Ausgabe 
2.5.1903 Erstes Blatt
 
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Hof und Gesellschaft.

*** Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich schlie Ben sich heute( Sonnabend) in Florenz dem Kaiser an, um mit ihm dem italienischen Königspaar und dem Papst ihre Aufwartung zu machen. Der Kronprinz wird am 6. d. M. in Rom seinen 21. Geburtstag feiern und an demselben Tage mit seinem Bruder die Rückfahrt nach Berlin an­treten, während der Kaiser sich von Rom aus zunächst zum Fürsten Fürstenberg nach Donaueschingen und dann nach Straßburg und Schloß Urville bei Meg begeben wird.

*** König Georg von Sachsen hat sich nach herz­licher Verabschiedung vom Prinzregenten Luitpold von München nach Stuttgart begeben, wo er auf dem Bahn­hof vom König, den föniglichen Prinzen und den Würden­trägern bewillkommnet wurde.

*** Von der Trauung in Bückeburg wird noch berichtet, daß, als der Ringwechsel vollzogen wurde, 21 Salutſchüsse von einer nahe bei der Kirche aufgestellten Batterie abgegeben wurde. Beim Diner brachte der Kai­ser den Trinkspruch auf das neuvermählte Paar aus. Er sagte, der Großherzog möge seine Gemahlin auf Händen tragen und ihr in Minnen dienen, wie es am Hofe der Landgrafen von Thüringen von Alters her Brauch gewesen. Der Großherzogin stellte der Kaiser das Vorbild der Heiligen Elisabeth dar, die auch er zu sei­nen Ahnen zähle. Die Neuvermählten verleben ihren Honigmond auf Schloß Heinrichsau in Schlesien.- nigin Wilhelmina der Niederlande und Prinz Heinrich reisten gestern Vormittag nach Schloß Loo. Der Fürst und die Fürstin zu Schaumburg- Lippe gaben ihnen das Geleit zum Bahnhof.

*** Die Großherzogin Alice von Tostana wurde gestern telegraphisch nach Lindau berufen. Man schließt daraus, daß die Niederkunft der Prinzessin Luise bevor­steht.

Preussischer Landtag.

Schluß- Sibungen.

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Eigener Beri ht.

- Schluß der Legislaturperiode. Echon um 10 Uhr begann das Herrenhaus die Be­ratungen. Die Gesezentwürfe über die Verstaatlichungen von Privateisenbahnen und der dadurch bedingte Nach­tragsetat fanben nach kurzer Debatte einhellige Ge­nehmigung. Dann kam der ,, Clou" der Schlußsibung des Herrenhauses aufs Tapet: Der Antrag der Grafen Mir­bach und Dohna, die Regierung zu ersuchen, sie solle im Bundesrat für sofortige Kündigung der Handelsver­träge eintreten. Die Regierungsvertreter verließen, als der Antrag verlesen wurde, spornstreichs den Saal. War auch damit dargetan, daß der Antrag teine Berücksichti gung der Regierung finden würde, so trat das Haus doch in seine Beratung ein. Die Grafen Mirbach und Eulenburg, sowie Fehr. v. Manteuffel traten für ihn ein. Scharf bekämpft wurde der Antrag von dem früheren Minister Frhrn. v. Lucius- Ballhausen, dem Oberbergrat Wa ch ler und den Oberbürgermeistern Ben­der- Breslau und Becker-Köln. Die Abstimmung brachte wie vorauszusehen die Annahme des Antrags. Nach einer furzen Ansprache des Präsidenten Fürsten zu Wied, der darauf verwies, daß die Mitglieder jetzt von dem alten Hause Abschied nehmen müßten, um in den prächtigen neuen Herrenhauspalast einzuziehen, schüttelte man sich die Hände, und die Eizung war beendet. Der endgiltige Abschied freilich kam erst am Nachmittag, nach der ge meinsamen Eibung beider Häuser des Landtags, die den Schluß der Periode brachte.

