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9.7.1902 Erstes Blatt
 
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junger Mann namens Nau ereilt. Man vermutet, daß ein Hamburg. Der Seeamts- Spruch gegen den Führer Schlaganfall die Ursache gewesen ist. Der Ertrunkene steht des Dampfers Firsby, welcher das Torpedoboot S. 42 am 24. Juni in den Grund bohrte, lautet auf schuldig an dem in gutem Rufe. Unfall.

Is. Marburg, 8. Juli. Der letzte Festtag unserer hessischen Sänger zeigte trotz der fast unerträglichen Sommerhige einen ungemein starken Besuch des Festlich plazes, der am Abend den des Hauptfesttags fast noch übertraf. Zu dem Spaziergang nach Siegeslust hatten fich am Vormittag 150-200 Teilnehmer vereinigt.

Seligenstadt, 6. Juli.( Die Heidelbeeren,) die Perlen des Speffarts", find heuer im Freigerichte" nur spärlich geraten. In den größeren Maingemeinden der Umgebung werden sie gegenwärtig zu 10 Pfg. per Schoppen verlauft. Im Vorjahre war dasselbe Quan­tum schon für 6 Pfg. erhältlich. Auch die Kirschenernte ist in den nahen Spessartausläufern ungünstig ausge­Pro Pfund Kirschen werden 30 Pfg. berlangt, gegen 12 bis 8 Pfg. in firschenreichen Vorjahren.

k. Mainz, 8. Juli. Das neue Krematorium wird bis 1. April dem Betriebe übergeben. Es wird bei allen Stremationen aus den Rheinlanden und Nord­westdeutschland als am vorteilhaftesten gelegen in Be­tracht kommen. Alsbald nach Eröffnung wird ein ge regelter Dienst für die Verbringung der Leichen nach Mainz eingeführt. Die Gebühren sind seitens der städtischen Verwaltung noch nicht definitiv festgesetzt, sie sind jedoch vom Verein wie folgt vorgeschlagen und werden wahrscheinlich so zur Einführung gelangen: Für ein Familiengrab im Urnenhain von 70 zu 80 Zentim. 40 Mt., für eine Marmor- Urnennische für 1, 2 oder 4 Aschenurnen Mt. 250, 400, 800.

Aus dem Gerichtssaal. Schöffengerichtssitung.

Gießen, 8. Juli. Vorsigender ist Amtsgerichtsrat Dr. Gebhardt. Schöffen find die Herren Kurt von Münchow und Fabrikant Mylius. Zu erst wurde das am vorigen Dienstag ausgesetzte Urteil gegen den Dienstmann Karpf aus Gießen verkündigt. Es lautet auf Freisprechung. - Drei Bahnbedienstete, Otter, vöts und Krah, find wegen gemeinschaftlicher Körperverlegung angeklagt. Sie sollen den stud, med. vet. Bachel berhauen haben. Der Letztere ist als Nebenkläger durch Rechtsanwalt Leun vertreten. Rechtsanwalt Katz verteidigte den An­geklagten Otter. Dieser wird zu 25 Mt. ev. 5 Tage verurteilt. Die übrigen wurden freigesprochen, obwohl der Staatsanwalt auch ihre Bestrafung beantragte.- Ludwig Klein aus Frankenbach hat einem Arbeiter 5 oder 6 Mt. gestohlen. Er ist mehrfach vorbestraft, leugnet aber hartnäckig. Er erhält 4 Wochen Gefängnis. Die Haufiererin Frau Morian Ehefrau ist bc­schuldigt, eine goldene Vorstecknadel im Werte von 30 M. dem Kellner Franz Jermes entwendet zu haben. Sie wird jedoch freigesprochen. Kaspar Schmidt aus Altenbused hat einem Arbeiter ein paar Schuhe entwendet. Auch er erhält 4 Wochen Gefängnis.

Vermischtes.

* Der Nestor unter den deutschen Augenärzten Pro­fessor Dr. Richard Förster in Breslau, einer der hervorragendsten Schüler Graefe's, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Er war Mitglied des preußischen Herren­hauses.

