Ausgabe 
21.6.1854
 
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Intelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

. A7.

Mittwoch den 21. Juni

1831.

Amtlicher Theil.

Das Großherzogliche

Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſtereien des Kreiſes. Betreffend: Die Ableiſtung des Verfaſſungseides von Seiten der

jungen Ortsbürger im 2. Quartal d. J.

Indem ich Sie davon in Kenntniß ſetze, daß Dienſtag den 4. Juli d. J., Morgens 10 Uhr, die Ableiſtung des Verfaſſungseides auf dem Rathhauſe dahier ſtattfindet, weiſe ich Sie hiermit an, unverweilt die Vorladung der jungen Ortsbürger zu bewirken und vor dem Termin die Ver zeichniſſe, mit Vorladungsbeſcheinigungen verſehen, anher einzuſenden.

Friedberg den 16. Juni 1854.

Müller.

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Betreffend: Die Viehſtandstabellen pro 1854.

An die im Monat Juli aufzuſtellenden Viehſtands tabellen werden Sie erinnert und ſehe ich deren Vorlage bis zum 25. Juli d. J. unfehlbar entgegen.

Friedberg den 16. Juni 1854.

e.

Der Juwelier von Straßburg. Eine Geſchichte.

In der ſchönen alterthümlichen Stadt Straßburg lebte vor Jahren ein gewiſſer Stephan Lenoir mit ſeiner Familie, wenn die einzige Tochter, die er beſaß, auf dieſen Collectiv-Namen Anſpruch machen konnte. Lenoir war ein Mann in mittlerem Alter und von Profeſſion ein Juwelier: er hatte dieſe Kunſt in Paris, ſeiner Vater ſtadt, erlernt, und war wegen ſeines feinen Geſchmacks, ſeiner Fertigkeit und ſeines Fleißes ſo berühmt, daß er mehr Beſchäftigung und Aufträge bekam, als er nur fer tigen konnte. Durch dieſen ſeinen Beruf kam Stephan Lenoir natürlich in häufigen Verkehr mit verſchiedenen Klaſſen der Geſellſchaft, da er für ſeine Standesgenoſſen und für Privaten arbeitete. Allein in ſeinem Familien und Privatleben war er deſto abgeſchloſſener. Er be wohnte mit ſeiner Tochter ganz allein ein kleines Häus chen, und lebte hier in vollkommener Einſamkeit und Abſperrung, mit Niemanden verkehrend, denn er hatte

nicht einmal Bekannte, geſchweige denn Freunde. Seit Stephan Lenoir mit ſeinem verwaisten Kinde auf dem Arm nach der Beerdigung ſeiner Frau von deren Grabe zurückgekehrt war, alſo ſeit fünfzehn langen Jahren, war wohl kein einziges menſchliches Weſen außer dieſen beiden beſtandigen Hausbewohnern unter dieſem Dache über- nachtet. Und was war wohl die Urſache hiervon? War es das ungeſellige Weſen von Seiten des Juweliers? Theilweiſe vielleicht; aber ſein Gebahren entſprang noch mehr daraus, daß dasjenige, was er beſaß, zur Befrie digung aller ſeiner Anſprüche und Wünſche genügte, und all ſeine Gedanken beſchäftigte. Manon, ſeine Tochter, und ſein Geſchäft waren fuͤr ihn Alles in Allem. Er hatte für gar keinen andern Gedanken Raum, wenigſtens ſeit dem Verluſt ſeiner Frau, welche ſeines Lebens Freude und Sonne geweſen war, und deren Tod einen duͤſtern Schatten über den ganzen Reſt ſeines Lebens geworfen hatte. Für Manon war er der gütigſte Vater, und leiſtete ihr in ihren Kinderjahren tauſenderlei kleine Dienſte ſund freundliche Verrichtungen, zu welchen ſich ein Mann ſelten hergibt, denn er war dem Kinde zugleich Wärterin, Ge ſpiele und Lehrer. Als ſie zur Jungfrau heranwuchs, vergalt ſie ihm dieſe Aufopferung und wachte nun ihrer ſeits über ſeine Pflege, ſowohl durch die zärtliche Sorge für ſeine Bedürfniſſe und ſeine Behaglichkeit, als durch die Sanftmuth und liebevolle Gelehrigkeit ihres Weſens. Eine ſeltene Schönheit und Anmuth, womit die Natur ſie ausgeſtattet hatte, machte ſie ihrem Vater noch theurer, denn ſie rief dieſem ſtets das Andenken an ihre Mutter in's Gedächtniß, deren treues Ebenbild ſie war.

Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr trippelte Manon in ihrem väterlichen Hauſe ab und zu, oder ſaß an dem Fenſter ihres Hinterſtübchens, das auf den Hof hinausging, und ſang munter, wie ein glücklicher, wenn auch eingeſperrter Vogel. Der Fußboden, die Tiſche, die Wände, die getäferte Decke, kurzum jedes Fleckchen und Eckchen des Hauſes, das nur zwei Stock werke und ein Giebeldach hatte, waren ausnehmend rein lich, und die wenigen Tiſchgeräthſchaften, welche an den Wänden hingen, glänzten wie ein Fluß in der Sonne. Manon ſcheuerte und reinigte oft, was niemals beſchmutzt ward, denn es half ihr die Zeit vertreiben. Einen andern Theil ihrer Zeit widmete ſie ihrem Vogel, denn ſſe fütterte einen kleinen Staar nicht nur pünktlich, ſondern ſie lehrte ihn auch Worte nachſprechen oder Liedchen pfeifen, wie ſie ſie von den Straßenmuſikanten gehört hatte, und das liebe Thierchen war ſo zahm geworden, daß es ihr auf