Ausgabe 
28.4.1852
 
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ig und tüchtig, wie wenige im Dorfe. In der Zeit, 9 Der Jacob ſagt da J * 355 5 ſie mitſammen dem Mädchen entgege 1

von der ich reden will, bewohnte dies Haus ein dicker

Bauer, aber, wie geſagt, ein ſtiller Mann. Er hatte zwei

Kinder, einen Sohn, der Jacob hieß, und eine Tochter, die ſie Ammichen, was eigentlich Annemariechen hieß, rie fen. Die Mutter lebte auch noch und war ein Muſter einer fleißigen Hausfrau. In dem Hauſe, ſo meinte man, gingen ſie Alle auf den Strümpfen, ſo ſtille war's. Man hörte kein Poltern, Schimpfen, Fluchen, und doch redeten die vier Leute recht viel mit einander, weil ſie ſich lieb hatten. Da klappte Alles in einander. Niemand, ſtorte den Andern, da Jeder wußte, was er zu thun hatte, und dem Andern in die Hände arbeitete. f

Es gibt halt Leute, die meinen, wenn nicht gelärmt, geſchrieen und haſſelirt würde, ſo ging's nicht und könnte nicht gehen; aber da hab' ich's recht klar erkannt, daß man mit dem ſtillen Weſen viel weiter und eher dahin kommt, wohin man will. Dem Peter Ackermann gelang Alles, und er war, obgleich er viel zu thun hatte, doch immer eher fertig, als die Schreier und Lärmmacher. Was mir aber im Hauſe am Beſten gefiel, das war die Kinderzucht. Alles geſchah aufs Wort! Niemals hörte ich ſchelten oder poltern. Der Sohn, der Jacob, war ein ſtiller, fleißiger Burſch. Er kam in kein Wirthshaus, ſpielte nicht, und Jedermann hatte ihn lieb, weil er höflich und manierlich war. Das Ammichen war ein gar lieblich Mädchen, fleißig und ſanft, kein Putzaff und keins, das oben hinaus wollte. Die war ganz dazu gemacht, einen Mann recht glücklich zu machen. Einen eigentlichen Schatz hatte ſie nicht. Sie war eben auch noch jung und kam nicht viel heraus.

Dazumal kam ein Förſter ins Dorf, der hier bei dem alten Förſter Gotthelf den Dienſt im Wald erlernen ſollte; denn er war ſchon in Sachſen in einer Lehranſtalt geweſen; ich glaube, in der Stadt Freiberg. Dort hatte aber der Wildfang wenig gelernt. Er gehörte einer reichen und vornehmen Familie an, hatte aber nirgends recht gut gethan. Wie es zuging, weiß ich nicht, aber er war bald ein Freund von Jacob. Die Zweie paßten eigentlich inwendig nicht zu einander und doch wurden ſie Freunde; ja, es ſah ſo aus, als habe das Herrchen die Hörner abgelaufen und wolle nun anfangen, jochbändig zu werden; denn er führte ſich gut auf, wie Gotthelf ſagte. Man konnte ihm im Dorfe auch gar nichts Unebenes nachſagen.

Er ging mit dem alten Gotthelf ins Laub, überwachte die,

Holzhauer, die Lohſchäler und taxirte das Holz, ſchoß auch einmal ſeinen Rehbock aufs Blatt, daß es eine Art hatte. In der Zwiſchenzeit ſaß er hinter ſeinen Büchern.

Der alte Gotthelf ſagte zum alten Ackermann, zu dem er bisweilen kam: Ich begreif's nicht, was die Leute woll ten! Der junge Woltersdorf ſoll abſolut ein Erztaugenichts ſein, und ich kann's doch gar nicht begreifen. Der iſt ſo zahm, wie ein Lämmchen, und ſo fleißig und brav, wie ich mir nur einen Menſchen wünſchen mag; verſteht auch Etwas und nimmt gerne Lehr an. Ihr könnt Euern Jacob ohne Sorge mit ihm gehen laſſen.

Seit ungefähr einem Monat war der junge Wolters⸗ dorf da und grad ſo lange war Ammichen bei ſeiner Goth, des Müllers Frau zu Abtsdorf, die gar ſehr lamentirt hatte, daß Vetter Ackermann das gute Kind einmal ſollte einige Zeit bei ihr zu Beſuch laſſen, denn ſie hatte eine Tochter gehabt, und die war ihr geſtorben. Nun war es Zeit, daß das Mädchen ſollte zurückkommen. Sie wollte nicht fahren, ſondern gehen, ſo ſehr auch die Goth, die Muͤllersfrau, abrieth. Dem Jacob hatte ſie ſagen laſſen, er ſolle am nächſten Dienſtag bis da und da hin ihr ent⸗ gegen kommen, ſie werde um vier Uhr Mittags etwa da ſein.

