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Die preussische Landtagsperiode.

CB. Als am Freitag der Präsident des preußischen Ab geordnetenhauses nach der Erledigung des Verwaltungs dienstgesetes dem Hause ankündigte, daß nachmittags um 4 Uhr der Landtag geschlossen werde, bezeichnete er dies ausdrücklich als eine freudige Mitteilung. Vereinzelte Bei fallsrufe bezeugten ihm, daß er das richtige Wort ge funden, und da auch das Publikum der Lektüre der end­los sich hinziehenden Verhandlungen müde geworden war so wird auch von diesem das Wort des Herrn von Ströcher nicht im geringsten beanstandet.

Von dem preußischen Abgeordnetenhause läßt sick nicht, wie vom Reichstage mit seinen beiden großen Vorlagen, dem Flotten- und Zolltarifgese, behaupten, daf er etwas Epochemachendes geschaffen habe. Die größte und bedeutungsvollste Vorlage, den Mittellandfanal, hat es abgelehnt, und es ist allen Darstellungen über diese Frage zum Troß mehr als fraglich, ob sie wiederkehren wird. Denn voraussichtlich wird sich an der Zusammen jebung des Hauses nichts ändern. Ist das aber der Fall bann wird nach der zunehmenden Verstimmung der Rech. ten infolge der Haltung der Regierung zur Frage der Bertragsfündigungen wahrscheinlich die Tonart eine schär fere werden, und die Ablehnung ist ebenso sicher wie vor her. Die gegen Schluß eingetretene Situation, die Ableh­nung der Verwaltungsdienstvorlage durch das Abgeord netenhaus und die Nichtbeachtung des Antrags auf Kün­bigung der Handelsverträge im Herrenhause, hat die seit­her bestandene entente cordiale zwischen der Rechten und ber Regierung ganz erheblich gestört.

Von den geschaffenen Gesezen ist die Warenhaussteuer besonders erwähnenswert, weil es die charakteristischen Merkmale der Mehrheit und von deren Mittelstandspoli tik zeigt. Das Hauptwerk aber war das Ostmarkengesetz, wobei sich im Landtage tatsächlich eine ungewöhnlich starte Mehrheit von der äußersten Rechten bis zu der national­liberalen Mittelpartei zusammenfand. Sehr entgegenkom. mend war das Haus in der Festsetzung der Provinzdota­tionen, was umso bemerkenswerter ist, weil hier die jün­geren westlichen Provinzen mit ihren reichen Erträgnissen hinter den Interessen der östlichen zurücktreten müssen. Aber es ist ein erfreuliches Zeichen für die innere Festig­keit der Monarchie, daß die westlichen Abgeordneten gern und willig für die Hebung der von der Natur weniger begünstigten Landesteile des Ostens die Opfer brachten. Die Aenderung des Gemeindewahlrechts ist nur in be­schränktem Sinne wichtig. Von großem sozialpolitischen Verständnis aber zeugte die Lex Adickes, eine Art Úm­legungsverfahren für städtische Grundstücke. Der Frank­furter Oberbürgermeister ist nämlich mit einer städtischen Baupolitik bahnbrechend vorgegangen, indem er entspre chend der Ausdehnung des städtischen Weichbildes die Stadtgrenzen durch Anbauung von Privatländereien vor­schob. Um aber die durch Einsichtslosigkeit oder Böswillig­feit von Privatbesizern möglichen Störungen dieser Po­litik zu verhüten, ist der Stadt Frankfurt für gewisse Fälle das Enteignungs- und Umlegerecht verliehen worden. Die ehemalige Krönungsstadt dient also als Probepfeil für eine städtische Baupolitik.

Eine verdienstvolle Arbeit, die den allgemeinen Bei­fall gefunden hat, leistete das Haus in der Regelung der Reliktenversorgung für die Volksschullehrer, in der Für­sorge für die Wohnung von staatlichen Arbeitern und Be­amten, sowie in dem Fürsorgeversicherungsgeset. Auch in dem Ausbau des Eisenbahnneßes bewies das Haus eine offene Hand. Alles in allem hat der preußische Land­tag eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet, ohne aber etwas Epochemachendes geschaffen zu haben.

Kunft und Wissenschaft.

