Ausgabe 
2.8.1902 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

friedlicher gefinnter

Nr. 177.

Erstes Blatt.

zoo.rementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., aus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mt. 1.50.

Gratisbeilagen Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberheinische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst und ( Bartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

on 6. Thir. Ulanenregim Urlaub war, wurde schlie Er 30g feinen Balajd 3 eine Wunde an der gsgericht der 21. Division Der Ulan hat dagegen feiner Ansicht in Nota wird jedoch bestätigt. en Dolch mitnehm bein Frankfurter Frau man wegen schweren& borgestern berhaftete. ieses Subjeft ebenfa

rt.

wurde ein lediges Mi Kindesmordes verhaft An den vom 1. bis großen Bionierübung penteile zugezogen werd ( Ingolstadt), das 3. ba Nr. 13( lm) und

Nr. 21( Stajtel). 1 gen die ehemalige Reid Dabei sollen mehr ausgeführt werden. er nach der Stadt zu eth e fuhr ein Weißbind cen eine Tonne Geme er das 5jährige Söhnd Jejezt. Plöglich tam n der Bursche nicht m und die 4 Gentner schw en auf den Leib, wodu

btes.

700 Mt. verloren hat häftsreisender, der gegen zu Nordhausen vorübe effende Herr merkte de r, wohin er im Lauf Junternommen hatte aus 126 000 Mart im arem Geld bestand, war hnten Hotel beschäftigter auf dem Hofe gefunder m Abend, als er in seir Dienstmädchen für fein on- zwanzig Mat die Freigebigkeit des I noch erheblich erhöhe ädchens betragen nette

öffnung,

Sießen hierdurch zur Kennt

rgeschäft, 1. Gemüsehandlung

ause, asse 50

Zuspruch Beitellungen werbe und frei insHaus geliefer Hochachtungsvoll Philipp Seipp.

ien von Adolfoular

Tier.

38,

385,

ei

Samstag, den 2. August 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Auctionsvreis: Die einspaltige Petitieile für Gießen wie ganz berbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Bfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Erpedition: Gießen, Neuenweg 28. Ferus, rechanschluß Nr. 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Drud und Verlag der Gießener Verlagsdrucker i, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruderei,( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen

Meisterstand und Gesellenschaft.

( Nachdruck verboten).

Als eine Hauptaufgabe für die Innungen be­trachtet die Gewerbeordnung die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen. Und mit Recht! Denn davon bängt nicht wenig zu einer dauernden Gesundung des Handwerks ab. Das Gesetz hat ferner eine Anzahl von Aufgaben bezeichnet, bei denen sich Meister und Gesellen zu gemeinsamer Thätigkeit vereinigen sollen, so bei der Regelung des Lehrlingswesens, Abnahme der Gesellen prüfungen, Verwaltung von Krankenkassen, Recht­sprechung im Innungsschiedsgericht und bei anderen Einrichtungen mehr, sofern die Gesellen dafür Beiträge entrichten, eine Mühewaltung übernehmen oder davon Unterstützung beziehen.

