123
Nr. 154.
Erstes Blatt.
Montag, den 7. Juli 1902.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährlich Mr. 1.50.
Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionsvreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie, ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg. Postzeitungsliste No. 3032.
dis Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Neuelle Nachrichten
Nr. 153.
Oberheffische Familienzeitung.
Seite 2.
Sahre alt.
Bor ungefähr fehn Jahren Erin in Viktoria geboren, wo feine Eltern viele
als ferbar
berlacht, von seinen Freunden
feinem wahren Licht sehen lassen und war von seinem Feinde
cr ciner
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
desi
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen danded it is a mai 1001 narod,& adzor inngs) schiltis Tafia spilombon and do ale doing 3881 fiat dlot Gießen, 7. Juli 1902.
P. P.
Am Samstag mußten wir zu unserm Bedauern verschiedene wichtige Lokal- Notizen, sowie Sprechsaal" zurückstellem, weil in lezter Stunde der Inseraten- Andrang so stark war, daß es mit dem besten Willen nicht anders zu machen war. Wir bitten daher die verschiedenen Herren Einsender um Entschuldigung. Zugleich möchten wir unsere geehrten Herren Inserenten höflichst bitten, größere Inserate möglichst am Tage vorher einzusenden.
Es ist unser Bestreben die„ Gießener Neueste Nachrichten" zu einer Zeitung zu gestalten, von der die Gießener Bürgerschaft sagen muß: Der Inhalt ist wirklich interessant; nicht mit großen langweiligen Artikeln, in Artikeln, die tein Mensch liest, wollen wir unsern gesch. Lesern dienen, sondern uns mit solchen Begebenheiten und Lesenswerten Arbeiten, welche die Gießener auch wirklich lesen. Von allen Seiten wurde uns schon Anerkennung zuteil; wir entnehmen dies hauptsächlich aus der stets wachsenden Abonnentenzahl und den sich fortwährend mehrenden Inseraten Aufträgen.ds? Wir danken allen Denjenigen, die uns bis jeßt darin unterstüßt haben und geben die feste Versicherung, unser Möglichstes zu thun, die „ Gießener Neueste Nachrichten" nicht zu einem Großstadtblatt, wohl aber zu einer Zeitung zu gestalten, die jeder Leser mit Befriedigung aus der Hand legt und, was die Hauptsache ist, mit Spannung erwartet.
Zur Wahlrechtsvorlage.
Das Schicksal der Vorlage der Regierung betreffend Einführung der direkten Wahlen zum Landtag ist besiegelt und zwar, wie wir zu unserer Freude gestehen, in einem weite Streise, insbesondere die Landbevölkerung, durchaus befriedigenden Sinne. Die direkte Wahl, diese alte Forderung eines jeden, nur einiger maßen liberal denkenden Mannes, ist angenommen; die Wahlpflicht ist abgelehnt und die Zusammensetzung der Kammer bleibt vorerst unverändert. es ist nicht der Neid gegen die Städte, was manche Abgeordnete bewogen hat, gegen die Vermehrung der städtischen Abgeordneten zu stimmen; es ist die einfache, nackte Thatsache, daß troßdem heute nur 10 Abgeordnete aus städtischen Wahlkreisen in der Zweiten Kammer figen, ferner noch 12 weitere Abgeordnete aus den größeren Städten als Vertreter von Landbezirken gewählt sind. Diese Erwägung ist bei den Beratungen fast vollständig ignoriert worden. Außer den zwei Darmstädter Vertretern sigen noch weitere 6 Darmstädter, außer den zwei Mainzer Vertretern noch weitere 4 Mainzer, ebenso ein weiterer Offenbacher, als Landbezirk- Vertreter in der Kammer und daß die Erste Kammer in der Hauptsache aus Stadtvertretern besteht, ist ebenfalls nur wenig berührt worden.
Die städtischen Interessen sind also mehr wie genügend vertreten, dabei ist nicht außer Acht zu lassen, daß die Vertreter der Städte mit wenigen Ausnahmen studierte oder besser durchgebildete oder wie die Sozialdemokraten, schlagfertigere Männer sind. Wenn auch ein Abgeordneter sich als Vertreter des ganzen Landes fühlen soll, so kommen doch viele Fälle vor, wo der eigene Wahlkreis ganz besonders in Betracht kommt und wo dessen besondere Interessen, wie bei der Plazzfrage der Errichtung staatlicher Anstalten, bei Erbauung von Bahnen 2c., vertreten werden müssen; deshalb halten wir die gegenwärtige Wahlkreis- Einteilung für eine durchaus genügende und freuen uns, daß die Zweite Stammer in letzter Stunde noch ein Wahlgesetz unter Dach und Fach gebracht hat, was sich die Erste Kammer hüten wird zu vereiteln.
