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Verlagshandlung.
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Nr. 179. Zweites Blatt.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 150.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Dienstag, den 5. August 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Erpedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
100
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Politische Nachrichten.
Der Großherzog von Hessen begibt sich ng Aliceftraße 18ift ander am 6. d. Mts. zur Krönung nach London. Am 15. August teifft er wieder in Mainz ein, wo er am 16. August Stoc erwognung fur bent staiser als Gast im Palais empfängt. An diesen Oftober au Bubche Tagen findet Truppenschau statt. -Baden will die aus Frankreich vertriebenen zer Steinweg 23 find zwei Ordensschwestern aufnehmen. Angesichts dieses Handeln der urbohnungen nebſt Bad, badischen Regierung in der Klosterfrage ist es von allem Zubehör, zunt 9ab. Interesse, wie ein so einsichtiger welterfahrener Staatsmann, wie es Freiherr von Stein war, über die Wirkung der Klöster dachte. In dem soeben erschienenen ersten Band vou Prof. Lehmann's Stein- Biographie findet sich darüber eine Stelle. Stein schreibt am 5. Januar 1803 an Sad:
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„ Ich gestehe, ich halte die Kloster- Anstalten für den Siz des Aberglaubens oder eines dummen Hinbrütens oder der Dissolution und Insubordination; ihr Geist ist im Widerspruch mit dem Geist wahrer Religion und der ersten Pflicht des Menschen: gemeinnüßige Thätigkeit. Als Ausfluß des Mönchtums ist der Statholicismus wahre Geisteslähmung". Stein schrieb diese Worte als Oberpräsident in Münster, wo er ja Gelegenheit hatte, den Katholicimus in allen Formen zu studiren; seine Worte über die Klöster fallen aber um so mehr ins Gewicht, als Stein nichts weniger als ein fanatischer Katholikenhasser, sondern im Gegenteil vielmehr durchaus tolerant war.
Plan( Böhmen), 4. Auguft. Die hiesige Gemeinde Vertretung hat in ihrer gestrigen Sitzung den alldeutschen Abgeordneten Dr. Schülk und Hauck einstimmig ihr Mißtrauenbotnm ausgesprochen und fordert die beiden Abgeordneten auf, ihr Mandat niederzulegen.
Klagenfurth, 4. August. Das bekannte Benediktinerstift wurde vom Fürstbischof Dr. Kopp fäuflich erworben. Dasselbe soll für französische Ordensgeistliche eingerichtet werden.
London, 4. Aug. Daily Telegraph meldet aus Newyork, daß die Firma Armour in Unterhandlungen getreten sei zwecks eines Trustes für die Lieferung des Konservenfleisches.
London, 4. Aug. Daily Mail meldet aus Amsterdam, daß Steijn während seiner Reise erklärte, wir können augenblicklich England nur zwingen, die Bedingungen des FriedensBertrages inne zu halten. Ich zweifle nicht daran, daß wir schließlich durch die Politik zurückgewinnen werden, was wir
In eigener Sache Richter.
Roman von L. Haidheim. ( Nachdruck verboten.)
( Fortsetzung.)
Ja, fa, so schrieb der gräfliche Herr Rendant", stimmte der Müller Großholz etwas atemlos und sichtlich erregt zu,„ ich habe aber den Tag vor der Erkrankung des gnädigen Herrn Grafen 18 429 Gulden in bar bezahlt ihm selber, Herr Baron, und er hat mir mit eigener Hand die Quittung geschrieben. Ich fonnte ja nicht ahnen, daß ich den Herrn Baron heute hier treffen
Sie würden also imstande sein die Empfangsbescheinigung vorzulegen?" Geschrieben und gefiegelt, Herr Baron, auf dem Papier mit des Herrn Grafen Wappen."
Seltsame Geschichte", murmelte Burkard Frohberg und fagte dann laut: So fommen Sie damit auf die Rentei, die Sache wird sich schon aufflären." Graf Joseph war Beuge der kurzen Unterhaltung gewesen. Jest, als Burkard sich eben umwandte um den Wagen zu besteigen, fiel ihm auf, daß Graf Joseph vor Stälte bebte und fehr. blaß war.
