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442
Juli= 16,5°
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= 11,3°.
Nr. 159.
Zweites Blatt.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertelfährlich Mr. 150.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittag8.
Samstag, den 12. Juli 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3082.
Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Reffischer Landtag.
Darmstadt, 11. Juli. 8weite Rammer.
Vor Eintritt in die Tagesordnung berichtet der Abg. Dr. Gutfleisch über eine dringliche Regierungsvorlage, die Aenderungen einzelner Bestimmungen des Wahlgesezes vom 8. November 1872 über die Busammensetzung der beiden Kammern und die Wahl der Abgeordneten betr. Durch die neue Steuergesetzgebung sei eine Menderung der Bestimmungen bedingt. Die Fassung der Gefeßesvorlage sei eine loyale und den Verhältnissen entsprechende. Die Beratung des Gegenstandes wird zurückgestellt und die Dringlichkeit beschlossen.
Bu dem Antrag über den Ausbau der Realschule zu Groß- Umstadt zu einer Ober- Realschule erklärt Geh. Oberschulrat Nodnagel, daß ein Bedürfnis zur Errichtung einer Ober- Realschule in Groß- Umstadt absolut nicht bestehe. Die Beschaffung der Lehrkräfte sei äußerst schwierig.
Mehrere ländliche Abgeordnete finden, daß die ländlichen Bezirke in Bezug auf höhere Schulen wesentlich benachteiligt seien. Oberschulrat Nodnagel erklärt, daß die Regierung selbst auf einen zustimmenden Entschluß nicht in der Lage sei, dem Antrag Ohl Folge zu geben. Bei der Abstimmung wird trozdem der Antrag auf Errichtung einer Oberreal schule in Groß- Umstadt mit großer Majorität angenommen. Eine Vorstellung des Stadtvorstandes zu Buzbach um Ausbau der dortigen Realschule zu einer Oberrealschule hat der Ausschuß gleichfalls befürwortet. Nach längerer Debatte wird troß des Widerspruchs der Regierung auch dieser Antrag angenommen.
In der Diskussion über den Entwurf des abgeänderten In der Diskussion über den Entwurf des abgeänderten Wahlgefeßes von 1872 hält Abg. Dr. David( Soz.) diesen überhaupt nicht für nötig. Die Wahlrechtsvorlage mit der direkten Wahl sei von der Zweiten Kammer angenommen und die Erste Kammer möge die Vorlage in Beratung ziehen. Zeit dazu habe sie genug gehabt. Der§ 9 des Entwurfs sehe auch hier wieder die Steuerklausel vor. Damit werde die 4. Steuerklasse zur Wahl des Wahlmannes ausgeschlossen. Würden auch noch die Steuerstufen erhöht, so schaffe man noch ein größeres Unrecht. Deshalb letne seine Partei das Gesetz ab. Abg. Ulrich( Soz.) tritt den Ausführungen Davids bei. In der Hand der Ersten Kammer liege es, die Wahlrechtsvorlage noch unter Dach und Fach zu bringen. Weil man die Reform aber nicht wolle, sei der Ausschuß garnicht in die Beratung eingetreten.
Nachdem Geh. Staatsrat v. Krug und Ministerialrat Dr. Becker jede Absicht einer Verschleppung durch Regierung ober Erste Kammer abgelehnt haben, wird der Gesezentwurf
nach dem Ausschußantrag angenommen.
Nächste Sigung Freitag 10 Uhr. Vermischtes.
* Mannheim, 11. Juli. Das Schwurgericht berurteilte heute den 67 Jahre alten früheren Straßenarbeiter Reinhardt aus Hohensachsen, welcher am 23. Mai d. J. in einem Weinberg in der Nähe des Dorfes seine im gleichen Alter stehende Ehefrau im Streit erstochen hatte, zu vier Jahren Gefängnis.
