für jeden Teil, denn für den Meisterstand wie für die Gesellenschaft gilt das alte goldene Wort: Friede ernährt Unfriede verzehrt.
Politische nachrichten.
Rede des Ministers Budde in^Emden.
Nach der Abreise des Kaisers gab die Stadt Emden im Saale des Klublokals den Ehrengästen ein Frühstück, an welchem die Spitzen der Civil-, Militär- und Marinebehörden, Minister Budde, der unS Gießener ja besonders nahe steht, und Staatssekretär Kraetke teilnahmen. Der Minister hielt dabei in Beantwortung der Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters Fürbringer, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß, folgende Ansprache: Als die Wasserwege für Emden fertig gewesen, sei auch der wirtschaftliche Niedergang dagewesen. Bemängele jemand die geringe Tonnenzahl der auf dem Dorimund-Ems-Kanal verkehrenden Schiffe, so möge er nicht vergessen, daß in Hamburg und Bremen auch die Fracht fehle. ' „Was hier geschehen kann, wird geschehen, dafür bürgt die Direktive Seiner Majestät. Wie Flut der Ebbe, der Wellenberg dem Wellenthal, der heutige Sonnenschein dem gestrigen Regenhimmel folgt, so wird der wirtschaftliche Aufschwung dem Niedergang folgen. Die Schwankungen muß der Kaufmann durch sein Geschick überwinden helfen. Die Staatsregierunq wird mit Ihnen zusammenarbeiten. Volldampf voraus! Es wird nicht ferne sein, daß auch die Emdener Schiffe die deutsche Flagge hinaustragen in alle Lande." Der Minister schloß mit einem Hoch auf den Oberbürgermeister und die Emdener Bürgerschaft. Die Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen. Ueber- Haupt war die Stimmung eine sehr gehobene.
— Der Bund der Landwirte soll, wieder „Vorwärts" behauptet 150 Wanderredner beschäftigten, die für 6 Mack Diäten bei täglicher Kündigung für die Bundesforderungen Propaganda machen müssen.
Zur Kongregationsbewegung in Frankreich.
Im Arondissement Mortagne wurde eine Pcolest- Petition gegen die Ausweisung der Ordensschwestern von mehreren hundert Familienvätern unterzeichnet. Die Schwestern haben heute vor Gericht zu erscheinen, um sich wegen Aufreizung gegen die Staatsbehörden zu verantworten. In Tours hielt der Abgeordnete Serolle einen Vortrag über die Unterrichtsfreiheit. Nach dem Vortrage kam es unter den Anwesenden zu einem Handgemenge, wobei mehrere Personen verletzt wurden.
Tours, 31. Juli. Bei einer Versammlung, die gestern stattfand, um gegen das Vorgehen der Regierung gegen die Eongregationen Einspruch zu erheben, versuchten Sozialdemokraten in das Lokal einzudringen und warfen die Fenster des Gebäudes ein. Die Angreifer wurden von dec Polizei zuröckgetcieben, doch entstand am Ausgang des Hauses ein großes Gedränge. Die Ordnung wurde aber bald wieder hergestellt.
London, 31. Juli. General Delarey wurde, in Kapstadt interviewt. Er schreibt den englischen Sieg hauptsächlich den Kolonialtruppen zu, die wie bie Buren fochten und ihre Methode kannten. General Dewet erklärte, die Buren seien schließlich der unerschöpflichen Zufuhr der Engländer an Menschen und Pferden unterlegen. Keine andere Macht als das seefahrende England hätten Oie Aufgabe unternehmen können.
— Das notifizirte Programm der Londoner Krönungsfeier ist erschienen. Es sicht die Beteiligung des Königs und der Königin im Staatswagen beim Krönungs-- zuge vor und ist abgesehen von dem Ausfallen der FestUch- ketten fast ebenso glänzend wie das ursprünglich in Aussicht genommene. 1400 Offiziere und 24,000 Soldaten werden an dem Zuge teilnehmen.
Rumänien. Nach den heutigen Blättern sind in den beiden letzten Tagen 200 Bukarester und 500 moldauische Israeliten nach Amerika ausgewandert.
È£— In der Türker rumort es wieder. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Konstantinopel: Aus bem Mdiz Kiosk dringen wieder allerlei Aussehen erregende Ge-,
In eigener Sache Richter.
Roman von L. HaidHei m.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Bilde ich mir denn diese Reserviertheit gegen mich am Ende nur ein?" dachte Graf Joseph ganz erleichtert.