Entschuldigen Sie nur, Ebern, ich konnte den Mann, der um sein Geld in Sorge ist, nicht gut abweisen. Es ist wirklich unangenehmes Wetter geworden. Sie haben sich durch das Herumstehen im Schnee sicher erfältet; das kommt von Ihrer Eitelkeit immer diese dünnen Stiefeletten zu tragen. Sie hätten fich einen Cognac auf der Station geben lassen sollen, schlecht genug ist er da freilich."
Das fahle Grauweiß von Graf Josephs Gesicht hatte sich nach und nach verloren, er begann wieder besser auszusehen. Ich glaube selbst", murmelte er, aber dabei schlugen ihm Die Zähne aufeinander.
Burkard Frohberg zog die Fenster der Glaskutsche empor, Hegte dem Better die Pelzdecke über, die sich im Wagen befand, und mahnte ihn den eleganten Ueberzieher zuzuknöpfen, obwohl Ebern versicherte, es sei nicht schlimm, nur ein kleiner vorübergehender Frostschauer.
Sie fuhren eine ganze Weile schweigend dahin.
Auf einmal richtete Graf Joseph sich aus seiner Ecke auf und sagte, immer noch recht blaß aussehend: Ich fürchte, ich halte es in Krapolno nicht aus, Frohberg." Sein Ton flang sonderbar gereizt und beinahe angſtvoll.
durch den Krieg verloren haben. Ich bin überzeugt, daß die afrikanische Politik siegen wird.
London, 4. Auguft. Das Blatt Observer veröffentlicht einen Artikel über eine neue Gruppierung der europäischen Staaten, welche daraus entstanden sei, daß der König von Italien einen Besuch in Petersburg gemacht und einen solchen in Paris plane. Der Dreibund- Vertrag enthalte feine OffensivKlausel gegen Fcankreich und Rußland.
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Giessener Cagesneuigkeiten.
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** Bauernregeln vom August. Der Monat August muß Hize haben, sonst wird der Früchte Zahl und Gewitter am Bartholomä, bringen bald Güte begraben. Hagel und Schnee. Morgens lauter Finkenschlag, fündet Regen für den Tag. Der Thau ist für den August so Wenns im noth, als Jedermann das täglich Brod. August start thaut, so bleibt das Wetter traut. Was im Sind Herbst soll geraten, das muß im August b.aten. St. Lorenz und Barthel schön, ist guter Herbst vorauszuseh'n. Der Sichel vergiß nicht Barnabas, er forget gern fürs längste Gras. Ists in der ersten Augustwoche heiß, bleibt der Winter lange weiß. Im August Wind aus Ost und Nord, jagt die Unbeständigkeit fort. Mehlthau im August Nord, jagt die Unbeständigkeit fort.- Mehlthau im August ist sehr ungesund, unreines Dost bring nicht in den Mund. Wenn der Kuckuck lange nach Johanni schreit, so rufet er nur theure Zeit. Schön Wetter zu Mariä Himmel fahrt, verkündet Wein von bester Art Bringt Rosamunde Sturmeswind, so ist Sybille uns gelind. Wenn großblumig wir viele Disteln erblicken, will Gott einen guten Herbst uns schicken. Wer in dem Heu nicht gabelt, in der Ernte nicht zappelt, im Herbst nicht früh aufsteht, der seh zu, wies ihm im Winter geht. Höhenrauch im Sommer, Lorenz muß heiß sein, soll ist der Winter kein frommer. guter Wein sein. Im August viel Regen, ist dem Wein guter Wein sein. fein Segen. Sonne scheine im August, daß du uns den Wein mögst braten; Mond und Sterne, schaut darauf mit Lust, daß er möge wohl geraten. Bläst im August der Stellen sich im Anfang Nord, dauert gutes Wetter fort. Gewittter ein, so wird es bis End' so sein. Hize um St. Dominicus( 4.), ein strenger Winter fommen muß. Um St. Laurentie( 10.) Sonnenschein, bedeutet gutes Jahr mit Wein. Wie das Wetter an Cassian( 13.), hält es mehrere Tage an. Hat uns'te Frau gut Wetter, wenn sie zum Himmel fährt( 15.), gewiß sie dann uns Aden viel guten Bein bescheert. Mariä Himmelfahrt Sonnenschein, Mutter Maria, die bringt uns stets guten Wein. schmerzensreiche, im Sonnenschein gen Himmel steige, dann
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,, Weil die Coufine uns verlassen hat?" fragte dieser rasch dagegen und seine dunklen Augen funfelten.