* Paris, 9. Jult. Heute oder Morgen findet zwischen dem Arzt Dr. Pasmette aus Lille und Dr. Bonnet von hier ein Duell statt. Die Veranlassung zu diesem Zweikampf ist eine Zeitungs- Polemik über die von beiden beanspruchte Vaterschaft des ersten Inftituts zur Bekämpfung der Tuberkulose.( Ein Erfolg der Wissenschaft.) * Paris, 10. Juli. Eine furchtbare Feuersbrunst zerstörte gestern einen Teil des Städtchens Herpont. Das Polizeiamt, die Kirche, sowie drei Wohnhäuser und eine Scheune find ein Raub der Flammen geworden. Sämtliches Kirchenräte, zahlreiches Mobiliar und Warenborräte sind vernichtet. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Da das Feuer gleichzeitig an mehreren Stellen ausbrach, vermutet man Brandstiftung. * Paris, 11. Juli. Aus Cast wird berichtet, daß daselbst eine furchtbare Hize herrscht. Man verzeichnet 37 Grab im Schatten. 5 Personen, die auf freiem Felde arbeiteten, find infolge Hißschlages gestorben, ebenso 3 Artilleriften. Die Zahl der durch die Hize umgefommenen Pferde ist sehr groß.
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London, 11 Juli. Aus Melbourne wird gemeldet: In der vergangenen Nacht wurde in sämtlichen australischen Städten Freudenfeuer anläßlich der Genesung des Königs
angezündet.
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Eisenbahn- Angestellten bedroht die Stadt mit einer Chigago. Der kürzlich proklamirte Ausstand der
Nahrungsmittel- Not, da die vorhandenen Kommunikationsmittel kaum genügen, um den notwendigsten Verfehr aufrecht zu erhalten Die Lebensmittel, wie Milch, Gemüse usw. fönnen nur durch Ackerwagen hereinge bracht werden. Diese vermögen kaum das Notwendigste herbeizuschaffen. Der Güterverkehr per Schiff und Bahn ist fast vollständig unterbrochen.
Eine große Grubenexplosion in Amerita. Pittsburg, 11. Juli. Eine Explosion schlagender Wetter ereignete sich in der Rohlengrube der Gesellschaft Cambria, wobei 600 Grubenarbeiter verschüttet worden sind. Dieselben befinden sich in einer Entfernung von 2 Meilen von der Deffnung des Schachtes. Zwei Bergleute, die der Zwei Bergleute, die der Gefahr entronnen sind, schäßen die Anzahl der Toten auf 200. Eine weitere Meldung besagt, die Zahl der Opfer betrage mindestens 300.
Kapstadt. Nachrichten aus Johannesburg und Pretoria warnen wiederholt dringend vor weiterer Zuwanderung, da beide Städte schon mit beschäftigungslosen Arbeitsuchenden überfüllt seien und Unsicherheit Verbrechen, Gewaltthätigkeiten usw. in Folge dessen schnell zunehmen. Selbst viele frühere Soldaten der Kolonien seien arbeitslos.
* Schmerz und zahnloses Zahnziehen. Die häufigste und dabei nicht am wenigsten gefürchtete aller Opera tionen, das Zahnziehen, scheint einem neuen Fortschritt entgegenzugehen. Seitdem der Engländer Horace Wells im Jahre 1844 zum ersten Mal zur Binderung des Schmerzes beim Bahnziehen Aether anwandte, sind unzählige Mittel zu dem gleichen Zweck versucht worden. Die beliebtesten find heute Lach gas, Cocain, außerdem besonders die Lösung, die von Prof. Schleich gefunden und nach ihm benannt worden en ift. Diese Mittel lassen zwar den augenblicklichen Schmerz nicht empfinden, aber sie hindern nicht die für Blutarme schädlichen Blutungen. Der Berliner Zahnarzt Frig Möller ist nun auf einen Stoff aufmerksam geworden, der nach den( bisherigen Prüfungen zu weit höheren Erwartungen berechtigt; er wird aus frischen Nebennieren von Kälbern und Rindern gewonnen. lleber seine eigentümlichen Eigenschaften hat Professor Rosenberg in der Berliner Laryngologischen Gesellschaft fürzlich Folgendes gesagt:„ Auf die Schleimhaut der Naje gebracht, erzeugt der Auszug eine solche Blutleere, daß die Nase vollkommen weiß erscheint; auf dieser der- Empfindlichkeit. Zusammen mit Cocaïn bewirkt er Blutleere beruht wohl auch gleichzeitig die Herabsetzung eine in die Tiefe sbis auf den Knochen dringende Unempfindlichkeit gegen Schmerz. Er ist ungefährlich, und es scheint auch feine Gewöhnung an das Mittel einzutreten." Die Schilderung veranlaßte Möller zu einem Versuch des Mittels beim Zahnziehen, und er fonnte feststellen, daß danach die Blutung sofort stand, und der Wundschmerz, der meist nach der Entfernung des Bahns zurückbleibt, unmittelbar und bleibend beseitigt wurde. Möller wendet jezt eine besondere Mischung an, die in das Zahnfleisch eingesprigt wird, und es bis zur Wurzelspige gänzlich blutleer und unempfindlich macht. Auch die Heilung der Wunde soll bisher in allen Fällen schnell und ohne jede entzündliche Störung erfolgt sein.
