Ausgabe 
21.1.1854
 
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achtbriefe

Bindernagel.

Jntelligenz-Vlatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

M. 6.

Sonnabend den 21. Januar

1854.

äC6 ö Amtlicher Theil. Das Großherzoglich Heſſiſche 1* 4* 4* Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großh. Bürgermeiſter des Kreiſes. Betreffend: Die Vollziebung des Rekrutirungsgeſetzes, insbeſondere die Form der Protokolle über die Depotanſprüche.

Dadurch, daß viele von Ihnen bei Aufnahme von Depotanſpruch Protokollen im Eingange des Protokolls daſſelbe nicht vorſchriftsmäßig ausgefüllt haben, wodurch Unannehmlichkeiten entſtanden ſind, hat ſich Großh. Kreis amt Gießen veranlaßt geſehen, zur Vermeidung dergleichen Anſtände ein neues Formular zu entwerfen und ſolches dem Univerſitätsbuchdrucker Brühl J. zu Gießen in Verlag zu geben.

Dabei hat daſſelbe den Wunſch ausgeſprochen Sie anzuweiſen, der Gleichförmigkeit wegen Ihren Bedarf von dorten zu beziehen. Indem ich dieſes hiermit thue, wünſche ich, daß Sie ſich der neuen Formulare bedienen mochten.

Friedberg am 19. Januar 1854.

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Koſackelches. (Aus der Sinnſtube.) (Fortſetzung.)

Nicks Schnapps! rief der Koſack. Raſch, raſch, Quartier für tauſig Koſack!

Ach, du gerechter Gott! rief der Schöffe, tauſend Koſacken hierher! Die eſſen uns Alle im Frühſtück auf! Ihre Gäule verzehren unſer Bischen Heu und Stroh, dann kann unſer armes Vieh den Winter vom Winde leben, wenn's es fertig bringt!

Die umherſtehenden Bauern entfärbten ſich vor Schrecken und ſchlugen die Hände über dem Kopfe zu ſammen!

Der Koſack aber blieb wie der Kuckuck auf Einer Leier. Er ſtampfte mit dem Fuß und ſchlug an ſeinen Säbel, daß es greulich raſſelte, und rief: Hurtik! raſch! Quartier für tauſig Koſack mit Gaul und Offizier!

Die Beiſchöͤffen kamen gelaufen und immer mehr Bauern; aber Niemand wußte Rath. Aus den Dach luken und durch die Thürritzen lugten Weiber und Mäd chen und zitterten wie Espenlaub im Winde vor den Ko ſacken, die grundhäßlich waren, und zitronengelb im Ge

ſichte.

Ein Handelsjüdchen aus der Gegend, das dazu kam, hörte der Geſchichte ruhig zu. Die Koſacken wurden un geduldiger und wilder. Einer nahm eine Piſtole und ſchüttete Pulver auf die Pfanne.

Der Schöffe erſchöpfte ſeine Beredſamkeit, um den Koſacken zu beweiſen, daß ſo viel Raum gar nicht in dem Dorfe ſei; aber die verſtanden ihn nicht und die Sache ſtellte ſich allgemach drohender und ſchlimmer. Die Ko ſacken verſtanden keinen Spaß, das wußte man und ſie blieben auf ihrer Kuckucksleier.

Da trat das Juͤdchen vor und ſagte leiſe zum Schöffen: Nu, Gotteswunder, Herr Schöffe, in Eurer Haut möcht' ich auch nicht ſtecken! Am End' ziehen ſie ſie Euch über die Ohren und Schöffe ſeid Ihr am Längſten geweſen. Es iſt Kriegszeit, und das wilde Kriegsvolk iſt Herr. Mai, wenn ſie Euch die Haut abgezogen haben, dann kräht kein Hahn darnach. Soll ich Euch à gute Rath gebe?

Ach, wenn du den weißt, rief der Schöffe, Mau ſchelche, wann ich der's vergeſſe, ſo ſoll

Nur ſtill, flüſterte der Jude. Ihr wißt, Unſeräner kummet weit herum uf ſei'm Handel, und hört dies und das. Ich hab' gehört, daß ſe ämol zu Kochem, drunte an der Moſel, auch ſo à ganz Schwaderönche Koſacke kriege ſollte. Was haben ſe gemacht? Se haben de Quartiermächer ͥ ſchoͤn Stickelche Geld in die Hand ge drückt. Da ſind ſe fortgeritte uf än ander Dorf. Nu, was frogt Ihr dernoch, wo ſie einfalle, wann Ihr ſie vom Hals habt?

Mauſchelche, rief der Schöffe, Gott ſoll dir's ver gelten! Das iſt ein prächtiger Rath! Aber wie kommt unſer Einer ihnen bei?

Nicks mehr, wie das? lachte das willen ſchun beikumme!

Der Schöffe berieth mit den Beiſchoͤffen und Bauern und ſie fanden den Rath des ehrlichen Mauſchelchen un übertrefflich. Er ſagte zu Mauſchel Mach's fertig, Mauſchelche, du ſollſt auch noch ein Trinkgeld, ein gut Zaſſeras kriegen!

Mauſchel zog ſein Kappchen ab und trat mit aller lei Verbeugungen zu dem Koſacken und ſagte Mai, Herr Koſack, Herr Offezier, wollt' ich ſage, habe ſe än Einſehens! Das Dorf is arm und viel zu klein vor ſo viel Herren Koſacken mit ihre Gaulcher. Was liegt Ihne dran nemme Se ſo à Trinkgeldche und reite Se üf aͤn ander Dorf. Es iſt noch früh am Tag!

Dabei machte der Jude ſo mit dem Daumen und

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Juͤdchen. Ich