Im Abgeordnetenhause hatte inzwischen die Beratung ebenfalls begonnen. Das Haus blieb einem Antrag Friedberg entsprechend auf den Beschlüssen der dritten Lesung über den Geseßentwurf betr. den höheren Verwaltungsdienst bestehen. Für die Wiederherstellung des Paragraph 4 der Regierungsvorlage stimmten nur die beiden konservativen Fraktionen mit 170 Stimmen; 164 Abgeordnete aber entschieden sich für die Kommissions­fassung. Damit ist der Gesezentwurf gescheitert." Nach­dem noch einige Petitionen betr. Lehrerbesoldungen er­ledigt worden waren, vertagte sich das Haus nach den üblichen Schlußansprachen auf 4 Uhr.

Úm 4 Uhr traten dann die beiden Häuser unter dem Präsidium des Fürsten zu Wied zu einer erweiterten Sig­ung zusammen, in der Minister Dr. Schönstedt den Land­tag schloß. Fürst zu Bied brachte ein hoch auf den Kai­ser aus; dann löste sich das Haus auf.

Aus dem Gerichtssaal.

§ Die Katastrophe der Bommerschen Hypotheken: aktienbank. Vor der Berliner Strafkammer begann der große Prozeß gegen die früheren vier Direktören der Bommerschen Hypothekenaftienbank, den 40jährigen Kom­merzienrat Johann Wilhelm Schulz aus Charlotten­burg, den 49jährigen Bankdirektor Karl Friedrich Ro­meick aus Wilmersdorf, den 72jährigen Stadtbauinspet­tor a. D. Arnold Hanel aus Köln und den königlichen Baurat Hermann Bohl aus Groß- Lichterfelde. Die ersten beiden befinden sich in Untersuchungshaft, die beiden leßten auf freiem Fuß. Sie stehen unter Anklage, die mißlungenen Terrainspekulationen der verkrachten Bɔm­mernbank dadurch verdeckt zu haben, daß sie die Bi­lanzen der Pommernbank verschleierten und widerrecht­lich hohe Dividenden ausschütteten, um die Gläubiger der Bank zu täuschen. Die Anklageschrift umfaßt 400 Druckseiten und für die Verhandluna sind vier Wochen in Aussicht genommen.

- Der Wachtmeister im 1. Garde- Ulanenregiment zu Potsdam Fuchs ist zu sechs Wochen Mittelarrest ver urteilt worden, weil er durch leberschreitung der Dienst­gewalt Veranlassung zu dem Selbstmorde des freiwil ligen Ulanen Würzberg gegeben haben soll, den er durch einen Unteroffizier und einen Gefreiten hatte ,, stramm nehmen" lassen. Der Unteroffizier erhielt ebenfalls sechs Wochen Mittelarrest, der Gefreite drei Wochen Arrest.

- Elise v. Heusler, die wegen Giftmordversuchs an der Krankenwärterin Wagner zu sechs Jahren Zuchthaus berurteilte frühere Oberin des Münchener Maximilian­stifts, will es jetzt mit einem Gnadengesuch an den Prinzregenten versuchen. Es wird ihr aber wohl nicht gelingen.

3. Sigung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll Auszug

Gießen, 29. April 1903. Anwesend waren die Herren: Kommerzienrat Stoch, Vor­fizender, Balser, Dürbeck, Ihr ng, Kaz, Novad, Ramsped, Rinn, Schirmer, Wallach, Zurbuch sowie der Syndifus Dr. Anipper.

1) Aus dem Geschäftsbericht ist Folgendes mit

zuteilen:

a) Bei dem Reichspostamt in Berlin wurde beantragt im Interesse der deutschen Ausfuhr nach China darauf hinzuwirken, daß die Briefbeförderung via Sibirien nach Shanghai und anderen chinesischen Bläßen zuge­lassen wird. Nach Auskunft des Reichspostamts ist die Briefbeförderung über Sibirien von Mitte Juni ab zu erwarten. b) Infolge wiederholter Beschwerden über das Mithören

