Ausgabe 
7.7.1902 Erstes Blatt
 
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nachdrücklich besorgte, daß er zum Schlusse bei sechs| M.- T-.V. Gießen Wirten Wein beanstandete und die Fässer versiegelte. Turnverein Lauterbach

Mainz, 6. Juli. Gestern ging ein Unteroffizier, der von einer Schießübung tam, durch die Schustergasse. Das Gewehr trug er am Riemen. Plößlich ging dasselbe los; der Schuß ging glücklicherweise in die Höhe.

Limburg a. d. L., 6. Juli. Aus Niederbrechen wird uns berichtet: In München wurde wegen Einbruchsdieb­stahls der von hier gebürtige Georg Eisenbach zu 12 Jahren Buchthaus, seine Ehefrau zu 7 Jahren Buchthaus verurteilt. Es ist dies das Pärchen, das in einer ganzen Anzahl deutscher Städte Gastrollen gab, so u. A. in Kassel, Frank­furt a. M., Würzburg, wo sie den s. 3. berichteten Raub­anfall auf die Freiin v. Truchse ß ausübten. Außer Ein­bruchsdiebstählen beging das saubere Pärchen noch in der Weise Diebstähle, daß sich die Ehefrau als Dienstmädchen verdingte und dann am selben Tage unter Mitnahme von Gelb und Geldeswert verschwand. Georg Eisenbach hat sich nun vergangene Nacht in seiner Belle erhängt. Von München aus sollten die Verbrecher zur Aburteilung nach

den andern Städten gebracht werden.

29. Gauturnfest in Bukbach. Von unserem n.- korrespondenten. Reicher Jubel und große Begeisterung hat seit Sams­tag unser liebliches Städtchen, unser Bußbach befangen, jebe Straße, jedes Haus tönnte man sagen, hat sich zum Empfang der Turner festlich geschmückt und warum denn auch nicht. Buzbach, als echtes und rechtes Turnerstädtchen, sieht zum zweiten Male das Turnfest des Gaues Hessen in seinen Mauern, und zwar auf demselben Plage, als vor 11 Jahren, im Jahre 1891, auf dem Viehmarktplaze. Auch dieses Mal hat der landwirtschaftliche Kreisverein seine Aus­stellungshalle zur Festhalle ausschmücken lassen und, nicht zu sehr gelobt, das Ganze macht auf die fremden Turner ein geschlossenes Ganze, einen guten Eindrud.

Der Anfang des Festes,

am Samstag Nachmittag begann mit dem Eintreffen zahlreicher auswärtiger Turner und Gäste, denen gute Freiquartiere von Seiten der Bürgerschaft in bereitwilligster Weise zur Verfügung gestellt waren. Die offizielle Eröffnung fand am Abend mit Be­ginn des

Fest kommerses

statt. Schon lange vor Beginn desselben war die Halle bis auf des letzten Plaz gefüllt, ohne Unterschied, ob Reich oder Arm, alle erfüllte helle Begeisterung für die Turnsache. Nach der üblichen Begrüßungsrede, welcher Herr Professor Wamser im Namen des Turnvereins Buzbach in packender Weise sich entledigte, ging er auf den Wert des Turnens wie auf den der geregelten Leibesübungen über. Die praktischen Anwendungen all der schönen Ratschläge und Ermahnungen wurden den aufmerksamen Hörern, nachdem durch einige wohlge­lungene Aufführungen, darunter ein recht imposanter Kranzreigen der Mädchen und ein Schwerterreigen der Knaben vor Augen geführt. Als gute Hessen wurden in dem großen Festjubel auch unser Kaiser( und Großherzog nicht vergessen. Herr Lehrer Storch war es, welcher mit zündenden Worten das Hoch auf beide Fürsten ausbrachte, das in der luftigen Halle tausendstimmig wiederhallte. Am anderen Morgen, dem

Festsonntag,

entriß der Weckruf die mitunter noch nicht so lange ruhen­den Festteilnehmer dem er quickenden Schlaf. Der Vormittag verging nach einer angenehmen Berstreuung beim Konzert und Frühschoppen in der Festhalle, und Igar bald wurde es Zeit zur Aufstellung des

Festzuges.

