Ausgabe 
24.9.1902 Erstes Blatt
 
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wurden. Dieselben wurden sämtlich als Leichen her­borgezogen. Vier der Kinder waren Geschwister.

* New York, 12. Sept. Der größte Obstgarten der Welt wird soeben in den Ozark Bergen in Kansas angelegt Ein Trust" hat dort 5000 Acres( ein Acres gleich 40 Ar) angetauft und wird auf diesem gewaltigen Romplex nur Hepfelzucht betreiben. Auf jeden Acre werden 50 Bäume gepflanzt, mithin wird der Garten" eine Viertelmillion Bäume aufweisen. Es werden nur zwei Sorten Aepfel an­

"

schlagen, in roher Weise getreten und geschlagen. Gegen das Urteil des Schöffengerichts legte er Berufung ein. Er leugnet jede Schuld. Die Berufung wird ebenfalls verworfen, Der Handelsmann Hermann Ziegelstein aus Treis a/ L. hatte vom Gießener Schöffengericht wegen schwerer Miß­handlung des Mannes Weßſtein aus Treis und weil er diesen mit dem Tode bedrohte, ir sgesamt 3 Monate Gefängnis er­halten. Seine Strafe wird auf 6 Wochen, 3 Tage Gefängnis erniedrigt. Der Peter Reuter aus Eschborn hat einem

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße Nr. 2( Bürgermeisterei­

gebäude) Zimmer Nr. 14.

zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern( Arbeitern Der Arbeits nachweis hat die Aufgabe, lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. jeglicher Art, Dienstboten und Lehr­

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von

gepflanzt und die ersten Erträgnisse erwartet der Trust" Schäfer einen Hund unter Vorspiegelung falscher Thatsachen 3 bis 6 geöffnet.

erst nach sechs Jahren. Dann aber glaubt er eine ergiebige Einnahmequelle auf 50 Jahre zu haben.

* Brandunglück bei einer russischen Bauernhochzeit. In dem Dorfe Werba bei Moskau wurde eine Bauern­hochzeit in einer großen Scheune gefeiert. Etwa 400 Personen waren anwesend. Eine weggeworfene Cigarette setzte das Heu in Brand. Das Feuer griff mit einer rasenden Schnelligkeit um sich. In wahnsinniger Panik drängte Alles nach dem einzigen von Zuschauern dicht besetzten Thor. Dabei kamen über hundert Menschen um, welche teils verbrannten teils erdrückt und ver­stümmelt wurden.

* Budapest, 23. Sept. Wie der Pester Lloyd meldet, ist in der vergangenen Nacht die aus 8 Mann des 46. Infanterie- Regiments bestehende Wachtmannschaft auf der Insel Adakaleh nach Orsowa desertirt, wo sie festgenom­men und nach der Festung Arad gebracht wurde.

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Butreffend. Das Beste aus den Wizblättern. Richter:" Außer dem Fahrrad ha ben Sie dem Zeugen auch seinen Sportanzug gestohlen?" Angeklagter: " Nun ja, was will er denn auch mit dem Sportanzug, wenn er das Rad nicht mehr hat?"

Durch die Blume. Einjährig- Freiwilliger( zu seinem Kameraden, der Zoologe ist): Und wie drückt sich denn Euer Feldwebel aus im dienstlichen Verkehr?" Kamerad:" Sehr ver- breh mt!"

Ein Vergeßlicher. Patient: Herr Doktor, es wäre ganz vergeblich, wenn Sie mir das Trinken ver­böten! Ich bin furchtbar verg eßlich!"

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( Fl. Bl.) Frize, weeste Nee!" 2 Pfund ( UIF.)

Richtige Berechnung! Sage mal, wie ville 2 Pfund und 12 Elle sind?" Na, 1 Kilometer!" Wieso denn?" find 1 Kilo und 11 Elle 1 Meter!" Empfindlich. Dem Menschen reiche ich die Hand nicht mehr; das ist sicher!", Warum denn nicht?" " Jedesmal zählt er seine Ringe, wenn er meine Hand losläßt!"

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"

Der ängstliche Schwiegersohn. Gattin:" Karl, ich Gatte: Um vill meine Mama malen lassen!" Himmelswillen, lasse mir sie nicht auch noch ver­bielfältigen!"

Darum auch! Frau A.: Ich predige meiner Tochter immer wieder nur das eine Bescheidenheit ist eine Zier". Frau B.: Ja, darum ist sie auch gar fo geziert."

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer fißung.

Gießen, 23. September.