Der alte Herr, ein Statthalter von Böhmen, ließ ihn nicht gleich los.
„Die Frau Mama habe ich in Teplitz einst kennen gelernt", erzählte er, „charmante Dame, bildschön!"
Wußte, ahnte er nicht, daß Graf Josephs Herz sich allemal schmerzhaft zusammenzog, wenn man seine Mutter erwähnte? Er dachte einfach nid t bare 1, daß man dem kleinen Buben schon die Ehrfurcht vor der Ntutter geraubt, daß ihm für sein Herr das Beste im Leben gefehlt, die Dt.ebrenbe Liebe.
„Darum bin ich aiim geworden was ich bin!" blitzte es ihm durch den Sinn und mit der Erinnerung an die Todesstunde des Großvaters überkam ihn plötzlich mit niederschmetternder Wucht der Gedanke wieder: „Ich bin kein anständiger Mensch mehr, keiner dieser Herren würde mit mir sprechen, wenn sie wüßten —"
Er fuhr sich mit der Hand über die feuchte Stirn. Welche Qual! Hub das, wenn er es auch einmal für ein paar Tage vergaß, sollte ihm immer wieder kommen?
Neben ihm sagte eine scharf klingende Stimme: „Mick dünkt, des Ehrengerichts sollte es nicht bedürfen, das trägt doch jeder rechte Kerl in sich selber!" ~
Graf Joseph wurde le-chenblaß; der Statthalter, der noch immer ganz vergnügt und ahnungslos auf ihn einredete, horchte, die Augen dahin wendend, hoch auf und sah darüber nicht, wie es um den Mund seines Zuhörers zuckte. Atemlos horchte der letztere und mochte nicht hinzusehen, in der furchtbaren Angst zu finden, daß fick die Blicke aller auf ihn richteten.
< Dieselbe Stimme, es war die des Grafen Kolonitz, fuhr eben so scharf fort: „Wir alle haben wohl Ursache für manche Dummheit und vielleicht auch für diesen und jenen unaualifizier- baren Stteich auf Nachsicht untereinander zu rechnen. Wenn man aber die Kavaliersehre und die einfache wahre Mannesehre ausemandn halten und da Unterscheidungen machen will, so protestiere ich, die Ehre ha.nicht zwei Gesichter, sie bat nie mehr ft ^Ä'Ä^ sie unverletzt und geil ober, sie ist es eben nicht mehr. Basta!
Bis in die Lippen erbleichte Graf Joseph, da erst hörte er, MW sprach IN lener Gruppe von einem sali, der in diesen Tagen
rächte in die Außenwelt. Der Thronfolger Prinz Reschad soll seit einigen Tagen verhaftet und in Jildiz internirt sein.
— In Tripolis wurde am 29. Juli anläßlich des Todestages des Königs Humbert zum ersten Male die italienische Flagge gehißt, allerdings auf Anregung des italienischen Konsuls. Sollte dies als ein Vorzeichen der künftigen Herrschaft Italiens über Tripolis zu betrachten sein?
— Ein jüdischer Leichenzug in New York verspottet. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Newyork: Fast 100,000 Newyorker Juden folgten, ihre Klagelieder singend, durch den Ghetto dem Leichenwagen bei der Bestattung des Oberrabbiners Joseph, eines überaus wohlthätigen Mannes. Als der Zag christliche Stadtteile passirte wurde er mit Spottrusen empfangen, welche die Teilnehmer an dem Begräbnis aufreizten. Als von den Fenstern einer Fabrik Wasser hecabgeschüttet wurde, versuchten die Juden Wuthgeschrel ausstoßend das Haus zu stürmen. Die Angriffe wurden mit Hilfe einer Feuerspritze abgeschlagen. Nun warfen die Exzedenten mit Steinen die Fenster der Fabrik ein und die rasch erschienene Polizei wurde ebenfalls von einem Steinhagel der Juden überschüttet. Mehrere Beamte wurden schwer verletzt. Die and ren hieben erbittert mit ihren Knüppeln scharf ein. Der Mob des Ghetto belagerte dann die Fabrik wobei 1800 Angestellte des Etablissements unter polizeilichem Schutz heimgelectet werden mußte. Der Mob durchzog noch nach Mitternacht heulend das Judenviertel und veranstaltete eine Massen-Versammlung.
