Nr. 203.
_Zweites Blatt.
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Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft- nnd Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Dienstag, den 2. September 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Jnfectionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen
Die hessische Staatsprüfung im Justiz- und Verwaltungsfach. Von akademischer Seite wird der„ Frks. Btg." ge
schrieben: Das zweite Morgenblatt der Frankf. 3tg." vom 12. August bringt eine Notiz über den schlechten Ausfall der hessischen( zweiten) Staatsprüfung im Justiz- und Verwaltungsfache und fnüpft daran die Bemerkung, daß eine Besserung nur bei Reform des( ersten) Gießener Examens und des Vorbereitungsdienstes zu erwarten sei. Obwohl ich nicht mehr hessischer Jurist bin, so sind mir die Verhältnisse in meinem alten Vaterland doch so genau bekannt, daß ich mir wohl ein Urteil darüber erlauben darf, ein Urteil, das sicherlich von der Mehrzahl der jüngeren Beamten und Anwälte in Hessen geteilt wird. Es geht im Ganzen dahin, daß der wesentliche Mangel in der Ausgestaltung der Staatsprüfung felbst liegt. Denn diese ist durchaus nicht auf Ermittelung des Könnens, des„ Judiz", sondern lediglich des Wissens abgestellt. Ob der zufünftige Richter oder Verwaltungsbeamte mit dem Gesetz arbeiten kann, darüber giebt das Darmstädter Examen nicht den geringsten Ausschluß, da bei den schriftlichen Arbeiten Hilfsmittel nicht gestattet, wohl aber Aufgaben gestellt werden, die nur der gut eingepautte" Kandidat zu erledigen vermag. Ist es wahr, daß vor einigen Jahren zur schriftlichen Beantwortung gefragt wurde, wie hoch die Gerichtsgebühren in diesem oder jenem Falle feien, so zeugt dies von einer völligen Verkennung dessen, was eine schriftliche Prüfung leisten soll und kann. Ist es aber nicht wahr, so handelt es sich nur um eine scherzhafte Erfindung, so beweist diese doch, wie man in den beteiligten Kreisen über das Staatsexamen urteilt. Dazu kommt, daß man den Kandidaten zur Erledigung der einzelnen Fragen absolut nicht die erforderliche Zeit läßt, sondern sie von Frage zu Frage, von Klausur zu Klausur geradezu heßt. Was aber im schriftlichen Examen verfehlt wird, kann im mündlichen nicht mehr gut gemacht werden. Denn ein solches giebt es überhaupt nicht. Zwar findet der Form nach ein Termin zur mündlichen Prüfung statt, da aber die sämtlichen Kandidaten der Periode gleichzeitig geprüft werden, so fann man sich von der Tragweite dieser Prüfung" leicht eine Vorstellung machen.
Ganz verfehlt ist das, was der oben erwähnte Artikel über die Verhältnisse in Gießen sagt. Zunächst ist in Hessen zu derselben Zeit wie in Preußen die Teilnahme an praftischen Uebungen den Studenten zur Pflicht gemacht worden. Obligatorische Uebungen brauchen also nicht mehr eingeführt zu werden, weil sie längst eingeführt sind. Außerdem aber steht fest, daß sich die hessischen Studenten.auch an nicht obligatorischen Uebungen viel eifriger beteiligen, als ihre preußischen Kommilitonen. Es wird schwer fallen, eine deutsche Universität zu finden, an der die Zahl der juristischen Praftifer und der Teilnehmer daran größer wäre als in Gießen. Was endlich das Gießener Examen betrifft, so haben wiederholt Fachkundige sowohl in juristischen Zeitschriften als auf juristischen Versammlungen erklärt, daß es das besteingerichtete in Deutschland sei und anderen Staaten als Muster dienen könne. Allerdings unterscheidet es sich bon dem Darmstädter ganz wesentlich, nämlich dadurch, daß es die Aufgabe des schriftlichen Teils nicht in der Ermitt lung dessen sucht, was der Kandidat weiß, sondern was er tann, sowie dadurch, daß es neben dem schriftlichen auch einen diesem gleichgeordneten mündlichen Teil hat.
Aus Hessen und Nachbargebieten.
