Ausgabe 
4.7.1903 Erstes Blatt
 
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2. Vorstandswahl.

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Nr. 154.

Zweites Blatt.

Wonnementprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Bfg., We Saus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertel fährlich Mr. 1.50.

Grattobellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbefftiche Beitschrift für Landwirtschaft, Sbft- und Jetonban, fowie bie Clehener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt cridheit an allen Werktagen nadmitage.

Samstag, den 4. Juli 1903

Gießener

12. Jahrgang

Insertion pret 8 Die einfaltige Bettzelle fr Gießen t ganz Oberheffen, die Kreise Wehlar und Marburg 10 Bf. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Betttgeile 30 resp. 40 94.

Postzeitungsliste Mo. 3900.

Rebattion und Expedition: Gießen Regenweg 28. Ferusprechanlaf A.

Neuelle Nachrichten

( ichener Tageblatt)

Anabhängige Tageszettung

( Sießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

Hus dem Gerichtsfaal.

§ Im Pommernbank- Prozeß scheinen sich die Verhandlun­gen, je endloser sie sich hinziehen, um so interessanter_ge­stalten zu sollen. Nach den Enthüllungen über die Käuf­lichkeit gewisser Elemente in der Berliner Presse und den Verlesungen der Dresselschen Menus folgte jeßt ein erregter Streit zwischen dem Verteidiger Sello und dem Sachverstän­bigen Geh. Rat Hecht, der die Taymethode des von der Pom­mernbank bei ihren Grundstücksschätzungen hinzugezogenen Tagators Haertel grundfalsch nannte. Es kam in der De­batte zwischen beiden Herren zu heftigen persönlichen An­griffen. Schließlich erklärte Dr. Sello, er habe hervor­heben ivollen, daß gerade die Methode des Geh. Rats Hecht zu den wilden Grundstücksspekulationen, unter denen manche Städte zu leiden haben, bei denen einzelne Bauspekulanten allein die Bauländereien an sich gebracht haben. Dies hat mir den für mich ehrenvollen Angriff des Sachverständigen zugezogen. Geh. Rat Hecht: Ich erkläre, daß es für mich nicht ehrenvoll ist, von Herrn Sello angegriffen zu werden. Ich ignoriere das.

§ Die Bromberger Streiferzesse. Nach zweitägiger Ver­handlung vor dem Bromberger Schwurgericht gegen die erste Gruppe der Teilnehmer an den Unruhen, welche aus Anlaß des Maurer- und Zimmererausstandes am 1. April dort statt­gefunden haben, wurden drei Angeklagte wegen schweren, fünf wegen einfachen Landfriedensbruches verurteilt, und zwar einer zu zwei Jahren Zuchthaus, einer zu zwei Jahren Gefängnis, je einer zu anderthalb, 1 Jahr, 9 und 4 Mo­naten, die anderen zu je 6 Monaten Gefängnis; einer wurde freigesprochen.

§ Störung einer Beerdigung. Vor der Mainzer Straf­fammer begann der Prozeß gegen 19 katholische Bewohner des Gaues Bickelheim, welche beschuldigt sind, eine von dem freireligiösen Prediger Freiherrn v. Zucco- Cuccagna voll­zogene Beerdigungsfeier durch Lärm, Tätlichkeiten, Bedro­hungen und Beschimpfungen gestört zu haben. Freiherr b. Zucco hat sich als Nebenkläger angeschlossen. Die An­geklagten bestreiten, sich strafbar gemacht zu haben.

Kleine Gerichts- Chronik. Das Leipziger Landgericht ver­urteilte eine aus sechs Personen bestehende Diebesbande wegen zahlreicher Diebstähle und Einbrüche zu Zuchthaus­trafen bis zu 3 Jahren.

Vermischtes.

A[ Der entthroute Panamahut.] Der eben erft von der launischen Königin Mode zu sich auf den Thron erhobene Ba­namahut, der, wenn echt, den Kredit des Trägers hebt, der

nächste Ziebung am 15. Juli cr.

Frisch

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Laut reichsgerichtl. Entscheid. vom 8. April 1895 für ganz Deutschland incl. aller Bundesstaaten gesetzl. erlaubte Serienlosgesellschaften besteh. aus je 100 Anteilen comb. in 24Ziehungen mit abwechs. Haupttreffer in Mark:

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aber häufiger unecht heuer der modischen Herren Häupter ztert, der am schönsten läßt, wenn er vorm Tragen einige Fußtritte und Borerstöße empfangen hat der Banamahut ist nicht mehr modern. Wer ultra- chic- o schönes Wort- sein will, trägt wieder den schlichten, geradlinigen Matrosenhut. Und was bringt ihm den Untergang? Die Nachahmung der echt so folossal teuren Kopfbedeckung in billigem Material. Das ist das Los des Schönen auf der Erde!"

[ Eine gepfefferte Zahnarzt- Rechnung.] Daß die Herren Zahnärzte ihre Kunst sich anständig bezahlen lassen, wird ihnen niemand verdenken. Gehört doch ihr Beruf zu einem der undankbarsten und schwersten, die es gibt. Aber schier un­geheuerlich ist die folgende Rechnung, die ein Breslauer Bahn­arzt für die Behandlung der Frau eines durchaus nicht be­mittelten Stellenbesizers aus dem Neumarkter Kreise auf­gestellt hat. Es stehen darin folgende, sowohl ihrer Höhe wie ihrer Zusammensetzung nach erstaunliche Posten: 4000 Mark für 200 kleinere Operationen( Ausmeißelungen), die zu je 20 Mark angesetzt worden sind, 990 Mark für 30 größere Operationen, 330 Mark für Kokain, 1000 Mark für Wein und Erfrischungen und 350 Mark für Behandlung. Das ist allerdings eine Art von Behand lung, die einen Zahnkranken, der nicht gerade überreich ist, gesund machen muß! Der Empfänger dieser Rechnung hat, von seinem zahnärztlichen Shylock hart bedrängt, bedauer­licherweise 1500 Mart bar bezahlt, ehe er sich entschloß, Hilfe gegen diese Prellerei anzurufen.

