Ausgabe 
20.8.1902 Zweites Blatt
 
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Blutftod. Timerma

e Samburg, Fichtet.

Nr. 192.

Zweites Blatt.

Mittwoch, den 20. August 1902.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 150.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernſprechauschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Politische Nachrichten.

Die Beröffentlichung der Kaiser- Depesche an den Brinzregenten von Bayern ist ausschließlich auf Befehl des Kaisers erfolgt, nachdem sie von bayerischer Seite, wo man das Beinliche des Vorganges von Anfang an sehr lebhaft empfand, abgelehnt worden war. Im Hof­lager des Prinzregenten machte die Veröffentlichung, die man erst aus den Zeitungen erfah, eine Wirkung, für welche die Bezeichnung Ueberraschung" auch nicht annähernd erschöpfend ist. Trozz manchem Vorausgegangenen hatte man Derartiges doch nicht für möglich gehalten.

Ter sächsische Kriegsminister v. d. Planit+. Dresden, 19. Aug. Der sächsische Kriegs­minister von der Planitz ist heute Morgen 3/4 Uhr nach längerem Leiden sanft entschlafen.

Edler v. d. Planiz, geboren am 30. September 1837, war, so schreibt die Frks. 3tg.", eine fraftvolle energische Erscheinung, deren streng sachliche, eher diplomatisch- konventionelle, als impulsive Thätigkeit in Sachsen sehr geschätzt wurde. Besonders um die gute Anpassung des sächsischen Kontingents an das all­gemeine deutsche Reichsheer, die seinem Vorgänger v. Fabrice viel schwerer anfam, machte er sich sehr ver­dient; niemals hat man während seiner Ministerzeit in dieser Beziehung von irgend einer Friktion, wie früher so oft, gehört. Gleichwohl hat er jederzeit, was Sachsen mit Recht zufam, gewahrt. Aus seiner Karriere ist Folgendes hervorzuheben: Er hat an den Kriegen von 1864, 1866 und 1870 teilgenommen. Im legten Kriege war er beim Generalstabe der Maasarmee. 1871-72 wurde er nach Berlin zum großen Generalstab fomman­diert, wo er dann bis 1883 als Königlich sächsischer Militärbevollmächtigter blieb. Nach mehrjährigem Front­dienst übernahm er dann 1891 die Leitung des Kriegs­minifteriums.

Nach der Germania" sind bei dem Grubenunglück in Rattowig 18 Heuer und ein Obersteiger erstickt. 80 Schwer verlegte liegen im Krankenhaus zu Beuthen. Wenn der Brand, der anscheinend unter Tags ausgebrochen ist, sich über Tags noch fortpflanzt, würde der ganze neue Stadtteil Roßbergs nnd auch ein Teil Beuthens in Gefahr sein.

Nochmals die Stedbrief- Affaire.

Aus Prag wird gemeldet: Der Redakteur des Prager Polizei- Anzeiger Wejic, der infolge der Steck­brief Affaire zwangsweise auf 6 Wochen beurlaubt wurde, wird seiner Beamtenstellung als Verwalter des Polizeiarresthauses enthoben und strafweise als Kanzlei­

beamter einem anderen Departement zugeteilt. Der Vorstand des Sicherheits- Departements, Polizeirat Olic, dem die Ueberwachung des Polizei- Anzeigers oblag, war für eine Ober- Polizeirat- Stelle in Aussicht ge­nommen. Wegen der Steckbrief- Affaire wird er über­gangen und dem Bernehmen nach wird der bisher bei der Wiener Polizeidirektion angestellte Polizeirat Zer­boni zum Oberpolizeirat in Prag und gleichzeitig zum Stellvertreter des Vorstehers des Prager Polizei­departements, Hofrat Ericawa ernannt werden.

Aus Budapest wird telegraphiert: In Gospic in Kroatien tam es zu lärmenden politischen Kundgebungen gegen Ungarn. Vorgestern entfernte die Polizei die anläßlich des Kaiserfestes gehißte serbische Fahne. Wie nun gestern von den öffentlichen Staatsgebäuden neben der kroatischen auch die ungarische Fahne aufgezogen wurde, zog eine lebende Menschenmenge vor die betreffenden Gebäude, sang kroatische Lieder und machte Anstalten die ungarische Fahne herunter­zuholen. Die Gendarmerie schritt ein und beschüßte die Fahne.

Die Burengenerale in Holland.

