Ausgabe 
26.5.1852
 
Einzelbild herunterladen

8

168

Ich blickte auf die Uhr: es waren noch fünfund⸗ zwanzig Minuten bis 8 Uhr.Ich habe nur nech einige Minuten übrig, ſagte ich zu der noch immer heſtig wei⸗ nenden Frau.Was übrigens den Brief anlagt, ſo würden Sie ihn beſſer dem Advokaten einhändigen, wel⸗ cher die Vertheidigung Ihres Gatten übernehmen ſoll!

Ach, Sir! ſchluchzte die Frau und ſchlug ihr ſcheues Auge zu mir auf,ach, Sie glauben uns nicht, ſonſt würden Sie nicht ſo begierig und erpicht ſein, meinen ar⸗ men Mann zu verfolgen! f 5 a

Vergebung, Madame! verſetzte ich;ich habe kein Recht, an der Wahrheit deſſen zu zweifeln, was Sie mir erzählt haben; allein meine Pflicht iſt eine ſehr einfache, und ich muß ihr nachkommen!

So ſagen Sie mir wenigſtens offen und ehrlich, rief die halb wahnwitzige Frau mit einem neuen ſtürmi⸗ ſchen Ausbruch des Schmerzes,ob Ihrer Anſicht und Erfahrung nach dieſes Beweismittel meinen unglücklichen tiefgekränkten Gatten retten wird? Ich fürchte, mein Va⸗ ter täuſcht mich und ſich mit vergeblichen Hoffnungen!

Ich nahm mich wohl in Acht, eine ſehr günſtige Meinung von der Wirkung einer abgegebenen Erklärung kundzugeben, welche, wie mir ein kurzes Nachdenken ge⸗ lehrt, ſo vielem Verdachte ausgeſetzt war. Die Frau wußte ſich raſch die Bedeutung meines Schweigens auszu⸗ legen, und brach von Neuem in eine Fluth hyſteriſcher Wehklagen aus. Nur mit der größten Schwierigkeit erhielt ich ſie bei Beſinnung, indem ich ſie aus der auf dem Ti⸗ ſche ſtehenden Waſſercaraffe reichlich begoß. Dieß dauerte eine geraume Zeit. Endlich erinnerte mich meine Uhr, daß ich ſchon volle zehn Minuten über die anberaumte Zeit verloren hatte, und erhob mich raſch, und ſagte ihr: ich müſſe nun den Kellner rufen und ſie verlaſſen. 5

Gehen Sie, gehen Sie! ſagte ſie, ſich raſch wie der erholend;folgen Sie Ihrem Berufe, wenn es nicht anders ſein kann. Ich.... ich werde Ihnen folgen!

Ich verließ nun ſogleich das Haus und eilte nach dem Hafendamme; dort angekommen, gab ich mir alle Mühe, ſeewärts ein Schiff zu entdecken. Nur ein großes Barkſchiff, das mit dem geſuchten ziemlich viel Aehnlich keit hatte, ging zu meinem Aerger ſo eben innerhalb des Wogenbrechers(Seedammes) vor Anker, mit eingerefften Segeln und allen möglichen Vorbereitungen, um die Nacht behaglich im Hafen zu verbringen. Ich eilte nach der Landungstreppe, neben welcher einige Matroſen ſtanden, und fragte, auf das Schiff deutend, das meine Aufmerk⸗ ſamkeit ſo ſehr angezogen hatte:Was iſt das für ein Schiff?

Die Columbia, verſetzte einer der Matroſen.

Die Columbia? Wann lief ſie denn ein?

Noch nicht lange! Schlag ein Viertel über acht Uhr kam der Kapitän mit etlichen Paſſagieren an's Ufer.

Ein Viertel über acht? rief ich;bah, es iſt ja noch beinahe eine halbe Stunde bis zu dieſer Zeit!

Meint Ihr? war die Antwort.Ehe Ihr zehn Minuten älter ſeyd, wird's halb zehn ſchlagen!

Auf dieſe Worte des Mannes folgte ein luſtiges ſpöttiſches Kichern hart hinter mir: ich drehte mich raſch um, und verſpürte zum erſten und letzten Male in meinem Leben eine faſt unwiderſtehliche Verſuchung, ein Weib zu ſchlagen. Da ſtand die ſanfte, taubenäugige, gramge beugte Gattin des Verfolgten, welche ich erſt einige Mi⸗ nuten früher im herbſten Schmerze verlaſſen hatte, blickte mir mit eherner Unverſchämtheit in's Geſicht und fragte mich mit einem zweiten Hohnlachen:Geht Ihre Uhr vielleicht noch nach Londoner Zeit, Mr. Waters 2 oder verſchlafen etwa die Uhren ihre Zeit auch um eine Stunde,

wie ihre Herren? damit hüpfte ſie lachend davon, und war mir bald aus den Augen verſchwunden. ö

Sind Sie ein Mr. Waters? fragte mich ein Zoll⸗ beamter, der auf dem Hafendamme auf- und abging.