RK. Die Eröffnung der Großzen Berliner Kunstaus stellung fand in Anwesenheit des Kultusministers Dr Studt im Landesausstellungspalast zu Moabit statt. Der Vorsitzende der Ausstellungskommission Professor Arthur Kampf wies in einer Ansprache an den Minister auf die er freuliche Tatsache hin, daß die deutsche Künstlerschaft die Ausstellung mit einer Reihe hervorragender Werke be schickt habe und außerdem als Gäste viele bedeutende Maler Amerikas und und Belgiens sich ein efunden hät ten. Nach einer kurzen Erwiderung und einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, den Schirmherrn der Künste, erklärte der Minister die Ausstellung für eröffnet.

Nab und Fern.

( 2) Amtliche Studienreise. Eine Abordnung des preußi­schen Handelsministeriums, bestehend aus dem Referen­ten für das gewerbliche Unterrichtswesen Geh. Oberregie­rungsrat Simon, dem Hilfsarbeiter, Oberlehrer Professor Hoette etc., befindet sich gegenwärtig auf einer Studien­reise in Böhmen; diese Reise hat den Zweck, die Einrich tungen gewerblicher österreichischer Lehranstalten aus eige ner Anschauung fennen zu lernen. Die Herren weilten die ser Tage in Reichenberg, wo sie die f. t. Staatsgewerbe­schule, die Handels- und Gewerbekammer, sowie das nord­böhmische Gewerbemuseum besichtigten. Von Reichenberg reiste die Abordnung nach Gablonz weiter, zwecks Besich tigung der dortigen Fachschule.

Ein schwerer Eisenbahnunfall trug sich auf dem Berliner Friedrichstraßenbahnhof zu. Auf dem dort hal­tenden Insterburger Personenzug fuhr ein Vorortszug nach Potsdam auf. Die beiden letzten Wagen des Per­sonenzuges wurden fast völlig zertrümmert, die folgen­ben vier Wagen mehr oder weniger stark beschädigt. Un­ter den Trümmern der letzten Wagen wurde ein Toter, ber Artist Hans Mühlfeith aus Köln hervorgezogen. Ihm waren Brust und Unterleib völlig zerquetscht. Fünf an bere Passagiere waren verletzt worden, doch konnten vier pon ihnen nach Anlegung eines Verbandes ihre Reise jortsetzen. Nur der Schauspieler Bracht mußte in die Universitätsklinik gebracht werden. Das Unglück hat der Bokomotivführer des Vorortszuges verschuldet, der das Signal Einfahrt gesperrt" übersehen hatte. Er ist sofort vom Dienste suspendiert worden.

(?) Einen vorwikigen Streich beging ein den besseren Ständen angehöriges junges Mädchen. Als Prinz Georg von Baiern seine vor einem Geschäftshause haltende Hof equipage besteigen wollte, sprang sie plöblich, während der Leibiäger das Coupee öffnete, in den Wagen und ver­

ließ denselben nicht, bis schließlich der Leibjäger Gewalt anwandte und das Mädchen an den Armen herauszog. Einem Schutzmann übergeben, erklärte die Sistierte, sich nur einen Scherz erlaubt zu haben. Der Vorfall, der be­greiflicherweise einen großen Menschenauflauf zur Folge hatte, wird für das vorwigige Mädchen noch ein unan genehmes Nachspiel vor Gericht haben.

(!) Verhaftete und verurteilte Rechtsanwälte. Der fürzlich wegen Betruges von der Strafkammer in Leipzig zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte Rechtsanwalt Bernhard ist gegen Hinterlegung einer Kaution von 15,000 Mark vorläufig aus der Haft entlassen worden. Die Verhaftung des Rechtsanwalts Dr. Werthauer in Leipzig ist, wie jetzt näher bekannt wird, unter dem Verdacht des Meineidez erfolgt, doch steht die Angelegenheit auch mit Wuchergeschäften in Verbindung, welche die mit ihm zugleich verhafteten Kaufleute Ossipowitsch Josefson und Alexander Strauß getrieben haben sollen. Dr. Werthauer befindet sich in den glänzendsten finanziellen Verhält­nissen.

(") Die Leichenhalle als Bergnügungslokal? Vor­gänge, ähnlich jenen, die kürzlich in Düsseldorf zur Ver­haftung eines inaktiven Offiziers und zum Tode einer Dame aus der dortigen guten Gesellschaft geführt ha­ben, sind dem Vernehmen nach jezt auch in Mühlheim a. R. aufgedeckt worden. Von einer Anzahl in diese An­gelegenheit verwickelter Persönlichkeiten soll die Leichen­halle(!) als Schauplay nächtlicher Orgien benüßt worden sein. Die letztere Meldung bedarf wohl noch der Be­stätigung. Das wäre eine Perversität, die schon an Wahn­sinn grenzt.