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Als ſie an die bezeichnete Stelle kommen, ſehen ſie

Niemand, aber des Jägers Hund gibt Laut. Sie treten

endlich um einen Haufen Büſche, in deren Mitte eine

uralte Eiche ſteht, und ſiehe da, am Fuße derſelben ſitzt

Ammichen. eingeſchlafen. 5

Der Jacob ſah ſie zuerſt und winkte dem Jäger. St. rief er leiſe, mache mir ſie nicht wach! Der tritt denn raſch, aber ganz leiſe herzu und ſieht das Mädchen. 3 9 4

Man mochte aber auch ſelten etwas Lieblicheres und Schöneres ſehen, als das holdſelige Mädchen, wie es ſo am Stamme des Baumes ſaß und dawider lehnte. Das ſchöne Köpfchen, das ausſah, wie der Kopf eines ſchuld loſen Engels, wurde von dem rechten Arme geſtützt, deſſen Ellenbogen auf der geflochtenen Strohtaſche ruhte. Die Linke lag auf ihrem Schooße und hielt ein Sträußlein ſchöner Wieſenblumen. Sie lag halb, halb ſaß ſie im ſchwellenden Mooſe, das den alten Eichbaum umgab.

Die beiden jungen Leute ſtanden eine Weile da und ſchauten das ſchöne Bild an, denn ſo kam's ihnen vor und der eigene Bruder mußte ſagen, daß Ammichen ganz geeignet war, es einem jungen Burſchen anzuthun, und, was er dachte, das war ſchon bei Einem geſchehen, der ganz nahe bei ihm ſtand. Der junge Jägersmann war, wie man zu ſagen pflegt, ganz aus dem Häuschen, rein weg. Das Herz in der Bruſt ſchlug ihm Generalmarſch, und doch wünſchte er, das Mädchen müſſe noch acht Tage ſo fortſchlafen und er ſo daſtehen und ſie betrachten, und er hätte es gethan, und wenn die Frevler den ganzen Forſt umgehauen hätten.

Sie würden ohne Zweifel auch noch lange ſo dage⸗ ſtanden haben, wäre es dem Hunde nicht langweilig ge⸗ worden. Der wollte jagen und gab an der Koppel Laut.

Sie mußte müde geweſen ſein, denn ſie war

Das Mädchen erwachte, ſprang voll Schrecken auf und

ſtand nun, hocherröthend, por ihnen.

Den Schrecken Ammichens könnt Ihr Euch vorſtellen, als es den hübſchen, aber wildfremden Förſter erblickte. Sie konnte ſich gar nicht faſſen. Erſt, als ſie ihren lieben Bruder ſah, legte ſich ihre Angſt. Sie reichte ihm ihre Hand und ſagte: Warum haſt du mich ſo erſchreckt?

Der Woltersdorf merkte wohl, daß das auf ihn zielte, und ſo ein Stadtfinke weiß Triller zu ſchlagen. Er nahm das Wort, planderte ſo zuckerſüß, ſagte dem lieben Mäd⸗ chen ſo viel Schönes, daß der der Kopf ganz toll wurde; aber bös konnte ſie nicht werden, dafür plauderte er zu lieb und auch zu geſcheidt, denn man meinte, man höre aus einem Buche vorleſen. Er geſtel ihr über die Maßen gut, und, da er oft ins Haus kam, Abends das Horn ſo wunderſchön blies, alle Tage beſſer, Sie lag

oft bis ſpät in die Nacht im Fenſter und hörte den herr⸗

lichen Weiſen zu, die er blies, wenn die Stille der Nacht die Töne herübertrug vom Forſthauſe. Wie er erfuhr, daß

ſie Abends im Fenſter liege und ihm zuhorche, weiß ich

nicht; genug er erfuhr's und die Folge war, daß er her⸗ beiſchlich und ein Stündchen und noch eins mit ihr ver⸗ plauderte, und das gefiel Ammichen noch beſſer, als das Hornblaſen. Kurzum, ſie war in ihn verſchamerirt und er in ſie! N

(Fortſetzung folgt.)

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