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Heer und flotte.

Das neue Rucksackgepäck, welches vor einigen Tagen dem Kaiser auf dem Uebungsplatz bei Altengrabom von einem Hauptmann des ersten Garderegiments vorgestellt wurde, besteht aus einem wasserdichten, braunen Segeltuchbeutel, dem Rucksack, der statt des Tornisters die für diesen bisher bestimmten Ausrüstungsstücke, wie Wäsche, ein paar Schuhe, Drillichzeug, Putzeug u. s. w. aufnimmt. An Stelle des Tornisters tritt ein starker, mit Riemen verschnürter, gut gepolsterter Lederrahmen, der zur Aufnahme des Rucksacks und zum Tragen desselben an den bisherigen Trageriemen dient. Die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände befinden sich im Rucksack in verschiedenen Beuteln. Der Vorteil des Rucksacks besteht darin, daß sein Ledergestell den Mann weniger drückt als der Tornister und daß er wasserdicht ist und leicht dem Tragegestell entnommen und wieder eingefügt werden kann, sowie daß Ausrüstungsstücke, ohne das Trage­gestell abhängen zu müssen, rasch und leicht entnommen und ebenso wieder beigefügt werden können. Allein ungeachtet dieser Vorteile findet das neue Rucksackgepäck, das nicht nur beim 1. Garderegiment, sondern bei zahlreichen Truppen­teilen versuchsweise im Gebrauch ist, wenig Anklang, da es bieles Schnüren veranlaßt und sich auch in anderer Hinsicht nicht recht als praktisch erweist.

Hof und Gesellschaft.

Prinz Ruprecht von Bayern hat sich in Be­gleitung seines persönlichen Adjutanten Rittmeisters Grafen zu Pappenheim über Dresden nach Zaithain begeben. Dort nimmt der Prinz in seiner Eigenschaft als Generalleutnant à la suite des Leib- Kürassier- Regiments Großer Kurfürst" an der großen Parade vor dem Kaiser und dem Könige von Sachsen teil.

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*** Die Leiche des Präsidenten des preußisch- englischen Kirchenrats, D. Berckhausen, der in Breslau einem plötzlichen Schlaganfall erlag, wurde nach Kloster Loccum in Hannover übergeführt. Dort wird der Verstorbene neben seiner Gattin, die ihm vor einigen Jahren im Tode vorangegangen ist, zur Lenten Rube bestattet werden.

Die grosse Herbſtparade.

O Berlin, 1. September.

kolonnen, die selbständigen Bataillone in Rompagntefront­kolonnen, die Eisenbahnbrigade in Brigadekolonne; die Hauptkadettenanstalt machte den zweiten Vorbeimarsch nicht init; die Kavallerie defilierte in Eskadronsfronten, die Ar­tillerie in Abteilungsfronten im Galopp. Als das erste Garderegiment, bei dem der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich eingetreten waren, antrat, zog der Kaiser seinen Säbel und führte das Regiment bei der Kaiserin vorüber; dasselbe geschah auch bei dem zweiten Borbeimarsch. Nach Beendigung der Parade um 113 Uhr hielt der Kaiser die Kritik ab. Dann setzte er sich an die Spitze der Fahnen­kompagnie und kehrte im langsamen Zuge zum Schlosse zurück, von einer vieĭtausendköpfigen Menge überall enthu­siastisch begrüßt.

Die Schuljugend der Reichshauptstadt ist, wörtlich und übertragen genommen, rein aus dem Häuschen. Auf allen Straßen und Pläßen wimmeln sie seit der Morgenfrühe herum, die mehr oder weniger lieben Kleinen, und die helle Freude strahlt aus ihren Gesichtern. Mit gutem Grund. Durch eine eigenartige Konstellation haben sie ununterbrochen eine halbe Woche Ferien ergattert. Morgen ist Sedanfeier. Gestern siel die Schule aus wegen der angesezten Herbst­parade, die aber mitten drin wieder abgesagt wurde, und heute findet die Parade nun doch noch statt, deren Ausfall jeder brave Berliner Junge gestern bitterlich beklagte. Herz, was willst du mehr! Und mit den Kleinen jubeln die Großen. Denn dem Berliner und nicht minder der Ber­linerin steckt die Liebe zum Militär und vor allem zu den glänzenden Paradeschauspielen von jeher tief im Blute, wenn auch Männlein und Weiblein altem Herkommen gemäß über die Versperrung der Straßenzüge durch die zum Tempel: hofer Felde an- und wieder abrückenden Truppen nicht genug zu schelten wissen. Denn geschumpfen" muß sein, raison­niert muß werden, sonst ist's kein richtiges Amüsement.

