Ausgabe 
28.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 172.

Zweites Blatt.

Montag, den 28. Juli 1902.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 150.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

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11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Nach Rückkehr von seiner Nordlandreise wird der Kaiser Gelegenheit nehmen, die neuen Hafenanlagen in Emden zu besichtigen.

Am 7. d. Mts. wird durch den Kaiser die feierliche Er­öffnung des in der vorstehen­den Skizze wiedergegebenen Emdener Seehafens und gleich­zeitig die Enthüllung der von Der Stadt Emden errichteten Denkmäler des Großen Kur­fürsten und Friedrichs des Großen stattfinden.

Als Seehafen vollständig neu ausgebaut ist nur der zwischen dem Emsstrom und Der Seeschleuse belegene, mit neuer Außenhafen bezeichnete Teil, während der mit Neuer Binnenhafen bezeichnete nur eine Erweiterung erfahren hat. An diesen schließt sich der mit

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noch in dem Zustande befindet, wie vor mehreren hundert Jahren.

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zwei Armen, dem Rathausdelft und dem Falderndelft, in die Stadt hineingreifende Alte Hafen, der sich heute Ursprünglich floß die Ems unmittelbar an den Mauern der Stadt vorüber, das dieser gegenüberliegen de Rheiderland mit einem mächtigen Bogen umfassend. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts rissen große Sturm­Fluten die schützenden Deiche dieser Halbinsel hinweg und drangen tief in das Land ein. Eine große Anzahl blühender Ortschaften fand in den Wogen ihren Untergang, und es entstand an Stelle einer üppigen Landschaft ein Meerbusen, der heutige Dollart. Dem Strome selbst aber war hierdurch ein fürzerer Weg geschaffen, der sich immer mehr vertiefte und verbreiterte und die allmähliche Versandung des alten, die Stadt berührenden Stromarmes zur Folge hatte.

3 war erkannten die Bürger Emdens die Gefahr, die der Schifffahrt und dem Handel ihrer Vaterstadt aus diesem Umstande erwuchs, sie versuchten auch unter Aufwendung großer Kosten den Strom in sein altes Bett zurückzudrängen, aber friegerische Zeiten und fortschreitende Verarmung stellten sich der Erreichung des ge­teckten Zieles entgegen, so daß die Stadt schließlich vom Strome gänzlich abgeschnitten wurde und ihr Hafen, der nur noch durch eine schmale Rinne mit der Ems verbunden war, verödete.

1781 grub man deshalb ein neues Fahrwasser von der Stadt aus bis zur Ems und da dieses auch micht den gehegten Hoffnungen entsprach, begann man 1846 mit dem Bau einer Fahrrinne quer durch die ehe­malige Insel Messerland und errichtete gleichzeitig auf dieser im Zuge eines den heutigen Königspolder um Neubau Beschließenden Deiches zwei Schutzschleusen. Durch diese Anlagen war das Fahrwasser in ein Außen- und ein elegante 5- Zimmer Binnenwasser geschieden. Durch das Schließen der Schutzschleusen konnten Binnenwasser und Stadt gegen schädliche Hochfluten geschützt werden. Aus diesen Anlagen haben sich die heutigen Hafenanlagen entwickelt. Zunächst entstanden mit dem Bau des Emskanals einige weitere Verbesserungen, insbesondere durch die Grrichtung einer Kammerschleuse( 1881-1883 von 120 m nußbarer Länge, 15,0 m lichter Weite und 6,70 m nge per sofort oder Wassertiefe über dem Drempel bei gewöhnlichem Hochwasserstande.

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Der Bau des Dortmund- Ems- Kanals, der in den Neuen Binnenhafen ausmündet, hatte wiederum wesentliche Verbesserungen zur Folge. Das Binnenhafenbecken wurde bedeutend eeweitert, mit ausgedehnten raße 30( Ede Stephan Quais versehen, und diese erhielten moderne Verkehrs- und Umschlagseinrichtungen, auch wurde das Außenfahr­teofort, eo. 1. Dt waſſer durch den Einbau von Buhnen und Parallelwerken verbessert. Aber erst bei Gelegenheit der feierli ven Eröffnung des Dortmund- Ems- Kanals durch den Kaiser im Jahre 1899 sollte durch die beiden größten Schiff­5-6-3immerwoh fahrtsgesellschaften der Erde, die Hamburg- Amerika- Linie und den Norddeutschen Lloyd, die Anregung gegeben Borberhaus, ferner werden, das Außenfahrwasser zu einem für große Seeschiffe in vollbeladenem Zustande zugänglichen Außenhafen auszubauen. Der Gedanke wurde zur That, und heute nach einem Zeitraum von kaum zwei Jahren für Ent­wurfsaufstellung und Bauausführung, kann die großartige Anlage bereits dem Verkehr übergeben werden. Der neue Außenhafen hat eine Länge von 1400 m, eine Sohlenbreite von 94 m und eine Tiefe von 11.5 m unter mittlerem Hochwasser. Bei Niedrigwasser- Springzeit können in ihm noch Seeschiffe von 8 m Tiefgang fahren. Gegen Stürme aus W. und NW. ift er durch einen Deich geschüßt, an den sich zur Erleich mohnungen für