telephonischer Gespräche durch dritte Personen im Orts. fernsprechverkehr Gießen hatte die Kammer bei dem Postamt Gießen die Beseitigung dieses Mißstandes an­geregt. Nach Mitteilung der Postdirektion beruht das Mithören auf Induktion der Leitungsdrähte, das nur durch Einführung des Doppelleitungsbetriebes be­seitigt werden kann. Nachdem Erhebungen über die entstehenden Kosten für Gießen angestellt sind, ist an­zunehmen, daß der Umbau des hiesigen Fernsprechneges in nicht allzuferner Zeit in Aussicht steht. Es wird empfohlen, wichtige Unterhaltungen bis dahin weniger laut zu führen.

c) Auf das Dankschreiben der Handelskammer an den Preuß. Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten für die Umwandlung der D- Büge 75 und 76 in gewöhn­liche Schnellzüge mit I. bis III. l. ist ein in warmen Worten gehaltenes Anerkennungsschreiben des Herrn Ministers eingegangen.

d) Die hauptsächlich im Interesse der Geschäftsreisenden in Gemeinschaft mit der Großh. Handelskammer Bingen beantragte Gewährung von Freigepäck für zusammen­stellbare Fahrscheinhefte ist abgelehnt worden. e) für den Sommerfahrplan 1903 der Staats bahnen hat die Kammer folgende Anträge gestellt: 1. Einlegung eines Spätzuges Gießen- Hungen, 2. Zulassung des Güterzuges 7503 Gelnhausen- Gießen zur Personenbeförderung ab Hungen bezw. Beförderung der von dem Güterzug mitgeführten Personenwagen ab Stockheim oder Nidda bis Gießen als besonderen Personenzug,

3. Anschluß des Schnellzuges 79 Frankfurt a. M.­Raffel( Gießen ab 7,15 morgens) an den vom 1. Mai 1903 ab verfehrenden Schnellzug Erfurt- Emden in Cassel,

4. Anschluß des Buges 512 Fulda Alsfeld an D 1 Frankfurt a. M.- Bebra( Fulda an 11.48 bends)

5. Anschluß des Zuges 531 Gießen Fulda an D 74 Kassel Frankfurt durch spätere Abfahrt des Buges 531 ( D 74 tommt in Gießen an 9.15 Abends, Bug 531 fährt ab 9.13 Abends).

6 Anschluß des Schnellzuges 77 Frankfurt a. M. Marburg an den Zug 529 Gießen- Fulda durch früheres Ein­treffen des Schnellzuges in Gießen, spätere Abfahrt des Buges 529, bezw. iterführung eines der Züge 805 ( Frankfurt Bad Nauheim) und 805a( Frankfurt Friedberg) 6.8 Gießen,

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7. Einstellung weiterer Personenwagen III. und IV. l. mit der Strecke Lauterbach Grebenhein an Samstagen, Sonn- und Feiertagen.

Leider ist diesen Anträgen im Sommerfahrplan nur in ganz ungenügendem Maaße Rechnung getragen, in dem ledig­lich ein Anschluß des Schnellzugs 79 an den neuen Schneй­zug Frankfurt Cassel- Emden hergestellt ist. Auf den An­trag betr. Einlegung eines Epätzuges Gießen- Hungen will die Eisenbahnverwaltung eventuell erst für den Sommer 1904 zurückfommen. Die Kammer war der Ansicht, daß die Eisenbahn- Verkehre verhältnisse im nördlichen Ober­hessen dringend einer Verbesserung bedürfen und wird in diesem Sinne bei Großh. Ministerium der Finanzen vor­stellig werden. Als besonders erforderlich wurde die Ein­legung eines Spätzuges Gießen- Hungen bezeichnet.

f) Für den Sommerfahrplan der Biebertalbahn hatte die Rammer mehrere Anschlüsse auf der Station Abend­stern, namentlich in der Richtung Gießen- Abendstern Wezlar beantragt. Mit Rücksicht auf entgegen­stehende Interessen hat die Rammer einige dieser An­träge zurückgezogen, hält es jedoch für erforderlich, daß der Anschluß Gießen- Abendstern- Wezlar zwischen den Zügen 12 der Biebertalbahn und 1112 der Staats­bahn durch geeignete Früherlegung des ersteren( ab Gießen 2.45 nachmittags) und Späterlegung des legteren Buges gewahrt wird.

