Nr. 131.
Erstes Blatt.
Dienstag, den 10. Juni 1902.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mt. 1.50.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheinische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg., sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg.
Postzeitungsliste No. 3022.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Kleine politische Nachrichten.
Minister krisis in Preußen.
Die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten im Landtage bezüglich der Zollfrage steht in vollem Einverständnis mit sämtlichen preußischen Ministern, Zwischen dem Grafen Bülow und Herrn v. Podbielski existiert also keinerlei Meinungsverschiedenheiten in der Bollfrage, mithin fann von einer partiellen Minister frisis keine Rede sein.
Die Königin Wilhelmine von Holland trifft heute Dienstag Nachmittag auf der Station Balduinstein ein und wird sich von dort aus nach Schloß Schaumburg begeben.
Der Stuttgarter Straßenbahnstreit hat die endgültige Aussperrung bon 101 Ausständigen durch die Direktion zur Folge. Die anderen sind wieder in den Betrieb eingestellt worden.
Die Regierung hat an die zweite Kammer eine Vorlage gelangen lassen betr. die Aversionirung bes Portos.
Zum Befinden des sächsischen Königs, dessen Bild der Leser beistehend findet, liegen folgende
Meldungen vor:
Meinst Du?
König von Sachsen.
FW
Geerteerd. Novelle von E. Vely.
( Nachdrud verboten.)
Meerie kann ihre Freude schlecht verbergen, sie sagt halblaut:
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Die Reick hat gewartet- Tag um Tag Sonst Keiner? fragt Jo Toben in demselben Tone, wie er am Morgen zu Geerteerd gesprochen hat.
Alle wohl! fällt Greit ein, die als besonders redefertig gilt. Da schlägt die Schwarze eine helle Lache auf. Greit, von mir aus warte erst, bis ich Dir Auftrag gebe, daß Du für mich sprichst!
Dann wendet sie sich und geht raschen Schrittes dem westlichen Thurm zu. Die Mädchen sehen einander an. Ahoi! fällt Jo Toben ein, mit der ist kein Spaßen. Segel auf und davon.
Dir gilt's! antwortet Anne und Meerie Möllers blaue Augen suchen die des Burschen und sie sagt zaghaft: Sie ist besonders!
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Da nickt der Matrose eifrig und während dem Mädchen, das seinen freundlichen Ausdruck auf ihre Art deutet, wieder die Röthe kommt, jetzt er hinzu: Da hast Du Recht, von Euch kann teine ihr nachthun das war schon immer so. Scht nur, wie das dahin segelt, dahin schießt, wie eine Möwe. Greit meint: Habe gedacht, ihr ständet gut zusammen. Darauf giebt der Heimgekommene feine Antwort, er sicht Geerteerzch, wie sie rasch ausschreitet, es ist ein Anämpfen gegen den scharfen Wind, welcher ihr die Gewänder eng an die Glieder preßt und ihre ebenmäßigen Glieder zeigt. Dann stößt er einen leisen Möwenschrei aus und eilt geradeswegs wieder den Dünen zu.
Sie sind nun alle am Strande versprengt. Der fremdländische Leuchtthurmwächter ist ostwärts geschritten, Edo Finnint and Clas Duwe rauchen ihre Pfeifen auf einer kleinen Sand
Sibyllenort, 9. Juni. Das Befinden des Königs| Königin weilt während des Tages am Krankenbette ihres Gatten. Für bedenklich gilt, daß der König trop leidlicher Nachtruhe auch während des Tages häufig in Schlaf verfällt.
ist noch dasselbe wie Jam Samstag. Trotzdem geben sich die Aerzte nicht allzugroßen Hoffnungen hin, da der kleinste Zwischenfall sofort eine Katastrophe herbeiführen kann. Es handelt sich um Herzschwäche, die im Verein mit dem als unheilbar diagnostizierten Blasenleiden den Krankheitszustand des greisen Königs verursachen. Prinz Friedrich August der zukünftige König ( s. nebenstehendes Bild) und Gemahlin haben ihre Ab
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Prinz Friedrich Augnst von Sachsen.
reise deswegen hinausgeschoben, weil während der heutigen Nacht der König eine Zeit lang besinnungslos wurde. Der Zustand besserte sich jedoch bald. Der König schläft den größten Teil des Tages, während die Nacht ihm wenig Ruhe läßt. Heute früh erledigte er eine Reihe Regierungsgeschäfte.
