Nr. 51.
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Montag, den 2. März 1903.
Gießener
12. Jahrgang.
Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzelle für Gießen wi ganz Oberbeffen, die Kreise Weylar und Marburg 10 fg fenft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 Bfg.
Boftgeltungslifte No. 8969.
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Neueste Nachrichten
( Gießener Bageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Die Reform der Krankenversicherung.
( Von unserem ständigen CB.- Mitarbeiter.) Unsere sozialpolitische Gesezgebung steht im Begriffe, Dieber einen großen Schritt vorwärts zu tun: Die erwartete Novelle zum Krankenversicherungsgesez, die eine Reform dieses Zweiges sozialer Fürsorgegejezgebung in ich schließt, ist dem Reichstage zugegangen und nach eingehender Debatte einer Kommission von 21 Mitgliedern yur Durchberatung überwiesen.
Die Grundzüge der von der Regierung vorgeschlagenen Reform der Krankenversicherung sind in der Hauptache folgende: Bisher endete die Krankenunterstützung mit dem Ablauf der 13. Krankheitswoche. War bis dahin die Krankheit nicht behoben, so stand der Kranke ohne weitere Unterſtüßung da: erst mit dem Ablauf der 26. Woche nach dem Ausbruch der Krankheit hatte Der Kranke Anspruch auf eine laufende Unterſtüßung rus dem Invalidenversicherungsfonds, die bis zu seiner Befundung und erneuten Erwerbsfähigkeit gezahlt wurde. Für das Vierteljahr von der 14. bis zur 26. Woche fehlte also einem Franken Arbeiter die Unterstützung. Diese höchst empfindliche Lücke der bisherigen Sozialgesetzgebung füllt der Reformplan der Regierung vollTommen aus: Er bestimmt, daß die Krankenunterstützung nicht, wie bisher, für 13, sondern für 26 Wochen gezahlt werden soll. Dann tritt sofort, falls die Krankheit noch Tänger dauert, die Invalidenrente ein.
Diese Bestimmung erweist sich auch in solchen FälTen als segensreich, wo die Erwerbsunfähigkeit des Arbeiters durch einen Unfall herbeigeführt worden war. 3war war in solchen Fällen die Berufsgenossenschaft Schon jetzt verpflichtet, spätestens vom Beginn der 14. Woche ab das Heilverfahren zu bestreiten und dem Verten Rente zu gewähren. Aber diese Verpflichtung Fand sehr häufig nur auf dem Papier. Wenn nämlich Die Feststellungen, ob die Erwerbsunfähigkeit die Folge eines entschädigungspflichtigen Unfalls sei oder nicht, Fich länger hinzogen und womöglich zu einer Entscheibung des Reichsversicherungsamts führten, ging oft ein Halbes Jahr und noch mehr darüber hin, ehe der VerLepte von der Berufsgenossenschaft unterstützt wurde. Invischen fonnte er sehen, wie er sich durchbrachte.
Nach dem neuen Reformplan braucht er das Ergebnis der Auseinandersetzungen mit der Berufsgenossenschaft nicht mehr ängstlich abzuwarten, er erhält seine Unterstützung fortlaufend erst aus der Krankenversicherung und dann aus der Invalidenversicherung. Sache dieser beiden Anstalten ist es dann, von der BerufsgeTossenschaft sich die von ihnen aufgewandte Unterſtüßung zurückzahlen zu lassen, wenn und soweit die Genossenjahaft verpflichtet ist, die Fürsorge zu übernehmen. Natürlich kostet diese Neuerung sowohl den Arbeitgebern wie den Arbeitern selbst etwas mehr, um etwa zwei bis drei Pfennige an wöchentlichem Beitrag. Aber besen Mehrkosten stehen ganz unverhältnismäßig große Borteile gegenüber, so daß die geringe Verteuerung nicht ins Gewicht fallen kann.