A[ Ein Riesenteppich.] Im Ethnographischen Museum zu Rotterdam ist jetzt ein Teppich ausgestellt, den der Schah von Persien zur Erinnerung an seinen lezten Aufenthalt in Hol­land der Königin Wilhelmina geschenkt hat. In den Teppich ist in persischer Sprache folgende Inschrift gewebt: Andenken S. M. Mozaffer- ed- din- Sc Kaiser von Persien, für J. M. Wilhelmina, Königin von Holland. Im Jahre der Hedschra 1320. Das Jahr der wunderbaren Geburt 1912." Der Teppich mit 66 Quadratmeter und enthält 250 000 Stiche auf den Quadratmeter, also 16 500 000 Stiche. Man hat drei ganze Jahre daran gearbeitet.

O[ Künstliche Augenbrauen und Wimpern] kann man jetzt für billiges Geld in England haben. Für 2,50 Mart ann sich jede Dame, die keine Augenbrauen hat, ein Paar ünstliche Brauen zulegen, die sich mit Leichtigkeit befestigen Lassen und mindestens einen Monat zu brauchen sind. Für 10 Marf bekommt man schon eine bessere Sorte Augenbrauen ind Wimpern, und zwar je zwei Paare, die man abwechselnd agen und mit denen man dafür garantiert der Er­inder gut und gern ein Jahr lang auskommen kann. Bei geringen Ausgaben dürfte selbst ein Harpagon nicht mit r künstlichen Wimper zucken.

Halte Sprechstunde ab.

Wochentags: 8 bis 5 Uhr. Sountags: 9 bis 2 Uhr.

Poliklinik: 1 bis 2 Uhr wochentags. Schwalm, Zahnarzt. Spezialist für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Gießen, Bahnhofftroke 63, an der Wieseckbrücke.

Nach Wieseck.

Für Ausflüge bringe hiermit meine Restauration mit Gartenwirtschaft nebst Kegelbahn in empfehlende Erinnerung. Schattiger Qarten.

Wegen Aufgabe 2des Geschäftes

5, vorm. 9

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Auctionator.

[ Gine eindringliche Wahlrede] hielt jüngst ein hoher Be amter von Manitoba in Canada vor seinen Wählern. Ich habe viel für Euch getan," sagte er, aber das alles war nur ein schwacher Abglanz der Dinge, die ich in Zukunft für Euch zu tun gedenke. Es hängt nur von Euch ab, mir die Mittel zur Verwirklichung neuer grandioser Projekte zu geben, die as goldene Zeitalter herbeiführen dürften. Aber wenn Ihr nich trotz all' der Wohltaten, mit denen ich Euch überschüttet, jabe, nicht wieder wählen solltet, so muß ich, mit Verzweif lung im Herzen, zu dem Schluß kommen, daß ich meine Perlen vor die Säue geworfen habe." Das nennt man iprechen!

Das Beste aus den Witblättern. Verechtigt. Gast: Vierzig Pfennig kostet die Wurst? Das ist unverschämt!" Wirt: Na, erlauben Sie' mal, die ist auch von einem dressierten Schwein, das zwanzig Jahre lang die ganze Welt in Bewunderung gesetzt hat!"

Im Eifer. Herr( zu einem Mitreisenden, der durc sein rücksichtsloses Gebahren sämtliche Insassen belästigt): Führen Sie sich doch anständig auf!... Und wenn Sie schon zweiter Klasse fahren, dann benehmen Sie sich aber auch wie ein Mensch zweiter Klasse!"

Harmlo 3. Das ist doch unerhört, Herr Bürger­meister! Ich hatte mit dem Ochsenwirt eine kleine Differenz - haut er mir da gleich ein paar' runter..." Ach, das dürfen Sie dem nicht übelnehmen der denkt sich weiter nichts dabei!"

- Das kommt davon! Fremder: Was ist denn hier für ein Auflauf?" Einheimischer: Unser Herr För ster hat heut Hochzeit; da wollen alle dabei sein sonst glaubts ihm keiner!"

-Ausrede. Baron( zu seinem neuen Reitknecht, den er schon öfters bei kleinen Diebereien erwischt hat): ,, Sic scheinen Mein und Dein oft zu verwechseln!" Reitknecht: Entschuldik, Herr Baron, ick versteh'n so wenit deutsche Sprak!" ( Fl. Bl.)

Nuzanwendung. Richter: Sie haben den Zant zwischen den beiden Ehegatten mit angehört, Zeuge, wel­chen Eindruck haben Sie dabei gewonnen?"- Zeuge: Daß ich meiner Lebtag nicht heirate, Herr Richter."

- Was ihn wundert. Bierhuber( zu dem schlecht einschenkenden Kellner): Mich wundert's, Karl, daß Sie vom Verein der Alkoholgegner noch nicht zum Ehrenmitgliede ernannt worden sind!"

Kompetent." Damen ertragen Schmerzen im allgemeinen weit besser, als Männer." Welcher Arzt jat Ihnen das gesagt?" Kein Arzt, ein Schuhmacher." ( Megg. S. Bl.)

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Georg Schwan, Messerschmied Gießen. Marktstraße.