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Näh Wallthorft ase 25 terung der Einfahrt eine 214 m lange Mole anschließt. Das Westufer des Hafens ist durch einen 850 m langen ingshalber ift der dritte Quai befestigt, auf dem sich ein 40 Tons- Kran, mehrere große Lagerschuppen nebst Bureauräumen und Dienst­

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in Schiffe entleeren fann, erheben. Den elektrischen Strom für den Betrieb des Kohlentippers, der Kräne und if it cratung der Hafenanlagen liefert ein am Binnenhafen errichtetes Elektrizitätswerk. Das ganze Weſtufer eft mit ist mit Eisenbahngleisen versehen, die an das Staatsbahnnetz angeschlossen sind. Für den Personenverkehr ist ein Bahnhofsgebäude errichtet und vor diesem eine bewegliche Landungsbrüde. Das Pitufer noch richt mit nicht mit Quaianlagen versehen. Längs desselben ist eine Reihe starker Dalben eingebaut zur Befestigung solcher Schiffe, die aus Kanalschiffen ihre Ladung empfangen oder an diese abgeben. Der Außenhafen, der ein Freihafen ist, gesetzlich also als Zollausland zu betrachten ist, bietet für etwa 14 große Seeschiffe Raum. Zu seinem Ausbau sind durch die Etats von 1899 und 1900 zusammen 7,613,000 Mk. zur Verfügung gestellt worden.

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Eine Kronprinzen- Zusammenkunft.

massen, veranstaltet werden. Es würde das erste mal Wenn sich die Meldung bestätigt, daß der deutsche sein, daß der deutsche Kronprinz mit dem russischen im ronprinz den diesjährigen österreichisch- unga-| Auslande zusammentrifft, und durch diese Begegnung rischen Herbst manövern beiwohnen wird, ist bei die Vortrefflichkeit der deutsch- österreichisch- ungarisch­dieser Gelegenheit ein Zusammentreffen des ältesten russischen Beziehungen bekräftigt werden. Da der Erz­rst- Thronfolger zu erwarten. Aus den Kreisen deer Berliner österreichisch- ungarischen Botschaft verlautet, daß die Zusage des russischen Thronfolgers, an dieſen

b Bleichplag für 750 Sohnes Kaiser Wilhelms mit dem russischen Großherzog Franz Ferdinand im vorigen Jahr als

Sei der Exped. d. Bl

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1. Oktober ev. früber Manövern teilzunehmen, bereits erfolgt ist. Die Manöver sich bei der Manöverreise des deutschen Kronprinzen um

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Gast des Kaisers in Potsdam weilte und bei dieser Gelegenheit zum Chef eines preußischen Truppenteils des 5. Jägerbataillons- ernannt wurde, dürfte es allen in Ungarn, im Waagthal, stattfinden und in groß- die Erwiderung dieses Besuches handeln. actigem Maßstabe, unter Heranziehung stattlicher Reiter­

Aus Hessen und Nachbargebieten.

o. Lich, 25. Juli. Am verflossenen Mittwoch beran­staltete Herr Lehrer Alt mit zwei Sommerfrischlern aus Frankfurt, den Herren Samb, Lehrer und Konzertfänger und Friedrich Falt im Saale des Gastwirts Heiland ein Konzert zum Besten des hiesigen Kurvereins. Das für die hiesigen Verhältnisse überaus zahlreich erschienene Publikum zeigte sich sehr dankbar für das Gebotene, das in einem geschmackvoll geordneten Programm zusammengestellt war. Der Rein­ertrag zu Gunsten des Kurvereins beträgt etwas über 50 Mark.

