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10.6.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 131.

Zweites Blatt.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mt. 150.

Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Dienstag, den 10. Juni 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pf., sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Aus Hessen und nachbargebieten.

o Krofdorf. Die Holzfuhren aus den ausgedehnten Waldungen der Oberförsterei Krofdorf bringen alljähr lich regen Verkehr nach unserem Dorfe. Da neulich infolge der Nässe die Abfahrten verboten waren, so telle: Minenkräuterbonbon yaben fich dieselben für dieses Jahr etwas in die Länge gezogen. Für die Bewohner der Ortschaften Kleinlinden, Lüzelinden, Dndenhofen, welche größtenteils in den hiefigen Waldungen ihren Holzbedarf decken, nimmt eine olche Waldfahrt einen vollen Tag in Anspruch.

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Von

w Wißmar. Die Gemeinde Wißmar hat auf der Ausstellung zu Mannheim auf ihren ausgestellten Bullen Vogelsberger Rasse einen 1. Preis erhalten. Bogelsberger Tieren waren im ganzen nur 20 Stück ausgestellt, davon 6 aus dem Kreise Wetzlar, die übrigen ans dem Hinterlandkreis Biedenkopf. Die geringe Be­teiligung aus hiesiger Gegend ist darauf zurückzuführen, daß die hessischen Kreise diesmal ganz unvertrete waren. Durch die eifrige Thätigkeit des Herrn Land­rats v. Heimburg zu Biedenkopf sind mehrere Preise dortigen Ausstellern zugefallen.

§ Vom Lande. Der Witterungsumschlag begünstigt sehr das Anpflanzen der Dickwurzpflanzen. Ueberall ieht man die Landleute eifrig bei dieser Arbeit, nur hört man häufig die Klage, daß es allgemein an Dick wurzpflanzen mangelt. Der Klee ist außerordentlich gewachsen, der zweite Schnitt wächst rasch heran, sodaß es den Landleuten an Grünfutter nicht mangelt.

* Darmstadt. Zum provisorischen Nachfolger des in Ruhestand getretenen Kabinetsbibliothekars Dr. Lennert ist Reallehrer und Schriftsteller W. Holz amer eneral- Agentur aus Seppenheim bestimmt worden.

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beziehen durch jede Buchhan 87. Aufl. erschienene Schrift Med.- Rat Dr. Müller über das

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** Darmstadt, 8. Juni. Der Großherzog hat am 4. Juni den Oberkammerherrn Karl Freiherrn Schenck zu Schweinsberg auf sein Nachsuchen von den Funktionen des Oberkammerherrn enthoben und ihm den Titel und Rang eines Oberstkammerherrn verliehen. Darmstadt, 8. Juni. Der Großherzog wohnte heute vormittag den Besichtigungen des Garde- Dragoner­Regiments Nr. 23 und der 2. Abteilung des Groß­herzoglichen Artillerie- Corps durch den kommandieren­Den General auf dem Truppenübungsplaß bei.

* Ordensverleihungen. Der Großherzog erteilte am 31. Mai dem Oberfinanzrat Dr. Ferdinand Rohde und dem Geheimen Finanzrat Dr. Paul die Er­laubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen von dem Regenten der Herzogtümer Sachsen- Coburg und Gotha verliehenen Ritterkreuzes I. Klasse des Herzoglich Sachsen- Ernestinischen Hausordens.

Darmstadt, 9. Juni. Der Verein hessischer Lehrerinnen hielt am Samstag nachmittag im hiesigen Rathaussaal unter dem Vorsitz der Frau Lili Wolfs fehl seine diesjährige Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. Die Großherzogin hat das Protektorat über den Verein niedergelegt; die Vor­fizende bat, sich zum Zeichen der Anerkennung von den Sigen zu erheben. Fräulein S. Wider erstattete den Staffenbericht. Danach betrugen die Einnahmen ins­gesamt 8915.60 Mt., die Ausgaben 8513,47 Mt., wovon 5316 Mt., bezw. 4625,95 Mt. auf den Betrieb des Behrerinnenheims entfallen. Nach dem Jahresbericht betrug die Zahl der ordentlichen Mitglieder 117 mit 1190 Mt. Beiträgen, die der außerordentlichen Mit­glieder 258 mit 2245 Mt. Beiträgen; die Mitglieder­zahl hat eine fleine Verminderung erfahren. Das Ferienheim in Auerbach, zu dem der Großherzog wieder die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, war bom 25. Mai bis 9. Oktober von 8 Lehrerinnen in 80 Tagen besucht. Das Lehrerinnenheim hatte 5 Insassen mit 2156 Mt. Einnahme und 27 Bassantinnen mit mit 1411,10 Mt. Einnahme: Oberregierungsrat Weber machte hierauf Mitteilungen über die beabsichtigte und im vorigen Jahre bereits prinzipiell genehmigte Errichtung eines neuen, größeren Ge­bäudes für das Heim. Die Versammlung er­lärte sich für die Ausführung eines Projeftes in der Höhe des Kostenvoranschlags bon 114000 Mt.

