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hältnisse der deutschen Industrie im Vergleich mit den in­dustriellen Verhältnissen in England und Amerika behandelt werden. Es ist nicht ohne symptomatische Bedeutung, daß man in England anfängt, der Entwickelung unserer In­dustrie Aufmerksamkeit zuzuwenden. Vermutlich soll die Artikelserie des Blattes Einfluß auf die Schutzzollpläne Chamberlains ausüben.

Der Kaiser der Sahara", Jacques Lebaudy, macht fortgesetzt Reklame für sein Reich". An den französischen Senator Bayol hat er einen Brief geschrieben, in dem er von der Fruchtbarkeit der von ihm besuchten Küste spricht und versichert, er werde einen Haufen bauen, der den Aus­gangspunkt einer Straße nach Timbuktu bilden solle.

Das Streben der Amerikaner, auf alle überseeischen Produkte ihre Hand zu legen, hat eine neue Blüte gezeitigt. Nach einem Telegramm aus Rio de Janeiro ist ein ameri­kanisches Syndikat im Begriff, den gesamten Vorrat von brasilianischem Kaiser zu 10 000 Reis pro Arroba anzu­kaufen.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Ein Franzose wegen Beleidigung des deutschen Kaisers vor Gericht. Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich ein Franzose vor der Straffammer zu Kolmar im Elsaß zu verantworten. Der Angeklagte besuchte Ende Juli cr. mit einem Landsmann eine Wirtschaft in Oberbergheim, in der ein Bild Kaiser Wilhelms an der Wand hing. Mit Bezug darauf ließ er sich zu unflätigen Aeußerungen gegen den Kaiser hinreißen, weshalb seine sofortige Berhaftung er folgte. Im Gefängnis unternahm er einen vergeblichen Fluchtversuch, indem er mit einem Schemelbeine die Mauer zu durchbrechen suchte. Die Straffammer verurteilte jetzt den heißblütigen Franzmann zu vier Monaten Gefängnis.

Nab und Fern.

Schwester ausgab. Die Gräfin und ihre Mitschuldigen wur­den verhaftet.

Therese Humbert unzurechnungsfähig. Wie es voraus­zusehen war, so ist es jetzt wirklich gekommen: Französische Spezialisten erklären Therese Humbert für geistig anormal und eine erblich belastete, durchaus hysterische Person. Nach ihnen gehört Therese in die Kategorie jener Unzurechnungs­fähigen, die vor Gerichten falsche Zeugenaussagen abgeben, ohne hierfür irgend welche Veranlassung zu haben. Bei den Hysterischen ist das Bedürfnis, zu lügen, so groß, daß sie sich zumeist selbst etwas vorlügen und so nach und nach durch eine Autosuggestion an die Wahrheit dessen glauben, was sie sich unbewußt vorgelogen haben. Das Anstoßen mit der Zunge beim Sprechen sei ein höchst charakteristisches Merk­mal, das bei sehr vielen Hysterischen beobachtet werde. Fré­déric Humbert ist, wie aus Paris weiter berichtet wird, mit den beiden Daurignacs zusammen in die Musterstrafanstalt Fresnes übergeführt worden. Er ist vollkommen gebrochen und hüllt sich in Schweigen. Den Verurteilten wurde es nicht gestattet, vor ihrer Ueberführung von Therese, die im Laufe dieser Woche nach dem Frauengefängnisse Saint­Lazare gebracht werden soll, Abschied zu nehmen. Die drei Männer werden in Fresnes zum Adressenschreiben auf Pa­pierschleifen angehalten werden, wofür sie den fünften Teil des Erlöses, d. h. dreißig Centimes für tausend Adressen, erhalten.

Die Kaiserparade des sächsischen Armeekorps im Ver­ein mit der Kaalleriedivision B fand bei günstigem Wetter auf dem Truppenübungsplatz bei Zeithain unter dem Kom­mando des Kronprinzen von Sachsen statt. Der Kaiser, der König von Sachsen und die übrigen in Dresden wei­lenden Firstlichkeiten, Prinzessin Johann Georg und die Großherzogin von Sachsen- Weimar trafen mit einem Sonder­zuge ein. Nach dem Abreiten der Fronten der Truppen, die in zwei Treffen aufgestellt waren, begann der Vorbeimarsch, währenddessen der Kaiser und König Georg vor der Zu­schauertribüne Aufstellung nahmen. Der erste Borbeimarsch fand in Kompagniefront bezw. in Eskadron- und Batterie­front statt. Hierbei führte der König von Sachsen das Gre­nadierregiment Nr. 100, das Schüßenregiment 108, das Gardereiterregiment und das 12. Feldartillerieregiment vor. Der Kaiser führte das Grenadierregiment Nr. 101 und das Leibfürassierregiment vor. Um 12 Uhr begann der zweite Vorbeimarsch, welcher in Regimentskolonnen bezw. in Es­kadron- und Abteilungsfront ausgeführt wurde. Am Pa­radeplatz hatten Kriegenvereine Aufstellung genommen. Das Publikum bereitete dem Kaiser und dem König sehr lebhafte Ovationen. Die an der Parade teilnehmenden preußischen Kavallerieregimenter wurden lebhaft beklatscht.