Auch sonst bringt die Novelle noch zwei sozialpoli tach höchst bedeutsame Aenderungen. Zunächst wird die Unterstützung der Wöchnerinnen nach der Niederkunft buon vier auf fechs Wochen ausgedehnt. Die Zweckmäßigfeit dieser Maßnahme liegt auf der Hand. Zum andern enthält der Reformplan die grandfäßliche Neuerung, daß die Geschlechtskranken den anbaren Kranken gleichgestellt werden, also dieselben Rechte auf Unterstüßung und Invalidenrente erhalten sollen wie die übrigen Kranken. Vom Standpunkte der Hebung der Volksgesundheit aus ist die Maßregel nur vernünftig zu nennen. Ein geschlechtskranker Arbeiter, der nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe erhält, wird, um nicht brotlos zu werden, seine Leiden verheimlichen und so in den meiften Fällen seine Mitarbeiter in die Gefahr der Anstadung bringen, ganz abgesehen davon, daß seine eigene Gesundheit ruiniert und er vielleicht zeitlebens unglücklich wird. Und wenn nun auch den durch ihn mit der Krankheit behafteten Arbeitern die baldige Heilung durch Verjagung der Unterstützung erschwert wird welche große Gefahr einer Weiterverschleppung ergibt sich daraus! Der Reichstag wird vielleicht die Novelle, an deren Annahme nicht zu zweifeln ist, noch etwas erweitern, Bwird er vielleicht die längst notwendige Neuce gelung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen, Aerztem und Apothekern einflechten. Aber ob das nun gechieht oder nicht, in jedem Falle marschiert Deutschland mit diesem Ausbau der Krankenversicherung auch weiter hin an der Spize aller Kulturnationen. Außer diesem Ruhm aber bringt die Novelle unserem Volle noch etwas biel wertvolleres: eine weitere Linderung unverschuldeten Glends minderbemittelter Volksschichten, die eine neue Etappe auf dem Wege der Aussöhnung der sozialen Gegensätze darstellt.
> 270. Sigung.
Deutscher Reichstag.
Eigener Bericht.
- Poſtetat.- Die wachsende Unlust des Reichstages offenbarte sic bei der Beratung des Postetats recht deutlich. Während die Postverwaltung sonst regelmäßig zu recht lebhaften und sogar erregten Debatten Anlaß gab, zeigte sich diesmal unter den Abgeordneten nur eine geringe Teilnahme. Das Haus war, als die zweite Lesung begann, fast ganz leer; erst während der Red: des Staatssekretärs Krätte stellten sich in Trupps zu zweien und dreien die Herren Voltsvertreter ein. Der Staatssekretär führte aus: Trop der schlechten Finanzlage seien 5000 neue Beamten- und Unterbeamtenstellen in den Etat eingestellt worden, darunter allerdings nur 2000 neue Assistentenstellen, statt 3000, wie er dies ursprünglich gewollt habe. Die Zahl der Hilfsarbeiter beträgt jezt 8000, davon aber nur 1400 wirklich dauernde Hilfsarbeiter bei einem und demselben Postamte. Dem Antrage, die Zahl der Oberpostassistenten noch um 1000 über den Etat heraus zu erhöhen, könne nicht entsprochen werden. Wenn darüber geflagt werde, daß der Hilfsbeamte, der auf Kündigung gestellt sei, nicht sicher sei oder vielmehr sich nicht sicher fühle, so könne er versichern: der Hilfsbeamte, der sich gut führe, brauche teine Kündigung zu fürchten. Die Debatte war wenig anregend, noch weniger aufregend. Eine lange Reihe von Abgeordneten, so die Herren Singer, Stöcker, Mül= ler Meiningen, Kirsch, Graf Oriola, Werner u. a. brachten die verschiedensten Wünsche und Beschwerden vor und der Herr Staatssekretär ermüdete nicht, den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Das Kapitel wird schließlich bewilligt. Nun beantragt Müller- Sagan, den Titel ,, Postassistentenstellen" an die Budgetkommission zurückzuverweisen. Dieser Antrag wird, wie der Vizepräsident Büsing fonstatiert ,,, mit großer Majorität" angenommen. Diese Feststellung erregte große Heiterkeit, weil sich zur Zeit nur 23 Mitglieder im Hause befanden.
Wetterleuchten am Balkan.
Geschäftige Federn in Wien und Petersburg, die gerne rosig malen, fahren sort, die beteiligten Mächte und die Balkanvölker zu dem mazedonischen Reformprogramm und seiner Annahme durch den Sultan zu beglückwünschen, und preisen die Reformattion als ein Meisterwerk der Diplomatie. Desgleichen werden am Goldenen Horn zwischen dem Padischah und den Botschaftern der beiden Kaisermächte gar schöne Komplimente ob des ,, Glingens" der großen Reformattion ausgetauscht. Ganz anders dagegen lauten fortgesezt die Nachrichten, die aus Bulgarien und Mazedonien kommen. Dort donnerts und wetterleuchtet es immerzu.
Kämpfe in Mazedonien.