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schäftsverkehr verbunden sei, auch das Ansehen der Rechtssprechung beeinträchtige. Für den Fall, daß es zunächst nur zu einer Vermehrung der Feriensachen kommen sollte, hat die Handelskammer die Erklärung aller Forderungsklagen zu Feriensachen befürwortet und die von der Handelskammer Breslau empfohlene Beschränkung dieser Maßregel auf Forderungsklagen aus Warenlieferungen von Kaufmann zu Kaufmann mit der Begründung abgelehnt, daß auch der Schein einer Bevorzugung des Kaufmannsstandes in dieser Sache vermieden werden müsse.
** Darmstadt, 31. Aug. Mit Beginn des Winter Semesters wird an der Technischen Hochschule zu Darmstadt ein ganz neues Kolleg und zwar über chemisch- technische und geologische Vorarbeiten zur Trinkwasserversorgung der Städte usw. gelesen werden. Die Art der Vorlesungen ist insofern neu, als in denselben zwei Dozenten und zwar der Landesgeologe Dr. Steuer und der Vorstand der chemisch- technischen Prüfungsstation Prof. Dr. Sonne zusammen abwechselnd lesen werden. Die Vorlesungen werden noch durch Experimente und Exkursionen in die Umgebung von Darmstadt interessanter gestaltet.
Vermischtes.
* Professor Rudolf Virchow ist Sonntag Abend 9 Uhr in Berlin eingetroffen. Als der Zug hielt, wurde an den Salonwagen eine Tragbahre geschoben. Drei Aerzte begleiteten dieselbe. Der Sohn Virchows erzählte, daß sein Vater die Reise gut überstanden habe. Professor Virchow wurde in seine hiesige Wohnung überführt.
* Mannheim, 1. Sept. Heute Nacht turz vor 1 Uhr explodirte in Schwetzingen der Dampskessel der Ritter- Brauerei. Hierbei wurde der Arbeiter Helm getödtet, während der Heizer Kapp schwer verletzt unter den Trümmern hervorgezogen wurde. Man erwartet auch dessen Tod. Das Feuer des Kessels wurde in ein Nachbarhaus geschleudert, das sofort zu brennen anfing. Das Feuer konnte jedoch bald gelöscht werden. Die Unglücksstelle wurde noch in der Nacht abgesperrt, weil der große Fabrik- Schornstein sich auf die Seite geneigt hatte und sein Einsturz befürchtet wird.
* Karlsruhe, 1. September. In Cadelburg ertrank beim Baden im Rhein ein Soldat des 113. Infanterieregiments, das dortselbst anläßlich der Manöver im Quartier liegt. Der das Baden beaufsichtigende Sergeant merkte erst beim Ankleiden der Soldaten, daß ein Mann fehlte, und erschoß sich in seinem Quartier mit seinem Dienstgewehr.
* Straßburg, 1. September. Der Stationsvorsteher des lothringischen Städtchens Fentsch verübte Selbstmord, indem er sich vor den Augen seiner Frau, sowie seiner 6 Kinder mittelst eines Rasiermessers die Kehle durchschnitt. Der Tod trat furze Zeit darauf ein.
Die Mütter aller ſizengebliebenen„ Heiratsfähigen", die langgenährte stille Hoffnungen mit einem Schlage vereitelt sahen, fauchten vor Wut und ließen an„ der Person", die den guten W. doch ganz offenbar nur durch Teufelskünfte verführt haben fonnte, fein gutes Haar. Der Plan des Rachefeldzuges war bald entworfen und es stand schon vor der Rückkehr des W. von seiner Hochzeitseise fest, daß er gesellschaftlich geboykottet werden müssen. Den Gesch spielte in dieser Geschichte ein Oberlehrrer F., natürlich Leutnant der Reserve, ein Aeh- Bäh- Mann, der seinen Mangel an Wissen und Fähigkeiten durch mehr als gewöhnliche Schneidigkeit auszugleichen oder zu verdecken suchte. So wäre wohl Alles gut gegangen" und die Sünde W's. gegen den heiligen Kastengeist empfindlich gerochen worden, wenn ja, wenn damals meine Heimat über einen Rheinbaben verfügt hätte. Der aber fehlte, und deshalb nahm dieser Fall einen ganz anderen AusAls nämlich der schneidige Herr Leutnant und gang. Auch- Lehrer die ,, peinliche ,, Angelegenheit" in Gegenwart des Ministerialdecernenten vor versammeltem Lehrerkollegium der Anstalt zur Sprache brachte und seine begeisterte Rede für Thron, Altar, Autorität und Standessitte mit den fulminaten Worten schloß: Und so glaube ich denn, meine Herren, daß leider ein Zusammenwirken mit dem sonst so überaus verehrten Herrn Kollegen W. nicht mehr möglich sein wird" als er Dies gesagt hatte, da erhob sich besagter Ministerialrat zu den ruhig und langsam herausgebrachten Worten:„ Nun ja, Herr F. dann steht ja Ihrem Austritt aus dem Lehrerkollegium gar nichts im Wege!" Der Ministerialrat ist längst tot, auch Prof. W. hat nur noch wenige glückliche Jahre an der Seite seiner liebenswürdigen und trefflichen Frau leben dürfen; Herr F. aber zog damals seiner Wege. Wenn ich nicht irre, nach Preußen! Wo er gewiß eine glänzende Carrière gemacht hat.