g) Die Kammer hat ferner auf Anregung Großh. Kreis­amts beantragt, daß die Rückfahrkarten Gießen- Wezz­lar und Gießen- Lollar der Staatsbahn auch zur Fahrt über Abendstern Gültigkeit erhalten. h) Bur Verbilligung und Hebung des Güterverkehrs auf der Biebertahlbahn hat die Kammer in einem Gut­achten sich für die Ermäßigung der Staatsbahnab­fertigungsgebühr beim Uebergang von der Biebertal­bahn auf die Staatsbahn und umgekehrt ausgesprochen. i) Dem Herrn Reichskanzler sind die Wünsche der Leinen­industrie des Bezirks bezüglich ausländischer Bollsäge mitgeteilt worden.

k) Infolge geringer Benußung sind vom Kaiserlichen Patentamt der Patentschriftenauelagestecken Gießen ( Universitätsbibliothek) einige Klassen der Patentschriften entzogen worden. An der genannten Stelle liegen noch aus die Schriften der Klassen: 2( Bäckerei), 42 ( Instrumente), 49( mechanische Metallbereitung), 51 ( Musikinstrumente), 70( Schreib-, Beichen- und Mal­

geräte) und 79( Tabat, Cigarren, Cigarretten), beren Benuzung den Interessenten wiederholt empfohlen wird. 2. Räufmännische Fortbildungsschulen: Nach dem Berichte des Leiters der Kaufmännischen Fach­schule Gießen haben im leßten Schuljahre die Lehrlinge einiger Firmen wegen angeblich geschäftlicher Verhinderung" häufig den Unterricht der Fachschule versäumt. Die Kammer hat daher in einer Bekanntmachung nochmals auf die Be­deutung der Fachschule als staatlich anerkannte Unterrichts. anstalt im Sinne des Handelsgesetzbuchs der Gewerbeordnung hingewiesen und beſtimmt, daß fünftig in solchen Fällen der Schüler aus der Schule auszuschließen und, sofern sie noch Allgemeinen Fortbildungsschule zu überweisen find. Bur im Fortbildungsschulpflichtigen Alter stehen, der städtischen Förderung des Kaufmännischen Unterrichtswesens beschloß die Kammer für die Lehrer der ihr unterstellten Schulen gemeinsame Konferenzen einzurichten, die ab. wechselnd in Gießen, Alsfeld und Lauterbach stattfinden sollen. Die Großh. Handelskammer Friedberg wird ersucht werden, sich auch für ihre Kaufmännische Fort

bildungsschule an dieser Einrichtung zu beteiligen.

3. Abänderung der Konkursordnung. Ent sprechend einer Eingabe des Verbandes der Vereine Kredit­reform an den Reichstag erklärte sich die Handelskammer für die Veröffentlichung von 8 ahlungseinstellungen in Fällen, in denen mangels Masse ein Kontursverfahren nicht eingeleitet wird.

4. Manifestantenlisten: Im Anschluß an eine Rammer, das Großh. Justizministerium zu bitten, darauf weitere Eingabe des genannten Verbandes beschloß die Manifestanten Jedem zur Einsicht offenstehen, und daß Jeder hinzuwirken, daß die bei den Gerichten geführten Listen der mann gegen die Erstattung der Abschreibegebühren sich da­von eine Abschrift anfertigen lassen kann.

Händler hat in einer Eingabe an den Herrn Reichskanzler 5. Der Bund deutscher Nahrungsmittelfabrikanten und gesetzgeberischer Maßnahmen auf dem Gebiete der Nahrungs beantragt, daß die sachlichen Unterlagen zur Begründung und Genußmittel, sowie der Gebrauchsgegenstände im Sinne Gesetzgebung verwendet werden, veröffentlicht und der Artik des Nahrungsmittelgesches, bevor sie als Grundlage der der beteiligten gewerblichen und wissenschaftlichen Kreise zu­gängig gemacht werden. Die Kammer erklärte ihre Bustim­mung zu diesem Antrag.