Aus verschiedenen Gegenden Mazedoniens wird von ernsten Kämpfen zwischen Türken und Aufständischen gemeldet. Der Vali von llestüb berichtet über einen Zusammenstoß mit einer bulgarischen Bande, bestehend aus 60 Mann, die bulgarische Militäruniformen trugen, im Bezirk Pentschowo oder Osmanye. Zwölf Mitglieder der Bande, darunter ein Oberst und fünf Offiziere, wurden getötet. Die türkischen Truppen hatten zwei Tote. Bei den Leichnamen wurden Manifeste und Thami patronen gefunden. Ferner fand zwischen türkischen Truppen und Sen Einwohnern des nördlich von Seras gelegenen Dorfes Brando ein Gefecht statt. Die Truppen brannten einen Teil des Dorfes nieder.
Selbstbewußtsein der Türken.
Die von der österreichisch- ungarischen und der russischen Regierung an die Ballanstaaten gerichteten Ermahmungen zur Ruhe, und die Erklärung des amtlichen Petersburger ,, Regierungsboten", daß Rußland keinen Tropfen Blut seiner Söhne opfern werde, wenn die Balkanstaaten die ihnen erteilten Ratschläge nicht befolgen, haben den Sultan natürlich sehr befriedigt und das Selbstgefühl und die Zuversichtlichkeit der türkischen Staatsmänner beträchtlich gesteigert. Leider steht zu befürchten, daß diese gehobene Stimmung sich in einem rücksichtslos- grausamen Vorgehen gegen die aufständischen Mazedonier betätigen wird. Auch in Sofia, wo man überhaupt sehr pessimistisch über die weitere Entwickelung der Dinge denkt, glaubt man das. Man erwartet dort, daß die Türkei mit dem ganzen Aufgebot aller zur Verfügung stehenden Kräfte einen energischen Borstoß gegen Ma zedonien machen wird. Es heißt, die Parole laute in Konstantinopel, daß die Mazedonier ausgerottet werden müssen. Auch Fürst Ferdinand soll sehr ungünstige Nachrichten haben.
Der neue Ge... calinspekteur.
Die Pforte hat den Walis von Monastir, Saloniki und Uestüb die Hauptpunkte der angenommenen Reformen übermittelt und angezeigt, daß Hilmi Pascha drei Jahre Generalinspekteur bleiben werde. Hilmi ist ein
turqwer zonentinger we hundert andere Paschas mehr. Er wird sich hüten, die Wünsche des Yildiz- Palastes zu durchkreuzen. Ein solcher Mann kann allerdings den Mazedoniern nicht gefallen. Aber wenn er immer die Pforte zum Generalinspekteur bestellen mochte- ein Türke und Muhamedaner darf es nicht sein. Die Ma zedonier verlangen einen Nichttürken und Christen.
Die Politik.
Erneuerung der Handelsverträge oder Revision? Bekanntlich hat die deutsche Regierung Rußland, Desterreich- Ungarn und J alien zu erlennen gegeben, daß sie bereit sei, in Unterhandlungen wegen des Abschlusses neuer Handelsverträge einzutreten. Bereits sind auch zwischen Deutschland und Rußland die ersten vorbereitenden Schritte getan. Hierauf ist die in einem IndustriellenVerein erfolgte Mitteilung zurückzuführen, daß der Entwurf eines deutsch- russischen Handelsvertrages ver inbart sei. An die Schweiz dürfte noch kein Antrag gestellt sein. Wie schon der Staatssekretär des Reichsschazamts Frhr. v. Thielmann im Reichstage erllärt hat, wird seitens der Reichsregierung Gewicht darauf gelegt, zunächst mit den großen Staaten zu einem Abschluß zu kommen. Nun wird von Rom aus, als handle es sich um etwas ganz Neues und Wichtiges, gemeldet, die deutsche Regierung habe bei den verschiedenen Staaten eine Revision der Handelsterträge vorgeschlagen. Die Kündigung der bestehenden Verträge würde also nicht erklärt werden, die Ve räge würden vielmehr in Straft bleiben, bis die neuen abgeschlossen und genehmigt sind. Unseres Erachtens handelt es sich hier um ein bloßes Spiel mit Worten. Denn freilich sind die Handelsverträge nicht gefündigt worden und sie sollen es auch nicht, da man eben zu dem Abschluß neuer zu gelangen hofft. Ob die Handelsverträge von Anfang bis zu Ende neu geschaffen oder ob die bestehenden unter Zugrundelegung des neuen deutschen Zolltarifs einer durchgreifenden und umsassenden Revision oder Abänderung unterzogen und entsprechend verlängert werden, das läuft wohl so ziemlich auf dasselbe hinaus.
Ein alter britisch- brasilianischer Streit.