Viele auswärtige Bruder- Vereine und die von Gießen waren alle in corpore erschienen, fein Wunder auch, daß das ganze Bild des Umzuges ein sehr malerisches und ab­wechslungsvolles war. Eröffnet wurde der Zug durch die Buzbacher Radfahrer, die Feuerwehr und die Musik vom 168. Inf. Regt., diesen folgten 2 Chaisen mit den Ehren mitgliedern des festgebenden Vereins, den Herren Gg. Sey­fried, Christ. Weichardt, Gottfr. Köppler, Jakob Rumpf 4, Heinrich Forbach und Heinr. Braun; hinter den Wagen war die Reihenfolge nach dem Gau- Ausschuß, den Kampf­richtern und dem Ehrenkomitee für die einzelnen Turn­vereine dann folgende:

Biedenkopf, Friedberg, Homberg, Kirchhain Marbach, Marburg( At. T.-V.), Marburg( T.-V.), Nidda, Gemünden, Gedern, Gießen( M. T.-V.), Gießen( T.-V.), Großen- Buseck, Grünberg, Heuchelheim, Klein- Linden, Leihgestern, Launsbach, Lich, Lollac, Rodheim, Staufen­berg, Weglar, Wieseck( mit eigener Snaben- Musiffapelle, welche gleichmäßig gekleidet und mit sog. Burenhüten einen sehr schönen Eindruck machten), Bad Nauheim, Marburg, T.- Gem.), Schotten, Gerdorf, Hungen, Nieder- Weisel, Ansbach, Ober- Mörlen, Schlik, Nieder­Wöllstadt, usingen Langgöns, Friedberg, Alsfeld, Lauterbach, Griedel( mit Damenriege) und Wolfers­heim; jezt folgten noch der Kriegerverein, der evang. Arbeiterverein, der Gesangverein Orpheus, alle drei von Buzzbach und den Schluß bildeten die Schuljugend und der Turnverein Bußbach mit seiner Damenab­teilung. Bald nach dem Eintreffen auf dem Festplat wurde zu den Freiübungen aufmarschiert. 296 Mann standen in 16 Reihen und bemühten sich, die lebungen so eraft wie möglich auszuführen. Vor Beginn derselben richtete der Bürgermeistee in furzer aber herzlicher Weise einen Willkommengruß an die Turner, und der Gaubertreter Helm- Gießen dankte für diesen Gruß und rühmte die Feststadt daran anschließend als eine wahre Turnerstadt, die stets der Sache so manchen treuen Dienst geleistet. Nach Beendigung der Freiübungen wurde zum Vereinswettturnen angetreten. Das Ergebnis davon ist folgendes: Turnverein Schlit 1. Preis m. 32/12 Punkt.

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Damenriege Bußbach Turnverein Weglar

Nieder- Weisel( Bögl.) 2.

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Marburg, Spielriege recht gut. Bu bemerken ist noch, daß sämtliche Riegen, welche in Wettbewerb traten, mit einem Preis bedacht werden konnten. Die Preisverteilung erfolgte am Abend gegen 9 Uhr unter großem Andrang in der Festhalle durch Gauturnwart Will Marburg Die nach derselben aufgeführten Festspiele fanden gleich wie am Vorabend brausenden Beifall.

Vermischtes.

Bremen. Der hiesige Photograph Voigt wurde heute mit Frau und zwei Kindern in seiner Wohnung halbverwest aufgefunden. Seit Samstag war das Haus verschlossen und wurde heute Mittag von der Polizei geöffnet. Es liegt Gasvergiftung bor; da das Geschäft Voigts schlecht ging, nimmt man Selbstmord an. * Drentwede.( Vierlinge). Dem Häusling Dickmann­schen Ehepaar im nahegelegenen Schmolte wurden vier Kinder, zwei Knaben und zwei Mädchen, geboren, die gleich nach der Geburt starben.

