Einzelbild herunterladen

Nr. 205.

Abonnementsprets: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertels fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.

Mittwoch, den 2. September 1903.

Gießener

12. Jahrgang

Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfa. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. fg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Rebattion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Mr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Kommerzienrat Heichel

Betr. Die Vergebung der heim- Stiftung". Aus obengenannter Stiftung haben am 1. November I. Js. 1304 Mark zur Verteilung zu gelangen. § 3 der Stiftungsurkunde fönnen zur Bewerbung um die Gaben nur zugelassen werden:

a) Personen, welche während des Feldzuges 1870/71 im Militärverhältnis gestanden haben.

b) Frauen u. Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese sub a und b bezeichneten Bewerber einer der= actigen Unterstützung bedürftig und würdig sind und daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rückwärts gerechnet mindestens zwei Jahre in Gießen ununterbrochen gewohnt haben.

Die Bewerber werden hierdurch aufgefordert, sich bis zum 30. Spembe 1 J. bei der Großh. Bürger­meister i Gießen schriftlich oder zu Protokoll anzumelden und ihre Qualifikation zum Bezuge der Unterstützung näher zu begründen und zu belegen. Gießen, den 31. August 1903.

Der Oberbürgermeister.

J. V. Curschmann.

Bekanntmachung.

Die unterm 14. Juli 1903 angeordnete Sperre der Sandgasse, zwischen Marktstraße und der Straße In Löbers Hof" wird hiermit aufgehoben. Gießen, 2. September 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Bekanntmachung.

Betr. Die ärztliche Behandlung der Stadtarmen.

Herr Privatdozent Dr. Bolhard ist vom 2. bis 27. September 1903 verreist. Meldungen von Stadtarmen sind an die medizinische Alinit während genannter Zeit zu richten. Gießen, den 2. September 1903.

Amenamt Gießen.

Bekanntmachung.

Betr. te Versteigerung des Mobiliars im städt. Hospital. Morgen, Donnerstag, den 3. d. Mts., nachmittags von 2 Uhr an, werden die Betten und das Weißzug des städt. Hospitals versteigert.

Gießen, den 2. September 1903

Die Armen Deputation der Stadt Gießen.

Theoretische Politik.

Aus politischen Kreisen wird uns geschrieben: Nichts ist für die absolute Stoffarmut an politischen Fragen kennzeich­nender, als die fortdauernden Auseinanderseßungen über das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Freiſinn. Erklärt irgend ein Genosse", daß der Freisinn im Kampfe gegen die Reaktion" unterstützt werden müsse, dann jubelt ein Chorus von Redakteuren und fündigt eine baldige Mauserung zur Arbeiterpartei an, um niedergeschrieen zu werden, wenn an einer anderen Stelle ein gegnerischer Ge­nosse die Freisinnigen sämtlicher Schattierungen nebst dem nationalsozialen Anhängse mit den anderen Parteien in den gleichen Kessel wirft und behauptet, das alles, was da drinnen focht und brodelt, sei Renttion. Diese Beweis­führung ist absolut einseitig; beide Tendenzen zusammen ge­nomnten beweisen, daß tatsächlich innerhalb der Sozialdemo­fratie innere Wallungen eingetreten sind, aber man würde dem Selbstbewußtsein dieser Partei selber zunahe treten, Denn man annehmen wollte, daß aus dem alten Stamm in absehbarer Zeit neue Triebe herauswachsen werden. Das vird erst dann geschehen, wenn sie als Partei dem Schicksal der bürgerlichen Welt verfallen ist, wenn sich um sie herum ine Schar von Kritikern sammelt, die ihr öffentliches Wirken und Wollen unter die Lupe nehmen und auch Proben ihrer Tätigkeit, Beweise ihres Könnens verlangen. Daß diese Zeit einmal kommen muß und sich um so mehr nähert, je räftiger die Sozialdemokratie wird, kann man ernstlich nicht bezweifcin; aber ebenso sicher ist, daß diese Entwickelung noch in weitem Felde steht. Außerdem wird die innere Wandlung nicht ohne Stoß sich vollziehen; ein Teil der Sozialdemokratie wird die Mauserung überstehen, ohne an dem Programm und an dem Radikalismus auch nur eine leise Retonierung vorzunehmen. Inzwischen aber arbeitet die Partcileitung zielbewußt an der Erweiterung ihrer Macht. Sie ist die einzige Partei, die sich nicht mit Theorien aufhält. In der gleichen Zeit aber können die bürgerlichen Parteien feine gemeinsamen Berührungspunkte finden. Charakte ristisch in dieser Hinsicht ist die Nachwahl in Dessau, wo man fich weder auf einer Nationalliberalen, noch auf einen frei­jinnigen Volksporteiler einigen konnte, obgleich die rechts­