Nein, aber ich weiß nicht, wie ich das Leben dort ertragen soll?"
Wie Sie es bis jest ertragen haben, ist mir auch ein Rätsel! Sie selbst sind es für mich, Ebern! Ich habe absolut kein Verständnis für einen Mann, der, jung, gesund und leidlich talentiert, in solch' vollständigem Müßiggang dahin leben kann. Arbeit habe ich Ihnen geboten, mehrfach, weil mir Ihre Unthätigkeit schrecklich erschien, schrecklich für Sie.
" Ja, ja! Aber ich sagte Ihnen jedes Mal, daß ich nicht gelernt mich üblich zu beschäftigen, zu arbeiten gar, wie Sie es so rubelos thun. Ich fann nichts; aber ich sehe ia ein, daß man irgend Etwas thun muß, um zu leben. Geben Sie mir tausend Gulden, Burkard, als Abzahlung auf mein Erbe vom Alten, ich will etwas zu werden suchen."
" Ihr Erbe, Vetter? Wissen Sie denn?"
" Nichts weiß ich, aber Geld muß ich haben und Sie können es mir geben! Ein Pflichtteil fann ein liebloser Vater selbst dem enterbten Sohne nicht nehmen. Dies Pflichtteil würde ich zu beanspruchen haben als meines Vaters Grbe."
" Das glaube ich fast auch. Aber positiv--." " Ich weiß es positiv; ich habe darüber mit einem berühmten Wiener Rechtsgelehrten forrespondiert. Und ich muß doch leben bis zur Gröffnung des Testaments!"
Hoffentlich vergnügt noch viel länger", suchte Burkard das peinliche der Unterredung abzuschwächen und versicherte nach einem furzen Ueberlegen, er werde sich mit dem Kuratorium in Verbindung seßen- gleich morgen.
Ich muß wegen der Großholzschen Sache doch hin", fügte er hinzu.„ Es ist eine rätselhafte Geschichte: Großvater hat eine geradezu musterhafte Buchführung hinterlassen, alles stimmt auf ein Haar, nur ergab sich gleich anfangs ein Manto von etwa 16 000 Gulden. Man rechnete hin und her, in seinem Portefeuille fand sich eine sehr große Sunime Geldes, alles ganz ordnungsmäßig notiert, troßdem muß der alte Herr in den legten gesunden Stunden diese große Summe irgendwie verausgabt oder weggelegt haben, das ist mir bei dem Reden des Müller Großholz flar geworden. Für das Kuratorium liegt die Pflicht vor, das Verbleiben des Geldes auszuforschen-- und man hat keine Ahnung
Unangenehm, sehr unangenehm", sagte Graf Joseph leise vor sich hin und schauerte zusammen.
Sie sind heiser, Ebern! Sobald wir zu Haus kommen, sollen Sie sich hinlegen und ich schicke Ihnen einen heißen Grog
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fönnen bei trefflichem Wein die Menschen sich trefflich er freu'n. Wie Bartholomäustag sich hält, so ist der ganze Herbst bestellt. Um die Zeit von Augustin( 28.) ziehen diesen die warmen Tage hin. Schlechten Wein gibt's heuer, wenn St. Lorenz ist ohne Feuer. Was die HundsJe dicker der tage gießen, muß die Trauben büßen. Negen im August, desto dünner wird der Muſt.
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Aus Hessen und nachbargebieten.
Die drei in BockenFrankfurt a. M., 4. August. heim garnisonierenden Schwadronen des 13. HusarenRegiments begeben sich nächsten Freitag früh auf 14 Tage zum Brigadeererzieren nach Grießheim bei DarmAm 22. August kehren dieselben zum letzten stadt. Male in die Bockenheimer Kaserne zurück, um Anfangs September ins Manöver abzurücken. Nach dem Manöver beziehen sie direkt die kasernements in Mainz.
Frankfurt a. M., 4. August. Einen guten Fund machte ein unehrlicher Finder am 1. August. Er fand eine Brieftasche mit Wertpapieren und Banknoten. Die letteren- 400 Dollars in amerikanischen Noten, 700 nahm er Mark in deutschen 100 Mark- Scheinen heraus. heraus. Die Brieftasche mit den Wertpapieren warf er wieder fort.