Giessener Cagesneuigkeiten.
** urlaub. Herr Provinzialdirektoc Dr. Breidert ist seit gestern beurlaubt; mit seiner Vertretung ist Herr Regierungsrat Dr. Wagner beauftragt.
** Zu dec Versetzung des Heccn Pfaccec Dc. G r e in schreibt die „Dacmst. Ztg.": Der zum Stadtpfaccec in Dacmstadt ernannte Pfaccec Dr. Friedr t ch Grein in Gießen ist ein Sohn des hier in weiten Kreisen in gesegnetem Andenken gebliebenen, im Jahre 1888 verstorbenen Hofpcedtgers Ernst Grein. Ueber den jetzt im 35. Lebensjahre stehenden neuen Geistlichen unserer evangelischen Stadtgemeinde erfahren wir, daß er das hiesige Gymnasium absolvierte, im Sommer 1889 zu Gießen sein Fakultätsexamen machte und, nachdem ec in Hannovec seiner Rkilitärpflicht genügt hatte, im Sommer 1892 die hessische theologische Schlußprüfung mit sehr gutem Erfolg bestand. Im Herbst oesselben Jahres wurde Dr. Grein zum Pfarrverwalter in Gießen ernannt, wo ec seithec, im August 1895 definitiv angestellt, als Pfaccec an dec Mackus- und dec Ml>itär- gemeinde, die ihn nur sehc ungern scheiben sehen, als beliebter Pcedigec wie treuer Seelsorger segensreich gewirkt hat. Mit Herrn Dr. Greins Ernennung zum Pfarrer in Darmstadt wurde, wie wir hören, einem Wunsche des Kirchenvorstandes dec Stadtgemeinde entsprochen, dec ihn für die durch die Berufung des Herrn Pfarrers Petersen ins Oberkonsistorium frei gewordene hiesige Pfa'ccstelle einstimmig in Vorschlag gebracht hatte.
* * Auf dem zuWeimar abgehaltenen deutschen Jmkertag ist der Beschluß gefaßt worden, einen Reichsverein für Bienenzucht zu gründen.
* * Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben ist eine Formel, die gewöhnlich unter den Protokollen durch „v. g. u." abgekürzt wird. Ern Urteil ces Ooerlandeè- gerichtS in Königsberg hat nunmehr festgestelll, daß Diese Abkürzung nicht genügt, daß sie dem Protokoll sogar den Cyaratter einer öffentlichen Urkunde nimmt.
* • Auf der am 4. und 5. August in Leipzig stattfindenden Generalversammlung des Zentral- Verbandes deutscher Kaufleute und Gewerbe- treibender^soll u. A. auch bie Errichtung einer Groß- Einkaufs-Genossenschaft für d.e dem Verbände angeschlossenen Kolonialwarenyändler zum gemeinsamen Bezüge von Warcn begründet und organisier werden.
ourch die Zeitungen gegangen war und nichts, aber garnichtS zu thun hatte mit — ihm.
Ohne an die Unschicklichkeit zu denken, die er beging, verließ er den alten freundlichen Herrn und schritt hinaus. Er hätte es keine Minute länger drinnen ausgehalten, ohne laut aufzuschreien.
Jetzt lief er hinab auf den Hoff wo eben die Wagen der Herren in langer Reihe vorfuhren. Er wandte sich zurück und trat durch eine gegenüberliegende Thür in den Park.
Da war er allein. Und da schrie er nicht, aber er stöhnte laut auf. Großer Gott! Wenn er den unseligen Moment doch ungeschehen machen könnte! Er wollte ja das gottverfluchte Geld nicht, in der verzweiflungsvoller Aufregung, im Wahnsinn hatte er es genommen und das einzige, was er noch gehabt, seine Ehre dafür Angegeben! Was konnte er thun sie wieder rein zu waschen? So — so wie jetzt ertrug er das Leben nicht! Lieber tot sein! Aber als ein Lump ins Grab? Reinl Was thun? was thun? Erst wieder ehrlich —! —
Es schneite leicht, der erste Schnee wars!