Die Kaymaninseln durch einen Orkan verwüstet. Die in der Nähe von Jamaika belegene Gruppe der Kayman­inseln ist durch denselben Orkan, der kürzlich Jamaika heim­suchte, ebenfalls arg verwüstet worden. Wie jetzt bekannt wird, kamen bei dem Wirbelsturm über 100 Personen um, während die Zahl der Verwundeten noch größer ist. 23 Schiffe strandeten, und 52 Seeleute ertranten.

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einen fleinen A gs oder Schmerzenschret hören und dreht und windet sich nach allen Seiten; dabei jammert und stöhnt sie immer lauter. Die anderen Passagiere blicken, obwohl sie selbst genug zu leiden haben, mit allen Zeichen des Mit­leids und der Teilnahme auf die Aermste, die mehr leidet als sie alle. Da nähert sich dem Opfer der Seekrankheit plötzlich ein Passagier und sagt höflich: Gnädige Frau, ich sehe, daß Sie furchtbar leiden. Bitte, nehmen Sie doch eine bon meinen Pastillen. Sie werden sehen, daß es gut ist." Die Dame zögert, der Herr aber reicht ihr freundlich eine Art Bonbonniere hin und fährt fort: Nehmen Sie nur, ich bin der Erfinder dieser Pastillen und gehe jetzt nach England, um sie zu lancieren. Versuchen Sie einige, und Sie werden sich bald wohler fühlen." Schüchtern steckt die Dame ihr Händchen in die Bonbonniere und nimmt zwei oder drei Pastillen. Nach einigen Sekunden schon ruft sie aus: ,, Wun­derbar, ganz wunderbar! Ich bin wieder gesund!" Die anderen Passagiere umringen sie und betrachten staunend das Wunder. Ich habe einen Wolfshunger!" sagt die Dame weiter und nimmt einem vorbeieilenden Kellner einen ganzen Haufen belegter Brötchen ab, die sie gierig verschlingt. Und mit wachsendem Staunen sehen's die andern und bitten den Erfinder, ihnen für Geld und gute Worte einige Schachteln Pastillen abzulassen. Er sträubt sich nicht lange, holt aus seinem Koffer einen ganzen Haufen Schachteln, und im Nu sind hundert abgesetzt. Sie sind etwas teuer: 10 Francs die Schachtel- aber was sind 10 Francs, wenn man sich die Seekrankheit vom Halse schaffen kann! Inzwischen ist das Schiff in Dover angekommen, und alle Passagiere gehen nach und nach an Land, um den Zug nach London zu erreichen. Nur zwei bleiben in Dover zurück: die von der Seekrankheit befreite Dame und der Erfinder der Pastillen. Sie rechnen nach, was sie während der Ueberfahrt verdient haben: 100 Schächtelchen Minze kosten im Einkauf 15 Francs( die Schachtel zu 15 Centimes gerechnet); verkauft wurden sie für 1000 Francs, so daß ein Gewinn von 985 Francs bleibt. Davon gehen noch ab 110 Francs für zwei Schiffs­farten( 1. Kajüte und Verpflegung); Reinverdienst also 875 Franken! Das ist ein Geschäft! Man muß nämlich wissen, daß der Erfinder" und seine Patientin Mann und Frau sind, die die Seekrankheit" als Geschäft betreiben.