Der Kaifer" der ,, Camelots".

Aus Paris kommt die Trauerbotschaft von dem Tod eines Kaisers", die aber keinem europäischen Hofe zugehen wird. Dieser Herrscher, der mitten in einem republika­nischen Staatswesen regierte, hieß Napoleon Havard, und sein Reich lag in der Nähe der Rue du Croissant. Seine Untertanen waren alle Camelots", die Straßenhändler von Paris, die in ihm zugleich einen Herrn und einen guten Kameraden ehrten. Aus ihren Reihen war er hervor­gegangen und hatte sich dann bis zu den Gipfeln irdischer Macht emporgeschwungen. Ein Camelot" war er aller­dings längst nicht mehr. Man sagt sogar, daß er troy jeiner Liebe zum petit verre" ein hübsches Stückchen Geld zusammengerafft habe. Nur bewahrte er auch als Kaiser" die alte Einfachheit und verfehrte in jener merkwürdigen Welt der Camelots, in der alle Proletarier von Paris sich zusammenfinden, mit einer Kollegialität, als ob er immer noch genötigt wäre, die Blätter in den Straßen auszuschreien.

So kam es, daß Noulahs Artikel ungedruckt blieben. Der Mann geriet in Not und konnte die Miete 90 Franken

nicht bezahlen. Der Hauswirt ließ ihn pfänden, aber Noulah trug, weil er sein Weib nicht hungern sehen konnte, heimlich sechs gepfändete Teller, künstlerische Wertstücke, ins Leihhaus und versetzte sie für 20 Franken. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 50 Mark Geldstrafe, die aber pieder aufgehoben werden wird, wenn er sich innerhalb einer bestimmten Frist nichts mehr zu schulden kommen läßt.

Nab und fern.

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Der Kaiser in Dresden. Bald nach der Rückkehr von der Herbſtparade begab sich der Kaiser nach Dresden, wo er vom König von Sachsen, dessen Zustand sich gebessert hat, am Bahnhof empfangen wurde. Im Bankettsaal des föniglichen Schlosses fand eine Galata fel statt, an die sich ein Besuch des Opernhauses schloß. Um 9 Uhr wohnte der Kaiser dem großen Zapfenstreich auf dem Theaterplate bei. Heute nimmt der Kaiser mit dem Könige von Sachsen im Baradenlager Zaithain die große Parade des 12. Armee­forps und der Kavallerie- Division B ab. In dem Programm für die Anwesenheit des Kaisers in Dresden waren infolge der Verschiebung der Herbstparade des Gardekorps im letzten Augenblick eine wesentliche Aenderung eingetreten. Der Kaiser ließ sich bei dem geplanten Besuch in der Städteaus­stellung durch den Kronprinzen vertreten. Dieser traf gleich­zeitig mit dem Großherzogspaar von Sachsen- Weimar in Dresden ein und wurde vom König von Sachsen, dem sächsi­schen Kronprinzen und den Pri zen des Hauses Wettin ent­pfangen. Nach dem offiziellen Einzug in die Stadt fand eine Frühstückstafel und darauf der Besuch der Aus­stellung statt. Aus Anlaß des kaiserlichen Besuchs ist Dresden festlich geschmückt. Alle öffentlichen und zahlreiche Privatgebäude haben geflaggt. Einen besonders schönen An­blick gewährt der Altmarkt, auf dem das Siegesdenkmal sich in einem Halbbogen von Obelisken und Flaggenmasten vor einem aufragenden Wald von Kiefern und Fichten wirkungsvoll abhebt, rings um ihn an Häusern und Dächern Guirlanden und Kränze, Blumen und Teppiche. Prächtig ist die Zufahrtstraße zum Bahnhof mit ihren Guirlanden, ihren Flaggen und ihren blumen- und laubgeschmückten Häuserwänden. In den Straßen wogt bei prachtvollem Wetter eine zahlreiche Menschenmenge.