Wir sind so gut Deutsch gesinnt, wie jeder Andere, der sein Deutsches Vaterland liebt; wir halten unser hessisches Volt für völlig reif, sich seine Vertreter für den Landtag selbst zu wählen und es wird, wenn die direkte Wahl, die ja auch die Regierung als die richtigere anerkannt hat, Gesetz wird, deshalb unserem Lande gewiß nicht schlechter gehen!
Politische Nachrichten.
- Der Kaiser tritt heute Montag von Travemünde aus seine Nordlandsreise an. -König Georg von Sachsen hat eine außerordentliche Sigung des sächsischen Landtages mit einer Thronrede eröffnet.
-
Der ehemalige Präsident des Reichstages Freiherr v. Buol Berenberg ist gestern in Baden- Baden gestorben. Geboren wurde er am 24. Mai 1842 zu Zizenhausen bei Stockach in Baden, studierte in Freiburg, München und Heidelberg Jura und wurde 1870 Richter in Mannheim. Im Jahre 1898 wurde er zum Oberlandesgerichtsrat ernannt, nahm aber im folgenden Jahre aus Gesundheitsrückfichten seine Entlassung. Er hat während seiner aller
adle 10
ploche Hochachtungsvoll
010100.00& smisi mal sal nomadsing in Redaktion und Erpedition.oosde mi diodo potem me
dings nur kurzen Präsidentschaft Festigkeit und Gerechtigkeit bewiesen. Namentlich die kleinen Parteien und die parlamentarischen Einspänner, die unter seinen Vorgängern oft genug mundtot gemacht wurden, haben jedenfalls das schnelle Ende seiner Präsident schaft bedauert. Mit ihm ist ein persönlich hochehrenschaft bedauert. Mit ihm ist ein persönlich hochehrenwerter und überzeugungstreuer Politiker aus dem Leben geschieden, dem nicht nur seine Partei, sondern Leben geschieden, dem nicht nur seine Partei, sondern auch seine politischen Gegner ein ehrenvolles Andenken bewahren werden.
Der Staatssekretär des Reichs- Marine- Amts, Vize- Admiral v. Tirpik hat sich auf Urlaub begeben. Die Vertretung in den laufenden Geschäften hat der Vize- Admiral a cd übernommen. Sack
916 Zum Studium der Tierarzneikunde werden nach dem Beschluß des Bundesrats fortan nur Abiturienten der Gymnasien, Real- Gymnasien und Ober- Realschulen( die letzteren ohne die für Mediziner vorgeschriebene Nachprüfung im Lateinischen) zugelassen werden. Die neue Bestimmung tritt vom 1. April 1903 ab in Kraft.
-
Kapitän
Reichskanzler Graf v. Bülow wird von Kiel aus sofort seinen Sommer- Urlaub antreten und sich nach Norderney begeben. Ebenso tritt der Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Richthofen, jezt seinen SommerUrlaub an. Beide werden nach Berlin zurückkehren, wenn der König von Italien im August hier zum Besuche des faiserlichen Hofes eintrifft. zum Tode des ertrunkenen Tode des ertrunkenen leutnants Rosenstock von Rhöneck wird uns noch folgendes geschrieben: Durch die Blätter geht soeben die Meldung, daß der englische König das heldenhafte Verhalten dieses Kapitäns sehr gelobt habe, weil er die Engländer zuerst in das Rettungsboot bringen ließ. Wie man aber jetzt allmählich erfährt, hat der todesmutige Befehlshaber noch viel mehr gethan. Nicht nur hat er die 3 eng lischen Lords zuerst in das Rettungsboot steigen lassen, er hat ihnen sogar noch obendrein als 2. Rettungsmittel seinen eigenen Rettungsgürtel und die von zweien seiner Maschinisten gereicht, obwohl er wußte, daß er dadurch sich und diesen seinen Leuten den sicheren Tod bereite. Und die 3 englischen Lords haben diese That ohne Widerspruch, als etwas ganz Selbstverständliches hingenommen. Wir meinen, aus diesem ihrem Verhalten spricht einmal eine ganz unglaubliche Feigheit im Angesichte des Todes, dann aber auch zeugt es von sehr wenig Nächstenliebe, wie man es eben nur von einem Engländer erwarten kann.
