„Ah, Sie wiſſen nicht, Monſieur....“ verſetzte dieſe mit ſehr feierlicher Stimme und einem äußerſt neu⸗ gierigen Blicke.„Der gute Monſieur Dubracg iſt leider geſtern begraben worden!“.
„Begraben?“ wiederholte Bernard mit aufrichtigem Verdruß und Kummer. N
„Ja, mein Herr! aber vielleicht wollen Sie mit Mademoiſelle Dubracq reden, wenn Ihr Anliegen von Wichtigkeit iſt“
„Das wäre mir ſehr lieb,“ erwiderte Bernard;„und ich hoffe, wenn Mademoiſelle den Grund meines Beſuches erfährt, wird ſie mir gern meine Zudringlichkeit verzeihen!“
Die Dienerin verzog das Geſicht zu einem ſeltſamen Lächeln, deſſen Bedeutung Bernard nicht zu enträthſeln vermochte, und führte ihn nach dem Beſuchszimmer ihrer jungen Herrin.
Ormeille trat ſchüchtern ein, denn er zweifelte, ob ein ſolcher Schritt auch wirklich ſchicklich und zartfühlend ſeie, obwohl ſein Herz beinahe zerſpringen wollte vor Verlangen, ſich von der ſo eben gehörten leidigen Kunde wieder zu erholen. Ein ſchönes, ſtolz dreinblickendes Mäd— chen von neunzehn oder zwanzig Jahren erhob ſich von ihrer Arbeit und trat ihm entgegen. Ihre großen blauen Augen, welche die Spuren tiefen Kummers und noch un— getrockneter Thränen trugen, machten einen tiefen, ſelt— ſamen Eindruck auf ſein Gefühl, das ohnedieß ſchon ſo ſehr aufgeregt war.
„Ich komme in der Abſicht, Mademoiſelle,“ hub er mit ſeiner tiefen klangvollen Stimme an,„einen groß— müthigen Dienſt abzutragen, welchen Ihr ſeliger Vater mir geleiſtet hat. Vergönnen Sie mir, Ihren Kummer um den Verluſt eines Mannes zu theilen, dem ich— mein Leben nicht nur, ſondern noch mehr als mein Leben verdanke!.... Ormeille hielt inne, und mühte ſich ver— gebens, die Rührung zu beherrſchen, die ihn am Sprechen hinderte.
„Mein Vater hat Ihnen einen Dienſt geleiſtet, ſagen Sie?“ fragte das junge Mädchen begierig, und blickte mit unwillkührlicher Theilnahme in Bernard's edles An— geſicht, das zwar noch immer Spuren herben Leidens trug, aber nicht mehr verſtört und wild war, wie damals bei der Unterredung mit dem Geldverleiher.
„Einen höchſt unerwarteten und großmüthigen Liebes— dienſt,“ entgegnete Ormeille, und erzählte ſein Erlebniß mit dem alten Dubracg, wobei er übrigens den erſten Theil der oben von uns geſchilderten Scene einigermaßen milderte. Die ſchöne Waiſe hörte die Erzählung der großen Kriſis in ſeinem Geſchick mit aufmerkſamſter Theil— nahme an.„Ach, ich täuſchte mich nicht in ihm!“ rief ſie endlich;—„wußte ich es doch recht. Ich kannte ihn alſo; ich wußte, daß er nicht ſo hartherzig— ſo filzig und auf's Geld erpicht war, wie die Leute ſagten,— und wie er ſelber vorgab. Ich wußte, daß er bei all ſeinem ſcheinbaren Geiz doch ein gutes, mitfühlendes Herz hatte! O, Sie find gewiß nicht der Einzige, dem er ſo ge holfen hat!.
Ormeille zerſtörte dieſe Illuſion nicht,— nein, die Begeiſterung des reizenden jungen Weſens, mit welchem er redete, wirkte ſogar anſteckend.—„Dank der uneigen⸗ nützigen Freigebigkeit ihres Herrn Vaters befinde ich mich nun in ziemlich günſtigen Verhältniſſen,“ fuhr er fort; „ich kam nicht in der Abſicht allein, eine Schuld abzu⸗ tragen, ſondern vielmehr— glauben Sie es mir— aus keiner gewöhnlichen Dankbarkeit. Ohne Zweifel erben Sie Ihres Vaters ganzen Reichthum, und ich vermag Ihnen durch die Abtragung meiner Verbindlichkeit keinen ſonder⸗ lichen Dienſt zu leiſten. Allein dennoch wage ich Sie zu
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bitten, Sie mögen ſich erinnern, daß Sie in mir einen Freund von unbedingter Hingebung beſitzen, der jeden Augenblick erbötig, iſt, ſich für Ihre Wuͤnſche und Ihr Gluͤck aufzuopfern....“ Ormeille erſtarb das Wort auf den Lippen, denn der eigenthümliche Ausdruck, welchen Mademoiſelle Dubracq's Züge plötzlich annahmen, ſetzten ihn in Erſtaunen.