Keiner verstand es, wie er, eine Sache oder einen Menschen populär zu machen. Aus seinem Laden ging jene un­geheure Menge von Eintagsplakaten, Reflamezetteln u. s. w. hervor, die sich jeden Tag auf die Boulevards niederſenkt. Gassenlieder, Postkarten, drollige Todesanzeigen, alles, was für zwei Sous auf den Terrassen der Pariser Kaffeehäuſer ausgebrüllt und verkauft, alles, bis herab zu den kleinen Schweinchen aus Goldschlägerhaut, die aufgeblasen werden und dann einen markerschütternden Schrei hören lassen( vor zwei Jahren hieß dieser Schrei der letzte Seufzer Chamber­lains", jetzt heißt er der letzte Seufzer der großen Therese"), alles kam aus dem Laden Hayards. Denn er war ein Mann voll Ideen, und er war immer aktuell". Durch seine Lieder hat er Boulanger populär gemacht; er war es, der in Mar­seille den Empfang des Präsidenten Krüger mit Abzeichen, Chansons und Fahnen orga jierte"; er ging jüngst nach London, um Herrn Loubet bei den Engländern zu lan­cieren", und als seine Co lots" in Regentstreet ihr ,, Viens Mimile" ausriefen, lauschte ganz England. Eine sehr große Anzahl seiner Kompositionen ist berühmt ge­worden, aber von Kennern am meisten geschäßt wurde das herrliche En voulez- vous des z'homards?" Man war allgemein der Ansicht, daß der Mann, der diesen Titel ge­funden hatte, nicht der erste beste sein konnte. Den Gipfel des Ruhmes aber erreichte Napoleon Hayard mit seinem neuen Liede( gedruckt in diesem Jahre"): Ah! pauv' Thérèse, tu vas en bouffer des haricots!"( Arme Therese, du wirst noch an den Bohnen sticken), eine zarte Anspielung auf die Zuchthauskost, die die große Therese Humbert erwartet. Der Kaiser der Camelots" starb also gewissermaßen in den Sielen", und er starb den Tod eines vornehmen, modernen Menschen, denn was kann vornehmer und moderner sein, als von einem Automobil überfahren zu werden? und Napoleon wurde überfahren!

Gestern war denn auch in dem breiten Menschenwall, der vom Schloß bis zum Paradefeld hinaus die Straßen um säumte, durch die der Kaiser an der Spize seiner Truppen zurückkehren mußte das ist immer der Glanzpunkt des großen Schauspiels für den Berliner Paradebummler die Stimmung durchaus nicht gedrückt, als die Nachricht kam, die Parade wäre abgebrochen. Man hatte ja Grund dem kaustischen Berliner Wit freien Lauf zu lassen, und das genügt, um kein eigentliches Mißvergnügen aufkommen zu lassen. Als die zurückkehrenden Spielleute eines Garde regiments zufälligerweise spielten: So leben wir, so leben wir", tönte es aus der Menge: hr könnt lachen! " Jearbeetet" habt ihr heut nicht, und euer Paradegeschenk bekommt ihr doch!" Bekanntlich erhalten alle Mannschaften, die an den großen Paraden teilnehmen, das sogenannte Paradegeschenk aus der kaiserlichen Privatschatulle. Dieses beträgt für sämtliche Unteroffiziere mit und ohne Portepe 1 Mark, für die Gefreiten und Gemeinen 50 Pf. Die Aus­zahlung dieser Spende erfolgt am 11. d. Mts. bei der Löhnungszahlung. Heut haben sich nun aber die braven Gardisten ihr Geschenk nachträglich redlich verdienen müssen. Schon die Vorarbeiten waren doppelt schwer. Die Parade. monturen troffen vom gestrigen Regen, und das Lederzeug war durchweicht und schmuzig. Nun hieß es in der Eile alles wieder glänzend herrichten, um vor den kritischen Augen des obersten Kriegsherrn bestehen zu können. Offiziere, die schon auf Urlaub gegangen waren, mußten telegraphisc zurückgerufen werden, kurz, es gab Stunden fieberhaftester Arbeit und Aufregung gestern Abend in den Kasernen. Aber heute früh um Uhr standen die Truppen in tadel­losem Paradeanzuge zum Einziehen in die durch Tafeln bezeichnete Aufstellung bereit, und alles klappte".

Bauernaufruhr in Italien. In Ponte di Sarno bei Castellamare kam es wegen einer gesundheitspolizeilichen Anordnung der Behörde zu einem Zusammenstoß zwischen Carabinieri und Bauern. Diese warfen mit Steinen und verwundeten den Polizeikommandanten und einen_Unter­offizier. Als dann ein Carabinieri einen Schuß in die Luft abgab, wurde er von den Bauern umzingelt; er machte nun von der Wafef Gebrauch, tötete drei Bauern und verwundete mehrere. Das schaffte Ruhe bis zum nächsten Mal, wo irgend eine neue Verordnung die Oppositionslust der Bauern erivedte. Derartige törichte Aufstände sind in Italien eben an der Tagesordnung.