stehenden Parteien geneigt waren, einem Kandidaten aus einer dieser Parteien ihre Stimme zu geben. Infolge dieser Zersplitterung und Zerklitterung wird wahrscheinlich die Sozialdemokratie einen neuen Zuwachs erhalten. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen aber arbeitet sie eben­falls systematisch an ihrer Machterweiterung, indem sie jede prinzipielle Gemeinschaft mit irgend einer Partei, d. h. jede theoretische Verwandtschaft ablehnt und durch Kreierung absolut neuer Kandidaturen neue Agitatoren großzieht. Wenn man annimmt, daß sie nur in einem der zwei Dußend Wahlkreisen soviel Stimmen erhält, um einen Kandidaten aufstellen zu können, so wird die Kandidaten­benennung in jenen Bezirten mit einem Schlag eine An­zahl neuer Kräfte in die verdere Schlachtreihe stellen. Eine derartig praktische Politik weiß aber auch nicht eine einzige bürgerliche Partei zu betreiben.

Britische Balkanintriguen.

Ucbereinstimmend wird in der gesamten europäischen Presse der Begegnung Kaiser Franz Josefs und König Eduards in Wien cine hohe politische deutung beigemessen Und wer die Trinksprüche, die beive yürsten bei dem Be grüßungsmahl in der Wiener Hofburg wechselten, näher ins Auge faßt, wird unschwer inne werden, daß eine solche Auffassung der Vedeutung des Besuches gerechtfertigt ist. Kaiser Franz Josef spricht von den innigen und vertrauens­bollen Beziehungen zwischen Leiterreich und England, er betont, daß zwischen beiden Ländern keinerlei politische In­teressengegensätze beständen. Und König Eduard sagt mit anderen Worten ungefähr das Gleiche und ernennt den greisen Kaiser des Donaureiches zum Feldmarschall der britischen Armee.

Die Frage ist nun, worin die politische Bedeutung des Be juches König Eduards an der Donau gefunden werden muß. Auch darüber ist sich die gesamte öffentliche Meinung Europas einig: Durchiveg wird. die mazedonische Frage als der Hauptgegenstand und Hauptzweck der Besprechungen zwischen den beiden Herrschern angesehen. Auseinander gehen die Meinungen lediglich über die Ratschläge, die die beiden Fürsten einander geben wollen. Und hier läßt sich in der Tat auch nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung anstellen, eine Rechnung, die freilich erleichtert wird durch die Unvor­sichtigkeit, mit der die britisch offiziöse Presse nach altem Brauch die geheimen Absichten der britischen Politik ans Tageslicht bringt.

Es scheint einem Zweifel zu unterliegen, daß England Desterreich dahin bringen möchte, daß es der britischen Balkanpolitik Vorspanndienste leiste. Die russisch- öſter­reichische Kooperation auf dem Balkan war nicht nach Eng lands Sinne. England verspricht den Desterreichern jezi goldene Berge, es sichert ihnen seine geheinte, aber tatkräftige Unterstützung gegen Rußland, dessen egoistische Balkanpolitit natürlich besonders betont wird, zu; furz, man hofft bei der ganz natürlichen Neigung der Desterreicher, Rußland auf dem Balkan, ein Schnippchen zu schlagen die Donau monarchie dahin zu bringen, daß sie von Rußlands Seite ab­und an England heranrückt. Das wäre ein Gegengewicht gegen Rußlands Erfolg in Ostasien, gegen seine Verein barung mit Japan, die den Briten h hst ärgerlich ist.

