Ausgabe 
30.7.1902 Erstes Blatt
 
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Aus Heffen und Nachbargebieten.

L. Lidh, 30. Juli. Unser Gesangverein, Cäcilia" erhielt auf dem Lahnthalsängerbundfest für den Vortrag des Liedes Maiennacht" von L. Seibert das Prädikat " gut". Oberhörgern, 29. Juli. Der fürzlich von hier ver­schwundene Schweinehändler Düringer wurde auf einem Hafenacker im hiesigen Felde erschossen aufgefunden. Die Waffe lag neben der schon start in Verwesung überge­gangenen Leiche. Düringer, der aus Eberstadt( Kreis

stohlen hatten. Die meisten Hühner aber waren schon verzehrt. Größtenteils wurden die Damen verhaftet und nach Osthofen in Untersuchungshaft geführt.

Bonn, 27. Juli. Der seit einiger Zeit vermißte stud. math. Star Stretschmer aus Gnadenberg ist als Leiche bei Lülsdorf aus dem Rhein gezogen worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Obduktion der Leiche verfügt. Vermischtes.

* Saarbrücken, 29. Juli. Auf der Grube Camphausen

der weiten Halle wohl eine mächtige, aber doch nicht übers wältigende Wirkung aus; das Orchester mit seinen 120 Mann erschien zu schwach gegen die Wucht der Tausende von Menschenstimmen. Unbeschreiblicher Jubel folgte dem Vor­trag von Liebesmahl der Apostel" unter der Leitung von Kremser- Wien. Wie weiter berichtet wird, ernteten besonderen Applaus bei den Einzelvorträgen der Königsberger Sänger­verein, der Wiener Männergesangverein und der Schubert­bund; Chormeister Wohlgemuth- Leipzig wurde als Dirigent und Komponist lebhaft begrüßt. Heute Vormittag fand auf der Höhe des Schloßberges ein Frühschoppen alter Burschen­litonen teilnahmen.

of" bei Heuchel Gießen) stammte, hatte sich, wie vor einigen Wochen mitge- fand heute nachmittag eine Explosion schlagender Wetter schafter statt, an dem reichsdeutsche und österreichische Kommi­

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Frankenberg, 29. Juli. Bei uns zu Lande wissen wir nichts von Stellenlosigkeit. Das ersieht man daraus, daß sich auf die vakante Bürgermeisterstelle in dem Städtchen Gemünden an der Wohra nur ein Bewerber gemeldet hat und zwar ein 24jähriger junger Mann. Dabei beträgt meines Aufsehen, mit dem Posten noch beträchtliche Nebeneinnahmen verbunden. Das Gehalt des Bürgermeisters 1200 Mt. Außerdem sind Frankfurt a. M., 29. Juli. Im städtischen Elektrizitäts­werk trat heute Morgen der Monteur Karl Breß aus Ver­In Bezugnahme sehen in einen Kanal, in dem das fochende Wasser abfließt, Sie einen Artikel und verbrannte sich beide Füße bis an die Knie in schreck ann es uns nicht licher Weise. Der sonst mit einer eisernen Blatte versehene n Entwidelungen Ranal war heute zum Reinigen geöffnet worden, wovon Bretz mert. Petro nichts wußte. olle Anerkennung

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erwünscht. In iche Abschlüsse ist die Nach in Heidelbeeren 16- und Stachel­n dieser Woche: 35-40, Wald 10, Johannis Mt. 12-13, beeren Mt. 15, 6 per Zentner. Stern' chnuppen em Sternbilde und die sogen. Waffermanns ungen zeigen ihrer Häufig­den Nächten en fie einen

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Frankfurt a. M., 29. Juli. Die Unterschlagungen des Kassirers der hiesigen Verwaltungsstelle des Deutschen Tabatarbeiterverbandes Kraiker belaufen sich auf 1575

Mart. Mainz, 29. Juli. Zu dem Legat von 150,000 Mart, das durch den Tod der Wittwe des früheren Prasidenten des Gewerbevereins, Dieterich, an die Stadt gefallen ist, hat

die Verstorbene noch 100,000 Mt. hinzugefügt.