An diesen gemeinsamen Angelegenheiten nimmt die Gesellenschaft durch einen Ausschuß teil, soweit ein solcher aus ihrer Mitte zu Stande kommt. Wie bei allen menschlichen Einrichtungen, an denen verschiedene Personen oder gar Parteien teilnehmen, sind Reibungen niemals ganz ausgeschlossen, aber in den überwiegenden Fällen spigen sie sich hierbei zu Machtfragen zu. Kommt es doch nicht selten vor, daß die Gesellen versuchen, die Herrschaft an sich zu reißen und den Meistern in anmaßender Weise Vorschriften zu machen, z. B. bei Strankenkassen, Arbeitsnachweisen und dergl. Daß der Meister sich eine derartige Bevormundung nicht gefallen laffen fann, wenn er nicht auch in den Werkstätten selbst das notwendigste Maß von Herrschaft verlieren will, muß auch von jedem billigdenkenden Gesellen zugegeben werden. Daher kommt es oft, daß die Meister dann in den entgegengesetzten Fehler verfallen und ihrerseits die Gesellen auch zu sehr ihre Macht fühlen lassen und sie selbst von solchen Angelegenheiten ausschließen, wo sie ihnen zur Förderung eines gedeih­lichen Verhältnisses die Mitarbeit in einem mehr oder minder großen Anteil zugestehen sollten. Wo sich aber alles zur bloßen Machtfrage zuspißt, da giebt neben der Festigkeit des Zusammenschlusses auf beiden Seiten häufig die allgemeine Geschäftslage den Ausschlag, bis ein Umschwung der Dinge das Verhältnis umkehrt und den Unterdrücker zum Unterdrückten macht. Ein dauerhaftes Gedeihen des gemeinsamen Standes ist dabei ziemlich ausgeschlossen.

Wer die Schuld an diesem vielfach zu Tage tretenden feindseligen Verhältnis zwischen Meisterstand und Ge­

In eigener Sache Richter. Roman von L. Haidheim. ( Nachdruck verboten.)

( Fortsetzung.)

" Sehen Sie Ihre Mutter, Maria", fliisterte Graf Joseph feiner Cousine zu, sieht sie nicht aus wie eine Königin in ihrem wallenden Kreppschleier und der langen Schleppe?""

Und Vetter Burkard! Aber wie blaß er ist!" unterbrach das junge Mädchen sich. Sie hatte ihn niit dem Wort erster Vasall" bezeichnen wollen; jest sah sie plößlich zu ihrem Er­staunen in seinem Antlig eine stolze abwehrende Würde, die sie nie früher bemerkt. Und da sie jest einander erreicht hatten, traf fie einer seiner dunklen ernſten Blicke so voll Erregung und heim­licher Glut. Sie wurde plöglich wieder rot, aber es war nicht die ärgerliche Glut von vorhin, die ihre Wangen färbte, sondern ein echt mädchenhaftes, liebliches Erschrecken vor etwas Un geahntem und auch jezt nur dunkel Erkanntent.

Frau von Wazlaw war selbst erstaunt über Marias Liebreiz. Geh zu Lischa, Maria, sie sucht Dich im Schloſse, sie hat eine Entdeckung gemacht", rief fie ihrer Tochter zu und über ihr beute viel belebteres Gesicht flog der frohe Stolz der Mutter.

Bin ich mit gemeint, gnädige Tante? Ich fungiere bereits als Gefolge" bei Prinzessin Tochter!" scherzte Graf Joseph und fie nickte huldvoll in ihrem Blick lag die glückliche Zustimmung zu der Prinzessin."

So waren sie einander vorübergeschritten und die Baronin Wazlam sprach zu Burkard weiter:

" Es würde mir nie wie ein Unrecht vorkommen, wenn ich Maria aus meiner bitteren Lebenserfahrung heraus zu einer Heirat zuredete, die ihre ganze irdische Wohlfahrt sichert; aber glauben Sie mir, lieber Frohberg, dessen bedarf es nicht. Das arme Kind hat deutliche Erinnerungen an die freuzerlose Misere des Elternhauses und was sie in Prag erduldet, sie mit ihrem hochstrebenden Sinn, faum so gut gekleidet wie eine kleine Flickerin! das hat ihrer Seele bie Richtung gegeben."