Wird Desterreich auf diesen ziemlich plumpen Köderungs versuch hineinfallen? Ausgeschlossen ist das bei der nich gerade übermäßig großen Genialität der leitenden Männer am Donaustrande nicht. Das bedeutete dann den Anfanç des großen Balkanbrandes, der bald auf ganz Europa uni auch auf Asien und Amerika hinübergreifen würde. Hoffer wir, daß die vorsichtige Klugheit Kaiser Franz Josefs zu verhindern weiß, wozu seine Minister sich vielleicht leichter Herzens verstehen würden.

Die Politik,

Das Breslauer Hilfskomitee für die schlesischen Ueber­schwemmten hat beschlossen, schleunigst Saatgut für die Herbstbestellung zu beschaffen. Zu diesem Zweck sollen von unter den aus Privatspenden aufgekommenen Geldern dem Anrechnung der früher schon überwiesenen Beträge Regierungspräsidenten von Oppeln 200 000 Mart, dem von Breslau 120 000 Mark und dem von Liegnitz 30 000 Mark überwiesen werden.

Eine Zentralstelle für das evangelische Deutschland mit dem Siz in Berlin soll in nächster Zeit errichtet werden. Ihr Programm ist, durch soziale Reform die soziale Revo­lution zu überwinden. Beteiligt sind unter anderen: Die evangelischen Pfarrervereine und Lehrervereine, der Evan­gelisch- sciale Kongreß, der Deutsch- evangelische Frauen­bund, die Allgemeine Konferenz der Sittlichkeitsvereine und der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine Deutsch­lands.

Die dritte Session des bayerischen Landtages wird dem­nächſt, wahrscheinlich zum 26. September, einberufen merden.

Jür preußische Volks- und Mittelschullehrer soll ein Kurius im Zeichnen vom 7. September bis zum 3. Oktober

an der Berliner Kunstschule abgehalten werden. Zweck des Kursus ist, die Lehrer durch methodische Unterweisung und praktische chung mit der neuen Methode des Zeichenunter­richts vertraut zu machen. Die Teilnehmer erhalten aus Staatsmitteln eine Beihilfe von 120 Mark.

Der Zar hat Herrn v. Witte ein Pflaster auf die Wunde gelegt, indem er ihn in den Reichsrat berief. Die Auf­fassung, daß die Beförderung" Wittes eine Kaltstellung bedeutet, wird durch folgende Aeußerung eines hervorragen­den Staatsmannes unserem Berliner CB- Mitarbeiter gegen­über bestätigt: Herr v. Witte ist eine Treppe hinauf. gefallen, aber er ist gefallen!"

Der neue russische Finanzminister Eduard Dmitrie witsch Plesfe, bisher Direktor der Reichsbank, ist erst 51 Jahre alt. Er trat im Jahre 1872 in den Dienst des Finanzministeriums, wo er ziemlich schnell avancierte, so daß er schon im Jahre 1894 den Posten eines Direktors der Reichsbank einnahm. Auf diesen Posten war er vom Mi­nister Witte berufen worden.

A Die Lösung der ungarischen Krise scheint durch ein Ein­lenken der Obstruition erleichtert werden zu sollen. Einer der Führer der i struktionisten, Abg. Olay, hat erklärt, er sei bereit, die Frage der ungarischen Kommandosprache aus der Reihe der von der Obstruktion aufgestellten Forderungen auszuschalten und an der Herstellung der parlamentarischen Ordnung mitzuwirken, wenn die übrigen, zum Teil schon zugesagten nationica, orderungen der Ungarn erfüllt wür­den. Falls die Mehrheit der Obstruktionisten sich zu derselben Auffassung bekent, dürfte die Krise sich im Handumdrehen beilegen lassen. Die Forderung der ungarischen Kommando­sprache im Heere war die einzige, die der Kaiser unbedingt ablehnte.

Die bekannten Schutzzollpläne Chamberlains stoßen gerade da auf scharfen Widerstand, wo er Förderung zu fin­den hoffte. Ein britischer Politiker, der nach Australien reiste, um die Stimmung der Auſtralier für Chamberlains Pläne zu erkunden, berichtet einem Londoner Blatte, die Australier seien, abgesehen von einigen einflußlosen Poli­tikern und Journalisten, gegen Chamberlains Pläne. Dieser Bericht macht in England großes Aufschen und stärkt die Position der britischen Gegner des Ministers.