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Wien, 28 Aug. Die Polizei verhaftete den internationalen Hochstapler Eduard Detter, welcher unter verschiedenen aristokratischen Namen in mehreren Städten des Kontinents große Betrügereien verübt hat.
Paris, 31. Auguft. In der letzten Nacht haben in verschiedenen Straßen der Stadt förmliche Rämpfe zwischen zuhälterbanden stattgefunden. Abends gegen 10 Uhr kam es wieder zu einem Rencontre, wobei mehrere Revolverschüsse abgegeben und mehrere Personen verlegt wurden. Ein zweiter Zusammenstoß erfolgte gegen 11 Uhr. Eine Person wurde dabei getötet.
* In Bourges ist gestern abend ein furchtbares Unwetter niedergegangen, welches großen Schaden angerichtet hat.
* Die Poesie des verregneten Sommers. Ein Stückchen wässriger Sommerpoesie bringt ein Mitarbeiter der Zeitschrift„ Hubertus", der offenbar schlechte Erfahrungen gemacht hat, am Anfang eines Reise- Feuilletons in nachstehenden schönen Versen:
Mein Sohn, geh' nicht in den Thüringer Wald, Da regnet es gleich, oder doch sehr bald. Ob Ruhla, Eisenach, Koburg oder Gotha, Das ändert an der Sache fein Jota. Und flüchtest Du Dich zulegt nach Weimar, Da gießt es erst recht aus dem großen Eimer! Es regnet und nebelt tagein, tagaus, Mein Sohn beneble Dich lieber zu Haus!
Auch ein Fall Löhning". Dem Vorwärts" schreibt ein Leser: Auf dem Gymnasium meiner kleinen mitteldeutschen Heimatstadt genossen wir in den Oberklassen den Unterricht einer markigen und knorrigen Persönlichkeit, des Professors W. Noch heute, wo ihn längst der Rasen deckt, gedenken seiner alle Schüler mit aufrichtigem Dank und freundschaftlichen Gefühlen... Dieser Professor W., dessen Körperkraft durch die Strapazen von zwei Feldzügen, wenn auch nicht ge-* Kugelfeste Leute. Daß in der Eifel ein gesunder brochen, so doch erschüttert worden war, erkrankte ein Menschenschlag existirt, dürfte wohl in weiten Kreiſen bekannt mal auf einer Reise in ziemlich abgelegener Gegend sein, daß es aber hier auch Leute giebt, die einen fugelfesten lebensgefährlich. Nach dem Urteile der Aerzte hatte er Schädel haben, davon hatten selbst die Eifeler bisher noch Rettung nur der hingebenden Sorgfalt und aufopfer- feine Ahnung. In einer Wirtschaft zu Gondenbreit, unfern ungsvollen Gewissenhaftigkeit einer Krankenpflegerin der Kreisstadt Prüm, kam es zu einer scharfen Auseinanderzu danken. In der Zeit einer langsamen und oft durchsetzung zwischen dem Wirt und einem anwesenden Gast. kleine Rückfälle in Frage gestellten Genesung hatten sich Letterer zog plöglich einen Revolver und schoß dem Wirt, allmählich zwischen dem Gelehrten und seiner Pflegerin, dem er nur in einer Entfernung von zwei Metern gegendie ein schlichtes Kind aus dem Volke war, Gefühle überstand, eine Kugel vor den Kopf. Die Kugel traf die entwickelt, die über Dankbarkeit und Freundschaft sehr Stirn, durchschlug aber nicht den Schädel, sondern prallte bald hinweggingen. Prof. W. hatte die Ueberzeugung ab. Die Kugel selbst, die sofort aufgefunden wurde, war gewonnen, in diesem Mädchen das Glück seines Lebens gänzlich abgeplattet. Das Wunderbarste bei der Geschichte gefunden zu haben. Der schönen Hoffnung, das