Frankfurt a. M., 4. August. Ein Wirt in der Vogelsgesanggasse wurde von einem seiner Gäste nach furzem Wortwechsel durch einen Messerstich in den Rücken getötet.
Darmstadt, 4. August. Der am 29. Juli dahier von dem Gerüst eines Neubaues abgestürzte 16jährige Zimmermannslehrling Philipp Hahn aus Weiterstadt ist seinen Verlegungen erlegen.
** Frankfurt a. M., 4. August. Eine bei Kloppen. heim aufgefundene Leiche wurde als diejenige des 33 Jahre alten Bankbeamten Karl Friedrich dahier erkannt. Der leichtlebige junge Mann hat seiner Firma, dem Bankhause A. Jaffé& C. Trier nach und nach ca. 30 000 Mt. veruntreut. Als sich seine Verfehlungen nicht mehr verdecken ließen, griff er zum Revolver.
Baron Carlo v. Erlangen, in Rheinhessen ansässig, der bekannte Afrikaforscher, macht zur Zeit bei den Bockenheimer Husaren eine lebung als Reserveleutnant. Nach Beendigung derselben unternimmt der Forscher eine Reise nach Australien. Seine letzte zweijährige Forschungsreise durch Abessinien und die Somaliländer war für ihn von großem Erfolg. Dem jungen Forscher kann man nur Glüd wünschen.
ins Bett. Das übrige bereden wir, wenn ich in M. gewesen bin. Schlimmsten Falls, Sie wissen, ich bin fein reicher Mann, verschaffe ich Ihnen ein paar hundert Gulden, damit amüsieren Sie sich ein Weilchen in Wien und kommen dann zurück; im Grunde hat doch das Großstadtleben für Sie doch nichts Neues mehr!" " Ha-! Ich hab's so satt!"
" Aber was wollen Sie denn-?"
Fort will ich! Fort- ich fann nicht neben Ihnen hergehen in meines Nichts durchbohrendem Gefühle- ein Lump! Ohne Tüchtigkeit ohne Energie
Wie ein leidenschaftlicher Schrei flangen die Worte, so voll Angst und Qual und Verzweiflung, daß Burkard Frohberg erschrat.
Er begriff diesen moralischen Kazenjammer Eberns aber rasch. Sie sagen, Sie wollen irgend was zu werden suchen, Better? Ich könnte dazu nur gratulieren. Haben Sie bestimmite Pläne?" Nein! Aber ich fühle mich elend, gräßlich elend. Meinen Ste, es sei angenehm, neben Ihnen zu stehen wie ein- ein-?" Mich hat das Leben und die Not gezwungen, auf Boften zu stehen", Better, und bei uns Frohbergs hieß es allezeit: Brav und fleißig sein". So was prägt sich dem Wesen auf. Und wie ein Posten darf man nicht vom Fled."
Mich hat keine Seele ermahnt brav und fleißig zu sein!" schrie Graf Joseph ganz außer sich auf.
Mehr oder weniger ist jeder Mensch das Produkt seiner Verhältnisse, gewiß! Aber sprechen Sie heute nicht davon Ebern, ich fürchte Sie haben Fieber, jedenfalls find Sie trant; morgen, oder wenn Sie wohl genug sein werden, wollen wir den Bunti mal ins Auge fassen. Ich glaube ſelbſt, eine geregelte Thätigkeit und Pflichten würden Sie mehr befriedigen."
Graf Joseph schwieg; es war jest ganz dunkel geworden, Burkard fonnte seine Züge nicht mehr erkennen, aber der Blid in diese verwahrlofte Seele, die ewig schwankend, doch einen Trieb zum recht thun zu haben schien, gab ihm viel zu denken und weďte in seinem Herzen immer von neuem die aufrichtige bülfsbereite Teilnahme.
Sobald fie in Strapolno angekommen waren, zog Ebern sich. blaß und elend aussehend, auf sein Bimmer zurück und die Haus hälterin brachte ihm sein Essen dahin.
Er schichte es fast unberührt wieder hinaus, trant aber den bon Burkard selbst bereiteten Grog und fühlte sich darnach im Bette bald wieder wohler.
( Fortsetzung folgt.)


