgeht". In Vassar zieht man das Kinn vor, und die älteren Studentinnen von Wesloh ,, drücken ihre Küsse möglichst hoch im Gesicht, fast unter den Augenwimpern auf."

:::[ Ein Konservatorium für Schiffsmusik. Wie aus London berichtet wird, hat die englische Admiralität beschlossen, ein Konservatorium für Schiffsmusik zu grün­den, das bestimmt ist, Musiker für die Kapellen der Marine auszubilden. Bis jetzt waren die Kapellen an Bord der englischen Kriegsschiffe ausschließlich aus frem­den Musikern, darunter vielen deutschen, gebildet. Man will nun die Wahrnehmung gemacht haben, daß sich fremde Offiziere unter falschen Angaben haben einstel­len lassen, um die Dinge an Bord auszuspionieren. So sollen viele Geheimnisse verraten worden sein. Na, na!

::: Toskanisches Blut. Joseph Ferdinand von To3­kana, der jüngere Bruder des jezigen Leopold Wölfling, der seit zwei Jahren als Major im Kaiserregiment zu Salzburg in Garnison stand, ist, allerdings unter Be­förderung zum Oberstleutnant, nach Laibach strafver­setzt worden. Der Erzherzog soll sich beim österreichischen Hofe mißliebig gemacht haben, weil er ostentativ jeden Verkehr mit den adligen Kreisen Salzburgs mied und z. B. an dem Tage, als das sogenannte Adelspicknick ab­gehalten wurde, einen bürgerlichen Ressourceball besucht habe. Doch würde das selbstverständlich zu einer Straf­versetzung nicht genügt haben; man munkelt aber, daß er, ähnlich wie sein Bruder, ein seinen Verwandten nicht genehmes Liebesverhältnis angeknüpft habe.

Bunte Chronik. Wie aus Zürich gemeldet wird, ist bie implonstraße durch meterhoch liegende Schneemas sen für jeden Verkehr gesperrt, die telegraphische Ver­bindung ist unterbrochen. Durch eine Lawine wurde eine 80jährige Frau mit ihren beiden Enkelkindern ge­tötet.

- Der erste Bürgermeister von Eisenach Dr. Georg 3. Jawson wurde von der dortigen Strafkammer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er Prostituierte und Gelegenheitsmacherinnen gegen seine eigene Beam­amten in Schutz nahm und die Strafanträge unberück sichtigt ließ.

Das Gnadengesuch des früheren Direktors der Leipziger Bank Dr. Genzsch wurde vom sächsischen Juſtiz­ministerium abgelehnt.

-In Paris wurde die geschiedene Gattin eines fran­zösischen Stabsoffiziers in dem genblick verhaftet, ala sie einem arbeitslosen Dachdeck als voraus beduge­nen Lohn für die Ermordung ihrer Tochter aus erster The hundert Frank übergab. Der Dachdecker hatte vor­her die Polizei benachrichtigt. Die Tochter soll mit ih cem Stiefvater ein Liebesverhältnis unterhalten hab.n.

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Giessener Cagesneuigkeiten.

Gießen, am 5. Mai 1903. * Jm Wahlkreis Bingen Alzey haben die National. liberalen, der Bund der Landwirte und die Antisemiten den hiesigen Rechtsanwalt Claß gemeinschaftlich als Reichs­tagefandidaten aufgestellt.

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war am Samstag in Berlin von 217 Parteigenossen besucht. Der Wahlaufruf wurde mit allen gegen 2 Stimmen ange­nommen. Gegen den ersten Entwurf wurde die Forderung der Soz alreform noch mehr betont.

** Die Nationalliberalen Berlins haben ein stimmig beschlossen, feine eigenen Kandidaten aufzustellen, sondern in der Reichshauptstadt gleich im ersten Wahlgang für die Kandidaten der freisinnigen Volkspartei zu stimmen.

** Die freisinnige Voltspartei verzichtet auf einen allgemeinen Wahlaufruf, da ihre Grundsätze bekannt seien. Die den lokalen Bedürfnissen angepaßten Aufrufe in den einzelnen Kreisen genügten für den Wahlkampf.

** Ein konservativer Arbeiter ist von der dies­jährigen Wahlbewegung als Kandidat gezeitigt worden: im 19. sächsischen Wahlkreise wird der Bergarbeiter Eduard Hänel von den Konservativen für den Reichstag aufgestellt.

Es wir Wahlen den bringen werde legten Wahlen bie fozialdemo nod night red obachtung find iemlich weite bie tonfer Bartei die ftimmen, zu fein. Mar Erfolg zieml bag revolutio wonnen hätt ftänden gegen

Eine sehr wichtige Entscheidung über die Durchsicht der Wählerlisten hat das Oberverwaltungs. gericht gefällt. Es hat darin erkannt: Ist den Wählern, welche die Liste einsehen wollten, dies nur bezüglich ihres eigenen Namens gestattet und ihnen jede weitere Einsicht ab. gelehnt worden, so ist ein Verfahren beachtet worden, das die Zwecke, die mit der Offenlegung der Liste verbunden sind, vereitelt; auch ist es nicht gestattet, im Hinblick auf die Bestimmungen dr Steuergesetze die Offenlegung der Liste zu verfümmern. Das Recht auf Kenntnißnahme von dem Inhalte der Liste der stimmfähigen Bürger hat durch die auf die Geheimhaltung der Verhältnisse der Steuerpflich tigen abzielenden Vorschriften des Einkommensteuergesezes feine Einschränkung erfahren. Ein Verfahren, das die Ein­sichtnahme der Liste in unzulässiger Weise einschränkt, hat die Ungiltigkeit der Wahlen zur Folge. Hiernach darf also jeder Wähler beanspruchen, daß ihm die Wählerlisten vollständig zur Einsicht offen stehen, und daß ihm nicht nut gestattet wird, seinen eigenen Namen in den Listen zu suchen. Natürlich bedeutet dies die Vernichtung des Steuerge heimnisses.