** Die Georgine, die jetzt ihre Blütenpracht in unseren Gärten entfaltet, kann in diesem Jahre ihr hundert­jähriges Ju läum als deutsche Landsmännin feiern: 1803 führte Alerander v. Humboldt zum erstenmal Samen und Knollen der aus Merito stammenden Pflanze bei uns ein. Ursprünglich war die Georgine eine etwa anderthalb Meter hohe Pflanze mit großen roten oder lilafarbenen Scheiben­blüten, aber wie kaum eine andere Pflanze verändert sie sich unter neuen klimatischen Verhältnissen und besonderen Kul­turbedingungen. Wenn man den Samen einer und der­selben Samenkapsel aussät, so gehen aus ihm oft ganz ver­schieden geformte und gefärbte Blumen hervor. So wurden in unseren Gärten mehrere tausend Spielarten gezogen. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts herrschte in Europa sogar eine Georginenmanie. Für neue seltene Va­rietäten wurden oft Preise von mehreren hunderten und tausenden Mark bezahlt und in Paris kaufte ein Blumen­liebhaber im Jahre 1838 ein Georginenbeet für die Summe bon 70 000 Mark. Damals schwärmte man für die ge­füllten Sorten. Allmählich wurde aber die Georgine den Blumenfreunden langweilig; sie war ihnen zu steif und paßte nicht für die Gärten, die nach einer neuen Geschmack­richtung mit Blumenparterren geschmückt wurden oder mehr einen landschaftlichen Charakter erhielten. Aber die Ver­änderliche" sollte sich auch den Anforderungen der Modernen anpassen. Man ließ die gefüllten Georginen mehr und mehr fallen und wandte sich der Zucht einfach blühender Sorten zu, die man unter der neu klingenden Bezeichnung Dahlie segeln ließ. Eine Modepflanze war die Georgine, eine Modeblume ist die Dahlie, und sie wird sich nicht so leicht aus unseren Garten verdrängen lassen, denn dank ihrer Ver­änderlichkeit kann sie sich verschiedensten Moderichtungen an­passen.

Die Eröffnung des 1. Deutschen Städtetages in Dres­den wurde gestern durch den Oberbürgermeister Beutler voll. zogen, nachdem vorher im Festsaale der Halle der Städteaus­stellung ein Begrüßungsabend stattgefunden hatte. Ver­treten sind 159 Städte durch Oberbürgermeister und Bürger­meister. Oberbürgermeister Beutler hieß die Herren will­kommen und betonie die hohe Bedeutung des Tages für die Städtekultur. Er wünscht, daß er eine dauernde Ein­richtung bleiben möge, um fortgesetzt städtische Interessen zu vertreten. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den König von Sachsen, an die beide Huldigungstele­gramine gesandt wurden. Zum Vorstand des Städtetages wurde der Berliner Oberbürgermeister Kirschner gewählt. Im Auftrage der Regierung hieß Staatsminister v. Metzsch den Städtetag willkommen. Als 1. Punkt stand auf der Tagesordnung: Die soziale Aufgabe der Städte". Dazu hielt Oberbürgermeister Adickes- Frankfurt a. M. einen zwei­stündigen Vortrag, der mit großem Beifall aufgenommen wurde.

* Schließung der Spielbank in Altenberg. Die neu­errichtete Spielbank in Altenberg ist jetzt auf behördliche An ordnung geschlossen worden. Das war zu erwarten. Schon in den letzten Tagen erhielt sie täglich den Besuch der Orts­polizei.

Völliger Wassermangel in Mek hat die dortige Ein­wohnerschaft und die Garnison in nicht geringe Verlegenheit gebracht. Infolge vorgenommener Ausschachtungsarbeiten wurden die Bouillon- Quellen, welche die Gorzer Wasserleitung speisen, abgestellt, und plötzlich war in ganz Metz kaum ein Tropfen Wasser vorhanden. Durch eine interimistische Holz­leitung denkt man der Kalamität abzuhelfen.

Der frühere Burenkommandant Louis Botha wird am Mittwoch nächster Woche in Wiesbaden eintreffen, um da­selbst einen längeren Kuraufenthalt zu nehmen. Zu gleichem Zweck weilt dort seit einiger Zeit die Schwester des tapferen Führers. Botha gedenkt, Mitte des Monats u. a. einen Abstecher nach Berlin zu unternehmen.

** Für die Behandlung der Briefe und Postkarten stellt das Reichspostamt in einer Bekanntmachung folgende Grund­sätze auf: Im Interesse einer schnellen Anfarbeitung durch Sortieren, Stempeln u. s. w. der Briefsendungen, ist es von großem Werte, wenn das Publikum den Beamten etwas zur Hilfe kommt. Dazu gehört vor allen Dingen, daß möglichst normal große Briefumschläge zur Verwendung ge­langen. Ein ferneres Haupterfordernis ist, daß die Brief­marke stets in die rechte obere Ecke des Briefumschlages geklebt wird. Sind mehrere Marken zu verwenden, so müssen sie nicht untereinander, sondern nebeneinander auf­geklebt werden, damit bei der Verwendung von Stempel­maschinen alle Marken auf einmal entwertet werden, denn im anderen Falle muß eine nochmalige Durchfortierung und Nachstempelung erfolgen, oft auf Kosten der schnellen Ab­fertigung.