* Die altbekannte rote Zugführertasche, das Erkennungs­zeichen des zugführenden Beamten bei den zur Personenbe­förderung dienenden Zügen, soll nun auch bei den Staats­eisenbahnen verschwinden. An deren Stelle tritt ein roter breiter Lederriemen mit Schnalle und Signalpfeife, welcher gleich der bisherigen Tasche über Schulter und Brust ge­tragen wird.

In dem Millionenkonkurs des Fürsten Ludwig zu Salm- Kyrburg auf Schloß Benneberg wird in diesem Monate eine Abschlagszahlung von Proz. an die Gläubiger stattfinden, wozu ungefähr 17,500 Mart vorhanden sind. Die zu berücksichtigenden Forderungen betragen 1,141,450 Mt.

* Ein Eisenbahnzug durch einen Cyklon umgestürzt. Wie uns aus Bombay gemeldet wird, wurde in der Nähe von Rampur- Hat ein Eisenbahnzug durch einen Wirbelsturm umgeworfen. 13 Personen wurden getötet, 15 Bassa­giere, darunter eine eueopäische Dame, erlitten Berlegungen.

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* Eßt Pferdesleisch. Dem Vorurteil gegen Pferde­fleisch" möchte die agrarische D. Tagesztg" zu Leibe gehen. Sie schwärmt platonisch für den Genuß von Pferdefleisch und stellt sogar die fühne Behauptung auf, daß das Pferdefleisch in Frankreich in den besten Kreisen" genossen wird. Die nationalsoziale Beit" bemerkt dazu wißig: Woher dem Blatt diese Kunde kommt, wissen wir nicht. Jedenfalls er­innern wir uns nicht, in Paris im Pavillon d'Armenonville oder bei Ledoyen oder auch nur in den Bouillons Duval Côtelette de cheval auf die Speisekarte vermerkt gefunden zu haben. Aber sei's drum! Wir wollen einmal diese Be­hauptung gutgläubig hinnehmen, und wenn wir in Zukunft wieder von der Zunahme der Pferdeschlachtungen in Span­dau oder in Chemnitz lesen, da werden wir nicht mehr an Fleischnot und Arbeiterdürftigkeit denken, sondern uns freuen, daß die rückständigen Deutschen sich endlich dem verfeinerten Geschmack der besten Kreise" Frankreichs zu nähern be­ginnen. Wir freuen uns dessen im Interesse der Kultur im Allgemeinen wie in dem der Landesfultur im Besonderen. Wie viel Fleisch brauchten wir weniger zu importiren, wenn alle alten deutschen Gäule verzehrt würden! Der Gedanke ist für Jeden, der auf dem Gedanken der Heimathpolitit" und des Schutzes der nationalen Arbeit" steht, von gerade­zu berauschender Großartigkeit. Was bringt heute ein altes, abgerackertes Roß? Höllisch wenig. Was kann es bringen, wenn das Pferd- notabene das alte Pferd, denn gerade

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für seine Verspeisung pläbirt bas bündlerische Blatt- erst zum Nationalgericht der Deutschen geworden ist? Ein ganz anständiges Sümmchen. Wir können es daher nur mit Genugthuung begrüßen, daß man, wie wir nach dem Artikel der Deutschen Tagesztg." als zweifellos annehmen, in den Kreisen ihrer Redakteure, der Bundesredner, der Vorsitzenden und Vertrauensmänner des Bundes, furz überall da, wo man zur Heimathpolitik" des Bundes schwört, mit der praftischen Propaganda für das Pferdefleisch vorgehen will. Beispiele sind Riesen", sagte der Leiter der Deutschen Tagesztg.", bestellte seine bisherigen Fleischlieferanten ab und ernannte den ersten Berliner Roßschlächter zu seinem Hoflieferanten. Dulce et decorum est pro patria edere. Welch stolzes Gefühl, nicht blos Vorkämpfer, sondern auch Voreffer seines Volkes zu sein. Hottehüh hurra!