* Mainz, 9. Juni. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich gestern Abend im Centralbahnhof beim Einlaufen eines von Bingen kommenden Zuges. In einem Wagen 4. Klasse fiel der glühende Zigarren­tumpfen eines darin befindlichen Turners einem anderen in den Halstragen und rollte den Rücken hinab. Dieser rie nun wie wahnsinnig vor Schmerz und stürzte in

wilder Flucht aus dem Wagen hinaus, wobei er zu Fall kam und in größter Gefahr schwebte, von dem noch nicht ſtille stehenden Zuge überfahren zu werden. Als man dem sich vor Schmerz am Boden Wälzenden endlich den Rock auszog, zeigte sich eine große Brand­wunde im Rücken.

Mainz, 9. Juni. In der vergangenen Nacht wurde der Lackirer Friedrich Rech von dem 44jährigen Hausburschen Johann Keller auf der Straße durch einen Messerstich in das Herz getötet. Der Erstochene hatte mit der Ehefrau Keller schon seit mehreren Jahren ein Verhältnis. Verhältnis. Der Thäter wurde in seiner Wohnung verhaftet.

* Mainz, 9. Juni. Der Lackierer Friedrich Rech, welcher mit der Ehefrau des Hausburschen Johann Keller schon seit längerer Zeit ein Verhältnis unter­hielt, wurde heute Nacht von Keller nach vorher gegangenem Wortwechsel erstochen. Der Getötete ist Vater von 6 Kindern. Keller und seine Frau wurden berhaftet.

* Was ein Häkchen werden will. Der M. A." er­zählt aus dem Leben eines Taugesnichts: Zu einem hiesigen katholischen Pfarrer kam ein jähriger Knabe eines Taglöhners, behauptete seine Mutter sei frank und er habe keine Schuhe anzuziehen. Der Geistliche gab dem Knaben 2 Mart, welches Geld er alsbald ber­jubelte. Vorgestern kam er wieder zu dem Geistlichen und erklärrte, seine Mutter liege am Sterben, er möge sie doch mit den Sterbesakramenten versehen. Die ganzen Angaben des Knaben stellten sich als unwahr heraus, auch hatte er eine falsche Adresse über die Wohnung seiner Eltern angegeben.

m Wabern, 9. Juni. Das gestrige Sängerfest hat leider einen traurigen Ausgang genommen. Zwei Burschen. einer aus Lemdorf und der andere von hier, warben beide um die Gunst eines Mädchens. Der Neid und die Mißgunst brachte schließlich den von hier gebürtigen Burschen so in Jähzorn, daß er seinem Nebenbuhler ein Messer in den Leib stach. Die Därme traten aus dem Leibe hervor. Der Schwer­verletzte wurde nach Marburg transportiert, gab aber bereits unterwegs seinen Geist auf. Der Ver­storbene ist 24 Jahre alt und erfreute sich des besten Rufes.

br. Neu- Ulrichstein,( Oberhessen) 9. Juni. Dem Monats- Bericht der hiesigen Arbeiter- Kolonie zufolge befanden sich Ende Mai auf der Kolonie stellen- resp. arbeitslos 56 Mann. Von diesen kommen nach der Geburt auf Hessen 7. Seit Bestehen der Anstalt wurden 4333 Mann aufgenommen.

*

Vermischtes.

Einjährig- freiwillige Lehrer. Von den zum 1 April und 1. Oftober des Jahres 1901 zum Militärdienst einge­zogenen Volksschullehrern haben als Einjährig- Freiwillige ge­dient in der Rheinprovinz( mit Ausschluß von Trier und Cleve) 41 unter 205 gleich 20 pCt., in Westfalen 17 unter 70 gleich 24,28 pct., in Hannover 67 unter 143 gleich 44,06 pt., in Schlesien 55 unter 183 gleich 30,05 pCt., in Brandenburg 16 unter 109 gleich 25,74 pCt., im König­reich Sachsen 43 unter 167 gleich 25,75 pet. und in Bayern 137 unter 165 gleich 83 pCt. der Gesamtsumme Den größten Prozentsaz weist nach vorstehenden statistischen Mitteilungen das Königreich Bayern auf.

Heidelberg. Der Universitäts- Oberbibliothekar Hof­rat Professor Dr. Karl Zangemeister, der geschätzte Epigraphiker und klassische Philologe, ist am Sonntag, 65 Jahre alt, gestorben.

Hamburg. Pastor Frenssen aus Hemme, der Verfasser von Jörn Uhl", wird zum Herbst sein Pfarramt niederlegen, um sich vorläufig ganz der Schriftstellerei zu widmen.

Berlin, 10. Juni. Heute sind es 50 Jahre, daß Paul Heyse an der Berliner Universität zum Doktor der Philosophie promovirt wurde.