Wenn Sie so urteilen, steht mir selbstredend fein Einwand zu, Baronin Tante; indessen wäre es doch vielleicht nicht so ganz unnüs, fich möglichst eingehend nach dem Charakter und Ruf des alten Herrn

Nennen Sie ihn doch nicht so! Er ist so alt wie ich, das will für einen Mann noch längst nicht Alter heißen. Außerdem ist er wohl fonserviert und-. Aber wie ich Ihnen eben im tiefften Vertrauen sagte, er sprach fein entscheidendes Wort und obgleich eines Baron Gorzbergs Andeutungen schon ebenso viel

sellenschaft hat, ist in vielen Fällen schwer zu entscheiden! Ein jeder Teil schiebt sie natürlich auf den andern, und oft wird wohl die Schuld auf beiden Seiten liegen. Wo Kleinbetriebe mit wenigen Gesellen vorherrschen, wird sich ein friedliches Einvernehmen gewöhnlich eher erzielen lassen, als da, wo größere Betriebe mit zahl­erzielen lassen, als da, wo größere Betriebe mit zahl reichen Gesellen arbeiten; wo die Gesellen seßhafter find, wohl leichter, als da, wo sie beständig wechseln; wo das patriarchalische Verhältnis zwischen Meister und Geselle noch nicht ganz geschwunden ist, viel besser, als da, wo die Gesellen einer Organisation angehören, die angeblich nur volle Gleichberechtigung will, in Wahr heit aber darauf ausgeht, die Meisterschaft ,, unterzu­friegen" und sie zu bevormunden. Wo es aber so steht, wollen gar viele Meister von den Gesellen so wenig als möglich sehen und hören und sie möchten am liebsten namentlich den Gesellenausschuß dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst.

Innungsversammlung mit, als daß der junge Mensch in politische Versammlungen, für die er noch weniger reif ist, oder in solche Gesellenzusammenfünfte gelodt wird, wo ihm sein Meister nur als Gegner und Aus­beuter hingestellt wird, wo man ihm jegliches Standes­gefühl als Handwerksgeselle und das Streben nach späterer Selbständigkeit zu verleiden sucht, damit er fich nur noch als Arbeitnehmer im Gegensatz zum Arbeit. geber fühlt, als gäbe es gar feinen Unterschied zwischen dem gelernten Gesellen und dem ungelernten Arbeiter, wo man ihm sogar das Handwerk als einen unter­gehenden Stand hinstellt, der unter den modernen Arbeits- und Verkehrsbedingungen keine Daseins. berechtigung mehr habe? M. K. in B.

Politische Nachrichten.

Der Kaiser ist gestern Mittag zum Besuch des Großherzogs Friedrich Franz in Schwerin einge troffen. Er rourde von einer großen Menschenmenge lebhaft begrüßt. Der Großherzog in Küraffier- Uniform war am Bahnhofe anwesend. Nach der Begrüßung be gab sich der Kaiser ins Schloß, wo Frühstück stattfand. Der Kaiser trug die Uniform der Marine- Infanterie.

Doch will es uns im Gegenteil scheinen, als ob die Teilnahme der Gesellenausschüsse bei den Innungen und Teilnahme der Gesellenausschüsse bei den Innungen und Handwerkskammern allein noch nicht genügt, um Meisterstand und Gesellenschaft einander näher zu bringen, als ob auch Veranstaltungen freiwilliger Art getroffen werden müßten, um moglichst viele Mitglieder Darmstadt, 1. August. Die englische Gesandtschaft der Gesellenschaft zu regerem Anteil an allem, was das am hiesigen Hofe wird demnächst aufgelöst. Der eng Gedeihen des Handwerks betrifft, heranzuziehen. Wir lische Geschäftsträger verläßt in aller Kürze Darmstadt. denken hierbei unter anderen Mitteln an gemeinsame( Gleich nach dem Tode der Königin Viftoria von Eng­Vorträge und Kurse sachlicher wie allgemein bildender land war die Auflösung der englischen Gesandtschaft in Art, auch an gemeinschaftliche Vergnügungen und mögs Aussicht genommen.) lichst, soweit es die Sache gestattet, sogar an eine Teil­nahme bei manchen Innungsversammlungen derart, daß die Gesellen nur zuhören oder sich durch ihren Aus schuß an den Beratungen beteiligen dürfen.