* Ein eigenartiger Kapitän war der Führer der Hamburger Segelbark„ Emilie Lassen", welcher im vorigen Jahr sein Schiff von Australien nach Port Natal zu führen hatte. Da er beständig betrunken war, so ergriff die Mannschaft Maßregeln, um ein Bugrundegehen des Schiffes zu verhüten, und übertrug den Oberbefehl des Schiffes dem ersten Steuermann Schuhmacher. Dieser war deshalb der Nötigung des Kapitäns angeklagt, weil er ihn durch Drohungen ber anlaßt haben sollte, den Oberbefehl des Schiffes niederzulegen. Vor Gericht stellte jedoch der eigene Rheder des Schiffes dem Kapitän ein so schlechtes Zeugnis aus und außerdem wurde ihm von anderer Seite nachgewiesen, daß er häufig betrunken gewesen war und dabei das Schiff in höchste Gefahr gebracht hatte, daß das Gericht mit Rücksicht hierauf den angeklagten Kosten der Verteidigung auferlegte. Steuermann freisprach und der Staatskasse auch die
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Praktische Lösung der preußisch- polnischen Frage. Im Warschauer„ Wiek" wird erzählt: Ein Pole aus Russisch- Polen kommt in Posen an und will in einem Gasthofe absteigen. Auf seine polnische Forderung nach einem Zimmer antwortet ihm der Portier:" Hier Hotel wünscht, wo man polniſch ſpricht, so kann ich wird nur deutsch gesprochen. Aber wenn der Herr ein
ihm das Haus gerade gegenüber empfehlen." Der Reisende fragt erstaunt:" Und Sie selbst schicken mich zum Konkurrenten?" Achselzuckend erwidert der Portier: " Das ist schon so in Posen; da giebt es Hotels, wo man aus schließlich polnisch und solche, wo man ausschließlich deutsch spricht. Unseres ist deutsch, das gegenüber ist polnisch."" Wem gehört denn der Gasthof, gegenüber?" fragte der Reisende.„ Dem Herrn Funkenstein". Und dieser Gasthof da?"- Auch dem Herrn Funkenstein."
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Ein weiblicher Räuber. Auf dem Gute Boyfelde an der unteren Havel, wo auch mehrere Sommergäste aus Berlin wohnen, waren in Abwesenheit derselben Diebstähle derübt worden. In einer Nacht wurde nun von ausgestellten Wachen ein junges Mädchen angehalten, das im Begriff war, durch ein Fenster einzusteigen. Bei der näheren Besichtigung derselben entdeckte man in ihrem Besitz einen scharf geladenen Revolver.. Sie wurde verhaftet und überführt, auf dem Gute und auch anderswo Einbruchsdiebstähle begangen zu haben, von deren Erträgnis sie ihr Leben fristete. Auch den Nevolver hatte sie gestohlen und führte ihn seitdem ihrer Verteidigung mit sich. Dieser weibliche schwere Junge" ist die 16jährige Tochter ehrbarer Leute in Spandau.