)( Einer Selbstmördersette ist die Petersburger Polizei auf die Spur gekommen. Die Angehörigen dieses seltsamen Geheimbundes haben es sich zur Pflicht gemacht, an ihrem 30. Geburtstage freiwillig zu sterben, und gehen hierbei von der Begründung aus, daß die durchschnittliche Lebens­dauer des Menschen erwiesenermaßen nur 30 Jahre be trägt, während ein Mehr ,, auf Kosten anderer Individuen gelebt" wird! Diesen Fehler der Natur beabsichtigte nun die Selbstmördersekte" zu verbessern, indem jedes Mit­glied den Eid leistete, mit dreißig Jahren zu sterben. Hatte einer der Geheimbündler das dreißigste Lebensjahi erreicht, so wurde er in einem unterirdischen Gewölbe in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder und unter feierlichen Zeremonien lebendig eingemauert. Die Polizei erhielt nun Kenntnis von dem abergläubischen Treiben des Bundes und überraschte die Gesellschaft gerade in dem Augenblick, als Vorbereitungen getroffen wurden, ein Mitglied in vor­geschriebener Weise einzumauern. Alle Anwesenden wur­den verhaftet. Diese sonderbare Sekte, der schon zahlreiche Personen zum Opfer gefallen sind, soll auch ,, Zweignieder­lassungen" in Moskau, Kiew und Odessa besitzen.

|:[ Amerikanische Offiziere als Schmuggler.] Allerlei Kniffe von Schmugglern, die der Ver. Staaten- Armee als Offiziere angehören, gibt ein amerikanisches Blatt zum besten: ,, Bon jeher," schreibt es ,,, hat man seitens der Zollbehörden ein Auge zugedrückt manchmal auch beide wenn Offiziere, die von Kuba, Portorico oder den Philippinen zurückkehrten, sich allerhand ,, Naschwa­ren" oder auch Trinkbares mitbrachten, und nur selten, wenn es sich um größere Mengen solcher Artikel han­delte, waren die Offiziere genötigt, zu Kriegslisten zu greifen und die Zollwächter zu täuschen. Letzteres geschah vor einiger Zeit in flassischer Weise von seiten eines Offiziers, der in Kuba eine hohe Stellung eingenom men hatte und, von dort abberufen, in Newyork eintraf. Seine Freunde hatten ihm beim Abschied Kisten über Kisten der feinsten Zigarren, ferner auch Gebinde der besten Getränke verehrt, und der also Beschenkte hegte berechtigte Zweifel, ob er alle diese ziemlich umfangrei­chen Schäße anstandslos ans Land bringen könne. Da verfiel er auf einen praktischen Ausweg: er ließ die Kisten William Mc. Kinley, Washington" adressieren. Die Zollbeamten beschauten sich die Sachen respektvoll von außen, und da sie Geschenke für den Präsidenten darin vermuteten, gestatteten sie, daß alles ohne wei­tere Prüfung an Bord gebracht wurde. Dann war es natürlich nicht mehr schwer, die Weiterbeförderung zu ver­anlassen.

Bunte Chronik. Einen heftigen Orkan hatte der Schnelldampfer ,, Deutschland" der Hamburg- Amerika- Li­nie auf seiner leßten Fahrt nach Newyork zu bestehen. Durch eine riesige Sturzsee wurde ein Rettungsbol zertrümmert und der Ventilator abgerissen. Zwei Pas fagiere, die sich an Deck wagten, wurden von einer Wɔge niedergeschlagen und schwer verletzt.

- Der am 14. Februar v. Js. zum Tode verurteilte Postschaffner a. D. Stern aus Schönerlinde ist zu le­benslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Etern hatte in der Nacht zum 21. Mai 1891 den Berliner Einbrecher Schlosser Cɔnizz in der Nähe von Bernau ermordet.

Eine Explosion von Zündmasse erfolgte im fgl Feuerwerkslaboratorium auf der Havelinsel Eiswerder bei Spandau; ein Mengehaus ist in die Lust ge flogen und ein Arbeiter schwer verletzt worden.