6. Die von der Polizeibehörde für die Gießener Viehmärkte erlassene Bestimmung über das Ausmelken der Kühe vor dem Auftrieb hat verschi dene Beschwerden wird zunächst Erhebungen hierüber veranstalten und nach in den Kreisen der Viehhändler hervorgerufen. Die Rammer Eingang des Materials Stellung zu der Frage nehmen.

7. Von verschiedenen Seiten wurde über den Mangel an Fernsprech verbindungen von Gießen g flagt und weitere Anschlüsse beantragt. Die Kammer wird Ermittelungen für Gießen, Alsfeld un Lauterbach einleiten und auf Grund der einlaufenden Wünsche Anträge an die Postverwaltung richten

7. Der erste Teil des Jahresberichte wurde ver I sen und der Voranschlag der Handelskammer für das Jahr 1903/04 genehmigt.

9. Eingänge:

a) Ergebnis der von dem Großh. Ministerium der Fi­nanzen veranstalteten Erhebungen über die Frage der Warenhausbesteuerung,

b) Bericht über die Verhandlungen des 16 hessischen Handelsfammertages am 8. März 1903,

c) Bericht über die 29. Vollversammlung des deutschen Handelstags am 18.- 19. März 1903.

d) Bürgel's Nachschlagebuch mit Ortslegifon für das deutsche Reich( enthält ausführliche Artikel über Post, Telegraphen, Eisenbahn, Zoll, Münz, Maaß und Gewichtswesen, Exporttechnik, Verkehr mit der Reiche. bant, Schiffahrt, Gesetzgebung, Musterschutz, Rechte und Pflichten der Agenten, Handlungsreisenden, Ver­zeichniß in- und ausländischer Rechtsanwälte, Konsulate, Handelskammern, Syndifate, Kartelle, Preisfonden. tionen u. s. w.

e) Jahresbericht des Verbandes reisender Kaufleute Deutsch­lands.

f) Von zuverlässiger Seite sind der Kammer ferner zuge­gangen: Liste zweifelhafter Firmen in Holland, Bel gien, Großbritannien, Spanien, Rumänien, Rußland, Berichte über den amerikanischen Tabaktrust, die mexi­fanische Exportkommission, die allgemeine deutsche Aus­stellung für Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft in Aussig, Bolltarif für Transvaal, die Eröffnung und Förderung deutscher Interessen in Argentinien.­Die Eingänge fönnen während der üblichen Geschäfts stunden im Bureau der Handelskammer eingesehen werden.

Giessener Cagesnenigkeiten.

Gießen, 2. Mai 1903.

Es wird uns Folgendes mitgeteilt: Mit der nun endlich erfolgten definitiven Aufstellung eines Mannes aus dem liberalen Lager wird der Wahlkampf wohl auch in unserem Wahlkreis Gießen- Grünberg- Nidda beginnen. Ja wir möchten behaupten, daß das bisherige Schweigen ber Liberalen die bekannte Stille von dem Sturme bedeutete; denn soweit die Informationen lauten, werden mehrere öffent liche Versammlungen, z. B. in Grünberg, Lich und Nidda, schon in der nächsten Zeit stattfinden und be deutende auswärtige Redner und einflußreiche Politiker dem liberalen Kandidaten das Feld bebauen helfen.

Der Großherzog hat dem Oberstleutnant a. D. Cullmann, feither Kommandeur des Gandarmerie- Diftrifts Rheinhessen, den Charakter als Oberst verliehen; dem char. Oberstleutnant Freiherrn von Normann, Romman deur des Gendarmeries Diftrifts Rheinhessen, und dem char. Major 8 a hn, Kommandeur des Gendarmerie- Distrifts Oberhessen, Batente ihres Dienstgrades erteilt; den

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