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1.8.1903 Zweites Blatt
 
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elchnungen, 30 Mark. Beste Referenzen,

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Nr. 178,

Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 fg., durch die Post bezogen viertel fährlich Mr. 1.50.

Gratisbellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.

Samstag, den 1. August 1903.

Gießener

1. Jabrgang.

Jusertionspret 8s Die einfpaltige Betitzeile für Gießen we ganz Oberhessen, die Kretse Weglar und Marburg 10 f fonit 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fs.

Boftzeitungsliste No. 3969.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanfchlak Mr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Vermischtes.

A[ Die Kaiserin als Schüßenkönigin.] Von der Kai serin ist die bei dem diesjährigen Königsschießen der Schüßengilde zu Rosenberg auf sie entfallene Würde eines Schüßenfönigs angenommen worden; gleichzeitig hat die hohe Frau der Gilde zur Erinnerung eine silberne Medaille ge­ſtiftet.

[ Eine Reichskanzler- Ehrung eigener Art wird aus Obernigt in Schlesien gemeldet. Die benachbarte Ortschaft Goscienjewo hatte, um dem Reichskanzler ihre Verehrung und Achtung zu bezeigen, bei der Regierung den Antrag ge­stellt, ihren Ortsnamen in Bülowtal" umtaufen zu dürfen. Diesem Verlangen ist jetzt entsprochen worden. Die Tauf­feier soll mit großer Festlichkeit vor sich gehen.

[ Eine Abnahme des Littauertums] wird amtlich konsta­tiert. Dieser Rückgang hat sich im Verlaufe der letzten zehn Jahre eingestellt. Gegenwärtig werden zwar noch littauische Gottesdienste abgehalten, indessen sind sie meist sehr schwach besucht. Während früher die Besetzung einzelner Prediger­stellen im Littauischen von der Kenntnis der littauischen Sprache abhängig gemacht wurde, ist die Beherrschung dieser Sprache nicht mehr erforderlich. Littauischer Konfirmanden­Unterricht wird nirgend mehr erteilt, littauische Einsegnun­gen finden nicht mehr statt.

[ Ein sinngemäßer Druckfehler] findet sich nach der Zeitschrift für den deutschen Unterricht in einem kürzlich herausgegebenen Werk über katholisches Cherecht von Pro­fessor Englmann. Dort präsentiert sich auf Seite 178 das geflügelte Wort aus Schillers Glocke: Drum prüfe, wer sich ewig bindet" in der dem Stoff des Werkes noch trau­licher angepaßten Fassung: Drum prüfe, wer sich ehe= I ich bindet!"

*[ Die zartfühlende Polizei.] Im Amtsanzeiger der Stadt Bern" erklärt die löbliche Polizeidirektion der eid­genössischen Bundeshauptstadt den Hahnenschrei in den frühen Morgenstunden als lästige Ruhestörung", gegen elche die Polizei einzuschreiten habe. Man merkt, daß Bern ine schweizerische Beamtenstadt ist.

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[ Teure Sparsamkeit.] Eine kleine Anekdote, die den Gegnern der Sparsamkeit Vergnügen bereiten muß, erzählt Biriou in der Revue Hebdomadaire". Ritt und Larochelle waren Drektoren des Pariser Theaters Porte- Saint- Martin, als Die Reise um die Welt" von Adolphe d'Ennery in Szene gesetzt wurde. Für die Aufführung brauchte man auch einen Elefanten. Als sparsamer Mensch und Direk­tor mar Larochelle der Ansicht, daß man sich ganz aut mit

einem Elefanten aus Pappe behelfen konnte. Aber Ritt hatte inzwischen einen lebendigen Elefanten entdeckt, den er engagierte. Er war nicht sehr teuer: bekam er doch nur 60 Francs für den Abend. Sie sollten ihn kaufen", meinte d'Ennery. Larochelle hob die Arme zum Himmel und schrie voll Entrüstung: Sie wollen mich wohl rui­nieren! Wissen Sie denn, daß man 8000 Francs für das Tier fordert?"" Unglücklicherweise" war die Reise um die Welt" ein großer Erfolg, und erlebte so 600 und einige Aufführungen hintereinander. So daß das Engagement des Elephanten 36 000 Francs kostete!

[ Wie sich Vanderbilt Juwelen verschafft.] Der ameri kanische Milliardär Vanderbilt, der kürzlich mit seiner Jacht in Petersburg weilte, hat bei den Petersburger Juwelieren ein wenig gutes Andenken hinterlassen. Er sprach, so er­zählen die Nowosti", in verschiedenen Juwelierläden vor und bestellte sich eine große Auswahl von Juwelen auf seine Jacht. Die Bestellung wurde sofort ausgeführt, und die Petersburger Juweliere schienen den Geschmack der Vanderbiltschen Damen getroffen zu haben, denn während eines Frühstücks auf der Jacht konnten die Damen im Schmuck der Petersburger Juwelen bewundert werden. Als die Juweliere das erfuhren, rieben sie sich vergnügt die Hände, in der festen Annahme, daß die auf die Jacht ge­schickten Gegenstände auch gekauft worden seien. Wie groß war jedoch ihr Erstaunen, als Herr Vanderbilt am Lage seiner Abreise alle Schmucksachen, die er längere Zeit bei sich behalten hatte, zurückschickte, ohne auch nur einen Gegen­stand gekauft zu haben.

