Ausgabe 
20.5.1854
 
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Intelligenz-Blatt

fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

. 39.

Sonnabend den 20. Mai

1854.

Marguerite Devereur. Erzählung. (Schluß.)

Es verfloſſen einige Jahre, Margueritens Leben war eine dauernde Melancholie, ſie wendete einen großen Theil ihrer Zeit dazu an, ihre Tochter zu unterrichten, die jetzt aus dem Kinde eine Jungfrau ward, und ſie daran erin nerte, was ſie war, als Denis Leverney von Paris nach dem Schloſſe zurückkehrte; einen andern Theil ihrer Zeit nahmen Andachtsübungen ein, kein Tag verging, an dem man nicht Marguerite in der Dorfkirche mit ihrem Roſen kranze in inbrünſtigem Gebete ſah.

Da kamen von Rom drei Prieſter, die von dem Collegium nach dieſer und den nächſtgelegenen Provinzen geſandt waren, um allgemeine Beichte zu halten. Die erſten beiden Tage waren ſie mit anderen Ceremonien der katholiſchen Kirche beſchäftigt, am dritten gingen die Be wohner des Dorfes bei ihnen zur Beichte, unter dieſen auch Marguerite. Was ſie in der Beichte bekannte, ſehen wir aus den traurigen Folgen der Enthüllung. Sie be kannte dem Prieſter nicht nur leichtere Vergehen in Wor ten und Gedanken, ſondern ſie erzählte ihm die traurige Geſchichte ihres Lebens: wie ſie einen Andern geliebt; wie ſie auf den Rath der Kirche genöthigt geweſen ſei, ſeine Liebe abzuweiſen; wie ſie mit einem Manne verhei rathet, dem ſie als Kind verlobt worden, den ſie aber nie geliebt habe; daß derſelbe bald geſtorben, und daß ihr ganzes Leben ein langer Kummer geweſen ſei; daß ihr einziger Wunſch jetzt ſei, von dem, den ſie einzig geliebt, zu hören und dann zu ſterben.

Sie endete ihre Beichte; anſtatt aber von dem Prie ſter, dem ſie ſo das Geheimniß ihres kummervollen Herzens geoffenbart, Worte des religibſen Troſtes zu vernehmen, traf ihr Ohr ein tiefer Seufzer, der Prieſter ſtand auf und eilte aus der Kirche. Marguerite wartete, daß er wieder komme, oder ſie dachte auch, daß einer der anderen Prieſter ſeine Stelle einnehmen werde. Endlich verließ ſie

den Beichtſtuhl und erfuhr nun, daß der Prieſter plötzlich krank geworden und vor der Kirche in Ohnmacht gefallen ſei; als er wieder zu ſich gekommen, ſei er allein in ſeine Wohnung gegangen.

Dieſer Prieſter war Denis Leverney! Er ging in ſeine Wohnung, ſetzte ſich nieder und ſchrieb einige hundert Worte kaum lesbar nieder, unter dieſen die folgenden:

Guͤtiger Gott! Mußte ich leben, um dieſe Worte aus Margueritens Munde zu hören! Sie geſtand ihre dauernde Liebe! Hätte ich mich nicht übereilt in die Klo ſtermauern eingeſchloſſen, hätte ich mich nicht dieſem Stande gewidmet, der mein wundes Herz nicht geheilt hat, ſo hätte ich jetzt glückliche Tage mit Der verleben können, die ich einſt liebte! aber, ach! es iſt mir nicht ver gönnt! O Gott! in Deiner Gnade vergib

Hier hatte er aufgehört. Ehe er ſich niedergeſetzt, um dieß zu ſchreiben, hatte er nach Margueritens Hauſe geſandt und ſagen laſſen, der Prieſter, dem ſie gebeichtet, wünſche ſie zu ſehen. Sie kam, voll Staunen und Angſt; und als ſie in das Zimmer trat da lag vor ihren Au gen in der Prieſter-Kleidung der blutende Leichnam ihres Geliebten, der ſich ſelbſt das Leben genommen hatte; neben ihm lag die Piſtole. Er hatte es nicht gewagt, ſie noch einmal zu ſehen, und in einem Moment des Wahnſinns ſich den Tod gegeben.

Marguerite ward hinweggeführt von dem gräßlichen Anblick wie eine Raſende. Mehre Wochen lag ſie dar nieder, zwiſchen Tod und Leben ſchwebend, und als ſie körperlich wieder genas, kehrte doch die Vernunft nie wie der. Ihre gute, pflichtgetreue Tochter übte nun die treueſte Sorge für die geiſtesſchwache Mutter; nur einmal kamen dieſer lichtere Augenblicke, in denen ſie der Tochter und dem Prediger des Dorfes die Geſchichte, die wir erzählt haben, mittheilen konnte. Sie pflegte am Fluſſe zu wan deln, auf eine Stelle am Ufer zu zeigen, unverſtändliche Worte zu murmeln und abwechſelnd zu lächeln und zu weinen. Die Unglückliche überlebte ihren Geliebten kein volles Jahr.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

N ν NN Immobiliar-Verſteigerung. (7310) Montag den 22. Mai d. J., Vormit⸗ tags 11 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die Immobillen des Bürgers Heinrich Bender da hier, wie ſolche im Intelligenzblatt No. 31 und

32 von dieſem Jahre ſpeciell verzeichnet ſind, nochmals öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 10. Mai 1854. In Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Friedberg. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg: Bender, Ortsgerichtsvorſteher. Bekanntmachung. (735) Montag den 22. Mai d. J., Nach-

mittags 3 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe die

ſ. g. ſtädtiſche Ruthe innerhalb der Stadtmauer an dem Garten der Frau Chriſtian Fritz Wtw. am Seeergraben ſammt der daran grenzenden Stadtmaver und Grundfläche derſelben, ſowie die ſtädtiſche Ruthe am Peter Decher'ſchen Eigen- thum am Uſathor öffentlich meiſtbietend ver ſteigert. Friedberg den 10. Mai 1854. Großherzogliche Bürgermeiſterei Friedberg Bender.

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