Auf einmal packte ihn ein jammervolles Mitleid mit sich selber. Welch unseliger Mensch war er doch! Lieber ja der ärmste Bauernbub sein, der die Schafe hütet, als Graf Joseph von Ebern! Die ganze Summe dessen was das Schicksal ihm schuldig geblieben, orückte sein Herz zusammen und ihn zu Boden. Er hatte gute Lust sich damit selbst zu entschuldigen; aber seit er hier mit Burkard von Frohberg verkehrte und aus dessen Wesen heraus jeden Augenblick fühlte, daß Ehre und Rechtschaffenheit dem so unveräußerlich waren, wie die eigene Haut, seitdem drängte sich ihm oft mitten in sein gedankenloses Dahin- lebcn hinein das schrecklich demütigende Bewußtsein seiner Minderwertigkeit auf, das zuweilen, wie in diesem Moment, bis zur niederschmetterndsten Reue wuchs.
Gott sei Dank, endlich waren sie alle fort. Jedes Glied der Familie fühlte sich wie erlöst, aber auch froh sich zurückziehen und zur Ruhe gehen zu können. e
„Wie ist es doch so jammerschade" sagte Baronesse Maria am anderen Tage zu Graf Joseph, „daß wir nicht hier bleiben sollen! Ich verstehe nicht, was Vetter Burkard sich dabei denkt? ftrapolno ist kein standesgemäßer Aufenthalt und wozu soll dies schöne Klaino wieder hinter herabgelassenen Rouleaux und verschlossenen Läden unbewohnt stehen? Warum sollen wir. die wir durch unsere Geburt berechtigt sind in einem solchen Schlosse zu leben, durchaus wieder in dies wüste, nüchterne Krapolno zurück?"
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 31. Juli.
Um 4^ Uhr eröffnete Bürgermeister Mecum die Sitzung. Anwesend sind außer ihm Beigeordneter Georgi, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Gutfleisch, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heiligenstädt, Huhn, Jann, Keller, Kirch, Leib, Löber, Loos, Ocbig, Petri, Pirr, Schaffstädt, Schiele, Wallenfels. Entschuldigt sind die Herren Beigeordneten Grüneberg, Gaffky, Krumm, Schmall, Fuhr, Schäfer.
Bürgermeister Mecum teilt zunächst mit, daß die Familie v. Bechthold den Stadtverordneten ihren herzlichsten Dank für die Teilnahme an dem Tod des Pro- vinzialdicektors V. Bechtold aussprechen läßt.
Das Jugendfest.
Die hiesigen Wirte haben für die Plätze im Philosophenwald 10, 15 und 20 Mark geboten, während früher bedeutend mehr gelöst wurde. Der Bürgermeister ist dec Ansicht, und diese Ansicht findet allgemeine Zustimmung, daß man diesen Ring zu bekämpfen habe, indem man entweder die Plätze neu für alle Interessenten, also nicht allein für die Gießener, ausjchrelbe oder den Preis nach den verzapften Hektoliter berechnen soll. Die Sache bleibt mit dem Einverständnis der Versammlung dem Gutdünken des Bürgermeisters überlassen. — Alsdann bringt Bürgermeister Mecum ein neues Schreiben der Lehrer der höheren Töchterschule zur Vorlesung. In diesem Schreiben kommen bie Lehrer nun endlich mit Einzelheiten. Im Jahre lb93, so schreiben sie, hätten ältere Schüler, Studenten rc. Mädchen mit Pfauenfedern, ja sogar mit den Fingern gekitzelt und ein Student habe einem Kmd die Wange gestrichen. Auch hätten die Mädchen untereinander sich balgt u. s. f. Der Bürgermeister erklärt, wenn dies auch damals vorgekommen sei, was er dahingestellt jein lasse, so sei das noch kein Grund, ein für alle Mal sich der Beteiligung am Jugendfest zu enthalten. Außerdem treffe doch dann die Schuld diejenigen Lehrer, die ihre Schülerinnen nicht genügend beaufsichtigen. Trotz des Schmollens der Herren hätten sich 275 Mädchen zur Teilnahme am Fest gemeldet. Diese Mitteilung wird mit Befriedigung auf
die
ge-
ge- nun
genommen.
Stadtv. Haubach fragt an, ob auch die anderen Mädchen, also die, die nicht die höhere Töchterschule besuchen, belästigt worden seien. Dec Bürgermeister erörtert, ihm sei nichts davon bekannt geworden. Uebec- Haupt hat keiner der .Herren bisher irgend eine Beschwerde in dieser Hinsicht vernommen.
Bauangelegenheiten.