In der nächsten Umgebung des Königs hegt man nach den neueren Beobachtungen die Hoffnung, daß der hohe Kranke die Atemnot und Herzschwäche überwinden werde. Der König ist sich der Schwere seiner Erkrank ung wohl bewußt. Gleichwohl nimmt er regen Anteil an den Ereignissen in seinem Lande. Die Lage ist immerhin noch sehr ernst.
* Berlin, 10. Juni. Das Schwächegefühl des hohen Patienten ist nach wie vor sehr groß. Die
insel, weiche das zurückweichende Meer um sie her gebildet hat. Die drei Mädchen stehen, wo Jo Toben, um dessenwillen Meerie Möllers an den Strand gekommen ist, sie verlassen hat, und gucken einander an.
Dente, aus Euch wird ein Paar, sagi Anne. Zartes Minnewerben und Stücksichten sind die Inselschönen nicht gewöhnt. Sie sehen sie auch nicht von den heimkehrenden Männern gegen ihre Weiber. Die wollen in der kurzen Zeit, wo sie mit den Ihrigen leben, nicht viel mehr, als mit der Pfeife am Herde sisen oder Tabak kauend am Strande liegen. Ernst und schweigsam sind sie alle.
Meerie hat aber eine Empfindung, als müsse ein Werbender sich noch anders gebahren. Sie blickt auf ihre Füße, die, obwohl sie kleiner von Gestalt ist, doch nicht die Zierlichkeit der Geerteerd's haben. Seick denkt dran, flüstert sie etwas verschämt.
Dann macht's bald aus zum November kommt der Pastor, um Hinrich Kersens Zwillinge zu taufen- kann Euch auch zusammen geben.
O! sagt Meerie halblaut, die beiden Gefährtinnen denken nicht darüber nach, ob eine Hoffnung und ein Wunsch in dem Laut liegen, oder eine Abwehr. Dann treten die Drei den Heimweg an.
Geerteerd ist zornerfüllt vorangeschritten. Es freut ſie, daß sich der Wind heftiger aufgemacht hat und ihre heißen Wangen kühlt und daß aufstäubende Wassertropfen sie negen.
Sie hat in den Dünen nicht zum ersten Mal auf dem gleichen Platze auf Jo Toben gewartet. Wenn er ein schlechtes Gedächtniß hat, sie kann noch gut zurückdenken, was vor zwei Jahren gewesen ist. Und nun kommt er und sagt zu Meerie und Greit dasselbe, womit er sie am Morgen begrüßt hat. Sie stößt halblaute Reden aus, die der Wind ihr von den Lippen nimmt sie möchte, der brächte sie gleich zu des Burschen Ohren.
Nun ist sie an dem alten, festen Thurm, der schon zwei und ein halbes Jahrhundert dem Meereswüthen getrost hat
Italien.
Rom, 9. Juni, In dem heute Vormittag abgehaltenen Confiftorium überreichte der Papst den Kardinalen Martinelli, Freiherr v. Strzbinski und Puzina den Kardinalshut.
Deutscher Reichstag.
( 189. Sigung vom 9. Juni.)
Der Abg. Bayer Donauwörth( Centrum) ist gestorben. Das Andenken desselben wird in der üblichen Weise geehrt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Lesung des Gefeßentwurfes betr. dieAufhebung des Dittatur- Paragraphen. Die Annahme in dritter Lesung erfolgt ohne jede Debatte.
Es folgt die zweite Beratung der 8uder- Borlage ( Convention und Zuckersteuer- Gesez). Die Kommission be= antragt Annahme der Convention, sowie Annahme des Buckersteuer- Gesezes mit der Abänderung, daß die Ver brauchsabgabe statt auf 16, wie die Vorlage es will, auf anfänglich 12 Mt. und vom September 1905 ab auf -10 Mart herabgesetzt werden soll; zweitens soll die Kontingentierung, welche in der Vorlage ganz beseitigt worden ist, wieder hergestellt werden. werben. Die Beratung erstreckt sich
zunächst auf die Convention.
Abg. Wiemer( freis. Volksp.) lehnt den Vorschlag des Abgeordneten Grafen Karig, welcher die Vorlage noch einmal an eine Rommission zurückgegeben wissen will, ab. Mit der Convention seien seine Freunde einverstanden, nicht aber mit den Zuckersteuer- Beschlüssen der Kommission.