Vom Posten erschossen wurde nachts der Sergeant Gerife von der 10. Kompagnie des Inf. Regts. 30 am Eingange nach dem Fort Choisy bei Saarlouis. Gerike wollte sich mit einem Mädchen nach dem Fortgelände be­geben und beachtete den dreimaligen Anruf des Postens nicht, worauf dieser instruktionsgemäß von der Schießwaffe Gebrauch machte. Die Kugel drang dem Sergeanten in den Unterleib, so daß er nach zwei Stunden starb. Er soll vor seinem Tode die Erklärung abgegeben haben, daß der Posten nur seine Pflicht tat und ihn allein die Schuld treffe.

Die geprellten Seekranken.

Vermischtes.

[ Ein Buch für 200 000 Mark] läßt der Stat Missouri für die Weltausstellung in St. Louis 1904 he ellen, um es dort in 300 000 Exemplaren an die het cragendsten Be­sucher der Ausstellung gratis zu verteilen. Das Missouri­buch" hat mit der Reklame nichts zu tun, es wird nicht eine Beile Inserate enthe' ten. Es wird von der Staatsbehörde berteilt, um richtige Ansicht über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des States Missouri zu verbreiten. Es enthält fünf- bis sechshundert Druckseiten, denen viele Bilder und Karten beigegeben sind.

[ Wie Papst Pins Aemter verteilt.] Eine charakteristische Anekdote von Papst Pius X. wissen römische Blätter zu be­richten. Der Pfarrer des Kirchspiels Castello in Venedig wurde telegraphisch nach Nom berufen. Der Pfarrer begab sich nach seiner Ankunft in den Vatikan und wurde von Pius X. empfangen. Inmitten der Unterhaltung sagte der heilige Vater plövlich:" Du weißt, daß ich dich am nächsten Sonntag zum Bischof weihen lassen werde." Der brave Pfarrer sprang auf und stammelte: Aber, heiliger Vater, ich habe nur meine Soutane als Pfarrer bei mir und... bin nicht vorbereitet."" Sorge dich nicht darum. Ich werde für das Nötige Rat schaffen." Dann flingelte er nach seinem Kämmerer Mgr. Bisleti und gab ihm folgenden Auftrag: ,, Sie werden für den Herrn Pfarrer hier ein Bischofsgewand anfertigen lassen, für alle Kosten der Aufnahme und Weihe Sorge tragen und mir die Rechnung vorlegen." Cavallari bezog als Pfarrer 100 Lire monatlich und unterstützte da­mit noch viele Arme. Pius X. fannte ihn, seine Barmherzig­keit und seine anderen Tugenden sehr genau, und er hat den im Verborgenen lebenden tüchtigen Mann aufgesucht, um seine Erzdiözese zu verwalten.

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A[ Der automatische" Wanderer.] Ueber einen mert­würdigen Fall berichtet die Londoner ärztliche Zeitschrift The Lancet". Ein Patient, der dort als nervenfrank behandelt wurde, hatte mehrmals Anfälle von automatischem" Wan­dern gehabt. An einem Montag, morgens um 63/, Uhr, ver­ließ er sein Haus in Kings Croß, um in Wardourstreet an die Arbeit zu gehen. Er erinnert sich, daß die Uhr am Euston­Hotel 6 Uhr 50 Minuten zeigte, als er vorüberging. Dann erinnert er sich an nichts mehr. Auf seiner Werkstätte kam er nicht an, und keiner seiner Freunde hat ihn gesehen. Am Sonnabend in derselben Woche ,, wachte" er um 4 Uhr nach­mittags, also nach Tagen, plötzlich auf und fand sich zu seiner Bestürzung in einer fremden St St. Er befragte einen Polizisten und erfuhr, daß er sich in Le: hton Buzzard befand, wo er nie zuvor gewesen war. Er hatte heftige Kopfschmerzen, die Hacken seiner Stiefel waren abgetreten, und seine Fuß­sohlen waren ganz mit Blasen bedeckt. Die Kleider waren schmuzig, als wenn er am Wege geschlafen hätte. Er war nicht besonders hungrig und hatte mehrere Schillinge aus­gegeben, wahrscheinlich für Nahrung; aber es war ihm noch genug Geld übrig geblieben, um mit der Eisenbahn zurück­zufahren. Wie er jene fünf Tage zugebra.jt hat, daran hat er feine Erinnerung, nur eine dunkle Idee verbindet sich mit ,, Watfort"; aber er erinnert sich nicht, es besucht zu haben. Da es direkt auf dem Wege liegt, hat er es wahrscheinlich besucht.