Bei der Mehrzahl der Meister wird ein solcher Vrr­schlag von vornherein auf heftigen Widerstand stoßen, man wird, abgesehen von persönlichen Gründen, au biele berechtigte, sachliche Bedenken vorbringen. Trotzdem scheint uns der Vorschlag, von Fall zu Fall einer ruhigen Erwägung wert, zumal im Hinblick auf das heran­wachsende Geschlecht, das unter geordneteren Verhält­nissen seine Lehrzeit zurücklegt. Ist es nicht gerade in jungen Jahren, wo man äußeren Einflüssen zugänglicher ist, sehr wichtig, daß der Geselle selber so viel als möglich sieht und hört, was zum besten des Standes, dem auch er wohl einmal als selbständiges Mitglied angehören will, von der Meisterschaft unter Mühen und Opfern ins Werk gesetzt wird? Und ist es darum nicht besser, der Meister nimmt den jungen Gehilfen in eine

wiegen, so habe ich doch immerhin selbst freie Hand und erbat mir deswegen Ihren Rat oder besser die Auskunft, die Sie mir geben fonnten."

Und die leider recht gering ist. Der Kammerherr Baron Gorzberg lebt schon lange Jahre nur in Wien oder auf Reisen. Reich ist er, man hält ihn wenigstens in seiner Familie für einen hoffnungsvollen Grbonkel."

Frau von Wazlam fuhr herum und sah ihn durchbringend an. Ich bitte Sie allen Ernstes, Frohberg, diese Bemerkungen Maria gegenüber zu unterdrücken. Man weiß nie wie weit der artige Reben auf ein so junges Gemüt wirken und-." Sie stocte; dann fuhr sie aber fort:" Daß Maria teinen mittellofen Mann heiraten fann, begreifen Sie und daß ich und ihre Geschwister ihre einzige Mitgift sind."

Gnädige Tante haben mir ihr Vertrauen geschenkt, ich werde es zu ehren wissen", sagte er.

Sie reichte ihm mit der huldvollen Grazie, die ihr eigen war und trop des Gegensages zu ihrer gedrückten Lage auf ihn nicht lächerlich wirkte, ihre Hand; er sollte fühlen, daß sie ihm dankbar war und sie brauchte ihn.

So begann fie von anderen Dingen zu reden, zunächst von der standesgemäßen Erziehung ihrer jüngeren Kinder. Wie dachte Burkard darüber? Die beiden jüngsten könnten an einer Gouvernante genug haben, für Bela aber brauchte man mehr, Sollte ein Gouverneur" engagiert werden oder beabsichtigte Frohberg ihn auf eine Schule zu schicken.

Er hatte nie über diese Punkte nachgedacht, wußte nicht einmal mehr von Erziehungsfragen, als was er an sich selbst erfahren, fannte auch den vollen Umfang seiner Befugnisse nicht. So zögerte er mit der Antwort und sie redete unbefangen weiter. Es sei ihr peinlich genug, daran zu mahnen, aber Frohbergs Unerfahrenheit zwänge sie, ihn darauf aufmerksam zu machen, daß der Verstorbene seine Pflichten gegen sie und ihre Kinder nie erfüllt und daß sie wie Bettler unter das Dach desselben gezogen feien. Jest müßten sie allesamt standesgemäß ausgestattet werden, vom Schuh und Strumpf bis zum Schlips und Hut und Handschuh. Wie dachte Frohberg darüber? Oder meinte er etwa, daß ihre Forderungen unberechtigt seien? Dann könnte fie fich nur berufen auf die Meinung aller der Herren, die gestern mit ihr geredet und die sämtlich betont hatten, daß die Familie fie standesgemäß zu erhalten verpflichtet ſei

Die Gereiztheit, die aus den lerten Worten flang, rief seine abirrenden Gedanken erst zu ihrem Thema zurück

gewiß, zuverläſifig, man muste das alles anschaffen! Bielleicht wäre es das Beste, die Gnädige sezte sich mit Joseph

-- Der neue bayerische Kultusminister. Wie man hört, so schreiben die Münch. N.-N.", hat der bayerische Gesandte in Wien, Frhr. v. Podewils definitiv zugesagt, das Stultusportefeuille in München zu übernehmen, wenn das Vertrauen des Regenten ihn dazu berufen sollte. Es dürfte deshalb sls sicher angenommen werden, daß Frhr. v. Podewils die Leitung des bayerischen Stultusministerium über­nehmen wird.