Die beiden Hamburger Segelschiffe ,, Thomas" und Gustav" sind in der Nordsee untergegangen; 14 Mann der Besatzung sind ertrunken.

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- Aus der Saale wurden in der Nähe von Halle zwei zusammengebundene Leichen, ein etwa 40jähriger Mann und ein 10jähriges Mädchen herausgezogen. An einer anderen Stelle wurden die Leichen einer 30jährigen Dame und eines neunjährigen Mädchens, die gleichfalls zusammengebunden waren, gelandet. Vermutlich sind die vier Leichen identisch mit einer Familie Mummert aus Zeipzig, die dort seit drei Wochen vermißt wird.

-Für das zu Ehren des Königs Eduard von Eng land in Longchamps veranstaltete Pferderennen waren füi den Rennstallbesiber Deschamps zwei Pferde angemeldet worden, von denen das eine Krüger und das andere Boer hieß. Da dies Anlaß zu unliebsamen Demonstrationen hätte geben können, hat Deschamps die beiden Pferde zurückgezogen.

Vermischtes.

[ Lustige Justiz.] Ein eigenartiger Aufzug bewegte sich dieser Tage durch Göttingens Hauptstraßen. Unter den Klängen des Chopinschen Trauermarsches wurden zwei Musensöhne von ihren Kommilitonen zum- Karzer geführt. Die Delinquenten befanden sich gefesselt auf

einem von Ochsen gezogenen Leiterwagen. Die Echwer des Verbrechens illustrierte ein in ein blutrotes Gewand gehüllter, mit einem Holzbeil versehener Scharfrichter, der neben mehreren Bütteln auf dem Vorderwagen mit Platz genommen hatte. In mehreren Droschken wurden Betten der Verbrecher nachgeführt. Es folgten auf einem Möbelwagen zechende Studienbrüder, die für die an­scheinend nicht mehr leistungsfähigen bedauernswerten Opfer der gestrengen Universitätsjustitia- die Hen fersmahlzeit einnahmen.

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=[ Man muß sich zu helfen wissen.] In Reinickendorf bei Berlin soll ein Schmuckplaß mit einem Spring. brunnen geschaffen werden. Die Gemeinde selbst hat aber kein Geld dafür übrig, so daß ein Komitee Samm lungen einzuleiten beschloß. Da indessen wenig Aussicht borhanden ist, die erforderliche Summe, mehr als 10 000 Mart, durch freiwillige Beiträge zusammenzubringen, so famen, nach Mitteilung eines Berliner Blattes, einige Herren des Komitees auf einen rettenden Gedanken. Eie lauften ein Los der preußischen Klassenlotterie, mit dessen Hilfe sie nun das erforderliche Geld für Reinickendorf gewinnen wollen. An Zuversicht fehlt es den Herren nicht. Vielleicht hat sie das Beispiel eines glücklichen Spielers ermutigt, das in Freiburg i. B. jetzt ungeheu res Aussehen hervorgerufen hat. Bei einem dortigen Bankkommissionsgeschäft erschien ein dem Chef des Hau jes bekannter Mann und erklärte, ihm habe in der bergangenen Nacht geträumt, der folgende Tag werde für ihn ein besonders glücklicher sein. Und in der Tat, schon frühmorgens sei ihm das Glück in Gestalt von mehreren vermißten Gegenständen erschienen. Nun wolle er noch ein Los kaufen, der Geschäftsmann solle es ihm aber auf Kredit geben. Dies wurde zugesagt, und ber Mann erstand daraufhin ein Türkenlos, da dann auch richtig mit 600 000 Francs herausgekom. men ist.

(!)[ Eine Zeitung ohne Text.] Der in Fellin( russische Ostseeprovinzen) erscheinende ,, Anzeiger" bringt an der Epize seiner Ausgabe für den 24. April folgende bemer fenswerte Bekanntmachung: Da der am 16. April nach Riga zur Zensur beförderte, für die gestern fällig gewe sene Nummer des ,, Anzeigers" bestimmte Text bis heute, Freitag, den 24. April, früh, nicht in unsere Hände gelangt ist, so sehen wir uns genötigt, unsere Leser zu ersuchen, die Tertlosigkeit des Blattes freundlichst entschuldigen zu wollen." Eehr neu können die Neuig keiten, die der Felliner Anzeiger" schon am 16. April für seine Nummer vom 23. April bereit halten mußte, am 23. nicht mehr gewesen sein; das mag sich die Zensurbehörde in Riga wohl selbst gesagt haben, deshalb schickte sie die Sachen. erst gar nicht mehr zurück.