Mainz, 29. Juli. Die Fahrkarten- und Drucksachen­berwaltungen der Eisenbahndirektionen Frankfurt und Saar

brücken werden mit dem 1. Oftober d. J. aufgehoben und nach Mainz verlegt, wo sie mit den gleichen hiesigen Dienst­stellen vermengt werden. Wiesbaden, 29. Juli. Beim Rangiermanöver wurde heute morgen ein vierachsiger Personenwagen dritter laffe auf die nicht vorschriftsmäßig gestellte Drehscheine gestoßen. Der ganze Holzboden wurde eingedrückt und die hintere Achse des Wagens setzte sich in der Bertiefung der Drehscheibe fest. Es entstand nur Materialschaden.

** Destrich, 29. Juli. Gestern Montag Abend 6 Uhrfand die Beisetzung derGemahlin des verstorbenen Marineministers von Stosch auf dem Friedhofe zu Mittelheim auch die Nuhestätte ihres Gemahls statt.

Guntersblum, 28. Juli. Eine Jagd auf Zigeuner hat es heute morgen hier gegeben. Hunderte von hiesigen Personen sah man laufen. In Rheindürk­heim hatte die gefürchtete Gesellschaft einem Lehrer mehrere Hühner gestohlen und suchte noch in derselben Nacht das Weite. Frühzeitig merkte heute morgen der Bestohlene seinen Verlust, requirierte in Osthofen und hier die Gendarmerie, der es alsbald mit Hilfe der Volizei und mehrerer Civilpersonen gelungen war, die chwarzen zu ergreifen. 4 Wagen mit 8 Pferden und 30 Personen waren es. In einem Wagen befand sich noch ein großer Ballen Kattuu, den sie in Worms ge­

statt, durch die 12 Bergleute verunglückten. Ein Berg­mann wurde getötet, 10 wurden schwer verlegt.

* Wie aus Chemnitz gemeldet wird, ist der angesehene Stadtverordnete und Vorstand der Ortskrankenkasse in Hainichen, Lindner, wegen bedeutender Unterschlagungen auf Antrag der Staatsanwaltschaft verhaftet worden.

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* Eine fürstliche Belohnung ist nach der Deutschen Eisenbahnzeitung" einem preußischen Eisenbahnbeamten zuteil geworden. Ein geprüfter Heizer hatte fürzlich während der Fahrt von der Lokomotive aus einen Schienenbruch entdeckt, sofort die nächste Station benachrichtigt und dadurch großes Unheil verhütet. Nach längerer Zeit und nachdem ver­schiedene Protokolle aufgenommen morden waren, wurde dem Lokomotivheizer auf Verfügung der Maschineninspektion eine Prämie von zwei Mark gewährt! Es geht nichts über die Sparsamkeit am rechten Ort.

Augsburg, 25. Juli. Ein Weinrausch kam einem hiesigen Offizier teuer zu stehen. Im Mai d. I. wurde ein Offizier einer auswärtigen Garnison, der in München in Urlaub weilte, nach Mitternacht dabei ertappt, wie er in der Neuhauserstraße Spiegelscheiben von Geschäftshäusern mittels eines Diamantenringes beschädigte. Die Beschädigten stellten sämtlich Strafantrag, zogen ihm jedoch ſpäter wieder zurück, was aber auf die Strafverfolgung feinen Einfluß hatte, da nach Paragraph 303 des Reichsstrafgesetzbuches bei der Sach­beschädigung die Zurücknahme des Strafantrages nur dann

zulässig iſt, wenn das Vergehen gegen einen Angehörigen verübt ist. Infolgedessen fand vor dem Kriegsgericht hier­selbst die Hauptverhandlung gegen einen Offizier eines Feld­artillerie- Regiments" statt, wie sich die Blätter aus Schonung für den Angeklagten ausdrücken, der eine im Weinrausch be gangene That teuer büßen muß; hat er doch, wie der Ver­teidiger in der Hauptverhandlung mitteilte, mehr als 3000 Mt. an Schadenersatz zahlen müssen. Das Urteil lautete, der Augsb. Abendztg." zufolge, wegen dreier Vergehen der Schachbeschädigung auf 15 Mt. Geldstrafe bezw. drei Tage Gefängnis. Wegen drei weiterer Vergehen der Sach­beschädigung fand Freisprechung statt.

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Donaueschingen, 27. Juli. Gestern Mittag stürzte der Erbprinz, als er vor dem fürstlichen Palais fich mit Radfahren vergnügte, so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt.

Das Befinden des Professor Virchow ist gegen­wärtig zufriedenstellend. Der Patient hat die heutige Nacht ziemlich gut verbracht.