Eine brasilianische Sondergesandtschaft mit dem Senor Joaquim Nabucco an der Spize ist in Rom eingetroffen, um Brasilien bei den Verhandlungen über den Streit zwischen England und Brasilien zu vertreten, dessen gerichtliche Entscheidung von den beiden Staaten dem König Viktor Emanuel von Italien übertragen worden ist. Es sei daran erinnert, daß der fragliche Streit infolge von Differenzen wegen der Feststellung der Grenze zwischen Britisch Guyana und dem brasilianischen Amazonenstaat ausbrach. Diese Affäre zieht sich bereits seit dem Jahre 1842 hin, doch sind erst in den letzten Jahren ernste Versuche zur Regelung der Angelegenheit gemacht worden.
Ministerkrise in Portugal.
$ Giner telegraphischen Meldung aus Lissabon 1- folge hatte das gesamte portugiesische Ministerium sein Entlassungsgesuch eingereicht und der König Dom Carlos die Temission angenommen, zugleich jedoch den Ministerpräsidenten Hinge Ribeiro mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Die Ursache der Krise ist in Meinungsverschiedenheiten über die schwebenden Finanzprojekte zu suchen. Nach einem weiteren Telegramm ist die Neubildung des Kabinetts bereits erfolgt. Das neue Ministerium ist wie folgt zusammengesetzt: Hinge Ribeiro, Präsidium und Inneres; Campes Henriques, Justiz; Pimentel Pinto, Krieg; General Gorjao, Marine; Teixeira Sousa, Finanzen; Wenzeslaus Lima, Aeußeres und Paco Vieira, öffentliche Arbeiten. Hiernach sino der Minister der Finanzen und des Auswärtigen Mattoso, sowie der Minister der öffentlichen Bauten Vargas ausgeschieden, die übrigen Kabinettsmitglieder dagegen geblieben.
Die Wirren in Marokko. )-( Nachrichten aus Tanger zufolge sind dort eine Anzahl britischer Untertanen von den marokkanischen Soldaten barbarisch mißhandelt worden, und zwar, wie es heißt, aus ganz geringfügiger Ursache. Der Vorfall hat unter den Europäern eine große Aufregung hervorgerufen und die diplomatischen Vertreter Englands verLangten sofort Genugtuung, ohne bisher eine Antwort Wie über Paris gemeldet wird, haerhalten zu haben. ben an der marokkanisch- algerischen Grenze unweit der Dase Figuig im westlichen Teile der Sahara 200 den Stämmen der Ulad- Djeris und der Beni- Guil angehörige Plünderer 150 Samele einer Karawane geraubt und drei Mann von der Begleitmannschaft getötet.
#Kurze volitische Nachrichten.
* Jm Seniorentonvent des Reichstags er flärte auf Befragen der Präsident Graf Ballestrem es malte nunmehr in Reichstagsfreisen die Absicht vor, das Phosphorgesez und die Krankenkassennovelle endgültig in drei Lesungen zu erledigen. Die Erwartung, daß die Session noch bor Ostern geschlossen werden könne
and feine Titel. Hierauf überreichte er bas Blatt Herrn
Schelm mit den Worten:
nach seinem Arbeitszimmer zurüd; in der Hand hielt er Echelm ging felber nach der Kasse und lehrte darauf
und meinem Vorteil am besten fein wird."
,, un gut; handeln Sie so, wie es fir Shren eigenen
hen früheren Y
nicht mehr,
ich
neugierig fragte:" Tagen in Ihre Hände zu liefern." Müller sprach mit solcher Ueberzeugung, daß Schelm jage ihm nach und hoffe ihn in einigen
Jst er also der Verschwörung beigetreten? Ach, wenn
das wahr wäre!"
diesen Leuten.
auf sie einen
ffeinc
Ich
Anspruch
machen.
Ich gehör oft
Beschlag und denke auch nicht daran, mich in dieser Ber lege hin und wieder Nahida mit
ziehung zu bessern.
wird es besser
Statt mir zit zürtellen, who wouse!
sein, wenn Sie sich häufig dort
wöhnlich beisammen sind, wenn auch in meinem
a fnfr
ohm frin Gie
wir ge
mit
vor sich hertreiben.
Wanderstäbe mit herrlichen Rosenb.iten geschmückt haben. einem geste, weil die Mädchen auch ihr baar und ihre duft erfüllt, ja es hat den Anschein, als gehe es zu irgend umfangreichen störben von Rosen beladener Grautiere Der eigentliche Mittelpunkt der bulgarischen RosenölDie Luft ist buchstäblich von Rosen