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Die Tagesordnung für die nächste Sigung der Stadtverordneten, die Donnerstag den 7. Mai 1903, nach mittags 4 Uhr stattfindet, ist folgende: 1. Gesuch des Gustav Stalißty dahier um Erlaubnis zur Benutzung des Bürger­steigs in der Plockstraße. 2. Baugesuch des Wilhelm Hammel für die Bleichstraße 7; hier: Dispens. 3. Ge such der Deutsch- Amerikanischen Petroleumgesellschaft zu Hamburg um Erlaubnis zur Aufführung eines Petroleum­lagers an der Frankfurterstraße; hier: Dispens. 4. Bau­gesuch der Firma J. Rosenthal& Cie. in Wetzlar für den Hohleichweg dahier. 5. Baugesuch des Karl Leib für die Kirchstraße 2; hier Dispens.- 6. Baugesuch des W. Löber junior für die Wallthorstraße; hier: Dispens. 7. Bau. g such des Joh. g. Pfaff für den Schiffenbergerweg. 8. Baugesuch des J. Schreiner für die Dammstraße 30. 9. Verlegung des Stadtringgrabens von der Steinstraße bis zum Wauthor in die Nordanlage. 10. Beschaffung von Schläuchen für die freiwillige Feuerwehr. 11. Die Ber pachtung der Gemeindejagd; hier U bertragung des Pachts verhältnisses von Karl Buderus auf Dr. Erich Jung. 12. Ersatzanspruch des V. Treppinger, infolge der Sielbaus arbeiten in der Wetsteingasse. 13. Erlaß einer Friedhofs­ordnung. 14. Polizeiverordnung zur Friedhofsordnung. 15. Gebührenordnung für die Friedhöfe. 16. Gesuch der Hebamme Gürtler um Erlaubnis zum Betriebe einer Privat­entbindungsanstalt dahier.- 17. Pläne für den Neubau der höheren und erweiterten Mädchenschule.- 18. Gesuch des Karl Buschmann um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Liebigstraße 3.- 19. Desgleichen d. Robert Meuser im Hause Wallthorstraße 35. 20. Desgleichen des Robert Luckenwald im Hause Seltersweg 31. 21. Prüfung der Rechnung und des Verwaltungsberichts für 1901/02.

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** Lieber gegen die Agrarier, als gegen die Sozial­demokraten. Darüber schreibt Professor Delbrüd in dem Maiheft der" Preuß. Jahrbücher" gegen den Bund der Landwirte, und wir geben das Referat hier wieder, weil es auch ein gewisses Interesse für unseren Wahlkreis Gießen­Grünberg Nidda hat, ohne selbst Stellung dazu zu nehmen. Delbrück sagt:

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Sollte der Bund bei diesen Wahlen wirklich einen großen Erfolg davontragen, so wäre das das größte Un­glück, was Deutschland parlamentarisch überhaupt treffen fönnte. Die fonservative Partei wäre definitiv zerstört. Die neueAgrarpartei würde an Engherzigkeit, Bildungsfeind­lichkeit, reaktionärer Gesinnung im schlimmsten Sinne des Wortes alles übertr ffen, was wir darin je an einer Partei in Deutschland erlebt haben, höchstens vielleicht mit dem bayes rischen Bauernbund darin rivalisiren. Sie würde suchen, Handel und Industrie in Fesseln zu schlagen, und sie würde vor Allem das deutsche Reich aus seiner Großmachtstellung und aus der Weltpolitik wieder auf das Niveau einer europä ischen Mittelmacht herabdrücken. Alle anderen Stände, Klassen und Berufsarten in Deutschland, die gesamte städtische Bevölkerung, das Beamtentum, die Bildung, das Gewerbe haben das gemeinsame Interesse, sich diesem Ansturm ent­gegenzustellen. Ja schließlich hat das größte Interesse daran die Landwirtschaft selbst, da ja an eine wirkliche Durch führung jener Bauernpolitit niemals zu denken ist, sondern der Erfolg nur sein fönnte, daß nach einer heftigen Krifis die agrarische Demagogie niedergeschlagen und die Landwirt schaft auch aus ihrem legitimen Votum bei der Regierung herausgeworfen und der pfleghaften Behandlung, die ihr bisher zu Teil geworden, verlustig gehen würde. Die einzig wahren Interessenten an einem Siege des Bundes der Landwirte

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müßte man im Reichstag würden, aber gefährden. Diefe 2 in tonfervati Der

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