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* Einen merkwürdigen Seb ftmord beging in Ettlingen( Baden) der im dortigen Schlachthause beschäftigte Taglöhner Joseph Boch. Er verwendete eine Schlachtmaste mit Patronen. Um die Entladung

herbeizuführen, mußte er mit einem Glipfel auf den Stift des Instrumentes schlagen. Den Hammer selbst hielt seine Hand noch im Tode krampfhaft umspannt.

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* Eine neue große Tropfsteinhöhle ist in der Nähe von Schwelm entdeckt worden. Jägern fiel es auf, daß einige Dachshunde bei der Fuchsjagd ungewöhnlich lange in den Löchern blieben. Beim Nachgraben fand man einen weiten Höhlengang. Bis jetzt fonnte man aber der Lehmmassen wegen noch nicht weiter als ca. 70 Meter vordringen. denen der Dechenhöhle an Schönheit nichts nachgeben. Die Tropfsteingebilde sollen Das Waldfeft des Bogelsberger Höhen- Klubs auf dem Hoherodskopf, 6. Juli 1902. Von ganzem Herzen laß' dich loben, Du schöner Tag im Hessenland, Dem hoch im Vogelsberg da droben Mein Sehnen stets war zugewandt! Von Nebeln wochenlang umhangen Boß Hoherodskopf so viel Naß, Daß jedermann gedacht voll Bangen: ,, Berregnet wird uns nun der Spaß!" Doch Pessimisten sei's zum Aerger, Den Trübsalsgrüblern allzumal Für meine lieben Vogelsberger Füllt heut die Sonne Berg und Thal, Und durch die grünen Buchenhallen Rauscht ein Willkommen warm und mild, mil Das gilt den frohen Menschen allen, ihmelzu Die jetzt im Wald versammelt sind.is

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Suksoinuits and tii siste Wohl hat verlernt das lust'ge Wandernd Des Achtzigjähr'gen müder Fuß, sie Doch schickt der Alte gern euch andern Zum Feste seinen wärmsten Gruß. Gar oft gewinnt in stillen Träumen Ein Heimatbild in mir Gestalt; dinise Dann weil ich unter schatt'gen Bäumen Bei euch Jim lieben Oberwald.

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D'rum laßt auch heut' mit sanftem Tritten Im Geist mich nehmen meinen Gang Und lauschen mich in eurer Mitte Des Festes wunderschönem Klang! ' s ist fraglich, ob der Sänger wieder gull Im nächsten Jahr sich findet ein; mi Doch wird das lezte seiner Lieder Das Lob der alten Heimat sein.

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Wie in der alten Zeit geht aud) jezt noch die Kolonisation von der Küste in das Innere des Landes. Das Gleiche trifft auch für unsere beste Kolonie Kamerun zu. So sehen wir denn in unmittel­barer Nähe der Hauptstadt Kamerun die meisten Plan­tagen längs der früfte ange siedelt. Unsere Starte führt unseren Lesern diesen Distrikt bor Augen. Die Plantage der Gesellschaft Viktoria" ist besonders hervorgehoben, ein­mal weil diese Gesellschaft bet weitem die bedeutendste ist, zweitens aber auch, weil sie bie rührigste ist. So hat diese Gesellschaft in aller Stille einen Bahnbau unternommen, der freilich in erster Linie dem Transport ihrer Kakao- Pro­dukte dienen soll, andrerseits aber auch zum Transport von Lebensmitteln und Menschen nach dem Regierungsfiz Buca bestim.nt und so namentlich für die dort stationierte Schutz­truppe von der größten Be­

deutung ist. Dazu kommt, daß die bis 40 Kilometer von der Küfte entfernt liegenden Ortschaften in unmittel bare und schnelle Verbindung mit den Hauptorten gebracht sind. Zweifellos werden die übrigen Gesellschaften dem Beispiel der Viktorta" schnell folgen, und so wird Kamerun verhältnismäßig schnell in den Besitz eines Tertiärbahnnetes gelangen, während unsere anderen Kolonien mit den Eisenbahnen nicht recht zu stande kommen.