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Das Inseraten- Conto der Vereinigten Staaten. Nach einer möglichst genauen Schäßung werden in den Vereinigten Staaten gegenwärtig für Reklamezwecke rund 6 Millionen Dollars im Jahre ausgegeben. Die Höhe dieser Summe wird erst flar, wenn man bedenkt, daß die Getreideernte der Vereinigten Staaten nur einen Wert von 319 Millionen Dollars, daß die gesamte Noheiſenproduktion nur einen solchen von 91 Mill. Dollars und das die ganze Geldproduktion nur einen Wert von 210 Mill. Dollars hat.
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* Ueber Alter und Familienstand der Reichsbe völkerung nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 veröffentlicht der Reichsanzeiger" eine Zusammenstellung, aus der wir folgendes entnehmen: Von den 56,367,178 gezählten Einwohnern( 27,737,247 männlichen und 28,629,931 weiblichen) waren 33,520,123 lebig( 17,098,806 männliche und 16,421,317 weibliche), 19,974,955 verheiratet( 9,797,924 männliche und 9,794,955 weibliche) 3,162,159 verwitwet ( 809,238 männliche und 2,352,921 weibliche) und 92,017 geschieden( 31,279 männliche und 60,738 weibliche. Im ganzen überwiegt das männliche Geschlecht in den Altersstufen bis zu 21 Jahren, von da an hat das weibliche Geschlecht die größere Biffer, zuerst mit einem Blus von 24,000 Personen und dann steigend big auf ein Mehr von 135,000 in der Altersstufe von 60-65 Jahren. Von da an sinkt wieder der Ueberschuß des weiblichen Geschlechts zusammen mit der Abnahme der Gesamtzahl der Bevölkerung in den höheren Altersstufen, wächst aber aber trotzdem relativ. Am Alter von 70-75 Jahren giebt es 356,589 männliche und 446,185 weibliche, im Alter von 75-80 Jahren 210,793 männliche und 267,984 weibliche, im Alter von 80-90 Jahren 110,726 männliche und 148,122 weibliche, von 190-100 Jahren 3635 männliche und 6348 weibliche Personen, 100 und mehr Jahre zählen 9 Männer und 32 Frauen; unter letteren waren 2 ledig, 1 verheiratet, 29 verwitwet, davon 3 Personen im Alter von 105 und mehr Jahren, während von den über 100 Jahre alten Männern 3 ledig, 1 verheiratet und 5 verwitwet waren. Bei den Ledigen zeigte sich ein ähnliches Verhältnis der Geschlechter. Bis zum Alter von 30 bis 35 Jahren überwiegen die männlichen Ledigen, von da an die weiblichen, die in deu höheren Altersstufen das Doppelte der Zahl der männlichen betragen. Bei den Verheirateten überwiegen umgekehrt aus gleichen Ursachen die Zahl der weiblichen in den jüngeren Altersstufen, während fich vom 35. Jahre an wieder ein Ueberwiegen der männlichen zeigt. Das entspricht der naturgemäßen Erfahrung, daß die Männer sich in späterem Alter verheiraten als die Frauen. Immerhin giebt es 562 männliche Verheiratete im Alter von nur 15 bis 18 Jahren, denen allerdings 4921 weibliche gegenüberstehen. Auch Witwer und Witwen in ſehr jugendlichem Alter sind vorhanden; so waren 14 Witwer und 148 Witwen erst 15 bis 18 Jahre, 33 Witwer und 379 Witwen 18 In allen Altersstufen, am meisten bis 20 Jahre alt. aber in den mittleren überwiegen die Witwen. Unter den geschiedenen Personen waren 6 Frauen ebenfalls erst 15 bis 18 Jahre, 16 Männer und 27 Frauen 18 bis 20 Jahre alt. Die Geschiedenen sind am zahlreichsten in der Altersstufe von 40 bis 45 Jahren vertreten.