Allerdings was ſteht zu Befehl?

Ich ſoll Ihnen nur melden, was mir ein Mr. Joel Maſters an Sie zu beſtellen auftrug, daß er nämlich ſehr bedaure, nicht wiederkommen und den Abend mit Ihnen verbringen zu können, da er und ſein Sohn leider Ply mouth ſo ſchnell wie möglich verlaſſen müßten!

Ich hätte gute Luſt gehabt, den Sprecher über das Quai hinunterzuwerfen in's dunkle Meer. Nur mit großer Selbſtüberwindung verſagte ich mir dieſe Genugthuung und eilte in ſieberiſcher Wuth hinweg. Trotz meiner eige nen angeſtrengteſten Bemühungen und dem größten Eifer Anderer in den nächſten Wochen war weder von Joel Maſters noch von ſeinem Sohne auch nur die mindeſte Spur aufzutreiben, und Beide entkamen glücklich nach Amerika. Etliche Jahre ſpäter erfuhr ich auf eine uner wartete Weiſe, daß der Alte ſeinen verdienten Lohn ernd tete in dem großen Zuchthauſe zu Sing⸗Sing; der Sohn dagegen hatte, gewonnen durch die Vorſtellungen und Bitten ſeiner Frau, welche ihm nach den Vereinigten Staa⸗ ten gefolgt war, ſich gebeſſert, und führte ein ehrbares glückliches Leben in Cincinati.

Kirchenbuchs-Auszug vom Monat April. Friedberg. Getraute: 12. Johann Friedrich Hanſtein, neuangehender Bürger und

Glaſermeiſter dahier, des hieſigen Bürgers und Metz⸗ 19

germeiſters Heinrich Hanſtein ehelicher lediger Sohn, und Margaretha Eißner, des Ortsbürgers und Oeko⸗ nomen zu Dorheim Heinrich Eißner II. eheliche ledige Tochter. 8 Gent if e 11. Dem hieſigen Bürger und Spenglermeiſter Heinrich Heidt eine Tochter, Margaretha Louiſe, geb. den 9. März.

11. Dem hieſigen Bürger und Weißbindermeiſter Johannes Zimmermann eine Tochter, Anna Regina, geb. den 6. März. 8

11. Dem hieſigen Bürger, Metzgermeiſter und Wirth Jakob Nikolaus Muller eine Tochter, Maria Magdalene, geb. den 8. März.

12. Dem hieſigen Bürger und Schuhmachermeiſter Hart⸗ mann Ehrhardt eine Tochter, Louiſe, geb. den 23. März.,

12. Dem hieſigen Bürger und Poſamentir Joſeph Hoff⸗ mann ein Sohn, Franz Kaverius, geb. den 30. März.

13. Dem Bürger zu Rödelheim und Wagenmeiſter an der Main-Weſer⸗Eiſenbahn dahier Johann Peter Jakob Stephany eine Tochter, Eliſabetha, geb. den 1. April.

18. Dem hieſigen Bürger und Bierbrauer Jakob Burk eine Tochter, Johanna Georgine Margarethe Lina Katha rine Maria Thereſia, geb. den 8. April.

18. Dem hieſigen Bürger und Zimmermeiſter Johannes Füller ein Sohn, Johannes, geb. den 24. März.

22. Dem Gr. Oberlieutenant im zweiten Bataillon des vierten Gr. Jufanterie-Regiments Franz Ludwig Kuͤlp eine Tochter, Eliſe Maria Margarethe Louiſe, geb. den 25. März.

23. Eine uneheliche Tochter, Maria Magdalene, geb. den 11. April. 4 N

25. Dem hieſigen Buͤrger und Sattlermeiſter Heinrich Hie⸗ rouymus eine Tochter, Eliſabetha, geb. den 9. April.

25. Dem Gr. Unteradjutanten im zweiten Bataillon des

Bekanntun

Arbe

(4980 San um 10 Uhr, talllonsverwalt von mehreull, beiden Casa an bel W

miſſonen nach! ſogleich vorgelon priedberg

Ra Brod⸗ . En um 10 Uhr, wi a) di b) d ür die Garne J. in dem raths auf dem geben. Dieß d gen zur Nachric don heute an gischen werden Soumiſſon nag mius sogleich ve

Friedberg

Ra

Edi (820 Der 1821 bafordet ledig, in Ohe zum lebenslan ſter Judith, J gangen. Die verftorben um den Nachlaß binnen 4 We begründen, w einzig bekannt Hebt und die ſcligt werden. Butzbach d

Au (J) De haben wachſeh Ang 54 NW. 657 1 00

zu Ha cart 5 uli dar