Dresch Graf Pückler Klein Tschirne sprach gestern in öffentlicher Versammlung über seine legte Gerichtsverhandlung. Der Saal war schon lange vor Eröffnung so überfüllt, daß die Polizei die Thüren schließen ließ. Graf Pückler erging sich überaus scharf über die Art seiner Behandlung durch das Glogauer Gericht aus. Er erklärte, wenn das Reichsgericht das Gericht aus. Er erklärte, wenn das Reichsgericht das Urteil bestätigen sollte, werde er, wenn er aus dem Gefängnis entlassen sei, weiter dreschen". Schließlich erfolgte die Auflösung der Versammlung als der Redner die Söhne des Lichts und der Gnade" aufforderte, sich zu einer festen Phalany zusammen zu scharen und alles niederzuwerfen, was jüdisch ist." Auf der Straße kam es zu einigen Sistierungen.
"
"
Schwerin. Auf der Station Buehow fuhr am Samstag ein von Neubrandenburg- Rostock kommender Bug dem dort nach Rostock ausfahrenden Schnellzug in
dag
die Flanke. Ein Wagen stürzte um, andere Wagen wurden beschäftigt. 11 Personen wurden schwer verletzt. Arzt und Krankenkasse.
Königsberg, 4. Juli. In der heutigen Sigung des deutschen Aerztetages wurden u. A. folgende Anträge einstimmig angenommen: 1. Mitglieder von Krankenkassen sollen die Hilfe eines jeden Arztes anrufen können, der im Bezirk thätig ist und sich auf die vereinbarten Bedingungen verpflichtet hat. 2. Die gegenseitigen Leistungen zwischen den Aerzten und Krankenkassen sollen vereinbart werden von Kommissionen, die zu gleichen Teilen von den Aerzten des Bezirks und Delegierten der Krankenkassen gebildet werden. Deutschland hat sein Geld von China. Entgegen den verschiedensten Nachrichten, wonach China fich weigere, die Kriegs- Entschädigung in Gold zu zahlen, meldet ein Privattelegramm, daß China die auf Deutschland entfallende Rate von 5,600,000 Mr.,
doch richtig in Gold bezahlt hat.
Deutschland und Amerika.
* Leipzig, 4. Juli. Der amerikanische Botschafter am Berliner Hofe, Mr. White hielt aus Anlaß der Feier des amerikanischen Unabhängigkeitstages hier eine längere Rede Roosevelt. über Politik und Ideen des gegenwärtigen Präsidenten Von besonderen Interesse für Deutschland war die Bemerkung des Botschafters über die Vorliebe des Präsidenten Roosevelt für deutsches Wesen und deutschen Geift. Mr. White erklärte, Präsident Roosevelt habe zu einem seiner nach Europa fahrenden Freunde gesagt, ich habe von jeher eine Liebe und Verehrung für Deutschland und wenn ich dies sage, so wissen Sie, daß ich dies auch so meine. Alle die Roosevelt kennen, wissen, daß kein anderer Präsident so völlig erfaßt hat, was Deutschland der Zivilisation gegeben hat und noch immer giebt.
Belgien. Der Ausschuß zur Reform der belgischen Artillerie beschäftigt sich gegenwärtig mit dem Studium von drei Geschüßarten. Es handelt sich um die Krupp'schen die Cockerill'schen und die französischen Schnellfeuer- Geschüße des Werkes von St. Chamond.
-
Die französische Regierung hat nunmehr die Schließung sämtlicher Kongregationen, welche sich den Vorschriften des neuen Vereins- Gesezes nicht unterworfen hatten, vollzogen.
London, 5. Juli. Heute fand das Königsmahl für 1/2 Million von Londoner Armen statt. Es waren dazu alle öffentlichen Hallen, zahlreiche Exerzierräume und ähnliche Gebäude in Anspruch genommen. Außerdem waren in öffentlichen Parts 380 große Belte aufgeschlagen. Stahezu
ber
alle der größeren Festveranstaltungen wurden von schiedenen Mitgliedern der tgl. Familie besucht. Bei allen wurde die Botschaft des Königs an den Lord mayor_verlesen, in welcher er bedauert, nicht persönlich unter seinen Gästen weilen zu können.
Die Leibärzte erklären König Eduard für außer Gefahr befindlich.
Die bulgarische Regierung droht der Pforte mit dem Abbruch der diplomatischen Bezieh
ungen.
Ein amerikanisches Geschwader wird demnächst einer Einladung des Prinzen Heinrich folgend, zum Besuch in Kiel eintreffen.
Alle infolge des Burenkrieges verfügten Einschränkungen des telegraphischen Verkehrs für Telegramme von und nach Zanzibar, den Seychellen, Mauritius, Madagaskar, Britisch Ostafrika, DeutschOstafrika, Mozambique und Lourenzo Marquez sind anfgehoben worden.
Nr. 153.
Kleines Feuilleton.
Oberhessische FamiHenzeitung.
Seite 3.
dann werden Sie Wenn fie anfangen zu
fie spielen wollen,
arbeiten; we spielen haben auch Thränen,
meinen. mit ihnen
Dann
und