Abg. Müller- Fulda( Zentrum) bedauert, daß Deutschland zu den Beratungen der Convention nicht auch Sachverständige nach Brüssel gesandt habe, sondern nur Bureaukraten. Andere Staaten hätten in dieser Beziehung anders gehandelt. Der Ueberzoll müsse in Höhe von 6 Fr. zum allermindesten festgelegt werden nnd werde taum ausreichen, denn es sei unzweifelhaft, daß der Kolonial- Bucker auf dem Wasserwege ganz billig hierher fommen werde.( Lebhafte Rufe: Hört, hört.) Er sei überzeugt, daß ein großer Teil seiner Freunde der Convention die Zustimmung wird versagen müssen, wenn nicht das Zuckersteuer- Gesez so abgefaßt wird, daß die Landwirschaft vor Schaden behütet wird
Abg. Bernstein( Soz.) erklärt, seine Freunde stünden grundsäßlich der Convention freundlich gegenüber, aber der Wert der Convention sei durch die Beschlüsse der Kommission
-
und das letzte Ueberbleibsel des früheren Dorfes ist. Sie geht bis an die Spitze der Dammbefestigung das Meer ist zurückgetreten und setzt sich dort nieder. Da kommt hinter dem viereckigen Unterbau des Thurmes Jo Toben hervor er ist jenseits der Dünen ihr nachgeeilt und früher als sie an der Stätte gewesen, von welcher er weiß, daß es ihr Lieblingsplay.
Geerteerd, ruft er, und aus seinen ehrlichen Augen blickt ein freudiger Schein.
Sie hat ein Gefühl von Genugthuung, daß er da ist, aber ihm zeigen, daß dem so ist, leidet ihr Stolz nicht. Nur halb wendet sie den dunklen Kopf und spricht kein Wort. Er athmet noch hastig nach dem raschen Laufen. Nun, kannst Du mir's sagen. Er bricht ab nach den Worten, sucht ihren Blick und setzt dann hinzu: Ob es Dir recht ist. Was? entgegnet sie und verschränkt die Arme über der Brust. Daß ich wieder da bin, Geerteerd dann tritt er näher heran und beugt sich nieder. Hier hört es keiner. Sie lacht kurz auf. Reick nicht!
Jo denkt gar nicht über den Sinn nach. Warst eilig am Morgen
Reick rief nach Dir!
Ist eine einsame alte Frau und hat lange gearbeitet. Um Geerteerd's Lippen zuckt es wieder. diesmal fehlt
Du bist nicht allein gesund wieder da
Keiner. Er beachtet ihren ersten Einwurf nicht. Er sagt zu den letzten Worten: Weil ich der Letzte gewesen bin
Keine Antwort; er harrt noch ein Weilchen geduldig, bann sagt er: Ich bin meiner Mutter ihr Einziger!
Sie thut, als hasche sie nach einer Möwe, die beinah über ihren dunklen Scheitel gestreift ist, und erwidert: Maniel Hay seine Einzige bin ich.
( Fortsetzung folgt.)
Taiche.
Dreißig Pfund reiner Gewinn. Ronnten wir mebr
erwarten?"
tomisch ernsthafte Weise den Kopt. Flint nahm die Pfeife aus dem Munde und schüttelte auf
bic: nur ein fleiner Teil diefer bundertdreißig Pfund besteht in „ Die Gründe nun, warum ich so vorwärts bränge, find
eines Ladenjiinglings getragen haft, bis Du die Grenze fiir warte, bis Du die Uniform eines Reiters und die Schürze geflovit, ausgelesen, aufgebaut oder Ochsen getrieben hast, Jahre hier draußen gewefen bist, warte. bis Du Steine rechnung gemacht hat. Warte mit dem Heimweh, bis Du zehn jedes krankhafte Gefühl bei iemand, der eine folche Abs
Kleines
Feuilleton.
fommen dadurch hat. Mamens Blank, der ein ziemlich einträgliches Ginihr Handwerk bequemer und weniger gefahrvoll zu das ist die neueste Erfindung, um den Verbrechern nach Memperf * Ein Eisenbahn ustunftsbüreau für Verbrecher, Dies ist die Spezialität eines Engländers Früher floh der Verbrecher sp daß es
machen.
Nebenbuhler
in der Mutter Liebe
Der magisce
gewandelt wird. ganze Welt der Chefreuden feinen fleinen Schultern trägt. Zauber, durch welchen ein Haus in ein Heim Gin Miniaturatlas, der bon
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Gin Chesorgen auf
zurückschicken fann. Natur pünktlich präsentirter Wechsel, welchen man des Lebens. - Gine aufgebrochene
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Förderer der schönsten Eigenschaft
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