Um 8 Uhr eröffnet der Vorsitzende, Landgerichts­direktor Dr. Güngerich die Sißung. Vertreter der An­Flagebehörde ist der Oberstaatsanwalt Dr. Theobald. Buerst erscheint der Heinrich Post aus Großfarben auf der Anklagebant. Er ist des Diebstahls, der Unterschlagung in 3 Fällen und des Betrugs in 4 Fällen beschuldigt. Er hat

verschiedene Sachen alte Münzen, Seife 2c. aus einem ge­schlossenen Schrank entwendet, ferner mehrere Geldbeträge in der Höhe von 2,50 Mt., 20 Mt. und 5 Mt. unter­schlagen und schließlich einen Kaufmann, einen Schuhmacher und einen Uhrmacher unter Vorspiegelung falscher Thatsachen betrogen. Da der Angeklagte noch nicht wegen Diebstahls, Unterschlagung und Betrugs vorbestraft ist, so werden dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt. Das Urteil lautet auf insgesamt 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Der Schmied Fr. Ferber aus Großen Bused war om Schöffengericht wegen fahrlässiger Körperverlegung zu 50 Mf. Beldstrafe verurteilt worden. Er hat am 14. Mai ein 8 jähriges Mädchen am Riegelpfad überfahren, so daß das Kind einen Bein­bruch erlitt. Er legte gegen das schöffengerichtliche Urteil Be­rufung ein, die aber verworfen wird. Der Konrad Ha in­buch aus Büdingen war vom dortigen Schöffengericht wegen schwerer Mißhandlung eines 10 jährigen Knaben zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den Jungen an den Beinen gepackt, mit dem Kopf auf die Erde ge­

neue

abgeschwindelt und verkauft. Da er rückfällig ist, erhält er 1 Jahr Zuchthaus. Karl Gockel, früher in Friedberg, jezt in Soest, Balthaser Balzer aus Steinfurt, Philipp Corvinus in Friedberg, sämtlich Installateure erschienen als letzte auf der Anklagebant. Wian wird sich noch erinnern, daß im Februar dieses Jahres in Friedberg im Hause des Gastwirts Wind eine große Gas­Explosion stattfand, bei der zwei große Erferscheiben zertrümmert, Thüren eingerissen und Fachwerke eingedrückt wurden. In dem genannten Hause sollte eine Gasleitung angelegt werden. Gockel, der beim Gas­werf in Friedberg angestellt war, hatte eine Gasuhr aufge­stellt, Corvinus und sein Geselle Balzer stellten die innere Leitung her. Als das Ganze so weit beendigt war, steckte Gockel ein paar Gasflammen an, wunderte sich aber, daß fie so schlecht brannten. Anstatt nun nachzusehen, wo der Fehler stack, ging er erst ins Wirtshaus, um ein paar Glas Bier zu trinken. Dann fam er zurück, bemerkte einen starken Gas­geruch und ging mit einem brennenden Licht auf den Abort, grade den Ort, wo das Gas ausströmte. Sofort erfolgte eine mächtige Explosion, die die schon genannten Bertrümme­rungen und arge Verbrennungen des Gockel zur Folge hatten. Corvinus und Balzer tragen ebenfalls einen Teil der Schuld an dem Unglück, das einen materiellen Schaden von 670 Mt. verursachte. Das Gericht verurteilte Gockel zu 14 Tagen Gefängnis, Corvinus zu 100 Mt., Balzer zu 50 Mt. Geldstrafe.

Schöffengericht.

Gießen, 23. September.

Wil­

Angebot der Arbeitnehmer:

1 Spengler und Installateur, 2 Maschinenschlosser, 2 Bauschlosser, 1 Bau- und Möbelschreiner, 5- Tag­löhner, 3 Fuhrknechte, 1 Hausbursche, 1 Spengler­lehrling, 2 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen. Reservisten: 1 Bau- und Möbelschreiner, 1 Glaser, 1 Bureaudiener.

Nachfrage der Arbeitgeber:

1 Wagenlackierer, 1 Maschinenschlosser, 1 Bau­schlosser zur Aushilfe, 1 Bau- und Möbelschreiner, 1 necht, 2 Pferdeknechte, 1 Spenglerlehrling, 3 Schlosser­lehrlinge, 1 Hausmädchen per sofort, 1 desgl. pr. 1. November, 10 Dienstmädchen pr. sofort, 7 Dienst­mädchen pr. 1. oder 15. Oktober, 1 Herrschaftsföchin, 1 Hotelföchin, 1 Laufmädchen, 3 Lauffrauen. Für Reservisten: 1 Spengler, 1 Friseur, 3 Knechte.

