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20.6.1902 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 1 50.

Gratisbeilagen: Oberheifische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags. tisdal jointedna

Freitag, den 20. Juni 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pf., fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Neuelle Nachrichten

NOTHING.

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Die Bekämpfung des übermäßigen Alkohol-| freiwillig weiter.- Nach all diesem Biech kam etwas

genusses

stand am Montag im Herrenhause auf der Tages­ordnung. Die Debatte, die sich hierüber entspann, ist so interessant, daß wir darüber berichten müssen. Der Minister Freiherr v. Hammerstein scheint fein Freund der Levezow- Douglasschen Anträge zu sein, denn er sagte:

Man sollte nicht jeden Alkoholgenuß versagen; die menschliche Natur ist nun einmal so geartert, daß hie und da ein Glas Alkohol nicht schaden fann.( Heiterkeit). Die Uebelstände sind aber so schwer, daß es Pflicht jeder Regierung ist, dem Uebermaß des Altoholgenusses entgegenzutreten." ( Beifall).

Die folgende Rede des Hildesheimer Stadtober­hauptes Struckmann läßt sich verstehen, wenn man weiß, daß dieser der Vorsitzende der Antialkohol. Bereine ift.

Die Zahl der Schantstätten müsse nach der Zahl der Bevölkerung oder einem anderen objektiven Maßstab beschränkt werden. Auf jede Konzessions­erteilung müsse eine einmaliege Abgabe von mehreren 1000 Mt. gelegt werden. Die Polizeiſtunde müſſe schärfer geregelt werden; vor 8 Uhr Morgeus dürfe in der Regel teine Wirtschaft geöffnet sein. Höchstens dürften nur unschuldige Getränke zu dieser frühen Stunde verabreicht werden. Trinker­asyle müßten in größerer Zahl als bisher gegründet werden. Auch die Gefängnisverwaltungen fönnten von Einfluß sein auf die Bekämpfung des Alkoholis.

mus.

tracht kommt.

Der Justizminister sollte im Reiche dafür wirken, daß im Strafgesetz die Betrunkenheit, falls fie nicht durch einen unüberwindlichen Zwang acquiriert ist, nicht mehr so ftrafmildernd in Be­Der Kriegsminister fönnte den Soldaten den Schnaps verbieten. Im Mini­sterium des Aeußern müßte dahin gewirkt werden, daß unsere in die Kolonien gesandten Schiffe keinen Alkohol dort einführen.

Dann that Graf v. Kospath den Mund auf. Wenn es auf ihn ankäme, dann dürfte der Alkohol nur - auf ein Rezept des Arztes hin verabreicht in studentischen Kreisen sehr unter dem Trinkzwang then mit Bett leidet. Manche freilich sagten: Es ist mir ganz egal, ob der Trinkzwang aufgehoben wird oder nicht; ich saufe

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Geerteerd.

Novelle von E. Vely.

Langsam geht sie dem Hause zu. Maniel sieht sie kommen.

( Nachdruck verboten.)

Von des Vaters kalter Ruhe fühlt sie wenig in sich aber so still die Dinge an sich herantreten lassen, das scheint ihr doch wie eine Kunst. Auf dem Meere mag man das lernen auf Sturm gefaßt sein und wieder auf Sonnenschein warten und günstigen Wind. Gestern ist Maniel Hay ruhig geblieben, als sie Edo Finnink den Weg gewiesen hat, was soll er heute unruhig sein, wenn Jo Toben gekommen ist, und gesprochen hat: Geerteerd und ich wollen einander.

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Nun ist sie vor dem Holzgebäude und bleibt dort stehen. Nur ihm nicht zeigen, daß sie bewegt ist. Das ist ein Tag! brummt der alte Seemann. Ja, Vater!

Sie nimmt ihr Tuch ab und schwenkt es wie eine Flagge in der Luft. Einen argwöhnischen Blick richtet sie auf die Thür wenn Jo sich dahinter verborgen hat, soll er warten lernen. Dft hat er so hinter den Dünen auf sie gelauert. GOOD Will heute kein Abend werden für sie kommt er; ihr ist das Glück nah, was braucht's für Eile?

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-

-

Die Friesen haben keine Fantasie, in Geerteerd's Blut ist sie glaubt Jo und den Vater im Bunde, daß sie ein Spiel mit ihr treiben sie will keine Ungeduld zeigen. Sie drückt eine Latte fester in den Sandboden und sagt Sandboden und fagt gleichgültig: Guts

rufen

-

Muß Einer an den Strand, ich will Clas Manders

Wozu?

Kann selber den Seehund nicht bringen.

Was? fragt Maniel und richtet sich auf. shine ,, d Ist mir zu schwer.