ge- war aber der Umstand, daß der Getroffene nicht einmal ** Offenbach. Die hiesige Handelskammer hat sich liebte Mädchen, seine Retterin, eines Tages als sein taumelte, er warf sich vielmehr auf seinen Gegner, entriß ür die Beseitigung der Gerichtsferien ausgesprochen Weib heimführen zu können, ſtellten sich indessen diesem den Revolver und prügelte ihn weidlich durch. Der und ihren Antrag auf deren Abschaffung damit be= mannigfache Schwierigkeiten und Intriguen fiche Revolverheld wurde sofort verhaftet und wird sich in Trier gründet, daß diese ursprünglich lediglich aus Rücksicht Fall Löhning!- entgegen. Um die Sache aufs vor den Geschworenen wegen Tötungsversuch zu verantworten auf die landwirtschaftliche Bevölkerung geschaffene Gin- Biegen oder Brechen zu stellen, fuhr deshalb W. eines haben. richtung, nachdem die betreffenden Verhältnisse eine Tages furz entschlossen mit seiner Braut nach dem daWandlung von Grund auf erfahren hätten, nicht mehr mals noch englischen Helgoland und ließ sich dort zeitgemäß und mit erheblichen Schäden für den Ge- trauen. Bleiches Entsezen in allen Philisterkreisen!
Zum Besuch des Königs von Italien in Frankfurt. Die Bresse hat sich bei dem Aufenthalte des italienischen Königs einer sehr aufmerksamen Behandlung zu erfreuen gehabt. Bur Verfügung der Zeitungsleute standen auf dem Bahnsteig 8 eigene Salonwagen, von denen aus man den Empfang des Königs genau beobachten konnte. Außerdem erkundigte sich Doerbaurat Knoche wiederholt nach etwaigen weiteren Wünschen der Pressevertreter. Auch Stationsvorsteher Krüger war in gewohnter Freundlichkeit zu jeder Auskunft gern bereit. Gegenüber der Ungefälligkeit, die sonst bei manchen anderen Behörden noch vielfach gegen die Presse herausge= tehrt wird, war das gestrige Entgegenkommen der Bahnver= waltung ein gutes Beispiel.
New- York, 28. Aug. Ein Telegramm aus Manila bon General Chaffee meldet, daß eine Reihe heftiger Erdstöße auf der Insel Mindanao verspürt wurden.
unfern Plan wegen der
nicht zu ändern. Die Aus
einen Gehilfen oder
all nach dem Rechten zu sehen. Sobald die
Geist vollkommen flar; er ist nur förperlich unfähig, übergezeichneter Landwirth; jedenfalls ist in diesem Punkt sein r ihn fein. Redburn ist, wie Sie wissen, ein ausdie Paul dort erhorönnte, würde von größtem
auftauchte,
Sie es
16. tapitel.
modisches err Frank Rathhause gerade gegenüber.
Sein Geschäft war ein sehr
ausgedehntes, denn als erster Rechtsanwalt der Grafin der Hochstraße von Belthorpe, dem
iften
es Ruhe
jeiner geli eliebten Mutter.
ohne irgendwie Verdacht über ihre Identität zu Frau Talbot hatte zwölf Jahre in Belthorpe gewohnt, bedeute für die müden Augen und zarten Finger
alte
Alwine Esmonds Jugendverrirrung war eine alte gen.
Geschichte; dreiundzwanzig Jahre hatten sie aus Jeder
,, Wie weit
ist die
Leichthin meinen No
Nachbar
zur Rechten.
Verhandlung,
,, Die Meistigungsklausel wird eben diskutirt.
Der sieht mich einen Augenblid forschend an und
Herr Kollege?" frage ich se
ehrtester Herr
Barbon, vermeint bann:
Für Essen!" sage ich nach turzem Besinnen, in der Meinung. ege, find Sie für Baden oder Essen?"
baß ich einer von den mein
hin. Die nachber