Wir müssen aber als gewissenhafte Chronisten auch auf einen dunklen Punkt in diesem Lichtbilde hinweisen: Napo­leon arbeitete auch auf Bestellung, und das war nicht immer hübsch von ihm. Er lieferte die Claque" in den öffentlichen Versammlungen. Man erzählt, daß vor ganz kurzer Zeit zwei Kandidaten, die in öffentlicher Versammlung einander gegenübertreten wollten, sich von Hayard Argumente" liefern ließen, jeder natürlich, ohne daß sein Gegner davon wußte. Die Argumente" bestanden in fünfzig ,, Camelots", die zur festgesetzten Stunde im Saale erschienen. Während der ersten Stunde brüllten sie: Hoch X...!" und während der zweiten ,, Hoch 3...!" So hatte jeder etwas für sein Geld. Eines Tages trat Hayard selbst als Parlaments­kandidat auf oder vielmehr als halber Kandidat", denn er teilte die Kandidatur mit einem seiner Freunde, und beider Bilder erschienen auf den Wahlzetteln mit der Umschrift: ,, So, Volf von Paris, wirst du für 25 Franken( das ist der Diätenbetrag, den ein französischer Abgeordneter erhält) zwei Männer haben. Bis jetzt bist du ausgebeutet worden. Ich aber bin der billige Kandidat, der Kandidat für 12 Fr. 50." Der billige Kandidat wurde leider nicht ge. wählt. Jezt ist Napoleon Hayard tot. Die ganze Rue du Croissant( er duzte alle Leute, die dort wohnten) folgte seiner Leiche. Eines nach dem anderen verschwinden sie, die Dri ginale, die excentrischen Männer, die Pariser Typen".

Brausende Hurrarufe der Menge empfangen die Leibkompagnie des 1. Garde- Regiments, die die glor­reichen Feldzeichen überbringt. Am rechten Flügel der 1. Seftion marschiert, lebhaft begrüßt, Prinz Eitel Friedrich. Equipage auf Equipage rollt heran, Prinzen und Generale sprengen vorüber, und jetzt schallt es aufgeregt durch die dichten Reihen: Der Kaiser kommt!" Im offenen Wagen mit dem bekannten Schimmelgespann fährt er in der Parade­uniform des 1. Garderegiments z. F. nach der Kaserne des 1. Garde- Dragonerregiments, um dort sein gewohntes Baradepferd, einen großen Braunen, zu besteigen. In der Nechten den Marschallstab, reitet er, links neben ihm der junge Herzog von Koburg und Gotha, im Schritt auf das Feld, wo auch bald die Kaiserin erscheint und gemeinsam mit dem Kaiser die Paradeaufstellung besichtigt. Und nun ordnen sich die Truppen unter dem Kommando des Generals bon Kessel zum Parademarsch, den der Kaiser von dem ge­wohnten Standpunkte in der Nähe der einsamen Bappel ab. nahm. Es fanden zwei Vorbeimärsche statt. Die Fuß­truppen kamen das erstemal in Kompagniefronten, die Leib­gendarmerien und Eskadron- Gardejäger zu Pferde in Zügen, die Kavallerie in Eskadronfronten, die Feldartillerie in Batteriefronten, der Train in Kompagniefronten, die be­rittenen Truppen im Trabe; bei dem zweiten Vorbeimarsch defilierten die Neaimenter der Fuktruppen in Reaiments.

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Hus dem Gerichtsfaal.

Ein ganzes Dorf durch Fener zerstört. In demKirch dorfe Maidan( russ. Gouvernement Simbirsk) vernichtete ein Großfeuer bei Sturmwind 307 Bauernhöfe mit sämt­lichen forngefüllten Scheunen. Das Feuer brach am Tage aus, während die Bauern auf dem Felde mit Ernteaebeiten beschäftigt waren.

§ Er hat das nicht so gemeint". Vor dem Breslauer Schöffengericht hatte sich ein Zimmermann wegen Körper­perletzung und Bedrohung zu verantworten. Bei einem Neu­bau war er mit einem Maurer und dem Polier in Streit ge­raten, wobei er die beiden tätlich mißhandelte und dem Maurer gedroht hatte, ihn mit dem Beil zu erschlagen. In seiner Verteidigungsrede sagte er: Ich habe das nicht so gemeint. Wenn ich auch so gesprochen habe, so hätte ich es doch nicht getan. Es ist gerade so wie bei Ihnen( zum Ge­richtshof); wenn die Herren jemand ärgert, so sagen Sie ihm auch: Ich schmeiße dir die Akten oder den Federhalter an den Kopf, weil Sie das gerade so bei der Hand haben, und doch tun Sie es nicht." Der Vorsitzende erwiderte lachend, daß solche Redensarten bei Gericht nicht Mode seien. Bald erfuhr auch der Angeklagte, daß seine Ausführungen wohl die Lachmuskeln des Gerichtshofes beeinflussen konnten, nicht aber dessen Rechtsauffassung; denn das Gericht verur­teilte ihn zu zehn Tagen Gefängnis.