Vernünftiges von Seiten des Grafen Schlieben:

Wenn es ein für allemal verboten sein soll, Branntwein an Personen unter 16 Jahren zu ver­faufen, so müßte schließlich jeder jüngere Mensch einen Erlaubnisschein oder Taufschein bei sich tragen. Was bedeutet weiterhin das Wort Schenke" im Sinne des Antrages? Sollten etwa nur die Destillen darunter verstanden werden oder wollen Sie alle Gasthäuser unter diesem Begriff begreifen? Wollen Sie sagen: Wir können saufen, wenn wir Lust haben, aber der arme Arbeiter soll es nicht dürfen? Sie können doch nicht ein Ausnahmegeseh be schließen gegen diejenigen, denen es ihre soziale Stellung verbietet, Rotspohn zu trinken, und die infolgedessen auf Schnaps angewiesen sind! Eine strenge Bestrafung derer, die sich betrunken auf der Straße herumtreiben und dadurch Aergernis erregen, halte ich dagegen für sehr notwendig. Ich bin nicht im stande, alle Punkte des Antrages anzunehmen. Mögen Sie Verordnungen treffen, welche Sie wollen, der§11 wird doch fortbestehen bleiben!( Heiterkeit). Der erste Satz des Antrages, wonach die Regierung um Borlegung eines Gesezentwurfes zur Verhütung jucht wird, wurde fast einstimmig, der ganze übrige und Einschränkung des schädlichen Alkoholgenusses er­Teil, der die speziellen Forderungen enthält, mit einer sehr knappen Mehrheit angenommen.

Aus Heffen und Nachbargebieten.

Marburg, 18. Juni. Das Wetter war der auf heute vom landwirtschaftlichen Kreisverein Marburg an­gefekten Nindvich- Ausstellung durchaus nicht günstig, denn vom frühen Morgen an regnete es in Strömen. Mancher, der sich wohl vorgenommen hatte, bei solchem Regenwetter vor, zu Hause zu bleiben und die Ausstellung mit seinem Vieh zu besuchen, zog es bei solchem Regenwetter vor, zu Hause zu bleiben und lieber auf einen Preis zu verzichten. Aus Kassel war der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer von Stod hausen zum Besuch hier eingetroffen. Bugetrieben waren Zuchttiere Simmenthaler Rasse 86, Vogelsberger Rasse 52. Heff. Ldszt. Frankeuberg, 19. Juni. Infolge Quadsalberei hat gestern ein junger Mensch in M. sein Leben eingebüßt. Derselbe war wegen eines bösartigen Farunfels in ärztlicher Behandlung. Obgleich Besserung bereits eingetreten, die Heilung sich aber noch etwas verzögerte, ließ sich der Mensch

Raff's Segel, Deern! schreit der Alte, der sich nicht aus den Andeutungen findet.

Habe einen todtgeschlagen weiter nichts! Du, Deern?

Mit einer Planke!

Deern!

Schick hin, Vater

Er läßt die Pfeife sinken. Das ist ein Tag ein Weibs­bild schlägt einen Seehund todt!

Sie steht und wartet, bis sein Erstaunen sich gelegt hat. Das ist aber nicht so schnell.

Maniel Hay seine Deern der Vogt kann's in die Zeitung

schreiben

-

Ach was! wehrt sie. Das Fell soll an's Haus das soll's! murmelt er und blickt stolz auf sein muthiges Mädchen. Endlich raucht er wieder, wie sonst, ist also mit seinen Gedanken über das Ereigniß fertig.

Nun kommt ihr aber eine Röthe der Ungeduld auf die

Wangen.

Weißt auch was, Vater? fragt sie endlich. Ja doch!

Was?

Reich hat dagestanden, beginnt er langsam.

Reid Toben? spricht sie nach.

Just, wo Du stehst

Sie nicht. Daß sich Reick so schnell giebt, hat sie nicht ge­dacht, aber Jo ist ihr Einziger.

Seit zwanzig Jahren wieder einmal.

-

| bereden, frische Blätter auf die noch offene Wunde zu legen. An der entstandenen Blutvergiftung ist er nun verstorben. verstorben. Vor einem Schwindler, der gegenwärtig seine Fänger ausgestreckt und es zumeist auf Gastwirte abgesehen zu haben scheint, mag rechtzeitig hiermit gewarnt seien. Derselbe pflegt sich als Vertreter eines Berliner Goldwaren­geschäftes vorzustellen und ließ sich für die in Auftrag ge= nommene Einfassung von Brochen mit Photographien ver­schiedentlich 3-6 Mart anzahlen, ohne daß die Besteller dann das Gewünschte erhalten. Er betreibt nebenbei auch noch das Bechprellen meisterhaft

* Darmstadt. Prof. Christiansen ist aus dem Verband der Künstlerkolonie ausgeschieden, es tst ihm aber die Beibehaltung seines Ateliers sowie einer Remuneration auf ein Jahr noch bewilligt worden.