Weilburg, 25. Juli. Ein Agent einer Schwindel­firma in Amsterdam, die sich Prämien- Effettenbank oder auch Serienlose- Gesellschaft Fortuna nennt, suchte diese Woche hier und in der Umgegend seine falschen Serienlose anzubringen. Thatsächlich soll ihm das auch in einigen Fällen gelungen sein. Da der Agent seine Besuche auch in anderen Gegenden for seßen dürfte, so sei hiermit vor ihm gewarnt. Die In­haber der Firma sind mehrfach wegen Betrugs bestraft. Gegen den Agenten schwebt ein Verfahren wegen strafbaren Eigennutes.

Weilburg. Der Kreisbauinspektor Baurat Spinn ist gestorben.

Frankfurt a. M. Der Ausschuß des gegenwärtig in als Ort des nächsten Bundesfestes Frankfurt a. M. vor­Graz tagenden Sängerbundesfestes beschloß, dem Sängertage Separatzug in Graz an, wo ihnen einen freudiger Empfang zuschlagen. Unsere Sänger langten am Samstag in einem

wurde.

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Stadtbau- Inspektor, nahm eine Berufung für eine Professur Darmstadt. Der Architekt Walbe von Halle, früher an der hiesigen Technischen Hochschule an.

v. Arolsen, 27. Juli. Ein unglücklicher Fehlgriff hat Dieselbe ergriff Abends um zu trinken, in der Meinung, die Frau des Malers zu Ederslegen zu Grunde gerichtet. eine angeforfte Bierflasche, eine solche mit Salzsäure, tranf und verschied unter gräßlichen Schmerzen.

v Arolsen, 27. Juli. Ein Opfer der Fahrlässigkeit ist hatte auf einem Jagdgange das mit Schrot geladene Gewehr der Oberlehrer Dietrich zu E. geworden. Dessen Begleiter zu sichern vergessen. Dasselbe entlud sich und die ganze Ladung ging dem D. in den Leib.

ist im Alter von 80 Jahren am Samstag in Destrich a. R. * Wiesbaden. Die Wittwe des Marineministers v. Sto sch gestorben. Die Beiſetzung findet auf dem Friedhof in Mittel­heim statt, wo auch schon ihr Gemahl begraben liegt.

Mainz. Der voriges Jahr wegen Zweikampfes mit Hauptmann Richter zu 2 Jahren Festungshaft ver­Kaiser begnadigt und aus der Haft entlassen. Vogt wird in urteilte Leutnant Vogt vom 13. Husarenregiment wurde vom ein anderes Kavallerieregiment eintreten.

Vermischtes.

* Die Berliner Dienstmädchen. Bei einer Dienstbotenversammlung fam es u. a. zu folgenden schönen Kraftleistungen. Ein Fräulein brachte mit außerordentlicher Zungenpewandtheit ihre Klagen vor: Ich bin heute 54 Jahre alt( Ruf: Ach, herrjeh!), also weiß ich, wie das dienende

Verhältnis ist. Ich biene jezt meiner Herrschaft 19 Jahre

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in treuer Pflichterfüllung, aber erstens bleibt in den Ferien die ganze Wäsche übrig, dann kommen die Handwerker, dann müssen die Gardinen gewaschen werden. Die Herrschaften sind zum Genießen, wie zum Entsagen auf der Welt! Lang­anhaltender Beifall.) Als ein Herr die Dame fragte, wie sie 19 Jahre im Dienſte aushalten könnte, wenn sie fo ge­fnechtet würde, erklärte das Mädchen: Meine Herrschaft iſt ia nicht ſo, ich kann thun und laſſen, was ich will. Ein Fräulein Muslißfy beklagte sich darüber, daß die Dienstboten, wenn sie mal verreisten, von der Herrschaft tein Reisegeld bekommen; die höheren Beamten bekommen doch alle Reise­entschädigung! In dieser Weise wurde noch nach Mitter­nacht eifrig weiterverhandelt. Das von dem Berliner Kassenboten wagner unterschlagene Geld wiedergefunden. Der ungetreue Kassenbote hat das Geständnis abgelegt, daß sonderten Behältnissen versteckt habe, während er von der er von der veruntreuten Summe 50,000 Mt. in zwei ge­Restsumme etwa 1000 Mt. zur Bezahlung von rückständigen Wohnungsmieten, von Möbeln und sonstigen fleinen Schulden verwandt und 2000 Mt. bereits am Tage seines Ver­schwindens an seine Angehörigen geschickt hatte. Das Geld ist bereits zur Stelle geschafft.

*

Gartenbauausstellung. Vom 6. bis 14. September findet in Erfurt, der alten Blumenstadt, eine Gartenbau ausstellung statt. Im bewaldeten