Ernst Blödner will in dec Plockstcaße auf sein Haus ein neues Stockwerk setzen. Auf Vorschlag der Baudeputation wird indessen sein Gesuch abgelehnt, da das untere Fachweck ist. — Dec Apotheker Schwieder, dec bekanntlich eine neue Apotheke bauen will, hat sich nunmehr mit dec Stadt auseinandergesetzt. Danach wird die Ecke Schulstcaße—Marktplatz abgeschrägt, sodaß die leidige, jetzt so störende Ecke wegfällt. Die Versammlung ist mit den Abmachungen, tue in dieser Hinsicht getroffen worden sind, einverstanden. — Die Bauhütte, die seither auf dem Friedhof gestanden hat, wird auf einem zu der höheren Töchterschule gehörigen Bauplatz verlegt.
Dem Bildhauer Emil Kalbfleisch wird die Ausführung einer Marmorsäule für den Friedhof übertragen. Der Preis beträgt 1300 Mark. 2u00 Mark hat die Familie Röder der Stadt pro Jahc Übermacht. Fünfhundert Mark sind für Unterhaltung der Begcävniß- stätte ausgesetzt. Die Versammlung ist mit diesem Vorschläge einverstanden.
Die Marktlauben sind vor Jahren von dem früheren Besitzer des,, Frankfurter Hofes" auf 20 Jahren gemietet worden. Derselbe Vertrag geht auf den neuen Besitzer über.
Vom S i e ch e n h a u s.
Die Entwässerung des Pcovinzial-Siechenhauses
_ -.'Das, fragen Sie Burkard doch Ueber nicht, Cousinchent Er wird leine Grunde danir haben, aber mir ahnt, rr läßt sich ln leine Anordnungen nicht darein reden!" meinte Graf Josepb bedenklich. '
, .'M sehe nicht ein, warum wir uns seine Herrschsucht so ME. Widerrede gefallen lassen sollten?" murrte sie, weiter- schrettend unb mit gierigem Blick die herrlichen Räume des Schlosies unter Graf Joiephs Führung musternd. „Wenn er so wenig vornehmen Geschmack hat, daß er unempfindlich ist gegen oll diese Macht und Schönheit, so —. Wir anderen haben es wohl im Blut, daß wir uns nur wohl fühlen können in einer Umgebung, die mit unserem Rang und Namen harmoniert. Das freilich uicht erwarten, dergleichen ist auch
. . '^le müssen einmal einen Millioiiär heiraten, Cousine, aber mindestens einen zehnfachen!" lachte er etwas spöttisch, denn ihn ärgerte im Grunde bi eie kleine Bettlerin, die vor orei Tagen noch Gott.dankte, bgßjie in Krapolno Unterschlupf fand.
Mana verstand leine Gedanken nicht; sie war viel zu sehr mit den eigenen, beichaftigt.
Einen Millionär! Natürlich! Mer denken Sie nur nicht, klnen reich geiuorbenen Parvenu heiraten, um seines Geldes willen! Dazu bin ich mir doch selbst zu gut!" Wie das klang und wie hübsch sie war mit den blitzenden blauen
„Gut!" sagte er sie bewundernd anblickend, „also ein Magnat, der nebenher sich als Krösus ausweisen kann! Ihre Mädchen- Phantasie nimmt einen hohen Flug. Von weiteren glänzenden Eigenschaften sehen Sie doch hoffentlich nicht ab? Jung, schön, elegant, fing und so weiter 111113 er doch auch sein?"
„ „Sie verhöhnen mich, ich fühle es ganz genau!" rief sie sich erzürnend. „Nun, ich ertrage cs mit Würde — wir werden ja sehen!"
Das tiefe ärgerliche Not machte sie noch hübscher. Dennoch fiel ihm keine Sekunde ein sich in sie zu verlieben. Dafür war er zu sehr Großstadtmensch, der zunächst auf das Geld sieht. Aber sie war ihm in ihrem thörichten Verlangen nach Glanz und Reichtum und ihrem, im Gegensatz dazu, so kindlichen Unverstand neu und anziehend und sah in der neuen Trauertoilette wie eine echte Aristokratin aus, die sie von Geburt ja auch war. ~
Burkard kam ihnen mit Marias Mutter entgegen. Der altmodische Laubengang, der sich über ihnen wölbte und auS dem man für die Herrschaften heute den ersten Schnee weggefegt hatte, aab für beide Paare einer. Rahmen ab, aus bim sich die Figuren interessant abhoben. . .
(Fortsetzung folgt.)
ist a^ v . > auch
Für ich gebracht
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