München, 9. Juni. Ein hiesiger Buchbinder hat heute Nacht augenscheinlich im Irrsinn seinem sechs­jährigen Söhnchen mit einem Rasiermesser den Hals durchgeschnitten und sich dann selbst schwere Schnittwunden beigebracht.

ständigen Buchhalterin Therese Heinrich, mit einem Revolver auf und schoß des Mädchen nach kurzer Unterredung mitten in das Herz. Der Tod trat sofort ein. Der Thäter wollte sich hierauf selbst erschießen, brachte sich jedoch nur eine ungefährliche Wunde in der Magengegend bei.

Aus Bayern. Die Münchener Post" hat in dem flerifalen Straubinger Tagblatt" folgendes Inserat aufgegabelt:

,, Bekanntmachung. Am Sonntag den 8. Juni c. Nachm. 2 Uhr werden in Mariaposching Kost= finder öffentlich an die Mindestbietenden versteigert. Gemeindeverwaltung Maria­posching."

Die Gemeindeverwaltung Mariaposching steht nicht vereinzelt do. In den meisten bayrischen Landgemein­den wird es nicht anders gemacht.

Augsburg, 6. Juni. Vorgestern Abend erloschen in Landsberga. 2. plöglich alle elektrischen Lampen und die ganze Stadt lag buchstäblich im Dunkeln. Und die Ursache? Die Betriebskraft des Elektrizitätswerkes liefert der Mühlbach und in diesen war ein Pferd ge­stürzt. Um es lebend herauszubringen, mußte das Wasser abgelassen werden und dadurch kam das Werk einige Zeit zum Stillstand. Die Bürger fanden das zwar nicht ganz in Ordnung, beruhigten sich aber, als sie hörten, daß der Gaul dem Bräuer gehörte, der zur Zeit das beste Bier hat.

* Hannover, 6. Juni. Die That einer Wahn­sinnigen versezte gestern Abend die Bewohner des Hauses Marktstraße 21 in große Aufregung. Im bezeichneten Hause wohnt die Witwe eines Lehrers bei den Eheleuten Iser­mann. Gegen 9 Uhr bat die Lehrerswitwe, die sich an­geblich unwohl fühlte, um ein Glas Wasser, welches ihr Frau Isermann auch besorgte. Als Lettere dann in dem Zimmer der Lehrerswitwe war, ersuchte diese die Frau Isermann auch noch, doch das Bett zu machen. Während Frau Ffermann auch das that, verriegelte die Lehrerswitwe plößlich die Thür, ergriff ein bereitgestelltes Beil und hieb damit auf Frau Isermann ein unter dem Rufe: Ich will geföpft werden und muß deshalb einen Mord begehen!" Auf das Hilfegeschrei der so hinterlistig Ueberfallenen brachen die Hausbewohner die Thür auf und befreiten als­dann die bereits arg zugerichtete Frau Isermann aus den Händen der Wahnsinnigen, die darauf nach der Bult ge­schafft wurde. Der Zustand der Mißhandelten soll bedenk­lich sein.

London, 9. Juni. Im Stadtteile Lambeth wurde von zwei Arbeitern eine zer stückelte Frauen­leiche gefunden. Die Leiche war in zehn Stücke zer­sägt und zerschnitten. Der Kopf war zum Teile ge= focht, das Rückgrat war an zwei bis drei Stellen ge= brochen und der Rumpf anscheinend auch gekocht. Die Arme und Beine waren geröstet worden, die Hände und Füße fehlten. Vom Thäter fehlt jede Spur.

* Paris. Die preußische Rettungs- Medaille hat am Samstag der deutsche Kaiser an einen französischen Soldaten von der 7. Komp. des 39. Inf.- Reg. ber­liehen. Der brave Soldat hatte, als er sich kürzlich in Deutschland aufhielt, ein Kind aus der Nahe vom Tode des Ertrinkens gerettet.

*

" Haben Sie nicht den kleinen Cohn gesehen?" Dieses geflügelte Wort, welches lange Zeit die gesell­schaftliche Unterhaltung der Reichshauptstadt ebenso beherrschte, wie früher die nicht minder geistreiche " Holzauftion im Grunewald", das bis zu uns ge­brungene schöne Lied vom Bienenhaus" u. a., wird nun wohl bald außer Kurs gesetzt werden; denn im " Berliner Tageblatt" findet sich soeben folgende Epoche machende Bekanntmachung:" Der kleine Cohn ist da! Dies zeigen hocherfreut an Willy Cohn und Frau Else geb. Wolff. Schöneberg, 31. Mai 1902, Marstraße 25."

Was in der Stadt und auf dem Lande vorgeht

melde man den Gießener Neueste Nachrichten." Berichterstatter in allen Orten der Kreise Gießen,

h. München, 6. Juni. Heute abend 3/47 Uhr lanerte der 33jährige Friseur Konstantin Kentros aus Patras Butzbach, Friedberg, Weklar und Marburg erwünscht in Griechenland der 18jährigen, in der Schweiz ge­borenen und nach Hofheim bei Höchst am Main zu­

Gießener Neueste Nachrichten".