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Hallschlag.( Enorme Steuern.) Den kommunalen Steuerreford in Preußen hält, soweit bekannt ist, zur Beit das Eifeldorf Hallschlag. Dort werden nahezu 1000 Bro­zent Buschläge erhoben und zwar 536 Prozent auf die Real­und 358 Prozent auf die Einkommensteuer. Hierzu noch 88 Brozent Kirchensteuer macht sage und schreibe 982 Prozent. Obendrein ist der arme Ort legthin von einem großen Brande heimgesucht worden.

* Göttingen, 8. Juli. Eine Säbelmensur soll fürz auf Hofmannshof zwischen dem Leibburschen des Kronprinzen und einem Angehörigen einer hiesigen Burschenschaft stattgefunden haben. Ursache dazu soll die vor mehreren Monaten auf einer Bonner Borussenfeier von einem hochgeborenen Fuchsen gethane mißachtende Aeußerung So erzählt man sich auf der Bierbanf.(?) gewesen sein. * Heiligenstadt, 7. Juli. Ein Mann vom Dorfe tommt dieser Tage in die Druckerei der hiesigen Zeitung fommt dieser Tage in die Druckerei der hiesigen Zeitung und fordert für 10 Pfg. doppelfohlensaures Nashorn. Der Mann meinte damit doppelfohlensaures Natron. Es wurde dem guten Manne bedeutet, daß eine Buch­druckerei Medikamente nicht führe. Jener erwiderte: " Ich hänn dach recht, man hett mich in de Drogerie geschiffet und nun bänn ich dach hie in der Druckerie."

Au!

* Was sollen wir machen? Auf dem Bahnhof eines schwäbischen Städtchens spielte sich folgender ergöhlicher Vorfall ab. Zwei feingekleidete Damen hatten, im eifrigsten Gespräch begriffen, sich auf dem Bahnsteig aufgehalten, als sie plöglich auf einen Bahn bediensteten mit dem Nufe zustürzten: Um Gottes Willen, lieber Herr, unser Zug ist fort! Was sollen wir machen?" Mit der Gemütlichkeit, die den echten Schwaben ziert, antwortet der Wackere: Beim nächst a net so lang schwäga!"

* Eine Riesenhöhle, die zu den schönsten in Europa zählen dürfte, ist in der Schweiz joeben zum erstenmale erforscht worden. Ihr Eingang liegt bei dem Dorfe Stalden im Muottathale, nicht weit von Schwyz am Fuße des Pragel. Ihre Erforschung war schon oft geplant worden, aber die Wassermengen, die Steilheit der Abhänge, das niederstürzende Gestein hatten sie bisher verhindert. Vier fühne Alpinisten aus Zürich haben nun soeben eine große Entdeckungsfahrt in die Höhle unternommen. Mit Lebens­mitteln für acht Tage, 5000 Meter langen Seilen, Leitern und Acetylenlampen ausgerüstet, sind sie am vergangenen Freitag in die Grotte eingestiegen und erst am Sonntag Mittag wiedergekommen. Die Bewohner Staldens schickten sich schon an, die Verlorengelaubten zu suchen. Die Forscher haben sich von Schlund zu Schlund, von Saal zu Saal, bis zu einer Entfernung von 2750 Meter vom Eingang vorgewagt. Bei dieser Entdeckungsreise von 46 Stunden haben sie eine Fülle von Naturschönheiten gefunden: Säle, die wundervoll mit Stalaktiten geschmückt sind, und unter­irdische Gießbäche, die mächtig genug sind, um Sägewerke zu treiben. Diese Resultate haben sie für die Anstrengungen und Wagnisse ihrer Forschung, die nicht ohne Gefahr war, reichlich entschädigt.

Akademische Nachrichten.