* Vom Miethsrecht. In Darmstadt wurde eine täglich wiederkehrende wichtige Frage jüngst in beiden Instanzen entschieden. Ein Mann hatte eine Wohnung für jährlich 320 Mart gemietet, der Mietzins war monatlich zu entrichten, über die Kündigungsfristen war eine Vereinbarung nicht erfolgt. Am 12. Juli v. J. fündigte der Mieter dem Ver­mieter für den 1. Auguft. Letzterer war damit nicht ein­verstanden, erklärte sich aber schließlich bereit, für den 12. August die Kündigung auzunehmen. Da der Mieter strengte Rechtsanwalt Dr. R. eine Klage gegen ihn an, sich weigerte, den Betrag vom 1. bis 12. Auguft zu zahlen,

indem er behauptete, daß die Miete nach einem Jahre be­messen sei, mithin hätte die Kündigung eigentlich nur für den Schluß eines Kalender- Vierteljahres und zwar spätestens am dritten Werktage des betreffenden Kalender- Vierteljahres erfolgen dürfen. Namens des Beklagten erklärte demgegen­über Rechtsanwalt G., daß die Miete als nach Monaten bemessen zu gelten habe, denn bemessen bedeute soviel wie bezahlen. Das Amtsgericht trat der erſterwähnten Anschau­ung bei, indem es insbesondere auf den Art. 551 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hinwies, welcher besagt, daß wenn eine Miete auf einen bestimmten Zeitabschnitt bemessen" ist, dieselbe auf das Ende desselben bemessen erscheint und der Mietzins nach dem Ablauf des Beitabschnitts zu be­zahlen ist. Hieraus gehe hervor, daß das Gesez die beiden Begriffe völlig auseinanderhalte. Der Beklagte wurde zur Bahlung der Miete bis zum 12. August verurteilt. Das Landgericht trat dieser Entscheidung gleichfalls bei und ver­warf die vom Beklagten erfolgte Berufung.

Stadtverordneten machte der Vorsigende unter Heiter­* Mainz, 18. Juni. In der heutigen Sigung der feit des Kollegiums die Mitteilung, daß ihm von einem Stallmeister ein Schreiben zugegangen sei mit dem Er­

Daß Jo und Meerie eins sind.

Sie reckt sich, als wüchse sie in dem Augenblick, umschreitet dann rasch den Zaun und tritt auf den Schiffer zu, legt beide Hände auf seine Schultern, blickt in sein faltiges Gesicht und sagt: Maniel Hay und mein Vater bist Du, aber damit stockt fast, mit dem spaße nicht.

Deern, weiß nicht von Spaß. Sie tritt mit dem Fuß auf.

sie

103-9192C

Jo und Meerie, wiederholt der Alte.

Ist genug! ruft Geerteerd.

Bist toll! fällt Maniel ein.

Sie athmet tief auf. Meerie

mach's Andern weiß, mir

nicht. Da steht der Schiffer plößlich auf, deutet nach der Straße und schreit dann mit aller Kraft seiner Lungen: Joahoi! Jo!

Der Angerufene ist eben aus dem Nachbarhause getreten. Jo, geht's zur Braut- topp, alter Junge!

Was Jo zurückruft, hört Geerteerd nicht. Sie steht hochauf= gerichtet und folgt der davon eilenden Gestalt mit den Blicken. Ob er zu Meerie Möllers den Weg nimmt, ob zu einer Anderen, sie fühlt nur das Eine, zu ihr ist es nicht. Sein Morgen" ist eine Lüge gewesen.

Der Alte mäßigt die Stimme, welche sonst so oft durch Sturmgebraus mächtig erklungen ist, und sagt: Wenn der Pastor ' rüber kommt, sollen sie zusammen.

Nun erkennt sie plöglich, was Reick da an die Planke ge­trieben hat die weiß, worauf sie den vollen Tag gewartet Hohn und Spott ist's gewesen, die ihr die Sprache ge­

hat

-

Geerteerd murmelt etwas, ihre Hände zucken; Maniel Kneift geben haben sein Auge zu. Ein Erlebniß das, setzt er hinzu.

Sie faßt die Bretter an, als müsse sie sich daran halten. Feindschaft kann sich ändern

Recht hast

war, fann Tiefwasser stehn, spricht sie. Angehn thut's mich nicht, lacht der Alte.

Was denn auch?

wo Land

Meerie Möllers- nette Deern, murmelt Maniel aner­kennend für Jo.

Geerteerd geht schweigend in's Haus, sie ist bleich, aber kein Laut kommt von ihren Lippen.

( Fortsetzung folgt.)