Bunte Chronik. In Frankfurt a. M wird am 8. Sep­tember das Grabdenkmal, das die Stadt ihrem Ehrenbürger Minister v. Miquel gewidmet hat, feierlich enthüllt werden.

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Bei einem Renkontre mit zwei Wilderern wurde der Gemeindevorsteher Bentmann aus Zschiesewitz bei Bitterfeld durch zwei Schüsse tödlich verwundet. Es gelang ihm noch, sich nach seiner Wohnung zu schleppen; dort angelangt, fant er aber leblos zusammen.

§ Ein neues Opfer der Humbecis. Vor dem Pariser Zucht­polizeigericht erschien dieser Tage ein Journalist namens Noulah unter der Anflage, gepfändete Gegenstände heimlich bersetzt zu haben. Der arme Teufel bezeichnete sich selbst als ein Opfer des Humbertprozesses. Er schrieb für mehrere Pariser Zeitungen und beschäftigte sich besonders mit Kolo­nialfragen. Die spaltenlangen Berichte über die Humbert­Sache machten es aber den Blättern in der letzten Zeit unmöglich, sich eingebend mit Kolonialfragen au befassen.

Vermischtes.

[ Das Ende des Durchsichtigen".] In Teplitz ver­starb an Magenkrebs der sogenannte durchsichtige Mensch, Count Orloff, der sich längere Zeit in den verschiedensten deutschen Städten als Naturwunder für Geld sehen ließ. Orloffs gänzlich verkrüppelte und verbogene Gliedmaßen bestanden eigentlich nur aus Haut und Knochen, die aus einer eigenartigen durchsichtigen Masse bestanden. Zur Be­erdigung mußte für den verkrüppelten Leichnam des Ver­storbenen ein eigener Sarg gefertigt werden, in welchen er in sizzender Stellung hineingelegt wurde.

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[ Zweierlei Tuch" in Meißen.] Die Vorliebe des schönen Geschlechts für das zweierlei Tuch" ist in Meißen während der viertägigen Einquartierung von Manöver­truppen in so aufdringlicher Weise hervorgetreten, daß sich das dortige Amtsblatt zu folgender zarten Ermahnung ver­anlaßt sieht: Daß sich die Mädchen und Frauen sehr für das Militär interessieren, kann wohl nicht schaden, nur müßte dieses Interesse nicht in unpassende Zudringlichkeit ausarten. Gerade gestern konnte man bei dem Marsche nach dem Nebungsgelände mehrfach junge Mädchen bemerken, deren Betragen viel an Tugendhaftigkeit zu wünschen übrig ließ. Sie drängten sogar zwischen die Kolonnen hinein und mußten sich dann von Offizieren beschämende. Verweise gefallen lassen. Wo bleibt da Anstand und gute Sitte?" Nach dieser öffentlichen Bußpredigt zu schließen, müssen die in zweierlei Tuch verliebten Sächsinnen es allerdings etwas ſtark ge­trieben haben.

[ Ein dankbarer Patient.] In London herrscht in den letzten Tagen ein großer Andrang von jungen Mädchen aller Stände zu dem schweren und gefährlichen Amt der Kranken­pflegerinnen. Woher mit einmal diese Hochflut von Kan­didatinnen? Die 3' ungen hatten gemeldet, daß eine Krankenschwester rumens Wienes von einem Kranken, den sie während seiner Pockenkrankheit pflegte, fünf Millionen Francs geerbt hat. Was Fräulein Wienes passierte, denken die neuen Samariterinnen, fann uns ja auch blühen. Aloj schleunigst Krankenpflegerin werden, um auch solchen dank­haren Patienten eraattern zu können.

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** Geflickte Reichskassenscheine. In den Bestimmungen für den Umtausch durchgerissener und wieder zusammen­geklebter Reichskassenscheine ist eine Aenderung eingetreten. In Zukunft werden nur solche geflickte Scheine bei den öffentlichen Kassen eingelöst, in denen sich ein Stück befindet, das mehr als die Hälfte des Scheines ungeflebt zeigt. Ein Kassenschein z. B., der durch seine gewöhnlichen Knickflächen in vier gleichgroße Teile zerfällt", wird fortan nicht mehr umgetauscht, sondern nur noch bei der Reichsschulden- Ver­waltung in Berlin eingelöst. Es ist daher die größte Vor­sicht bei der Annahme geflickter Reichskassenscheine zu üben.

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