„Wie?“ rief ſie,—„Sie wiſſen alſo nicht
„Und was denn?““
f„Daß... daß ich.... ein natürliches.... natür⸗ liches Kind bin!“ ſtammelte ſie hocherröthend, wendete den Blick ab und begrub das Geſicht in die Hände.„Sie wiſſen nicht, daß ich allein und verlaſſen in der Welt ſtehe, ohne Vermögen und Verwandte,— daß mein Vater ſtarb ohne ein Teſtament hinterlaſſen zu haben,— daß der geſetzliche Erbe meines Vaters, der auf Reiſen ab⸗ weſend iſt und ohne deſſen Erlaubniß gar nichts für mich geſchehen kann, und der ein herzloſer Verſchwender ſein loll, die ganze Hinterlaſſenſchaft meines Vaters erbt,— daß mir der Hausbeſitzer nur noch eine einzige Woche Zeit gönnt, nach deren Verfluß ich das Haus verlaſſen muß,— kurzum, daß ich jetzt eine Bettlerin und zu ar⸗ beiten gezwungen bin, wenn ich nicht verhungern will!“ Das arme Kind ſchluchzte krampfhaft, während Bernard Ormeille, auf welchen dieſe Rede einwirkte, wie ein tro— piſcher Orkan auf Waldbäume, die er faſt zu entwurzeln droht, plötzlich den Stoicismus ſeiner Natur verlor und Hoffnungen und Träume in ſich auftauchen fühlte, die er lange ſchon in die tiefſten und hoffnungsloſeſten Abgründe ſeiner Seele verbannt hatte. Das fürchterliche Loos der armen Waiſe ergriff ihn ſo mächtig, daß er ihre Hand zu ergreifen und ſie mit allen ihm eben zu Gebote ſtehen⸗ den Troſtgründen zu beruhigen verſuchte. —„Zunächſt komme ich, um Ihnen das großmüthige Anlehen Ihres Vaters zurückzubezahlen, meine liebe De— moiſelle Dubracq!“ ſagte er. f
„Ich darf es nicht mit Ehren und rechtlich an⸗
nehmen,“ entgegnete ſie feſt.„Das Geld gehört dem ge— ſetzlichen Erben! N„Dieß iſt nicht der Fall,, erwiderte Ormeille ernſt— haft;„Ihr Vater gab mir die Summe als freies Ge— ſchenk, ohne Verſchreibung, ja ohne Empfangſchein von meiner Seite. Ich zahle es in Folge einer natürlichen, nicht in Folge einer geſetzlichen Verpflichtung zurück,“ ſetzte er hinzu und legte ein Röllchen Gold auf den Tiſch. —„Sodann habe ich eine Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen, eine Ehrenſchuld abzutragen. Ich verdanke Ihrem Vater mein Leben, bin alſo gewiſſermaßen ſein Adoptiv⸗ ſohn. Auf dieſe Weiſe,“ fuhr er ungeſtümer fort,„habe ich ſozuſagen ein Recht auf die Bitte an Sie, Sie mochten mich als Ihren Bruder betrachten, die Früchte meiner Arbeit theilen, Sie möchten mich in dem Gedanken glück— lich machen, ich leiſte dem Kind meines Wohlthaͤters einen Dienſt. von Ihrer Seite eine bittere Kränkung!“
„Ich kann Sie nicht verſchmaͤhen!“ rief die Tochter des Wucherers unter der plötzlichen Eingebung jenes er— habenen Vertrauens, welches nur ein edles großmüthiges Herz einfloößen kann;—„ja— ich nehme Ihre angebotene Hülfe an!“ 5
Bernard's Züge erheiterten ſich wie durch Zauber— ſchlag und er küßte unwillkürlich die zarte Hand, welche die ſeinige ſo warm gedrückt hatte. Aber wie ſtanden dieſe beiden Kinder des Grams betroffen und verwirrt, als ſie wahrnahmen, daß ſie nicht mehr allein waren, ſondern daß ein landfremder Menſch ihre Unterredung an⸗ gehört hatte,— ein Mann von nahezu fünfzig Jahren,
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Meine Dankbarkeit zu verſchmähen, wäre
die Rede.„ hann will 1
ein Unmenſch als Ehrgeiz,
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yerſtoßen, 1 oft ſogat oh Jahren war nich einſt v Hunger und mit, beugten die Schonhe das Feuer den bitterer durchſtreife ich kann ſaß ein paar E paar Schrif verwandeln Sie wohl a Blick der Li ganze Beifa Kaiſerreichs Der nachdenklich Waiſe und Ihres Vat ſollte mich O nein, da achtung, u ſpielte, ſpra feſten Entſch
Unwil zeitig je ein ſchweigend ſegnend dar Stimme ſa meine jung Moment fr Dichter! Euch, obwe es iſt eber Vermögen