Deutsches Sängerbundesfest in Graz. Die erste Hauptaufführung hat nach Erledigung zahlreicher Ge­samt- und Einzelproben in der dicht gefüllten riesigen Sänger­halle stattgefunden; wohl 20,000 Zuhörer waren anwesend. In der Festloge war der Statthalter erschienen, der sich den Bundesausschuß vom Bürgermeister vorstellen ließ. Die von mehr als 7500 Personen gesungenen Gesamtchöre übten in

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Verheerende Unwetter sind in ganz Südböhmen niedergegangen. Bei Hohenfurt wurden drei Personen durch Blizschlag getötet.

* ,, Die Schweiz als deutsche Provinz". Im Verlage von Hermann Walther in Berlin erscheint in Kürze eine Schrift des Universitäts- Professors Dr. Ferd. Vetter­Bern unter dem Titel Provinz. Meine Nürnberger Rede und ihre Folgen." " Die Schweiz als deutsche Professor Vetter bringt in derselben die in der ganzen europäischen Presse viel erörterte Angelegenheit seiner Nürnberger Rede vor S. M. dem deutschen kaiser zur Sprache, die zu den weitgehendsten Differenzen mit den schweizerischen Staats- und Universitätsbehörden Ver­anlassung gegeben hat.

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Harzburg. Mit der Vertretung des verstorbenen Prof. Dr. Gerhardt in Berlin ist Prof. Dr. Grawit seiner Krankheit vertreten hat. Dem a. o. Prof. Dr. beauftragt worden, der den jetzt Verstorbenen auch während Konrad Beyerle in Freiburg i. B. ist, wie von dort berichtet wird, die etatmäßige Stelle eines a. o. Professors burger Hochschule übertragen worden. in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Frei­Aus Rom wird der Voss. 8tg." berichtet, daß Dr. Johannes Haller aus seiner Stellung im preußischen historischen Institut, dem dazu haben tiefgehende Meinungsverschiedenheiten grundsäß­er sieben Jahre lang angehört hat, ausscheidet; den Grund licher Natur gegeben. nächste Amtsjahr wurden gewählt: in der theologischen Marburg. 8u Defanen für das Fakultät Prof. Dr. Jülicher, in der juristischen Professor Dr. Träger, in der medizinischen Prof. Dr. Bach, in der philosophischen Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Schmidt. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeisterei­gebäude) Zimmer Nr. 14.

Blick auf den Rathaus- Delft von Emden. E

Emden: Am Rathh.us- Delft.

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Emden, das sich für den Besuch des Kaisers gerüstet hat, der im Vorjahre wegen tödt­lichen Erkrankung der Kaiserin Friedrich die angekündigte Neise nach der alten Seestadt auf­geben mußte, ist nach Art der holländischen Städte von einer großen Anzahl Kanäle durch­schnitten. Ueberhaupt erinnern viele hohe altertümliche Häuser, die nach Art der holländischen gebaut sind, sowie das Aeußere und Innere der Stadt mehr­fach an die Niederlande. Das hervorragendste Gebäude der Stadt ist das am Natsdelft belegene ftattliche Rathaus, das nach dem Muster desjenigen von Antwerpen erbaut ist nnd eine reichhaltige, berühmte Nüft­fammer enthält. Der Haupt­nerb der etwa 16,000 Giu wohner zählenden Stadt ist Handel, und zwar in erster Linie der Seehandel, der in ständigem Aufschwung begriffen ist. Auch die Industrie ist nicht unbedeutend. Emden be= figt eine ganze Anzahl in­dustrieller Etablissement, bon denen die Schiffswerften in erster Linie stehen.

Der Hafen von Emden, dem vornehmlich der Besuch des Kaisers gilt, ist neuerdings, wie in letter Montag- Nummer berichtet, zu einem Seehafen für die größten Schiffe aus­gebaut worden. Der Binnen­hafen ist erheblich vergrößert und in allen seinen Teilen ver­bollkommnet worden. Der neue offene Außenhafen hat eine Tiefe von 111 Meter unter

Mittelhochwasser erhalten. Er ist auch im Winter für die Schiffahrt geöffnet und mit allen modernen Kaianlangen und sonstigen Erfordernissen eines großen Seehafens bersehen. Im Außenhafen ist ein sogenannter Freibezirk eingerichtet, so daß dort der Schiffsverkehr von der Zoйkontrolle befreit ist.