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und findet sich auf den Toilettentischen der ersten Kreise, da sein Erfolg ein ganz unvergleichlicher ist. Man erhält es, die Flasche zu Mk. 2.-, Doppel­flasche Mk. 3.50 in allen feineren Parfümerien, Drogerien und Coiffeur­geschäften, auch in Apotheken.

Vorsitzender ist Amtsgerichtsrat Dr. Gebhardt. Schöffen sind die Herren Direktor Reinecke aus Lollar und Heinrich Wagner XIV. von Großen- Linden. Emil Sid, Christian Kahn, Gustav Müller, Heinrich Gehring, sämtlich aus Gießen sind der gegenseitigen Körperverlegung, begangen in der Bahnhofstraße in der Nacht vom 9. auf 10. August, angeklagt. Sick wird freigesprochen, Kahn erhält 20 Mark eventl. 4 Tage Gefängnis, Gehring und Müller werden der Körperverlegung nicht schuldig erachtet, dagegen wegen groben Unfugs zu 3 Mt., event!. 1 Tag Haft verurteilt. auß und Adolf Enders, sämtlich in Gießen haben einen helm Stephan aus Stauffenberg, Heinrich Falk, Louis Taglöhner gemeinschaftlich mißhandelt. Stephan und Falt erhalten je 25 Mt. Geldstrafe, Hauß und Enders je 10 Mt. - Der Taglöhner Martin Baumann und die Taglöhnerin Magdalene Buhl aus Gießen sind des Konkubinats ange­flagt. In dieser Sache wird am 30. September das Urteil verkündet. Der Reisende Heinrich Wettach in Gießen ist der Unterschlagung beschuldigt. Er erhält 40 Mt. Geld­strafe. Der Maurergeselle Karl Busch von Gießen soll als Vorsitzender von Arbeitervereinigungen zwischen 300 und 400 Mt. unterschlagen haben. Er erhält 60 Mt. Geld­strafe. Der Friedr. Wilh. B. hat, obwohl er einem Gläubiger seine Mietforderungen cediert hatte, dennoch Miet­beträge von 2 mal 16 Mt. einfassiert und einbehalten. Er Die Leser der Gießener Neueste Nachrichten büßt seine Vergehen mit 25 Mt.

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Geschäftliches.

Die Heilwirkung des Rheinischen Trauben­Brust- Honigs von W. H. Zickenheimer in Mainz bei Kehlkopf- und Bronchial- Katarrhen, Brust- und Lungen­leiden, Asthma und besonders beim Keuchhusten rühmen nach einer Reihe von Versuchen nicht allein Private, sondern auch Professoren, Aerzte und Apotheker. Sanitätsrat Dr. C. Rüst hat dieses Mittel bei einer Keuchhusten- Epidemie anwenden lassen und ganz auffallend günstige Erfolge erzielt. Biele andere wissenschaftliche Autoritäten schreiben dem Rhei­nischen Trauben- Brust- Honig eine fampfmildernde und schleimlösende Wirkung zu und allseitig wird dieses zu­gleich föstliche Präparat zu ausgedehnter Anwendung empfohlen, zumal es sich bereits seit 36 Jahren unübertroffen bewährt hat. Selbst der Gesundheitsrat Karlsruhe konnte diesem segensreichen Mittel seine Anerkennung nicht versagen.

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ausgeführt von der Kapelle des Kürassier- Regts. von Seydlig, ( Magdeburg.) Nr. 7( Bismard Kürassiere), unter persönlicher Leitung ihres Dirigenten.

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In Gießen bei: Gebr. Michel.

sollten dadurch mit unserer Zeitung in engere Verbindung treten, daß sie interessante Vorfälle, Mißstände aller Art, kurz alles für einen größeren Kreis Wissenswerte der Redaktion mitteilen. Wahr­heitsgemäße Korrespondenzen über interessante Vorfälle werden honoriert, Mißstände werden durch öffentliche Besprechung zur Kenntnis der berufenen Stellen gebracht und so deren Abstellung

eingeleitet. Vereinsnachrichten, Berichte über General= versammlungen, Festlichkeiten wollen uns, wenn kein Berichterstatter der Neueste Nachrichten" anwesend ist, die Herren Schriftführer einsenden, wir werden sie alsdann gern zum Abdruck bringen. Ein jeder zieht aus solchem Verfahren Vorteil: erweckt das Interesse für den Verein, trägt zur Abstellung eines Uebelstandes bei, ein Verein wird in weiteren Kreisen bekannt, was der Ge­winnung neuer Mitglieder förderlich ist usw. Also bei jeder passen­den Gelegenheit muß die Parole sein: das schreibe ich den

Gießener Neueste Nachrichten."

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