Botha, Delarey und De Wet in Rotterdam ein, Gestern Vormittag trafen mit dem Dampfer Batavier"

Botha freudig lächelnd beim Anblick der nach Tausenden zählenden Menschenmassen, die beiden anderen ernst und schweigend. Auf dem Schiff fuhren außerdem Dr. Leyds, Fischer, Wolmarans, Wessels, van Boeschoten, Grobler, Kommandant Mol, der deutsche Ambulanzarzt Dr. Thiele mann 2c., sowie Frau Botha, die alle außer Fischer auf einem kleinen Dampfer dem Batavier" entgegengefahren waren. Dr. Leyds überbrachte mit einem Willkommbrief Krügers die Grüße des Präsidenten. Nach der Ankunft in Rotterdam begab sich in Abwesenheit des Bürgermeisters dessen Stellvertreter Hudig sowie der gesamte Magistrat und Vorstand des Allgemeinen Niederlandverbands an Bord und hießen die Generale auf's Herzlichste willkommen. Botha und De Wet dankten in furzen Worten und betonter, daß es unter den Umständen geboten sei, zu schweigen. Von den Damen fällt speziell Frau Botha auf, ein jugendliches Ge­ſicht, schneeweißer Teint und eine tiefe Leidensfalte zwischen Bord, von denen der eine, ein Knabe von etwa 14 Jahren,

mit auf Kommando war.

Hochschulnachrichten.

Leipziger Universität, feierte am Samstag seinen 70 Wilhelm Wundt, der berühmte Psychologe an der Geburtstag. Das große Publikum hat vielleicht nicht viel von diesem einfachen, schlichten Gelehrten ge­

hört, der in sich ein gradezu stupendes Wissen auf den verschiedensten Gebieten der naturwissenschaftlichen Disciplin vereint; allein in den Streisen seiner engeren und weiteren Fachgenossen genießt Wundt eine unbe­

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zählt ihn zu ihren glänzendsten Zierden. Der Jubilar, grenzte Anerkennung, und die Leipziger Alma mater der zu Neckarau in Baden geboren wurde, bekleidet die ordentliche Professur für Philosophie seit dem Jahre 1875.

Schücking in Breslau hat einen Ruf an die hiesige Marburg: Der Professor der Juresprudenz Dr. Universität erhalten und angenommen.- Der Privat dozent Dr. J. Gadamer in Marburg ist zum o. Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Breslau ernannt worden.- Prof. Dr. Gustav Niehl in Leipzig wurde zum o. Professor der Dermatologie Jena: Die Ferienkurse, welche im Jahre 1889 mit und Syphilis an der Universität Wien ernannt. 25 Teilnehmern eröffnet wurden, und seitdem in jedem haben, waren in diesem Jahre von 269 Teilnehmern Sommer mit wachsender Beteiligung stattgefunden besucht. Unter diesen befanden sich 103 Damen und 166 Herren. Man schreibt aus der Schwetz: Die Kommission der Schläfli- Stiftung schreibt nach­stehende Preisausgaben aus: 1. Chemische Analyse des Wassers und des Untergrundes der größeren Schweizer­seen.( Einlieferungstermin 1. Juni 1903.) 2. Mono­graphie der schweizerischen Isopoden. 3.) 2. Mono­

Die von den Aufständischen genommene Hafenstadt Puerto Cabello( Venezuela).

Puerto Cabelo.

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Bildes herumführt. In dem Mangrovebusche leben Papa-| Laute fich gar eigen mit den Akkorden mischen, die den geien, Pelikane und der wunderfarbige rote Imbis: in den Steinways in den Landhäusern entklingen. Ganz gemütlich Urwäldern, die von den Bergen bis dicht an den St. Este­dan, den Sitz der fremden Kaufherren, herantreten, haft als mag man sich jetzt in diesen Landhäusern nicht fühlen; denn bemerkenswerteste Spezialität der Brüllaffe, dessen urwuchsige vor den Kanonen der gepanzerten Besucher im Hafen, die in kritischen Zeiten schnell zur Stelle sind, haben Aufstän­

Ein Paradies! Aber der Aufenthalt im Baradiese hat bekanntlich von Urzeiten her seine Schattenseiten. Benezuela ist vielleicht das schönste unter den schönen, malerischen Tropenländern der Nordhälfte des südameri tanischen Rontinents. Wie diese alle, ernährt es seine Bewohner reichlich und fast ohne daß sie die Hände zu regen brauchen; um so mehr Zeit haben sie, sich dem, was sie Politit nennen, zu widmen und sich gegenseitig von Beit zu Zeit in blutigen Rämpfen den Besitz der Staatskrippe streitig zu machen. Auch jest wieder ist Revolution im Lande; Puerto Cabella, die wunderbar gelegene Hafenstadt, nordwestlich der Landeshauptstadt Caracas, ist, wie unsere Leser wissen, in den Besitz von Aufständischen" gefallen. Wir bringen ihr Bild. Am Abhang steiler, schluchtenreicher Rüftengebirge liegt die Stadt auf einer Halb­insel. Palmen überragen sie. Der Hafen, dicht zu ihren Füßen, ist tief und sturmfrei feine Einfahrt ungefährlich; die Klippen im Bordergrunde, zu denen sich hohe Mangrove büsche herüberziehen, beeinträchtigen die Schiff fahrt nicht, da das Fahrwasser um die Insel mit Canell und Leuchtturm in der Mitte des

dische wie die gleich jenen keineswegs einwandfreien Ver­teidiger der öffentlichen Ordnung bei den landesüblichen Re­volutionen noch alle Mal Respekt gezeigt.

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