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Die Heidelberger Bibliothekar- Frage wurde heute durch die Ernennung des Bibliothekars Prof. Dr. Jakob Wille zum Oberbibliothekar erledigt. Die Privat­dozenten Dr. Hatschek und Dr. Bruno Schmidt von der juristischen Fakultät, ebenso der hiesige Bürger­meister Dr. Walz, der an der Universität badisches Verwaltungsrecht und verwandte Disziplinen lieft, wurden zu a. o. Professoren ernannt. Der a. o. Professor für Chemie an der Universität München Dr. Karl Hofmann erhielt einen Ruf als Ordinarius nach Basel. Zürich. Der eidgenössische Schulrat untersagte am letzten Samstag Herrn Professor Satt­schif am Polytechnikum die Fortsetzung seiner Vor­lefungen über Stunft, Kultur und Religion im Mittel­alter. Darob herrscht lebhafte Bewegung unter den Studenten. Saitschif hatte eine sehr zahlreiche Hörer­schaft. schaft. In Breslau ist der Direktor der Unt versitäts- Augenklinik, Geheimrat Prof. Dr. Richard Förster, vorgestern im 78. Lebensjahr gestorben.

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Neueste Nachrichten.

Von einer angeblich eingetretenen Ent­frembung zwischen Kaiser Wilhelms und Raiser Franz Josef, die gelegentlich der Teilnahme der zwei Herrscher an der Beisezungsfeier König Alberts in Dresden sich bemerkbar gemacht haben sollte, war in vielen Zeitungen bie Rede gewesen. In einer hochoffiziösen Auslassung ber Wiener Montagsrevue" wird nunmehr der Berlauf der Dresdner Begegnung der beiden Kaiser nochmals furg sfizzirt und namentlich die große Herzlichkeit im Verkehr Raiser Wilhelm mit seinem taiserlichen Freund und Ver­bündeten betont, aus welcher Darstellung allerdings hinläng lich die völlige Grundlosigkeit jener Gerüchte erhellt.

- Die ständige englische Garnison in Süd­afrika soll 50,000 Mann der verschiedensten Waffen­gattungen umfassen. Ferner soll durch alle Mittel die An­fiedelung von Reservisten und verabschiedeten Soldaten in dem annectirten Gebiete gefördert werden, damit falls dies notwendig werden sollte, sofort eine allgemeine Mobilmachung erfolgen fönne.

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Straßburg, 9. Juli. In Bischweiler wütet seit heute Morgen in dem Lagerhause der Jute- Spinneret und Weberei ein großes Schadenfeuer. vernichteten Bestände an Rohmaterialien werden auf ca. eine halbe Million Mark geschägt. Eine Abteilung der Straßburger Feuerwehr weilt an der Brandstätte. Klagenfurth, 9. Jult. Der große Marktflecken Cotschach im Gailthale steht in Flammen. Der halbe Ort ist bereits niedergebrannt.

General Dewet erhielt ein Angebot von 250 Pfund Sterling pro Woche und freie Reise, wenn er in Au­ftralien eine Vorlesungs- Turnée(!) unternehmen wolle. Paris, 7. Juli. Bei dem gestern in Fort de Vincennes stattgehabten Preisturnen gab Kriegsminister André auf die Begrüßungsansprache des national istischen Abgeordneten Pierre Richard folgende Ant­wort:

Ste sprachen von der Annäherung aller Fran­zosen. Ja, wir wollen eine solche, aber nicht mit jedermann. Wir wollen uns mit allen Leuteu ver­föhnen, die ehrlichen Glaubens find, aber nicht mit denen, die sich nicht gescheut haben, das Ministerium Waldeck- Rousseau während der Wahlen als Staats­minifterium des Auslandes zu behandeln. Mit diesen Leuten können wir uns um keinen Preis versöhnen. Sodann fuhr der Kriegsminister André fort: Wenn meine politische Meinung redikaler Richtung iſt, so kommt das daher, daß ich als Direktor der staat­lichen Munitionsfabrik in Vincennes die Erfahrung gemacht habe, wie häufig man bei den Arbeitern Bet spiele von Opferwilligkeit, Selbstlosigkeit und edelster Gesinnung findet.

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