* Statt sich zu mildern, verschärfen sich die Gegensäge zwischen Briten und Holländern in Südafrika von Tag zu Tag. Die Buren flagen über die langsamen Fortschritte, Die die Wiederansiedelung der von ihren Farmen vertriebenen Landleute macht, und beschweren sich in scharfen Worten über die britische Bureaukratie, in der sie das Haupt­hindernis der Herbeiführung erträglicher wirtschaftlicher Zustände sehen. Außerdem verlangen sie die Gründung von mehr holländischen Schulen, während die Engländer englische Schulen gründen wollen. Diese Gegensäße bestehen nicht nur in den ehemaligen Burenfreistaaten, sondern auch in der Kapkolonie, wo ein offener Ausbruch dieser feind seligen Gesinnungen bevorzustehen scheint. Die Kapburen planen die Herausgabe einer sensationellen Broschüre, worin die Kriegführung und andere Ereignisse, die sich seither zu­getragen, besprochen werden soller. Da wird man ja er­bauliche Dinge zu hören bekommen.

Nette Entdeckungen, die freilich nach dem skandalösen Verfahren bei der Ausrüstung der britischen Truppen für Südafrika durch englische Firmen nicht verwunderlich sind, sind vom Londoner Kriegsamt gemacht worden. Die Be­hörde hat festgestellt, daß der tolle Mullah", der den Briten so schwere Schlappen beizubringen vermochte, dazu von- Engländern in den Stand gesetzt war: Der Mullah erhielt sein Kriegsmaterial hauptsächlich von englischen Firmen über London und Marseille. Bei einer Londoner Firma wurden Papiere beschlagnahmt, die erwiesen, daß die Firma bereits seit Jahren Waffen und Munition an den Mullah lieferte! Es ist doch etwas schönes um den Patriotismus!

A Herr Hayashi, der japanische Gesandte in London, er­veist sich als ein zugänglicher und für einen Diplomaten ziemlich gesprächiger Mann. Er wird wohl wissen, warum: Im Interesse Japans liegt es, die von der britischen Presse der Welt aufgetischten Meldungen von einem unabwend baren und nahe bevorstehenden Zusammenstoß Japans und Rußlands zu entkräften. Neuerdings hat Herr Hayashi deshalb wieder einem Vertreter des Reuterschen Büreaus" erklärt, Japan suche in Korea nichts als die Aufrechterhal hung seiner dortigen Interessen. Er sehe feinen Grund, veshalb es bezüglich Koreas oder der Mandschurei zu Un annehmlichkeiten mit Rußland kommen sollte. Es sei zweifel. los, daß Rußland sein Versprechen halten und im Oktober die Mandschurei räumen werde. Etwaige unbedeutende An lässe, welche Reibereien verursachen könnten, wie sie zeit­veilig selbst unter den friedliebendsten Mächten vorfämen, würden in freundschaftlichster Weise geregelt. Ob der Reuterkorrespondent den japanischen Diplomaten nicht miß verstanden hat, wenn er ihm die Versicherung in den Mund legt, Rußland werde die Mandschurei räumen?

* In Paris erschien, als einzige ihrer Art, eine täg liche Frauenzeitung, die Fronde", mit ausgesprochen radikal politischer Tendenz. Das Blatt hat in den Kreisen, füi die es bestimmt war, nicht die nötige Unterſtügung gefunden, o daß es gestern zu erscheinen aufgehört hat.

ste rechte Prinzessin sich zusammengefunden, so wäre der

und die rechte Prinzessin ebenso wie der rechte Erbprinz und

Fennechiel recht höfe gemeſen

aus: Das fürstliche Brautpaar, es lebe hoch!" unsere Teilnahme an dem freudigen Ereignis durch den Ruf ,, Mit Erlaubnis der Allerhöchsten Herrschaften drücken wir minfte hinaus und von neuem

,, Soll ich dirs

vorlesen?"

,, Gewiß, fleine Frau!"

Görbersdorf, den 14. Mai 1890,

der Gräfin Bückler. im Florahaus, Heilanstalt

geworden sein? borgezaubert! für Pläne geschmiedet, wie fich in ihrer Phantasie ihr deal Wie anders hatte sie es sich in ihrer Jugend ausgemalt; ma Was mochte aus dem Dreibund im Seminar Von Marga hatte sie die Verlobungs­geleien hon fedpig nie etwas gehört

er hat recht," muurmelte fie, es ist fein Leben für mich.