Haag, 1. Aug. Die hiesigen Burenführer erhielten die nichtamtliche Mitteilung, daß ihre Rückkehr nach Südafrika vorläufig nicht gestattet werde. Der demnächst hier ein­treffende frühere Präsident Steijn wird mit seiner Familie die Villa Norma in Scheveningen beziehen. Professor Winkler wird an Steijn eine schwere Operation ausführen.mal Zur Kongregationsbewegung in Frankreich.

Paris, 1. Auguft. Ein großes Proteftmeeting gegen die Ausweisung der Kongregationen ist für Ebern daran, Notizen zu machen und der besorgte dann die Aufträge wie neulich." " Ich thäte vielleicht besser, mit Maria selbst nach Wien au fahren Meine Mutter bezieht alle ihre derartigen Bedürfnisse von Dresden", wandte er ein, ohne zu begreifen, daß sie Luft hatte Wien zu sehen. Gut, gut!" ergab sie sich, flug jede Eigenwillig­feit zurückdrängend. Sie fühlte instinktiv, daß man Burkard Frohberg nur durch Nachgiebigkeit zu beeinflussen vermochte.

"

As fie ins Schloß zurücfamen, tönte ihnen Helles Lachen aus dem Oberstod entgegen, so fröhliches Jubeln, wie es baria wohl seit unendlichen Jahren nicht gehört sein mochte. Burkards Stirn verdüsterte sich.

Er war vielleicht der allerlegte eine Trauer zu heucheln, bie er nicht empfand, aber auch der erste, den es wie eine Ver legung berührte, daß man die Würde des Trauerhauses nicht wahrte. Was mußte seine Mutter benfen?

Er hatte mit ihr vorhin einen stillen Gang durch das Schloß gemacht; ihre Jugend hatte sich zum Teil darin abgespielt, von Klaino floh sie zu dem Manne, den sie liebte und der sie zu seinem Vater brachte, in dessen Hause sie getraut wurden. Jezt fab sie zum ersten Mal die einst vertrauten Räume wieder, die ihr doch gar nicht mehr so anheimelnd vortamen wie damals. Zum ersten Mal erkannte Cäcilie von Frohberg was fie auf­gegeben und wie eng und fleinlich ihr Los an der Seite des Beliebten geworden war. Satte sie in jenen Tagen der Liebe auch dies Opfer freudig gebracht, heute, als alternde Frau, griff ihr der Schmerz, ihren Sohn damit beraubt zu haben, wie mit Eisestrallen an's Herz.

Das hatte er nicht allein von ihren Lippen gehört, aus ihren Augen gelesen, nein, das fühlte er auch selbst und gleichs gültig war es ihm feineswegs.

Und nun dieses Lachen! Und in seiner Seele stürmte es ohnehin in nie erlebter Weise! Aber es war ja eine grenzens lose Thorheit, sich um Marias Heirat so sehr aufzuregen! Wenn fie einen alten verlebten Greis heiraten wollte- und sollte. Aber nein! Nein! Das schöne Geschöpf! So weiß und so rosig, fo jugendfrisch und gesund, das das ertrug er nicht! Ein Ver brechen wäre es und das ließ er unter seinen Augen nicht begehen. Wie fonnte diese Mutter daran denken?

Diese wilde Aufregung, die ihm in Kopf und Herzen tobte! Doch fand er sich selbst unvernünftig.

( Fortseßung folgt.)