=[ Die Vergnügungs"-Reise.] Fatale Reiseerlebnisse hat ein Regler aus Tilsit gehabt, der mit seinem Klub eine Vergnügungsreise nach Memel machte. Nachdem die Klub­mitglieder in der Ostsee ein Bad genommen hatten, wurde unser Kegelschütze merkwürdig still; er öffnete den Mund überhaupt nicht mehr. Schließlich stellte sich heraus, daß die Wellen beim Tauchen in der Ostsee sein falsches Gebiß ver­schluckt hatten. Nun ging es nach dem Leuchtturm, auf dessen Zinne ein heftiger Wind wehte. Als man wieder unten war, hatte der Stumme" seinen Strohhut oben ver­gessen. Demi Leuchtturmwächter wurde zugerufen, den Stroh­hut herunterzuwerfen, was dieser mit dem Erfolg ausführte, daß der Hut durch den Wind in die See getrieben wurde und in der Richtung nach Schweden absegelte. Zähne und Kopfbedeckung war der Kegler los. Im nächsten Gasthause wurde Rast gemacht, und da die Kegler beschlossen, den Weg von Försterei nach Memel zu Fuß zurückzulegen, schenkte der Stumme dem Kellner seine Rückfahrkarte Memel­Försterei. In Memel angefommen, machte der Bechvogel die

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Entdeckung, daß er die Rückfahrkarten verwechselt und dem Kellner seine Rückfahrkarte Tilsit- Memel gegeben hatte. Auf der Rückfahrt nach Tilsit war dem Unglücksınann das Schicksal ebenfalls nicht hold. Er verspürte heftige Zahn­schmerzen, trotzdem seine" Zähne auf dem kühlen Grunde der Ostsee lagen. Bei der Strandpromenade ohne Hut hatte er sich eine tüchtige Erkältung zugezogen. Beim Hinaus­springen aus dem Zuge verstauchte sich der Aermste noch einen Fuß. Infolge seiner Heldentaten hat ihn der Kegel­klub zum Ehrenmitglied ernannt, was ihm einigen Trost brachte.

Artisten- Humor. Eine Reihe eigenartiger Inserate von Brettl- Größen hat die Intern. Artisten- Zeitung" zu­sanımengestellt. 3. V.: Baronin von Ehrenbreitenſtein, hochelegante Salon- Soubrette im vornehmsten Genre. Stän­dige Adresse: Mulackstraße Sb bei Witwe Knubbe, 2. Hof, Seitenflügel, 4 Treppen links." Oder: Statt jeder beson­deren Meldung! Anderer Umstände halber kann ich mit meiner schwebenden Jungfrau in den nächsten Monaten feine Engagements annehmen. Hochachtungsvoll Julius Glutherz, Impresario." Vor etwa zwei Jahren erregte das In­serat eines Afrobaten etwas ängstliches Aussehen. Es ent. hielt die energische Mahnung: Wer mir meine Triks kopiert, dem schlage ich die Knochen im Leibe entzwei!" In einem Jachblatt der Schausteller war unter Stellengesuche" fol. gendes zu lesen: Suche Stellung als Dame ohne Unterleib. Sofort frei. Vein Sohn. 16 Jahre alt, fann als Zettelver. teiler mit tätig sein. Witwe Schulze. Adr.: Die Exped."

Ein Gemütsmensch war offenbar der Urheber folgender Anzeige: Junge Dame von jeelenvollem Wesen, welche mu­fifalisch ist, akrobatische Vorbildung befitt und sich nach ac­

Heiteres. Sch were Aufgabe. Gemeindediener: Na, hat denn dein Vater sein' Namen noch immer net unter die Listen geschrieben?- Hansl: Ja, da müssen's schon noch a bisserl warten jetzt schreibt er ihn grad'

ins Unreine.

- Dienstwillig. Wirt: Hast du den Herrn auf Nr. 38 um Fünf geweckt?- Hausknecht: Der war nei zum Derwecken, da hab i halt den auf 39 aufg'weckt, damit i's möglichste tu'.

- Gewissenhaft! Werden gnädige Frau dieses Jahr wieder die blaue Grotte besuchen? Nein, wir kön nen leider nur nach dem Schwarzwald, einer Familientrauer

wegen.

-

rats?

Zerstreut. Was gab's gestern bei Kommerzien­Junge Gänse... Ach, gehen Sie, ich meine, mas es zu essen gab?

Viel Zeit und Mühe erspart sich die Hausfrau mit

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Um gütigen Zuspruch ladet ein

Georg Kraft, Wirt. Ausflug nach Heuchelheim.

zur Ludwigsburg.

C. Kruse.