Das Reisen zur See ist in Deutschland modern geworden. Dem Beispiel unseres Kaisers folgend, der jedes Jahr eine oder mehrere I ngere Fahrten in der Ost- und Nordsee unternimmt, durchfurchen Tausende von Deutschen auf den mit allem Komfort ausgestatteten Dampfern unserer großen Schiffsgesellschaften, die man mit Recht schwimmenden Hotels vergleicht, wochenlang die blauen Meeresfluten. Körper und Geist stählen sich in der kräftigen, reinen Luft, die über die Wogen weht, und die Aerzte können nicht genug des Rüh­mens darüber finden, was eine solche längere Seetour bei Erholungsbedürftigen für Wunder wirkt. Und noch viel größer würde die Schar derjenigen sein, die auf den Schiffs­planfen Stärkung und Gesundung suchen, wenn nicht viele sich durch das Gespenst der Seekrankheit abschrecken ließen, gegen die bisher, wie es scheint, noch kein Kräutlein ge­wachsen ist. Die Qualen, die sie bereitet, sind wahre Höllen­pein, und dazu kommt noch der Spott der seefesten Mit­reisenden, die die Hilflosigkeit der armen Kranken zu aller­hand frivolen Scherzen benutzen. Selten, daß jemand einem Seekranken, dessen Zustand, besonders wenn er nervös ver­anlagt ist, durchaus nicht immer leicht zu nehmen ist, wirk­liches Mitleid zeigt. Daß aber diese Leidenden von beute­gierigen Industrierittern noch dazu schamlos ausgebeutet werden, sollten die Schiffahrtsgesellschaften energisch ver­hindern, damit sich nicht Szenen abspielen, wie die folgende, die dem unbeteiligten Zuschauer allerdings ein schadenfrohes Vergnügen zu bereiten imstande ist.

Ein großer Lebensversicherungsschwindel erregt gegen­wärtig in Rom großes Aufsehen. Die Gräfin Bica Ubaldelli hat auf einen gefälschten Totenschein ihrer Schwester hin die Lebensversicherungsgesellschaft Mutual Life" in New­York um 20 000 Lire betrogen und bei der Mailänder Ge­sellschaft Ancora" weitere 10 000 Lire herauszulocken ver­sucht. In Wirklichkeit lebte aber die Schwester, die etwas beschränkt ist, bisher in einer Art Gefangenschaft bei der Schwester und wurde jezt von der Polizei entdeckt. Den Totenschein hatte sich die Gräfin dadurch verschafft, daß sie unter Mithilfe eines Arztes und eines Krantenwärters die Leiche einer im Krankenhause gestorbenen Person für die ibrer

Ort der Handlung: Ein Schiff, das von Frankreich nach England fährt. Das Wetter ist sehr stürmisch, die Wogen des Meeres geh n hoch. Auf Deck sitzen und stehen die Passa­giere, zum größten Teil leichenblaß, denn sie kämpfen einen heroischen Kampf gegen die Seekrankheit. Eine hübsche junge Dame sitzt allein auf einer Bank; sie scheint besonders hart ,, mitgenommen" zu sein, und man sicht ihr an, daß ihs förperliches Unbef gen noch im Wachsen begriffen ist. Von Roit 211 Reit um immer fürzeren Reitabständen läßt sie

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[ Jdealer Zwed.] Unter dem vielversprechenden Titel Fröhliches Leben" hat sich in" ugsburg ein neuer Verein amtlich angemeldet und als 3ned bezeichnet Festessen zu veranstalten! Mit der offenen, rückhaltslosen Erflärung jeines idealen Zweckes ist der neue Verein vielen anderen, die schließlich auch nichts weiter beabsichtigen, auf der Bahn der Selbsterkenntnis und Wahrheit tapfer vorangegangen.

[ Der erste Zuftomnibus], der auf 12 Passagiere be­rechnet ist, wird gegenwärtig für den Pariser Luftschiffer Santos Dumont gebaut und sol is zu dessen Rückkehr aus jeinem Heimatland Brasilien, die in etwa fünf Monaten er jolgen wird, fertiggestellt werden. Vis dieser Luftomnibus zu regelmäßigen Fahrten benutzt werden wird, dürfte indes vohl noch einige Zeit vergehen.

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Einen Schwimmversuch durch) den Kanal hat der Wett­schwimmer Holbein von Dover zum vierten Male unter­nommen. Die See war bei dem Start von Dover aus ruhig und Holbeins Freunde, die den kühnen Schwimmer auf zwei Dampfern begleiteten, zweifeln nicht, daß ihm das Wagestück gelingt. Die Mitte der Strecke hatte er in acht Stunden zurückgelegt.

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