:::[ König Flaumbart.] Alfons XIII. von Spanien be tommt jezt einen Schnurrbart. Flugs hat die spanische Regierung neue Münzen in Umlauf gesetzt, auf denen der leichte Flaum, der die Oberlippe des jungen Königs beschattet, deutlich zu sehen ist. Die früheren Münzen, die man dort besaß, auf denen der König bartlos dargestellt war, waren im Lande sehr kritisiert worden, da dieses Bild des fleinen Königs", wie man ihn gern nennt, dem spanischen Charakter, der sehr auf die ,, Männlichkeit" sieht, wenig entsprach.

]:[ Eisenbahner- Humor.] In den schwedisch- norwegi schen und dänischen Eisenbahnerkreisen ist augenblid lich der, reisende Hut" eine große Berühmtheit. Au einer schwedischen Eisenbahnstrecke verlor vor einiger Zeit ein Mann seinen Hut. Der Name des Mannes war nicht zu ermitteln, der Hut aber hat alle Aussicht bekannt und berühmt zu werden. Ein Streckenbeamter brachte den Fund zur nächsten Station; hier aber konnt man den Eigentümer nicht finden, vermerkte diese Tat sache auf einem dem Hut angehängten Zettel und sandte ihn zur Nachbarstation. Hier ergings dem Fund genas so, der Hut wanderte ständig weiter, von jeder Station mit einem Zettel geziert, der, oft in poetischer Form Kunde gab von dem Unbekanntsein des Eigentümers Der Hut durchreiste auf diese Weise ganz Schweden, dann Norwegen und kam nach Dänemark. Die Aussich ten für die Auffindung des Besizers werden immer geringer, nichtsdestoweniger gibt man die Hoffnung nicht auf und plant daher, den Hut auch noch weiter nad Deutschland gehen zu lassen. Der ursprünglich gewiß sehi schöne Hut leidet unter den Reisestrapazen recht sehr, ge winnt dafür aber in den Proben köstlicher Eisenbahner Poesie wieder an unvergänglichem Werte.

[ Opiumraucher in Frankreich.] Auf die gefahrdro. henden Fortschritte, die die aus China gebrachte Ge wohnheit des Opiumrauchens in Frankreich macht, lenti der französische Marinearzt Dr. Brunet die Aufmerk jamfeit. Seit etwa 15 Jahren haben sich die Opiumrauch zimmer in Toulon und Marseille ständig vermehrt. Die Beamten, Offiziere und Soldaten aus Indochina waren bie ersten Kunden, andere sind aus Neugierde gefolgt Der Opiumraucher ist wie der Morphiumesser Prose sytenmacher. Er empfängt bei sich zu Hause, erleichtert die Zusammenfünfte und weiht seine Bekannten gern ein. Er ist nicht nur glücklich, mit Leuten zusammen zukommen, die seinen Geschmack teilen, er ermutigt fit auch, sich dem Opiumgenuß hinzugeben, reißt die Zo gernden mit sich fort, zieht Unwissende an sich und macht Novizen. Es wird sogar berichtet, daß man auc in manchem anständigen Hause jezt Opium ,, in der Familie" raucht, und nach dem Mittagessen gibt di Dame des Hauses ihren Gästen das Zeichen, in das Rauchzimmer zu gehen, wo der Hausherr die Pfeifen vorbereitet. Dann rauchen Damen und Herren bis zu Morgenröte ihre Opiumpfeifen und trinken Tee dabei Man ladet sich ein, abends zum Rauchen einiger Pfeifen zu kommen, wie man zu einer Tasse Tee einladet Und die Frauen sind dabei ebenso eifrig wie die Män ner. Das wäre die gelbe Gefahr" in einer anderen Form, und eine Schußliga gegen das Opium wäre toch gerechtfertigter als die Liga gegen den Mißbrauc ses Tabaks.

- Einen guten Fang machte die Gothaer Polizei in einer dortigen Herberge. Es gelang ihr, den von Berlin aus eifrig gesuchten angeblichen Optiker Paul Gunsch aut Mariendorf, der als das Haupt der großen Diebesband Voltmann und Genossen gilt, die in letzter Zeit zahlreiche Einbrüche in Berlin und den Vororten ausgeführt hat dingfest zu machen.

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